Schwemmt Demokratie die Schlimmsten der Übelsten nach oben?

11. März 2026von 5,6 Minuten Lesezeit

Wenn man erkennt, dass die allermeisten Kriege seit dem 2. WK und dutzende von Millionen Opfern in Kriegen und durch Sanktionen durch „Demokratien“ verursacht wurden, und wenn man das Vorgehen der so genannten „liberalen Demokratien“ des Westens auch heute sieht, fragt man sich, ob der griechische Philosoph Platon recht hatte, als er schrieb, dass Demokratie die Schlimmsten der Übelsten nach oben schwemmt.

Platon äußert sich in seinem Werk Der Staat (griechisch: Politeia), insbesondere im achten Buch, kritisch zur Demokratie. Er beschreibt sie als eine Staatsform, die aus der Oligarchie entsteht und durch übermäßige Freiheit und Gleichheit zu Chaos führt, wodurch letztlich die schlechtesten Elemente – wie Demagogen und Profiteure – an die Macht gelangen. Diese Idee, dass die Demokratie „die schlimmsten der Schlimmen nach oben schwemmt“, ist eine gängige Umschreibung seiner Kritik, die er mit dem Bild der „Drohnen“ (faule, parasitäre Figuren) veranschaulicht.

Nun wird man einwenden: „Moment, es gibt ja gar keine Oligarchien. Für die USA wurde wissenschaftlich klargestellt, dass es eine Oligarchie ist„. Aber das soll hier keine Rolle spielen, weil zumindest der Eindruck der Demokratie erweckt wird, mit dem Ziel, den Massen vorzugaukeln, dass sie selbst über ihr Schicksal entscheiden.

Laut Platon entsteht die Demokratie, wenn die Armen in der Oligarchie revoltieren und die Reichen stürzen. Doch diese Freiheit führt zu Zügellosigkeit: Jeder tut, was er will, ohne Rücksicht auf Kompetenz oder Moral. Die „Drohnen“ – also kecke, ehrgeizige Redner und Demagogen – übernehmen die Führung, da sie das Volk täuschen und manipulieren. Platon schreibt sinngemäß: „Die Kecksten wirken dort in Rede und Tat, der Rest sitzt um die Rednertribüne und lässt infolge seines Gebrumms keine andere Meinung aufkommen; daher liegt die Leitung eines demokratischen Staates fast ausnahmslos in den Händen solcher Menschen.“

Diese „schlimmsten“ Persönlichkeiten saugen den Staat aus wie Drohnen einen Bienenstock, verteilen nur wenig an das arme Volk und hetzen es gegen die Wohlhabenden auf, was zu Anklagen, Prozessen und schließlich zur Tyrannis führt – der schlimmsten Staatsform. Platon argumentiert, dass in der Demokratie mangels richtiger Erziehung und Auswahlkriterien die falschen Leute regieren, getrieben von persönlichem Ehrgeiz statt Weisheit. Er warnt, dass diese Form „an dem unersättlichen Streben nach ihrem höchsten Gut, der Freiheit, letztlich zugrunde gehen“ und in Tyrannei münden werde. Stattdessen plädiert er für eine Aristokratie der Philosophen, wo nur die Besten (nach Bildung und Vernunft) herrschen. Diese Kritik basiert auf Platons Beobachtungen der attischen Demokratie in Athen, die er als verkommen ansah, und dient als Warnung vor dem Verfall von Staaten.

Liberale Demokratien vs China

Im Globalen Süden wird die Hypothese lebhaft diskutiert, dass China durch die strikten Auswahlkriterien der Führung des Landes die Warnungen und Kritik von Platon berücksichtigten, ohne aber direkt eine Aristokratie eingeführt zu haben, wenn auch Tendenzen dazu bestehen, weil die politische Führung Privilegien nutzt. Diese Hypothese erscheint durchaus plausibel und wird in der politischen Theorie intensiv diskutiert, insbesondere im Kontext der „politischen Meritokratie“ Chinas, die als Alternative zur westlichen Demokratie gesehen wird. Platon warnte in Der Staat vor den Gefahren der Demokratie: Sie fördere übermäßige Freiheit, die zu Anarchie führe, und lasse Demagogen – die „Schlimmsten der Schlimmen“ – an die Macht kommen, da das Volk leicht manipulierbar sei und Kompetenz vernachlässige. Stattdessen plädierte er für eine Aristokratie der Philosophen, wo die Weisesten und Tugendhaftesten durch Bildung und Vernunft ausgewählt werden, um den Staat zu leiten.

