Was ist mit Trumps Öl in Venezuela?

11. Januar 2026von 6,4 Minuten Lesezeit

Der US-Präsident Donald Trump hatte am Freitag die Manager der großen Öl-Konzerne ins Weiße Haus eingeladen, um die Ausbeutung „seines“ Öls in Venezuela zu organisieren. Aber die Manager scheinen eine realistischere Sicht auf die Situation zu haben, als die Regierung.

Also da kamen sie ins Weiße Haus, zögerlich, wie berichtet wurde, nicht euphorisch. Und Trump wollte sie überzeugen, möglichst schnell Öl aus Venezuela zu holen, weil er das so wollte, und es sicher nicht schlecht wäre für das Haushaltsdefizit und die immer weiter wachsenden Belastungen durch Zinsen auf die staatlichen Schulden. Die Antwort war, diplomatisch gesagt, hinhaltend. Während manche es interpretieren als „Nein danke, wir haben alles was wir brauchen„. CNN berichtet in einem Artikel darüber und man könnte diesen wie folgt zusammenfassen.

Die Realisten

Im Weißen Haus spielte sich eine seltsame, ja komische Szene ab. Der Präsident, der „absolute Sicherheit“ versprach, versuchte, die Ölmanager für eine Investitionsoffensive in Venezuela zu gewinnen. Aber die Manager antworteten mit einem kapitalistischen Realismus. Sie waren begründet skeptisch.

Jahrelang nutzte Washington Sanktionen als Waffe, um Venezuelas Ölindustrie zu strangulieren. Da ging es um die „humanitäre Situation“ oder „Demokratie“ und „Freiheit„. Vermögenswerte wurden eingefroren, Unternehmen auf die schwarze Liste gesetzt und Investitionen unmöglich gemacht, Tanker beschlagnahmt. Wer es wagte, gegen die „Regeln“ der USA zu verstoßen, legte sich mit den USA an und wurde noch härter bestraft. Ganz besonders galt das für Firmen, die es wagten, Geschäfte mit Venezuela zu machen. Und jetzt sagt Trump: „Jetzt ist alles ganz anders, jetzt müsst ihr investieren, weil jetzt ist das unser Öl.“

Der CEO von ExxonMobil nahm kein Blatt vor den Mund: Investitionen in Venezuela seien „nicht realisierbar“. Nicht wegen der Sanktionen, sondern wegen fehlender „rechtlicher und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen“. Dieselbe Gruppe von Cowboys, die in den Kriegsgebieten des Irak operierten oder in Libyen, verlangten nun „Stabilitätsgarantien“ von einem Land, das die USA mit Sanktionen ruiniert haben. Denn diesmal ist das Projekt des Regimewechsels selbst für die Raubeine der Öl-Extrakteure zu kompliziert und mit zu vielen Unsicherheiten belastet!

Fehlende Investitionssicherheit

Woods von Exxon hat wohl auch Recht – es gibt keine rechtlichen Rahmenbedingungen. Und das hat seinen Grund: Washington zerreißt sie immer wieder, sobald Caracas den „falschen“ Präsidenten wählt. Die Politik der US-Regierungen fällt nun auf sie selbst zurück. Und Trumps „Sicherheitsgarantien“ erscheinen den Managern als Illusion.

Die Konzerne fordern eiserne Sicherheitsgarantien, anscheinend solche, die aus dem Willen des Landes selbst resultieren. Trump bot ihnen nur vage Signale. Sie befürchten, die Abkommen würden die nächste Wahl – seiner oder die Venezuelas – nicht überstehen. Dies offenbart den fatalen Fehler von Trumps imperialer Plünderung. Das was Trump möchte erfordert eine dauerhafte, kostspielige Besetzung und Bodentruppen. Etwas, das die Wähler von Trump ganz sicher nicht goutieren würden. Und so war Trumps 100 Milliarden Dollar Investitions-Idee von Anfang an nur eine Träumerei.

Noch gar nicht diskutiert wurde die Möglichkeit eines Bürgerkrieges, in dem die Ölförderstätten in Flammen aufgehen könnten, was eine durchaus realistische Perspektive ist, wenn Trump weiteren Druck ausübt, und den Krieg gegen Venezuela ausweitet.

