Wie die Krisen von Covid-19 bis Putin-22 vom Zusammenbruch des Wirtschaftssystems ablenken sollen

30. September 2022von 22 Minuten Lesezeit

Die Corona Krise und der Ukraine Krieg haben gemeinsame ökonomische Wurzeln. Das Wirtschaftssystem des Kapitalismus zerbricht an seinen inneren Widersprüchen. Um davon abzulenken, braucht es immer größere Krisen, durch Angst und Panik sollen die Menschen abgelenkt werden und teils diktatorische politische Maßnahmen wie Lockdowns, Impfzwang oder Frieren für den Krieg ermöglicht werden.

Wir wissen mittlerweile zweifelsfrei, dass das Coronavirus, das den Namen SARS-CoV-2 erhielt, schon mindestens ein Jahr vor Ausrufung der Pandemie durch die WHO unterwegs war und Menschen infiziert hat. Wir wissen auch aus den Erkenntnissen der Internationalen Beobachtermission der OSZE, dass durch massive Verletzungen der Waffenruhe durch ukrainische Truppen Russland förmlich gezwungen wurde zum Schutz der russischen Bevölkerung militärische Schritte zu unternehmen.

Seither wird weiter an der Eskalationsspirale gedreht und mit dem Terroranschlag auf die Nord Stream Pipelines ist für weitere krisenhafte Entwicklungen im Winter 2022/2023 gesorgt.

Die ökonomischen Gründe legt Professor Fabio Vighi neuerlich in einem Artikel mit dem Titel „Pause for Thought: Money without Value in a Rapidly Disintegrating World“ (Pause zum Nachdenken: Geld ohne Wert in einer sich rasch auflösenden Welt) dar, der in The Philosophical Salon erschienen ist.

Pause for Thought: Money without Value in a Rapidly Disintegrating World

Die Beschleunigung des „Notfallparadigmas“ seit 2020 hat einen einfachen, aber weithin verleugneten Zweck: den sozioökonomischen Zusammenbruch zu verbergen. Im heutigen Metaversum sind die Dinge das Gegenteil von dem, was sie zu sein scheinen. Bei der Eröffnung von Davos 2022 machte IWF-Direktorin Kristalina Georgieva die Pandemie und Putin für das „Zusammentreffen von Katastrophen“ verantwortlich, mit dem die Weltwirtschaft jetzt konfrontiert ist. Das ist keine Überraschung. Davos selbst ist keine Verschwörungszentrale, sondern das Sprachrohr der zunehmend panischen Reaktionen der Eliten auf unüberschaubare systemische Widersprüche. Die Davoser verstecken sich inzwischen hinter Lügen wie ein Haufen nervöser Kinder. Während sie uns weiterhin erzählen, dass der kommende Einbruch die Folge globaler Widrigkeiten ist, die die Welt überrumpelt haben (von Covid-19 bis Putin-22), ist das Gegenteil der Fall: Die abstürzende Wirtschaft ist die Ursache für diese „Unglücke“. Was uns als äußere Bedrohung verkauft wird, ist in Wirklichkeit die ideologische Projektion der inneren Begrenzung und der fortschreitenden Zersetzung der kapitalistischen Modernität. Systemisch gesehen hält die Notsucht den komatösen Körper des Kapitalismus künstlich am Leben. Der Feind wird also nicht mehr konstruiert, um die Expansion des Empire zu legitimieren. Stattdessen dient er dazu, den Bankrott unserer schuldengeplagten Wirtschaft zu verschleiern.

Seit dem Fall der Berliner Mauer hat die Entfaltung des vollen Potenzials des Kapitals, auch bekannt als Globalisierung, nach und nach die eigenen Möglichkeiten des Kapitals untergraben. Die Antwort auf diese implosive Entwicklung war schließlich die Entfesselung globaler Notlagen, die immer dauerhafter sein müssen und durch immer größere Injektionen von Angst, Chaos und Propaganda ergänzt werden. Wir alle erinnern uns, wie alles um die Jahrtausendwende begann, mit Al-Qaida, dem „globalen Krieg gegen den Terror“ und Colin Powells winzigem Fläschchen mit weißem Pulver. Daraufhin folgten die Taliban, der Islamische Staat, Syrien, die nordkoreanische Raketenkrise, der Handelskrieg mit China, Russiagate und schließlich COVID-19 – in einem Crescendo der Gefühle. Nun scheint sich ein neuer Kalter Krieg anzubahnen, vielleicht die Mutter aller Notfälle. Der elementare Grund für diesen Verlauf der Ereignisse ist, dass das System, je näher es dem Zusammenbruch kommt, umso mehr exogene Krisen benötigt, um die Bevölkerung abzulenken und zu manipulieren, während es seinen Untergang hinauszögert und den Boden für seinen autoritären Wechsel bereitet.