Chinas politisches System unter der Kommunistischen Partei (KPCh) kann als eine moderne Umsetzung solcher Warnungen interpretiert werden, ohne jedoch eine reine platonische Aristokratie zu sein. Es basiert auf einem meritokratischen Auswahlverfahren, das Leistung, Prüfungen und praktische Erfahrung priorisiert, um die von Platon kritisierten Schwächen der Demokratie zu umgehen – wie die Herrschaft der Unfähigen oder die Tyrannei der Mehrheit. Führungskader steigen durch ein hierarchisches System auf: Beginnend mit lokalen Posten, wo sie durch Leistungsbeurteilungen, Parteischulungen und manchmal Prüfungen (ähnlich dem imperialen Beamtenexamen) bewertet werden. An der Spitze, wie beim Generalsekretär oder Politbüro, erfolgt die Auswahl durch interne Deliberationen der Partei-Elite, nicht durch Wahlen. Dies soll sicherstellen, dass nur erfahrene, kompetente Personen regieren, die langfristig denken und nicht auf kurzfristige Popularität angewiesen sind.

Befürworter wie Daniel A. Bell argumentieren, dass dieses Modell die „Tyrannei der Mehrheit“ (Platon) vermeidet, indem es Merit über Stimmen stellt, und es mit demokratischen Elementen an der Basis kombiniert, wie lokalen Wahlen oder Experimenten in mittleren Ebenen.

Allerdings ist es keine direkte Umsetzung von Platons Ideal: Platon wollte unabhängige Philosophen, die durch Weisheit und Ethik regieren, während Chinas Meritokratie stark parteigebunden ist – Loyalität zur KPCh und ideologische Konformität sind entscheidend, was Kritiker als verdeckte Autokratie sehen. Korruption und Nepotismus existieren trotz des Systems, und es fehlt an Transparenz oder echter Rechenschaftspflicht gegenüber dem Volk, was Platon möglicherweise als Verfall kritisieren würde. Was aber vorwiegend von westlichen Kritikern so gesehen wird. In China selbst weist man auf die rigide Verfolgung von Nepotismus und Korruption hin, die auch vor höchsten Parteikadern nicht zurückschreckt.

Chinas System hat große Erfolge gezeigt, z. B. in der Armutsbekämpfung und wirtschaftlichem Wachstum, was als Beweis für stabile, kompetente Führung gilt – im Gegensatz zu populistischen Tendenzen in Demokratien. Und China hat, anders als die westlichen „Demokratien“, vermieden, durch Kriege geopolitische Ziele durchzusetzen.

China scheint Platons Kritik an der Demokratie zu berücksichtigen, indem es ein selektives System schafft, das die „Besten“ (nach parteispezifischen Kriterien) fördert, ohne zu einer vollständigen Philosophenkönigsherrschaft zu werden. Es ist eine hybride Form, die Meritokratie mit autoritären Elementen verbindet, und bleibt umstritten – je nach Perspektive als überlegen oder als Bedrohung für Freiheit. Ob das System in westlichen Gesellschaften kopiert werden kann ist fraglich. Die mehrtausendjährige Kultur Chinas hatte schon immer einen anderen Weg gefunden. Während Generationen im Westen auf Individualismus, Wokismus, Glauben an die Demokratie als quasi-Religion, indoktriniert wurden.

Natürlich kann man Platons Thesen nach tausenden von Jahren nicht mehr als mit Menschenwürden vereinbar umsetzen. Auch die Herrschaft eines kommunistischen Einparteiensystems kann nicht die Lösung sein, mit der außer einem erfolgreichen Staat auch die Selbstbestimmung eines modernen Menschen erreicht werden kann. Andererseits hat die „Demokratie“ wie man sie heute praktiziert, bewiesen, dass sie ebensowenig beides entscheidend erreicht. Die Aufgabe wäre, einen richtigen neuen Zwischenweg zu finden.