Die Realität

Die Realität? Nur Chevron ist vor Ort, und selbst das Unternehmen benötigt „Genehmigungen“ von der US-Regierung und von der Regierung Venezuelas, um die Produktion nur geringfügig zu steigern. Die hochtrabende Vision zerbricht an der Realität, die amerikanische Hegemonie wird zurechtgestutzt. Nicht durch Revolutionäre, sondern Investoren.

Was die westlichen Medien verschweigen: Während Trump von seinen eigenen Wirtschaftsmagnaten ignoriert wurde, blieben chinesische Firmen im Land. CNPC hielt den Betrieb aufrecht. Die Infrastruktur der Neuen Seidenstraße lief weiter. Die Zahlungen in Öl flossen. Keine Forderungen nach einem Regimewechsel. Keine Bataillone der Volksbefreiungsarmee bewachen die Ölfelder. Keine „Demokratie“-Predigten. Nur: „Wir haben einen Vertrag unterzeichnet, wir halten ihn ein.“ Sowohl von Seite Venezuelas als auch von der Seite der chinesischen Partner.

Und dabei muss man sehen, dass die Mengen Öl, welche China in Venezuela kauft so gering ist, dass man sie mit dem Kaufen von Plätzchen bei Pfadfindern oder Messdienern vergleichen kann. Man kauft sie nicht, weil man sie braucht, sondern um zuzulassen, dass sie etwas Geld sammeln.

Investitionen werden durch souveräne Abkommen strukturiert, nicht durch eine Kanonenboot-Politik des 19. Jahrhunderts erzwungen. Stabilität entsteht durch Entwicklung, nicht durch Regimewechsel!

Die Ablehnung der Ölkonzerne basiert nicht auf einer Ablehnung von Angriffskrieg, Kolonialismus und Ausbeutung. Sie machen einfach eine ganz nüchterne Nutzen-Risiko-Rechnung auf. Und die fällt nun negativ aus. Aber natürlich steckt noch mehr dahinter. Die Manager vertrauen nicht mehr darauf, dass die militärische Macht der USA sie überall auf der Welt absichert, wo sie Öl fördern, aber die Menschen der Länder das als Diebstahl ansehen.

Auch Mitglieder des US-Parlaments, der Kongresses, kritisieren Trump

In einer Stellungnahme kritisieren sie die Politik, US-Ölfirmen in den Mittelpunkt seiner Venezuela-„Intervention“ zu stellen, und weisen darauf hin, dass potenzielle Konflikte vorprogrammiert seien. Die BBC und die New York Times äußern sogar ethische Bedenken. Die Mehrheit der Stimmen in Medien und auch in sozialen Medien sehen Trumps Krieg gegen Venezuela mit dem Ziel Öl zu extrahieren skeptisch. Weniger aus moralischen oder ethischen Gründen, sondern viel mehr aus Realismus, und aus der Erkenntnis der Kosten früherer Kriege der USA.

Die Reaktion Trumps

Der nächste Schritt der Regierung auf Grund der Ablehnung seiner Pläne nach dem Treffen vom 9. Januar, war eine Executive Order des Präsidenten am 10. Januar. Dieser Order zielt darauf ab, US-gehaltene Einnahmen aus venezolanischem Öl vor gerichtlichen Beschlagnahmungen zu schützen, um Investitionen attraktiver zu machen und ein Abkommen mit Venezuelas Übergangsführung zu erleichtern.

Trump hat also eine Notfall-Order erlassen, die Einnahmen aus dem Verkauf von venezolanischem Öl, die in US-Konten gehalten werden, vor gerichtlichen Verfahren schützt. Er folgt also weiter seiner Aussage, dass Gesetze und Gerichte für ihn keine Rolle spielen. Laut Reuters umfasst dies zunächst ein Abkommen, das bis zu 50 Millionen Barrel Rohöl an die USA liefern könnte, was Raffinerien nutzen würde. Es wird als Versuch gesehen, die Skepsis der Ölkonzerne zu adressieren, indem dies jene „Sicherheitsgarantien“ bietet, die Trump im Treffen versprochen hatte.

Berichte deuten darauf hin, dass die Skepsis aber breiter ist und nicht so einfach beseitigt werden kann. Denn um Venezuela zu „stabilisieren“ im Sinne der US-Regierung benötigt es Zustimmung der Bevölkerung, und die fehlt, auch wenn Trump meinte, dass Venezuela den „Prozess begonnen“ habe. Immerhin könnte es zu weiteren Verhandlungen führen, wie z. B. der Auswahl spezifischer US-Firmen für den Eintritt in Venezuela, die Trump persönlich entscheiden will. Internationale Berichte (z. B. Le Monde) kritisieren die Maßnahmen jedoch als potenziell einseitig US-zentriert, ohne ausreichende Garantien für Venezuela, weshalb sie nicht wirklich Sicherheit für Investoren bieten. Und weshalb die ganze Blase langsam an Luft verliert.

