Kalifornien: steigende Infektions- und Todeszahlen trotz langem Corona-Lockdown

Donald Trumps zögerliche und sich selbst widersprechende Haltung wird verantwortlich gemacht für das Corona-Desaster in den USA. Doch da die Gouverneure sehr selbstständig entscheiden, sind vor allem ihnen die existierenden Probleme anzulasten. Und da sind es vor allem, die die den Demokraten zuzurechnen sind, bei denen alles schief geht. New York hat mit enorme Todesfallzahlen weil Infizierte ältere Menschen in ihre Heime geschickt wurden. Und Kalifornien zeigt gerade, dass ein noch so strikter Lockdown das Virus nicht behindert.

Der jüngster Anstieg der COVID-19-Fälle und Todesfälle in Kalifornien hat Fragen aufgeworfen, ob die strengen Maßnahmen des Staates zur Eindämmung von Pandemien – einschließlich eines langfristigen Lockdowns, der Schließung zahlreicher Unternehmen und der landesweiten Maskenpflicht – einen Einfluss auf die Bekämpfung der Virusausbreitung hatten.

Kalifornien mit frühen und strengen Maßnahmen

Gouverneur Gavin Newsom war der erste Gouverneur in den USA, der eine landesweite stay-at-home Anordnung erlassen hat, in der alle Einwohner am 19. März angewiesen wurden, ihre Häuser auf unbestimmte Zeit nicht zu verlassen. Einige Tage zuvor hatte er angeordnet, dass alle Bars und Nachtclubs im Bundesstaat geschlossen werden sollten, und die Belegungsbeschränkung für Innenräume um die Hälfte verschärft.

Zu diesem Zeitpunkt hatten bereits viele Schulen im ganzen Bundesstaat geschlossen, und Anfang April gab Newsom bekannt, dass sie für den Rest des Schuljahres (!) geschlossen bleiben würden.

Mitte Juni befahl Newsom allen Staatsbürgern, in der Öffentlichkeit Masken zu tragen.

Je strenger desto erfolgloser

Trotz dieser Maßnahmen haben die täglichen Neuerkrankungen und Todesfälle im Bundesstaat weiter zugenommen, sind im April und Mai langsam gewachsen, bevor sie Mitte Juni in die Höhe schnellten. Das ist oben in der Grafik schön zu sehen.

Der beschleunigte Anstieg der Fälle straft die Behauptungen der Newsom-Regierung Lügen, dass ihre Eindämmungsbemühungen entscheidend dafür waren, die Ausbreitung des Coronavirus in Kalifornien zu stoppen. Sechs Wochen nach seiner Verhängung scheint auch die Maskenpflicht von Newsom wenig Einfluss auf die Übertragung des Virus in seinem Bundesstaat gehabt zu haben.

Der Versuch die „Kurve flach zu halten“

Die Bemühungen von Newsom waren Teil eines verbreiteten Versuches der US-Gouverneure im März und Anfang April, „die Kurve zu flach zu halten“ und weite Teile der Gesellschaft in Quarantäne zu schicken um zu verhindern, dass die Gesundheitssysteme unter dem Zustrom von Patienten zusammenbrechen.

Die meisten US-Gesundheitsexperten sagten zu dieser Zeit, dass solche Richtlinien einer unregulierten „Herdenimmunität“ vorzuziehen seien, bei der sich das Virus unvermindert durch die Gesellschaft hindurcharbeiten darf, bis eine ausreichende Anzahl von Personen Immunität erreicht hat. Einige medizinische Behörden argumentierten, dass das Virus Millionen von Menschenleben fordern könnte, bevor ein ausreichendes Maß an Immunität erreicht würde. Diese Prognosen beruhten auf falschen Modellen und der irrigen Annahme, dass es keine Immunität für ein angeblich unbekanntes Virus gebe.

Seit März haben viele Behörden ihre Eindämmungsstrategien geändert und effektiv eine unbefristete Kampagne gegen COVID-19 ausgerufen, die je nach Einschätzung des Gouverneurs über die Ausbrüche seines Staates jederzeit weitverbreitete Schließungen, Locckdowns und stay-at-home-Anordnungen beinhalten könnten. Newsom selbst erklärte in einer Pressekonferenz im Mai, dass der Staat „nicht wieder normal wird“ und dass er in eine „neue Normalität mit Anpassungen und Modifikationen eingetreten ist, bis wir Immunität und einen Impfstoff erhalten“.