Bild: Screenshot aus einem Video über Platons Staatsprinzipien


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21 Kommentare

  1. Jakob 12. März 2026 um 13:35 Uhr - Antworten

    Jedes System ist nur so gut wie seine inneren Werte.

    Man kann sauberes, gesundes, erfrischendes Quellwasser aus jedem Gefäß trinken solange dieses sauber ist; und dieses Quellwasser wird seine positiven Wirkungen entfalten.
    Umgekehrt kann mit dem teuersten und edelsten Gefäß eine gesundheitsschädliche Brühe dargeboten werden.
    Das Gefäß ist lediglich der Träger für den Inhalt.

    Auf den Inhalt kommt es an. Der Inhalt ist das Entscheidende.
    Der Inhalt ist der Sinn, ist der Zweck.
    Die äußere Form ist notwendig um den Inhalt transportieren zu können, auch im übertragenen Sinn.

    Jede Ideologie, jedes politische Konzept, jede Wirtschafts- und Gesellschaftsform ist nur so gut wie die Menschen die dieses System bilden.

    Es gibt keine Demokratie, keinen Kapitalismus, keinen Faschismus usw. ohne die Menschen die sie/ihn umsetzen.

    Eine absolutistische Monarchie kann toll für das Volk sein, wenn der Herrscher eine weise Person ist (Manderl und Weiberl), und ist eine brutale Katastrophe wenn das Gegenteil der Fall ist.
    Aber auch der weiseste Herrscher wird scheitern wenn das Volk die ihm gebotenen Vorteile nicht zu schätzen weiß.

    Umgekehrt scheitert auch jedes System welches auf Mehrheitsentscheidungen aufgebaut ist bei einem gleichen unreifen Volk.

    Solange die Mehrheit der Menschen nicht bis tief ins Innere begreift, dass nur ein respektvolles Miteinander funktioniert, solange wird jedes System scheitern. Manches früher, manches später. Aber scheitern wird jedes.

    Sobald Mensch dieses respektvolle Miteinander verinnerlicht hat, kann die äußere Form (die Staatsform, das Wirtschaftssystem, …) auf ein Minimum reduziert werden und wird trotzdem bestens funktionieren.

    • Hello 12. März 2026 um 17:40 Uhr - Antworten

      „Solange die Mehrheit der Menschen nicht bis tief ins Innere begreift, dass nur ein respektvolles Miteinander funktioniert, solange wird jedes System scheitern. Manches früher, manches später. Aber scheitern wird jedes.

      Sobald Mensch dieses respektvolle Miteinander verinnerlicht hat, kann die äußere Form (die Staatsform, das Wirtschaftssystem, …) auf ein Minimum reduziert werden und wird trotzdem bestens funktionieren.“

      Da habe ich gerade David K. ausführlich geantwortet – und dann finde ich die Quintessenz des Ganzen in Ihren paar Sätzen wieder.

      Danke

  2. little Louis 12. März 2026 um 11:43 Uhr - Antworten

    Der größte und offensichtlich in demagogischer Absicht geäußerte Fehler der These Platons ist, dass er ohne jegliche (empirische) Begründung die (angebliche) „Weisheit“ der Eliten mit absoluter moralischer Integrität ohne irgendwelche (egoistische) Eigeninteressen gleichsetzt.

    Faktisch ist es eine Rechtfertigungsideologie , die die ausbeuterischen Eliten in den Jahrtausenden seit Platon bis zum heutigen Tag als eine Art von Glaubensdogma verbreiten.