Bewertung

Es könnte sich herausstellen, dass der Multipolarismus längst im Kapitalismus angekommen ist, und die Zeit der Cowboy-Aktionen mit Eroberungen und Ausbeutung beendet wurde. Nicht aus moralischen oder ethischen Gründen, sondern einfach, weil die Profite zu unsicher, und die Risiken zu groß sind. Das Kapital vertraut nicht mehr der Allmacht der US-militärischen Allmächtigkeit und wird zum scheuen Reh, das bei einem Auspuffknall schnell im Wald verschwindet.

Bild: Screenshot eines Artikels, der die Forderungen der Ölkonzerne auflistet

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9 Kommentare

  1. Dr. Rolf Lindner 11. Januar 2026 um 19:59 Uhr - Antworten

    Man muss mit der Zuschreibung „größenwahnsinnig“ für Trump vorsichtig sein. Jedenfalls liegen die Bestrebungen der gegenwärtigen US-Regierung eher im Bereich des Realen, während der Größenwahn in Deutschland mit Weltrettung in Sachen Klima, Migration, Gender und Krieg gegen Russland um Potenzen eher dem pathologischen Bereich zugeordnet werden muss.

    • Wonderwoman 11. Januar 2026 um 21:12 Uhr - Antworten

      👍

  2. triple-delta 11. Januar 2026 um 19:56 Uhr - Antworten

    Vorher muss Trump aber Maduro in Cabrio durch Dallas schicken und auf die Exilkubaner hoffen.

  3. Jan 11. Januar 2026 um 12:12 Uhr - Antworten

    Unter Chavez und Maduro ist auch kein Öl herausgekommen, zumindest nicht im großen Stil. Und das vor Trumps Zeit.

    Trump hat versucht, die rechtsstaatliche Ordnung zugunsten von Schweröl zu umgehen. Dh mit mehr Ordnung wird nicht mehr Öl produziert werden, das hatten wir ja vorher.

    Ohne Öl fallen die Finanzmärkte in sich zusammen und es gibt noch weniger Ordnung.

    Man kann Trump nicht auf einer moralischen Wünsch-Dir-Was-Skala beurteilen. Man muss die Ressourcenverknappung mit einrechnen.

    Je nachdem, wie man diese einschätzt, fällt das Urteil anders aus.

    Spätestens 2030 wirds kein US-Fracking mehr geben. Auch das Norwegen-Gas steht vor dem Stottern.

    Wenn wir Migranten heraushauen oder Nordstream reparieren, wird das Problem nicht besser. Es ist an der Zeit, Lösungen für den Energiemangel zu suchen, denn die Lösung der Leyen funktioniert nicht!

    Und wenn wir keine Energielösung finden, brauchen wir dringend Ziegen und Henderl im Hinterhof.

    • Jakob 11. Januar 2026 um 15:46 Uhr - Antworten

      ‚Man muss die Ressourcenverknappung mit einrechnen.‘

      Ist ja kein Problem.

      Der Blonde macht doch so gerne „deals“.
      Gegen Geschäfte ist doch nichts einzuwenden. Genau das wäre die richtige Vorgehensweise, wenn ja wenn:
      Geschäfte (ich mag das Wort deal nicht) auf Augenhöhe und mit gegenseitigem Respekt abgeschlossen werden.
      Da der Blonde seine „deals“ allerdings in brutaler Mafia-Manier durchführt und seinen ‚Geschäftspartnern‘ regelmäßig die geladene Waffe an die sprichwörtliche Schläfe hält ist dies kategorisch abzulehnen und der Blonde durchaus moralisch zu be- und zu verurteilen.

  4. Varus 11. Januar 2026 um 11:07 Uhr - Antworten

    Sehr gutes Fazit unter ‚Bewertung‘ – ich freue mich, dass es inzwischen viele US-Manager verstehen. Ob sie es dem US-Diktator erklären können, damit dieser aufhört, die Welt erobern zu wollen? Selbst wenn es sich „nur“ noch auf Süd- und Mittelamerika beschränken sollte.