Die Geschichte lehrt uns, dass Imperien, wenn sie kurz vor dem Zusammenbruch stehen, zu repressiven Regimen des Krisenmanagements erstarren. Es ist kein Zufall, dass unser Zeitalter der seriellen Notfälle mit dem Platzen der „Dot-Com-Blase“ begann – dem ersten globalen Marktcrash. Ende 2001 waren die meisten technologielastigen Unternehmen pleite, und im Oktober 2002 war der Nasdaq-Index um 77 % gefallen, was die strukturelle Schwäche einer „neuen Wirtschaft“ offenbarte, die von Schulden, kreativer Finanzierung und dem Ausbluten der Realwirtschaft angetrieben wurde. Seitdem wurde die Simulation von Wachstum durch die Inflation von Finanzwerten durch die Herstellung globaler Bedrohungen geschützt, die von den Medien gebührend verpackt und verkauft wurden. In Wahrheit ging es beim Aufstieg der „New Economy“ in den späten 1990er Jahren weniger um das Internet als um die Schaffung eines riesigen Apparats zur Simulation von Wohlstand, der ohne die Vermittlung von Massenarbeit funktionieren sollte. Damit war der Weg frei für die neoliberale Ideologie des „beschäftigungslosen Wachstums“ – die von der Linken enthusiastisch vertretene Illusion, dass eine Finanzblasenwirtschaft ein neues kapitalistisches Eldorado entfachen könnte. Obwohl diese Illusion nun vor unseren Augen zerplatzt ist, scheint niemand den Wunsch zu haben, sie anzuerkennen.

Seit das Virus eingeschritten ist, um die Notstandsbarriere noch höher zu legen (bevor er pausiert und möglicherweise für einen späteren Einsatz wieder aufgeladen wird), sind wir wieder bei den gleichen alten Finanzmanövern angelangt. Auch wenn die brandneue Infektion des Westens Russland heißt – nicht zuletzt wegen seiner nachgewiesenen historischen Vergangenheit (UdSSR) -, ist es von entscheidender Bedeutung zu erkennen, dass die überstürzte Feindbildung und Panikmache jetzt verzweifelt ist, da sie auf der aggressiven Leugnung des strukturellen Versagens beruht. Wie ein Virus schirmt uns der Ukraine-Krieg vor dem wahren Horror des totalen sozialen Zusammenbruchs durch Schulden und Börsencrash ab. Diese perverse Situation muss zu ihrer eigentlichen dialektischen Schlussfolgerung weiterentwickelt werden: Die einzige Möglichkeit, der zerstörerischen Abfolge von Notfällen ein Ende zu setzen, besteht darin, der selbstzerstörerischen kapitalistischen Logik ein Ende zu setzen, die sie nährt.