    Der zweite genauso offensichtliche Fehler ist die empirisch widerlegte These, dass vom Volk ausgehende Herrschaft nahezu immer scheitern müsse, da vom Volk gewählte Herrscher nie wieder abgewählt werden könnten. Und zwar weil diese sich (angeblich) in einem (durch was auch immer festgelegten Automatismus ) nahezu immer zu Tyrannen entwickeln würden , die einzig und allein auf ihren eigenen Machterhalt aus seien. Und dass der Rest des Volkes, da es keine intellektuelle „Weisheit“ besitzt, immer zu dämlich sei zu erkennen, dass es von „seinen“ Politikern hinters Licht geführt wird. Das kann zwar vorkommen, ist aber keinesfalls ein unabänderliches soziologisches oder sozialpsychologisches „Naturgesetz“

    Es wird (von politischen Platonisten) ohne jegliche empirische Begründungsbasis von vornherein ausgeschlossen, dass es in Demokratien Sicherungsmechanismen geben kann, die den Missbrauch von „Volksherrschaft“ durch vom Volk gewählte Vertreter verhindern können oder vielleicht sogar unmöglich machen.

    Diese politische Platonismus (Elitenherschaft der „Weisen“) ist also nichts weiter als eine ziemlich billige Rechtfertigungsideologie zur Verherrlichung der Diiktatur der Klugen und Reichen über den Rest der Menschheit. Der Trick ist, unbelegt die Behauptung aufzustellen , dass es den „Weisen“ unmöglich sei, rein egoistisch , antisozial und antihuman zu handeln.

    Man darf an Platons Thesen glauben – entweder aus Eigeninteresse oder aus Naivität.
    Nur hat niemend das Recht, diesen Glauben weil er angeblich fast übernatürlich „weise“ ist, allen anderen Menschen aufzudrängen oder gar aufzuzwingen.

    • audiatur et altera pars 12. März 2026 um 14:56 Uhr - Antworten

      Big Louis!

  3. David.K 12. März 2026 um 9:54 Uhr - Antworten

    Ich bin einmal so frech und sage, daß Plato darin falsch liegt, daß es eine Herrschaftsform geben muß. Seine Idee der Aristokratie der Philosophen mag nicht schlecht sein, aber ich bin mir sicher, daß auch diese Regierungsform am Ende genauso korrupt und despotisch ist wie jede andere. Wie viele Menschen können schon mit Macht sorgfältig umgehen?
    Ich glaube auch nicht, daß es Schulungen, Examen etc. bedarf, um diese Elite zu erzeugen, die dann im Interesse aller handelt. Wer bestimmt denn, wie diese Bildung ausschaut? Ich habe ja gesehen, wie sich die Menschen, die nicht nur die mittlere Reife, sondern auch ein abgeschlossenes Studium hatten, sich in der Coronazeit verhielten. Da sind mir die sogenannten bildungsfernen Menschen viel lieber gewesen, von denen sehr viele sehr kritisch waren.

    So wie es den Kommunismus nie wirklich gegeben hat, so hat es bisher auch keine Demokratie gegeben. Wie kann man glauben, daß man daher mit der Abgabe seiner Stimme etwas mitbestimmt? Als Nichtwähler sage ich, daß ich mit diesem System unzufrieden bin und ich meine Stimme für mich sprechen lasse und sie nicht von Politikern mißbrauchen lasse. Im Großen und Ganzen haben immer nur wenige geherrscht, vor allem jene die im Laufe der Menschheit Reichtum angehäuft haben.
    Parteien sehe ich als großes Übel, denn sie fördern auch wieder nur die Einteilung und Spaltung der Bevölkerung in diverse Gruppen und vom Schein her dienen sie nur einem Teil der Bevölkerung. Warum sollte ich eine Partei wählen, die andere Bevölkerungsgruppen ausschließt? Über die Einteilung in rechts und links sage ich gar nichts mehr, verstehe nicht, wie man daran fest halten kann.

    Genauso dient die Migrationspolitik wiederum nur der Spaltung der Bevölkerung. Nicht die Migranten sind das Problem, sondern die Politiker, die der globalen Machtelite dienen und dadurch Unfrieden in der Bevölkerung schüren. Ich befürworte eine Bewegungsfreiheit aller Menschen, so möchte ich selbst die Möglichkeit haben, dorthin zu gehen, wo es mich hinverschlägt. Aber das ist mir auch nicht möglich, in manche Länder können selbst wir nicht einreisen bzw. braucht man immer ein Visum.