    • Daisy 11. Januar 2026 um 11:35 Uhr - Antworten

      Der vom Volk mit klarer Mehrheit gewählte amerikan. Präsident erobert nicht die Welt. Wer liegt denn seit vier Jahren im Scheunenkrieg?
      Venezuela wird als Polizeiaktion definiert, nicht als Krieg. Grönland möchte er kaufen. Er droht aber auch mit dem Militär. Es sind nur Drohungen, oft blufft er, wie Sie wissen. Das sind halt seine Ziele, die aus seiner Sicht gut für Amerika wären. Geht es ohne Gewalt, stôrt mich das nicht. Er führt aber nicht Krieg wie Russland mit Mio von Txten. Erkenne den Unterschied.

      Der echte schwarze Fleck bei Trump ist seine Geduld mit Isr. und dass er dem Genozid da unten zuschaut. Er hat sich schon bemüht, aber anscheined muss auch er nach der Pfeife von Isr. tanzen wie alle US-amerikanischen Präsidenten. Was die Hamas betrifft, so stinkt das. Sie sollte sich schleichen, denn sie schadet den Palis, indem sie permanent den Isis einen Grund zur Vergeltung liefert. Ich meine, ist das Dummheit oder Absicht? Es gibt Quellen, die datauf hinweisen, dass die Hamas unterwandert ist.

      Zur Auswertung.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Venezuela#Verstaatlichungen
      „In den 1980er und 1990er Jahren wurden viele Staatsunternehmen privatisiert. Dies wurde von Hugo Chávez im Rahmen seiner
      Bolivarischen Revolution rückgängig gemacht. Er ließ Tausende von Unternehmen enteignen und verstaatlichen, was in Venezuela zu einem massiven Produktionsabfall führte und zahlreiche internationale Großkonzerne dazu bewegte, Venezuela zu verlassen. Auch unter Maduro schrumpfte das BIP von 2013 bis 2023 um rund 80 Prozent.[420][421][422][423][424]

      Im April 2017 wurde ein Werk von General Motors von den venezolanischen Behörden beschlagnahmt. Das Unternehmen stellte daraufhin seine Tätigkeit in dem Land ein.“

  5. Wonderwoman 11. Januar 2026 um 10:11 Uhr - Antworten

    Aus so etwas so eine große Sache zu machen, schaffen auch nur die CNN.
    Abwarten. Trump hat seine Fühler ausgestreckt. Er kann diese Firmen zum jetzigen Zeitpunkt nicht nach Venezuela schicken und es ist vollkommen verständlich, wenn sie Sicherheiten verlangen. Da freut sich mAn jemand, dass das jetzt noch nicht geht. Und vielleicht geht es gar nicht. Dann fördert Venezuela, das von der Rentenwirtschaft lebt, eben weiterhin nur 900.000 Barrel pro Tag, wovon gut 80% an China gehen, Tendenz sinkend.

    Sobald das Land eine demokratisch gewählte Regierung hat, wird das Problem mit den Sicherheiten auch gelöst sein. Exxon Valdez und wie sie alle heißen, sind ja gebrannte Kinder. Denn schon einmal hatten sie in Venezuela investiert, wurden aber von den kxmmxnistischen Diktatoren enteignet und ohne entsprechende Abgeltung hinausgeworfen. Klar, wird man da vorsichtig. Übrigens diese Geschichte kann man auch auf Wiki nachlesen…
    https://de.wikipedia.org/wiki/Venezuela#Wirtschaft
    Die Sanktionen haben das Land zusätzlich geschwächt.

    „Durch dirigistische Wirtschaftspolitik, geringere Erdölproduktion, Verfall des Ölpreises und internationale Sanktionen brach die Wirtschaftsleistung seit 2014 unter dem Regime Maduros ein.“ Wiki
    Wer meint, ausschließlich die Sanktionen waren an Venezuelas schlechter Wirtschaftslage schuld, der ist nicht objektiv.

  6. OMS 11. Januar 2026 um 9:29 Uhr - Antworten

    Wer vertraut schon auf die Worte eines von Größenwahn befallenen Raufbolds? Die USA können maximal Rohöl aus Venezuela stehlen, wenn es auf Tankern aus dem Land transportiert wird. Im Land selber haben sie keinen Zugriff, dazu müsste das Land besetzt werden und das würde in ein Vietnam 2.0 enden.

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