Nach dem Zusammenbruch der letzten Periode der Mobilisierung der Massenarbeit – dem fordistischen Boom der Nachkriegszeit – ist der Kapitalismus in seine endgültige Krise eingetreten, in der das fiktive Geld immer mehr vom durch die Arbeit vermittelten Wert abgekoppelt wird. Bereits in den 1980er Jahren führte die unumkehrbare Erosion der Arbeitssubstanz des Kapitals, ausgelöst durch die Dritte Industrielle Revolution (Mikroelektronik), zu einem transnationalen Kredit- und Spekulationssystem, das schnell alle Formen des Geldkapitals durchdrang. Diese gespenstische Geldmasse ist durch Selbstbefruchtung immer weiter gewachsen, so dass – wie u.a. Robert Kurz bereits dargelegt hat -[i] nur ihre künstliche Ausweitung die Mobilisierung von Liquidität in der realen Welt ermöglicht. Das Wirtschaftswachstum in den 1990er Jahren wurde durch einen „Recycling-Mechanismus“ angeheizt, bei dem die Nachfrage, die Kaufkraft und die Produktion von Waren und Dienstleistungen durch gefälschtes (spekulatives) Geld gestützt wurden. Die Realwirtschaft basierte nicht mehr auf Arbeitseinkommen und -erträgen, sondern wurde durch Preisspekulationen auf Finanzanlagen angetrieben – Haufen von fiktivem Geld ohne Wertsubstanz. Dieser Kreislauf der Pseudoakkumulation, der darauf beruht, dass Finanzliquidität in Produktion und Konsum zurückfließt, ist das bestimmende Phänomen unseres schuldengetriebenen, inflationären „Notkapitalismus“. Zwangsläufig stützen immer größere Mengen fiktiven Kapitals die Produktion, so dass ein wachsender Anteil der realen Akkumulation am Spekulationsprozess teilnimmt.

Die derzeitige groteske Überbewertung aller Risikoaktiva (Aktien, Anleihen und Immobilien) deutet darauf hin, dass die Eliten weiterhin ihr politisches Spielbuch anwenden werden, um Zeit zu gewinnen und das Platzen einer Schuldenblase hinauszuzögern, mit deren Aufblasen sie bereits Jahre zuvor begonnen hatten, bevor Covid und Putin zu beliebten Sündenböcken wurden. Die Hüter des kapitalistischen Grals haben für uns einen immerwährenden Zustand der Angst geplant, in dem verzweifelten Bemühen, den sich seit Jahrzehnten anbahnenden Währungsabwertungsschock hinauszuzögern. Obwohl sie dies mit immer zynischeren Methoden tun, scheinen sie die einzigen zu sein, die zumindest erkennen, dass ein solcher Schock das Weltsystem in die Knie zwingen würde. Deshalb ist die Finanzaristokratie bereit, so ziemlich alles zu tun, was in ihrer Macht steht, um den Fortbestand unseres maroden Wirtschaftsmodells zu sichern. Damit beweisen sie ein größeres Verständnis für unseren Zustand als diejenigen, die ihn theoretisch besser beurteilen sollten: die so genannte postmarxistische Intelligenz und die postmoderne Linke in all ihren inkonsequenten Ausprägungen. Bedauerlicherweise haben die „nützlichen Idioten“ der Linken ihren grundlegenden Auftrag, die politische Ökonomie zu kritisieren, längst verraten und sind damit direkt in die sich anbahnende Katastrophe verwickelt.

Die Technokraten am Ruder der Titanic haben mehr als nur eine Ahnung, dass das Schiff auf den Eisberg zusteuert. Da ihnen die politischen Argumente ausgegangen sind (wie in der jüngsten Debatte über Sparmaßnahmen oder Konjunkturprogramme), haben sie sich für ein kontinuierliches Programm der Angst und Propaganda entschieden, um das Unbeherrschbare zu bewältigen. Entscheidend ist, dass sie wissen, was den meisten von uns kontraintuitiv erscheint: dass der Zusammenbruch unserer überholten Produktionsweise nur durch 1) einen stetigen Strom globaler Notfälle, 2) die kontrollierte inflationäre Zerstörung der zunehmend unproduktiven Realwirtschaft und 3) die autoritäre Umgestaltung der liberalen Demokratie hinausgezögert werden kann.

Das kranke Theater des Ukraine-Krieges ist also ebenso wie die bösartig aufgebauschte Covid-Affäre eine Folge des panischen Bewusstseins der Eliten, dass der Zusammenbruch nun überfällig ist. In der Tat wissen die heutigen Manager des „Krisenkapitalismus“, dass ein Zusammenbruch notwendig ist, damit ein neues Geldsystem entstehen kann. Entscheidend ist, dass sie auch erkennen, dass der Zusammenbruch als geplanter Abriss des gegenwärtigen Modells erfolgen muss, was es ihnen ermöglichen würde, ihre Machtposition innerhalb des bevorstehenden neofeudalen kapitalistischen Normalzustands zu erhalten und sogar zu stärken. Lebensmittel- und Energierationierung, Massenvereisung, Sozialkredite und Geldkontrolle über digitale Währungen sind längst in den kapitalistischen Kuchen der Zukunft eingebacken. Wahrscheinlich ist dieses Szenario bereits Teil unserer kollektiven Vorstellungskraft, da uns seine Unausweichlichkeit aufgrund höherer Gewalt eingeredet wird.