    Solange wir glauben, eine Herrschaftsform zu brauchen, solange werden wir unfrei, beschnitten und kontrolliert sein. Für mich ist Freiheit für alle das oberste Ziel und das wird nur in einer Anarchie möglich sein, von der wir Lichtjahre entfernt sind, weil uns von klein auf eingeimpft wird, daß Anarchie etwas Schreckliches ist, ein Zustand im Chaos, in dem alles drunter und drüber geht. Diese Form haben wir ja seit Jahrtausenden, seitdem Menschen regiert werden und aktuell besonders schlimm.
    Und ich rede nicht von dem Begriff Anarchie, wie er in diesem Artikel falsch gebraucht wird, denn Anarchie bedeutet einfach nur Herrschafts- und Gewaltlosigkeit, ein Miteinander der Menschheit in Freiheit und sie läßt sich auch nicht in rechts und links einteilen.

    Bleibt ungeimpft,
    David

    • Hello 12. März 2026 um 17:34 Uhr - Antworten

      „Seine Idee der Aristokratie der Philosophen mag nicht schlecht sein, aber ich bin mir sicher, daß auch diese Regierungsform am Ende genauso korrupt und despotisch ist wie jede andere. Wie viele Menschen können schon mit Macht sorgfältig umgehen?“
      „…Anarchie bedeutet einfach nur Herrschafts- und Gewaltlosigkeit, ein Miteinander der Menschheit in Freiheit und sie läßt sich auch nicht in rechts und links einteilen.“

      Wieviele Menschen können schon mit Macht sorgfältig umgehen? Und wieviele Menschen können schon mit Herrschafts- und Gewaltlosigkeit umgehen? Es wird immer wieder welche geben, die meinen, der Zweck heilige die Mittel und man müsse doch manchmal ein bisschen Herrschaft und eventuell Gewalt ausüben, um die Menschen zu ihrem Glück der Herrschafts- und Gewaltlosigkeit zu bringen. Alle im Zeichen des Guten natürlich.

      Die Anarchie, wie Sie sie verstehen, ist ebenso eine Ideal oder eine Ideologie wie Marxismus oder Kapitalismus. Selbst die im christlichen Bereich so gepriesene Urgemeinde der Christen war nicht so ideal wie gerne dargestellt. Gleich zu Beginn waren nicht alle bereit, alles mit anderen zu teilen. Nur hat Gott bei dem ersten Vergehen sofort drastisch eingegriffen und die beiden „Missetäter“ fielen tot um. (Heute tut er das offensichtlich nicht mehr). Etwas später wollten die griechisch sprechenden Juden-Christen Paulus, der die Urgemeinde offenbar etwas durcheinanderwirbelte, umbringen, damit wieder Ruhe einkehrte.

      Der reale Marxismus, der reale Kapitalismus, das reale Urchristentum, die reale Anarchie wird immer von Menschen vorangetrieben. Und da machen sich immer wieder neben gutem Willen Eigenschaften wie Machtgier, Geschäftsinteressen, Prestigedenken, persönlicher Ehrgeiz, Intrige usw breit. Somit wird es auch nie einen idealen Staat geben.

      „Als Nichtwähler sage ich, daß ich mit diesem System unzufrieden bin und ich meine Stimme für mich sprechen lasse und sie nicht von Politikern mißbrauchen lasse. “

      Ich fürchte, da irren Sie sich. Als Nichtwähler wird Ihre Stimme bei der Mandatsverteilung erst gar nicht gezählt, spielt also überhaupt keine Rolle. Und in dem Sinne wird sie bereits von Politikern missbraucht.