Kritik am Lockdown

Professor Martin Kulldorff, ein Public Health Wissenschaftler an der Harvard Medical School, ist der Ansicht, dass längere Lockdowns bis zur Entwicklung eines Impfstoffs nicht ratsam sind. Ende April brach Kulldorff mit einer Kolumne in Newsweek mit der akademischen Orthodoxie und argumentierte, dass die Regierungen einen Mittelweg in Betracht ziehen sollten: Jüngeren Bevölkerungsgruppen  ermöglichen relativ normale Aktivitäten wieder aufzunehmen, während ältere und schutzbedürftige Bevölkerungsgruppen angewiesen sind, sich zu isolieren – alles in allem um die Herdenimmunität zu erreichen und die Hauptbedrohung des Virus zu neutralisieren. Also einen ähnlichen Weg wie Schweden zu gehen.

„Die Herdenimmunität ist keine Strategie, sondern ein wissenschaftlich fundiertes Phänomen“, so Kulldorff, „und mit einer Pandemie werden wir früher oder später dorthin gelangen, entweder mit Hilfe eines Impfstoffs oder durch natürliche Infektionen.“ Ein Impfstoff, so Kulldorff, sei „der beste Weg, um eine Herdenimmunität zu erzeugen“. Er wies jedoch darauf hin, dass „die Entwicklung eines wirksamen und sicheren Impfstoffs noch sechs Monate bis Ende nie dauern kann“.

Kulldorff sagte, dass eine natürliche Herdenimmunität, die „von Personen mit geringem Risiko erzeugt wird“, dazu beitragen könnte, Gesellschaften in Richtung dieses Ziels zu bewegen, während möglicherweise ein Impfstoff entwickelt wird.

Einige Lockerungen

Der Gouverneur hat Mitte Mai die strengen Anforderungen des Staates an die Maßnahmen von Countys gelockert, um ein breiteres Spektrum von Kriterien zu ermöglichen, anhand derer die lokalen Behörden zur Wiedereröffnung übergehen könnten . Die lockeren Richtlinien beseitigten beispielsweise die Anforderung, dass ein County über einen Zeitraum von zwei Wochen keine COVID-19-Todesfälle verzeichnen muss, was viele lokale Führer als unvernünftig bezeichneten.

Es ist nicht ersichtlich, dass diese Entscheidung einen wesentlichen Einfluss auf die Übertragungsraten in Kalifornien hatte: Neue Fälle nahmen erst einen Monat nach der Entscheidung von Newsom merklich schneller zu. Die durchschnittlichen täglichen Todesfälle gingen in dieser Zeit zurück, bevor sie im wieder Juli zunahmen.

Zunahme von Infektionen und Todesfallzahlen

Die durchschnittlichen Todesfälle und die Gesamtzahl der Krankenhausaufenthalte haben in den letzten sechs Wochen erheblich zugenommen, obwohl Newsom Mitte Juni den Bürgern vorschrieb, in der Öffentlichkeit Masken zu tragen.

Die unerwartete Zunahme der Fälle frustrierte Newsom so sehr, dass er Anfang Juli anordnete, Restaurants und Indoor-Geschäfte in fast 20 Countys zu schließen. Eine Woche später, als die Fälle weiter zunahmen, ordnete er eine landesweite Schließung von Restaurants, Kinos, Weingütern, Museen und anderen Unterhaltungsstätten an.

Seit der zweiten Verschärfung der Maßnahmen scheinen sich die täglichen Neuerkrankungen im Bundesstaat sowie die Krankenhausaufenthalte abgeflacht zu haben, was ähnliche Trends in Bundesstaaten wie Arizona und Texas widerspiegelt. Ob sich die Politik von Newsom endlich auf die Pandemie ausgewirkt hat oder nicht, bleibt abzuwarten.

Strikte Maßnahmen bleiben wirkungslos zeigt ein Vergleich mit Schweden

Das Beispiel Kalifornien zeigt wieder, dass strikte Maßnahmen nicht zum Erfolg führen. Es gibt eine „Government Response Stringency Index“ von einigen Universitäten. Trägt man dagegen die gewichteten Todesfallzahlen auf, so sieht man, dass weniger strikte Maßnahmen auch zu weniger Schäden führen.

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In Schweden, wo ja bekanntlich Schulen, Restaurants und Betriebe weiter offen blieben und auch keine Masken empfohlen werden, scheint so etwas wie Herdenimmunität erreicht zu sein. Wie übrigens auch in anderen Bundesstaaten der USA, deren Lockdown erst deutlich nach dem Höhepunkt der Infektionswelle kam wie etwa in New York.

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