Die Ukraine liefert uns ein buchstäbliches Bild des oben beschriebenen Mechanismus. Hinter ihren Moralvorstellungen sabotieren unsere westlichen Politiker unter dem Druck ihrer Finanzbosse weiterhin die Diplomatie, indem sie Russland mit Sanktionen belegen und tonnenweise Waffen in die Ukraine pumpen sowie Finanzhilfen in Milliardenhöhe leisten. Abgesehen von der parallelen Bequemlichkeit dubioser Waffen- und Geldgeschäfte besteht das Ziel darin, einen Konflikt absichtlich auszuweiten, der Tausende zu Kanonenfutter macht und gleichzeitig die Flammen eines potenziellen Atomkriegs anfacht. Wie bei Covid ist das Paradigma der Angst unerlässlich, um uns zu psychologischem Gehorsam zu zwingen. Um den Schaden noch zu vergrößern, kauft die EU weiterhin russisches Gas und Öl, die unerlässlich sind, um den Anschein von Wohlstand aufrechtzuerhalten. Mit anderen Worten, die europäischen Staats- und Regierungschefs wollen alles haben: Sie nehmen mit der einen Hand (Sanktionen) und geben mit der anderen Hand zurück (sogar in Rubel), um Energie und andere Rohstoffe zu sichern.

Nichts hindert uns also daran, mindestens zwei Punkte zu verbinden. Wir haben eine Wirtschaft im freien Fall, deren Notlage durch die Verschuldungssucht und die astronomischen „Alles-Blasen“ kaum verdeckt wird. Und da ist das voyeuristische Spektakel der täglichen Massaker, die absichtlich jedes sinnvollen soziohistorischen Kontextes beraubt und durch einseitige Propaganda angeheizt werden. Die Zusammenhänge zu erkennen bedeutet, zu verstehen, dass der Zweck des ukrainischen Notstands darin besteht, die Gelddruckmaschine am Laufen zu halten und gleichzeitig Putin die Schuld am weltweiten Wirtschaftsabschwung zu geben. Der Krieg dient dem gegenteiligen Ziel: nicht der Verteidigung der Ukraine, sondern der Verlängerung des Konflikts und der Ankurbelung der Inflation, um die katastrophalen Risiken auf dem Schuldenmarkt zu entschärfen, die sich wie ein Lauffeuer auf den gesamten Finanzsektor ausbreiten würden. Wir dürfen nicht vergessen, dass der Aktienmarkt eine Art Derivat des Schuldenmarktes ist, der daher mit äußerster Vorsicht behandelt werden muss. Während der „assistierte Selbstmord“ der Realwirtschaft durch negative Angebotsschocks die Verbraucherpreisinflation verschärft, entlastet letztere vorübergehend die Mega-Schuldenblase und schiebt so den Crash hinaus.

Das Hauptanliegen der Geldpolitik in der jüngsten Vergangenheit war die Stabilisierung der Verschuldung, um das Risiko eines Ereignisses zu verringern, das die Wirtschaft und damit unsere Gesellschaften in den Abgrund reißen würde. Der ständig wachsende Schuldendruck muss regelmäßig gemildert werden, und dabei hilft die Preisinflation. Und wie? Indem die Blase am Anleihemarkt abgebaut wird, da die Inflation den realen Wert der Schulden verringert. Natürlich besteht die Gefahr, dass sich die inflationäre Dynamik verselbständigt (Hyperinflation). Der springende Punkt ist jedoch, dass unsere Herren in die Falle getappt sind: Sie haben keine andere Möglichkeit, als die Realwirtschaft zu unterdrücken und gleichzeitig zu versuchen, die Lebensdauer des allmächtigen, aber gefährlich volatilen Finanzsektors zu verlängern. Was um jeden Preis vermieden werden muss, ist ein durch die Schulden ausgelöstes Ereignis. In der gegenwärtigen verdrehten Situation braucht jedes künstliche Wachstum der Schuldenblase ein gewisses Maß an deflationärer Erleichterung, die heute durch Krieg und steigende Verbraucherpreisindizes garantiert ist. Diese perverse Logik wird deutlich, wenn man sich beispielsweise die US-Margin Debt ansieht, also das Fremdkapital, mit dem an der Börse operiert wird. Seit Oktober 2021 sind die Margin Debt um 14,5 % gefallen, während der Nasdaq 17,6 % verloren hat. Aus diesem Grund ist die Ukraine ein Kollateralschaden.