      • David.K 13. März 2026 um 8:24 Uhr

        Das ist eben das Problem der Menschen! Wir können mit vielen guten Dingen nicht umgehen und selbst wenn wir eine gute Sache vorantreiben, scheitern wir oft schon im Ansatz, weil kaum jemand seine eigene Persönlichkeit zurücksetzen kann und dann kommen auch noch die von Ihnen beschriebenen Eigenschaften dazu. Habe ich leider bei einer Ungeimpftengruppierung erlebt.
        Wie so vieles ist natürlich die Anarchie auch nur ein Ideal, aber Ideale sind ganz gute Orientierungspunkte, um die Welt zu einem besseren Ort machen. Für mich stellt sich die Frage, ob man den idealen Staat braucht. Man stelle sich vor, alles läuft perfekt! Irgendwann wird es langweilig. Vielleicht reicht es schon, nur nach einem höheren Ideal zu streben. Dazu gehören aber gewisse Eigenschaften, die leider wenig Menschen haben, damit das Streben nach einem Ideal nicht völlig schief geht.

        Ich habe schon öfter über das Nichtwählen debattiert und für mich reicht es schon, daß meine nicht abgegebene Stimme keine Rolle spielt. Ich frage mich immer, wie eine Wahl, die unter 30% Wahlbeteiligung hat, gültig sein kann. Ein System, das Nichtwähler ignoriert, kann schon nicht mehr ideal sein.

      • Hello 13. März 2026 um 12:09 Uhr

        @David.K
        13. März 2026 um 8:24 Uhr

        „…für mich reicht es schon, daß meine nicht abgegebene Stimme keine Rolle spielt.“
        Dem ist aber leider nicht so. Ihre Nicht-Stimme spielt insofern eine Rolle, da sie – weil sie nicht gezählt wird – die bisherige Situation einzementiert.

        „Ein System, das Nichtwähler ignoriert, kann schon nicht mehr ideal sein.“
        Dem stimme ich zu. Zumindest sollte man unterscheiden zwischen Nicht-Wählern (die vielleicht einfach zu faul sind, um wählen zugehen – vielleicht weil das Wetter zu schön oder zu mies ist oder weil ihnen alles egal ist) und „Ungültig–Wählern“. die zeigen nun wirklich, dass sie mit der Situation nicht zufrieden sind und niemandem ihr Vertrauen geben können.

      • Hello 13. März 2026 um 12:21 Uhr

        Um meine Antwort zu präzisieren: Ihre Nicht-Wahl wird nicht gezählt und spielt daher bei der Mandatsverteilung keine Rolle. Sie spielt aber insofern leider schon eine Rolle, weil dadurch das bisherige System einzementiert wird.

  4. Hello 12. März 2026 um 9:48 Uhr - Antworten

    „Platon wollte unabhängige Philosophen, die durch Weisheit und Ethik regieren,…“

    Woher wollte Platon diese Menschen bekommen? Und wieviele?

  5. audiatur et altera pars 12. März 2026 um 8:37 Uhr - Antworten

    „Stattdessen plädierte er für eine Aristokratie der Philosophen, wo die Weisesten und Tugendhaftesten durch Bildung und Vernunft ausgewählt werden, um den Staat zu leiten.“

    Larry Fink – akademisch gebildeter Philosoph
    Alex Karp – akademisch gebildeter Philosoph
    Peter Thiel – Silicon Valley Philosoph nach „Girard“
    George Soros – schmerzlich-kindlich verhinderter „Philosoph“
    Bill Gates – Microsoph
    Elon Musk – Ingenieur

    Demokratie ist die beste Herrschaftsform. Wenn man ihre drei insbesondere an die Exekutive (aber auch an Legislative und notwendig abgeschwächt an die Judikative) gerichtete Fragen beachtet:

    Was sind deine Kompetenzen?
    Wie übst du sie aus?
    Und wie werden wir dich wieder los?

    Punkt 3 ist mE der (zur Zeit leider völlig unterschätzte) entscheidende Vorteil gegenüber allen Autokratien.