Die traurige Wahrheit ist, dass „Putins Krieg“ (wie der „Krieg gegen Covid“) das Platzen der „Alles-Blase“ verzögert, weshalb die Ukraine auf dem Altar eines langwierigen Massakers für Freiheit und Demokratie geopfert wird. Das eigentliche Ziel ist nicht, den Ukrainern zu helfen (und auch nicht, Russland zu vernichten), sondern den wiederkehrenden Alptraum des „Lehman-Schocks“ zu vertreiben, der uns heute ins Chaos stürzen und die dünne Schicht des monetären Wohlstands zerstören würde, die uns vor dem Blick in den Abgrund bewahrt. Unter dem Strich ist die sofortige Liquidität per Mausklick das einzige Objekt, das für die schuldenbasierte Finanzindustrie von Bedeutung ist. Und indem sie die Schuldenblase durch die Erosion der Kaufkraft und die Kompression der Nachfrage deflationieren, bereiten sich die Finanzeliten heimlich auf weitere Quantitative Easing-Programme vor, um das System weiter mit dem benötigten Geld zu überschwemmen. Neue QEs, vielleicht unter einem anderen Namen, könnten bald angekündigt werden, auch wenn sie den Anstoß eines kontrollierten Unfalls benötigen, der schwerwiegend genug ist, um eine sofortige Druckaktion zu garantieren. In dieser Hinsicht sollte der Präzedenzfall von 2018 nicht ignoriert werden. Damals hielt der Schein einer quantitativen Straffung (Verringerung der Fed-Bilanz) nur ein paar Monate an, bevor er zu einer Kehrtwende gezwungen wurde. Und als das Spiel im Sommer 2019 erneut versucht wurde, erinnerte die Krise am Repo-Markt Mitte September alle daran, wie wichtig die Liquiditätsbazooka der Zentralbank ist.

Die Quintessenz ist, dass bei einem Ende der Geldspritzen der Zentralbank ein rascher Anstieg der Leitzinsen einen Marktcrash mit Zahlungsausfällen auf der ganzen Welt zur Folge hätte. Entweder halten sich also alle an das Drehbuch, oder die ganze Show wird abgebrochen, und damit auch das System. Heute sehen wir bereits die Auswirkungen der jüngsten Zinserhöhung der Fed um 0,5 % auf den US-Immobilienmarkt. Die Zinserhöhungen haben die Hypothekenzinsen in die Höhe getrieben, was den Immobilienmarkt unter Druck setzt. Doch während die Stimmung der Hauskäufer auf einem historischen Tiefstand ist, bleibt die Stimmung der Hausbauer relativ hoch – was bestätigt, dass es keine sinnvolle Korrelation mehr zwischen den realen wirtschaftlichen Bedingungen und der Spekulation mit Vermögenspreisen gibt; denn schließlich ist es die Federal Reserve, die durch den Kauf von hypothekarisch gesicherten Wertpapieren in Massen die Immobilienblase aufbläst, wenn die Nachfrage sinkt. So sieht die monetäre Oberfläche des extremen Krisenmanagements aus. Kratzt man jedoch nur an der Oberfläche, stößt man auf die fundamentale Ursache aller geopolitischen und propagandistischen Spielchen, die gespielt werden: das unaufhaltsame Abschmelzen der Wertsubstanz des Kapitals.

Der Geist der Inflation, der aus der Covid-Flasche entkommen ist, wird nun Putin angelastet, einschließlich seiner „apokalyptischen“ Auswirkungen auf die Armen. Sie hat jedoch ihren Ursprung in der Schöpfung immenser Mengen von „Geld ohne Wert“ (d.h. Geld, das nicht durch reale Akkumulation „gedeckt“ ist), das, indem es in die Realwirtschaft fließt, zwangsläufig das Geldmedium selbst entwertet. Die Warenpreise steigen nicht mehr nach dem Marktgesetz von Angebot und Nachfrage. Vielmehr wird jede Nachfragesteigerung mit Geld bezahlt, das aus dem wirtschaftlichen Nichts geschaffen wird. Während die Währungsabwertung durch die lockere Geldpolitik jetzt durch negative Angebotsschocks, die durch Covid und den Ukraine-Krieg verursacht wurden, noch verschärft wird, handelt es sich in Wahrheit um ein säkulares Phänomen, das in der Auflösung des kapitalistischen Werts wurzelt.

Es ist üblich, dass Imperien einen langsamen und schmerzhaften Tod erleiden, da sie die Ursache für ihre Implosion leugnen. Der Untergang der von den USA geführten kapitalistischen Welt begann vor mehr als einem halben Jahrhundert und wurde nur durch Wellen vorgetäuschten Wohlstands verzögert, die durch Geld(schulden)schöpfung angeheizt wurden und von denen eine kleine Elite profitierte, während die Massen mit kolossalen Schulden und Verelendung belastet wurden. In den letzten 50 Jahren hat sich die US-Bundesverschuldung um das 75-fache erhöht (von 400 Milliarden auf 30 Billionen Dollar), während die Gesamtverschuldung der USA (privat und öffentlich) inzwischen die 90-Billionen-Dollar-Marke überschritten hat (53-facher Anstieg). Da die meisten Währungen seit dem Zweiten Weltkrieg an den Dollar gekoppelt sind, ist auch ihre Abwertung unvermeidlich. Seit über einem halben Jahrhundert haben die USA ihren hegemonialen Dollar und die damit verbundenen Währungen schrittweise zerstört und gleichzeitig unprovozierte „Militäroperationen“ im Ausland durchgeführt. Jede vorübergehende Illusion von Wohlstand wurde mit Krieg, Schulden und dem Drucken von Falschgeld erkauft.

Die heutige Art der inflationären Abwertung tauchte als qualitativ neues Phänomen erstmals im 20. Jahrhundert auf. Seit Beginn der Industrialisierung wurde der substanzielle Charakter der Währungen durch ihre Edelmetallbindung gesichert, die schließlich die Form des Goldstandards und der darauf basierenden Zentralbanksysteme annahm. Das Ende des Goldstandards (15. August 1971) markierte den Beginn des ultra-finanzialisierten Wirtschaftsmodells, das uns ein halbes Jahrhundert später im Rahmen einer kolossalen Kreditexpansion immer näher an das redde rationem heranführt.

Die globale Krise des Kapitals zeigt sich nun in Form einer neuen Stagflation (stagnierende Wirtschaft bei steigender Inflation), die Erinnerungen an die 1970er Jahre weckt. Die derzeitigen Versorgungsengpässe und die Preisexplosion bei Rohstoffen und Energie erinnern an den Ölpreisschock von 1973, als die OPEC ihre Produktion als Reaktion auf den Jom-Kippur-Krieg drosselte. Diese vergleichbaren externen Faktoren müssen jedoch mit einer gemeinsamen internen Ursache in Verbindung gebracht werden, die damit zusammenhängt, dass der Kapitalismus das Ende seines internen Expansionspotenzials erreicht hat. Die Stagflation der 1970er Jahre markierte das Ende des Nachkriegsbooms, der mit der Dritten Industriellen Revolution und einem heftigen Rückgang der Profitrate infolge des exponentiellen Fortschritts der technologischen Automatisierung der Produktion zusammenfiel. Der damalige Keynesianismus scheiterte, weil er auf die wirtschaftliche Schrumpfung auf seine typische Art und Weise reagierte, nämlich mit Konjunkturprogrammen, die die Inflation nur noch weiter anheizten. So geriet der Kapitalismus in einen neuen Inflationszyklus. Der Neoliberalismus bot einen Ausweg aus dieser Sackgasse. Er zerschlug in den 1980er Jahren die Gewerkschaften, die Preis-Lohn-Korrelation und die sozialdemokratische Illusion, das kapitalistische System könne einfach durch eine Politik der Umverteilung des Reichtums aufrechterhalten werden – als ob der kapitalistische Reichtum eine ewige und keine historische Kategorie wäre, die durch die Dialektik von Geldkapital, das in wertschaffende Arbeit investiert wird, begrenzt ist.