    • audiatur et altera pars 12. März 2026 um 9:35 Uhr - Antworten

      Aus der heimatlichen Brille: Das Strabag-„Supermarkt“-Baukartell hat sich gerade auf ein Settlement geeinigt. „Zurückverfolgt“ wurde es bis zum Jahr 2002, „weil es die Bundeswettbewerbsbehörde erst seit 2002 gibt“. Deren Chefin meinte heute, die Geschädigten (darunter viele Gemeinden) müssen jetzt „rasch prüfen“, ob sie Schadenersatz verlangen würden. Und der Paneuropachef der von Mr. Supermarkt ins Leben gerufenen Partei pusht gerade passend dazu mit meinungsfreiheitsfeindlichen Argumenten bei den zuständigen NÖ-Behörden den Entzug der Staatsbürgerschaft der ohnehin schon schlimm als moderne Hexe verfolgten Karin Kneissl. Wenn sich jemand den Rausflug aus dem Parlament bei den nächsten Wahlen mehr als verdient hat, dann ist es diese den Liberalismus dauernd mit Füßen tretende Partei von Austro-Oligarchengnaden.

  6. triple-delta 12. März 2026 um 8:06 Uhr - Antworten

    Ich mag ja den Herrn Mitschka sehr, aber hier liegt er mal wieder um Lichtjahre daneben.
    Der Kapitalismus ist eine Klassengesellschaft mit einer herrschenden und mehreren beherrschten Klassen und Schichten. Damit ist er eine Diktatur.
    Dem Bürger im Westen wird eingeredet, dass die Gesellschaftsordnung Demokratie heißt, damit er sich keine Mühe macht, das mit der Klassengesellschaft zu verstehen. Die bürgerliche Demokratie ist eine Variante der Machtausübung des Kapitals. Diese wird so lange praktiziert, wie es ökonomisch vertretbar und einfach zu gestalten ist. Kommt das Kapital in eine Krisensituation wird auf faschistische Diktatur umgeschaltet. Ein Prozess, den Stalin schon analysierte und den wir gerade erleben.
    Allgemein kann man feststellen, dass das Kapital nach ’45 seine Hausaufgaben gemacht hat und die Gesellschaft so designet, wie es einen Erfordernissen entspricht. Dazu gehört auch, immer die passenden Politiker zu installieren. Es ist also kein Zufall, dass wir charakter- und bildungslose Marionetten als Politiker haben, sondern das Ergebnis sorgfältiger Planung und Ausführung, siehe Young Global Leader.
    Dass Herr Mitschka China nicht verstehen kann, liegt an der bürgerlichen Sozialisierung und ihren Denkgrenzen.

    • Hello 12. März 2026 um 9:29 Uhr - Antworten

      Für radikale Verfechter des Sozialismus gilt: Im Kapitalismus sind nicht dessen negativen Auswüchse verbrecherisch, sondern das Grundübel lieg im Kapitalismus an sich. Dass Macht eventuell korrumpieren kann, dass es Menschen sind, die von Gier und Hass gesteuert das System an die Wand fahren und viel Leid erzeugen könnten, wird verneint. Sollte sich der Kapitalismus nicht mehr gut anfühlen, dann ist er nicht etwa von der ursprünglichen Ideologie abgewichen, sondern das liegt dem System zu Grunde. Und jede missliebige Person ist ein Produkt des CIA.

      Für radikale Verfechter des Kapitalismus gilt: Im Sozialismus sind nicht dessen negativen Auswüchse verbrecherisch, sondern das Grundübel liegt im Sozialismus an sich. Dass Macht eventuell korrumpieren kann, dass es Menschen sind, die von Gier und Hass gesteuert das System an die Wand fahren und viel Leid erzeugen könnten, wird verneint. Sollte sich der Sozialismus nicht mehr gut anfühlen, dann ist man eben vom wahren Sozialismus abgewichen. Ein Stalin, ein Mao sind niemals Menschen, die Macht missbraucht und verbrecherisch gehandelt haben oder handeln ließen. Das ist einfach unwahr und eine Desinformation des Kapitalismus.

      • hermine 13. März 2026 um 23:20 Uhr

        jomei,
        der mensch is guad,
        aba die leit san a graus

  7. therMOnukular 12. März 2026 um 2:33 Uhr - Antworten

    Dann ist die Nato-Beate also eine Drohne nach Platon….;))

    Die entscheidende Frage ist noch recht einfach zu finden: ist der Mensch von Natur aus frei und braucht diese Freiheit für volle Gesundheit?