In den frühen 1980er Jahren wurde die Inflation durch den „Volker-Schock“ bekämpft, d. h. durch eine Anhebung der Zinssätze (der Kosten des Geldes) über oder nahe der Inflationsrate. Dies löste eine Rezession im kapitalistischen Zentrum aus und führte die Peripherie des Imperiums (insbesondere Lateinamerika) in eine schwere Schuldenkrise. Aber es bewahrte den Kapitalismus vor dem systemischen Zusammenbruch. Gleichzeitig expandierten die US-Finanzmärkte rasch und wurden zu einer dominierenden Größe, während die Warenproduktion im amerikanischen Rostgürtel zurückging. Die Vereinigten Staaten entwickelten sich von der „Werkstatt der Welt“ zum „Finanzzentrum der Welt“, ein Wandel, der durch die Rolle des US-Dollars als Weltreservewährung erleichtert wurde. Bereits in den 1970er Jahren begann der Kapitalismus unter der Last seines inneren Widerspruchs zu sinken. Marx nannte ihn den „beweglichen Widerspruch“, womit er meinte, dass die Lohnarbeit sowohl die Substanz des Kapitals ist als auch das, was im Konkurrenzkampf zwischen den einzelnen Unternehmen reduziert werden muss. Dieser Widerspruch, der dem anonymen kapitalistischen Profitstreben zugrunde liegt, wurde in den 1980er Jahren offen selbstzerstörerisch, als Schuldenmachen und Wachstumssimulation endemisch wurden, um die schwindende Wertproduktion auszugleichen.

Seit den 1980er Jahren ist die globale Verschuldung viel schneller gestiegen als die Weltwirtschaftsleistung. Die globale Verschuldung muss kontextualisiert werden: Sie nährt die fundamentale Illusion, dass die Finanzspekulation die zukünftige Kapitalverwertung vorwegnimmt, die jedoch immer weiter in die Zukunft verschoben werden muss, da ihr keine entsprechende Verwertung in der Realwirtschaft gegenübersteht. Der heutige Finanzkapitalismus ist die ultimative selbsterfüllende Prophezeiung, ein Mechanismus, der auf der Schöpfung immer größerer Mengen an substanzlosem Geld basiert, um den rasch schwindenden Mehrwert zu kompensieren. Wenn die USA in den 1990er Jahren trotz niedriger Löhne und steigender Produktivität eine Phase relativen Wachstums erlebten, dann deshalb, weil der Konsum zunehmend durch Kredite gestützt wurde.

Während die Globalisierung der erschöpften fordistischen Produktionsweise einen Ausweg bot, band sie sich gleichzeitig an immer größere Schuldenpyramiden und spekulative Exzesse und machte das System zunehmend instabil. Es ist nicht verwunderlich, dass die 1990er Jahre mit der Bildung der bereits erwähnten ersten globalen Blase (der Dot.com- oder Internetblase) endeten. Darauf folgte der Finanzcrash von 2008, auf den mit der Einführung von QE-Programmen geantwortet wurde, d. h. mit einer Ausweitung der Geldmenge durch den Aufkauf von Wertpapieren und anderen Vermögenswerten durch die Zentralbank. Dann tauchte der kapitalistische Widerspruch in Form der europäischen Staatsschuldenkrise (2009-12) und als potenziell verheerende Liquiditätsfalle im Herbst 2019 (US-Repo-Marktkrise) wieder auf, womit offiziell die Ära des „Notfall-Kapitalismus“ eingeläutet wurde. Die Pandemie wurde als globaler Schutzschild für Gelddrucken und Kreditaufnahme in noch nie dagewesenem Umfang genutzt: Unter Covid druckte die Fed in einem Jahr mehr Papiergeld als in allen QE-Programmen seit 2008 zusammen.