    Jetzt kommt die Krux; manche sind es, manche nicht……

    Das ist gesellschaftlich nur schwer unter einen Hut zu bringen und hängt mAn nicht von der Regierungsform ab, sondern der Gestaltung von Arbeit, Sozialem & Alltag der Menschen.

    PS: Auch die EU ist eine Oligarchie – es hat sich bisher nur niemand die Mühe gemacht, das wissenschaftlich aufzubereiten.
    Aber ansonsten ein sehr cooler Artikel.

    • 1150 12. März 2026 um 3:20 Uhr - Antworten

      @
      die angesprochene ist nur ein kleiner, leichter teil, der oben auf der grossen kloake schwimmt.
      allerdings reizt die dauergrinsende visage zu übelkeiten

  8. Der Zivilist 12. März 2026 um 1:31 Uhr - Antworten

    westlichen „Demokratien“, heute bekannt als „unsere Demokratie“ und bitte immer drauf achten, WER dieses ‚unsere‘ im Munde führt, es ist genau die Clique der nach oben gespülten Unfähigen. Es ist schon irre, daß Menschen wie Trump & Bibi die stärksten Militärs der Welt, der Menschheitsgeschichte dirigieren, das Ergebnis irrer sozialer Systeme.

  9. Jan 11. März 2026 um 22:32 Uhr - Antworten

    Es ist logisch einsichtig, dass die unterlegene Minderheit niemals den Kompromiss eingehen könnte, von der siegreichen Mehrheit getötet oder enteignet zu werden. So also kanns nicht gemeint sein.

    Schauen wir zur Landtagswahl nach Baden-Württemberg, so liegt die Grünschwarze Koalition bei 60%, die Afd bei über 9%, die SPD bei über 5%. Rechnet man aber die Nichtwähler von 30% mit ein, erreicht die Koalition nur 41%, der Ministerpräsident wurde von 20% der Bevölkerung gewählt, ein Fünftel. Dass ist die „Mehrheit“. Özdemir sieht man dieses Bewusstsein nicht an.

    Es entsteht eine Drittelung in Europa, ein Drittel traditionelle Parteien, ein Drittel Rechts, ein Drittel Nichtwähler. Dh es ist keine Regierung möglich, die nicht zwei Drittel Gegner hätte. Qua definitionem ist das keine Mehrheit.

    Da die Nichtwähler sich durch die Politik der letzten Jahre sehr nachdrücklich von den traditionellen Parteien entfernt haben und inhaltlich häufig den Rechten nahe stehen, werden die Rechten, so sie demnächst in der Regierung sind, sich über Volksentscheide und Co mit den Nichtwählern verbünden und eine Zweidrittelmehrheit erhalten.

    • joseph53 12. März 2026 um 2:13 Uhr - Antworten

      Baden Württemberg: Grüne – 30,2%, CDU – 29,7%, AfD – 18,8%, SPD – 5,4%, andere (nicht im Landtag) – 15,8%.

      Wenn 30% der möglichen Wähler ihr Wahlrecht nicht nutzen, verzichten sie freiwillig auf ihre Mitbestimmung!

      Aber in dem Artikel geht es hauptsächlich um die Qualität der Volksvertreter.
      Dazu könnte man mMn von Mitgliedern von (beginnend mit) Landesregierungen aufwärts mindestens mittlere Reife (Matura, Abitur) ergänzt mit einer abgeschlossenen diplomatischen Ausbildung (an einem zertifizierten staatlichen Institut) fordern.
      Das würde die Eignung unserer Politiker in allen Belangen kurzfristig enorm verbessern.
      Daß Regierungsmitglieder außerdem ihren Fachbereich gut verstehen sollten, sei vorausgesetzt.

      Ein Vizekanzler Österreichs der aktuellen Regierung würde damit zum Wohle aller und vollkommen legal verhindert.

    • 1150 12. März 2026 um 3:09 Uhr - Antworten

      @,
      wie kann man parteien °°wählen°°, die fremdvölkische bevorzugen, ins land holen, alimentieren, geschenke in die welt verteilen und die schon lange hierlebenden ausbeuten, diskriminieren, ruinieren und verachten?

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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