In jüngster Zeit wurden wir auch mit einer neoliberalen Anpassung des keynesianischen Krisenmanagements durch die Einführung extrem niedriger Zinssätze konfrontiert – das Gegenteil von dem, was in den 1970er Jahren getan wurde. In den vergangenen 40 Jahren wurden die Zinssätze nach jeder Turbulenz weiter gesenkt, um die Finanzmärkte mit frischer Liquidität zu versorgen. Doch seit 2008 reichten selbst Nullzinsen nicht mehr aus, weshalb die Zentralbanken das Quantitative Easing aus dem Hut zauberten und die Finanzmärkte buchstäblich zu Müllhalden machten. Indem sie alle Vorsicht über Bord warfen, haben sie die Wirtschaft mit Falschgeld überschwemmt, das mit Schrottpapieren besichert wurde, ohne sich die Mühe zu machen, das Bankensystem zu durchlaufen. Die Talfahrt der Abwertungslawine, die im Herbst 2008 begann, ist nun unaufhaltsam. Irgendwie glaubt die Welt immer noch, dass die Zentralbanken eine Schuldenkrise durch das Drucken von mehr Geld lösen werden.

Der letzte Versuch der westlichen Volkswirtschaften, ihr kaputtes System zu retten, scheitert nun kläglich, da diese Volkswirtschaften in einer Mischung aus Währungsentwertung, Defizit und den größten Vermögensblasen der Geschichte weiter zerfallen. Die Wahl, vor der wir stehen, ist die gleiche, die wir in der Geschichte der fortgeschrittenen Industriegesellschaften immer wieder gesehen haben: Inflation oder Deflation. Entweder wird das Geld als allgemeines Äquivalent abgewertet (Inflation), oder der Abwertungsprozess wirkt sich direkt auf das Kapital aus, wobei die Produktion (Fabriken und Arbeiter) plötzlich überflüssig wird. Anders als in der Vergangenheit bedeuten jedoch sowohl Inflation als auch Deflation heute eine Entwertung des Fiat-Geldes mit dem zusätzlichen Vorteil eines systemischen Zusammenbruchs.

Wie bereits erwähnt, ziehen es die Technokraten derzeit vor, die Inflation nicht zu bekämpfen, sondern sie stattdessen dazu zu nutzen, Teile der Schulden über negative Realzinsen wegzupumpen. Dies ist gleichbedeutend mit einem Vermögenstransfer von der Unter- und Mittelschicht zu den Verwaltern der „Alles-Blase“, denn die Kaufkraft der Main Street wird geschwächt, während ein Teil der Schulden an der Wall Street entleert wird. Trotz dieses zynischen Tricks fahren die Zentralbanken jedoch weiterhin im Suff auf den Abgrund zu. Welchen Schritt sie auch immer machen, sie verlieren. Wenn sie die Zinsen deutlich anheben und es schaffen, ihre Bilanz zu verkürzen (quantitative Straffung), wird die Schuldenblase platzen, was katastrophale Folgen haben wird – eine Möglichkeit, die durch den steigenden Index der Credit Default Swaps (CDS), d. h. der Versicherungsverträge gegen den Ausfall von Schulden, vorweggenommen wird. Wenn sie jedoch wieder zur quantitativen Lockerung übergehen, wird die Inflation noch schneller ansteigen. Man hat die Wahl zwischen einer deflationären Schuldenkrise und einer Stagflation. Beides ist schlimmer. Eine Stabilisierung dieses Szenarios ist praktisch unmöglich.

Aller Voraussicht nach wird die Schulden- und Börsenkrise weiter hinausgezögert werden. Das große Finale – ein biblischer Crash jenseits unserer Vorstellungskraft, ausgelöst durch die Explosion der Schuldenmarkt-Hyperblase – wird derzeit durch das inflationäre Abwürgen der Realwirtschaft hinausgezögert. Das bedeutet, dass der „Elendsindex“ (Kombination aus Inflation und Arbeitslosenquote) noch weiter steigen wird. Die Zentralbanken können die Inflation nur mit Worten zähmen: Sie wissen, dass jede Straffung der Geldpolitik mit der gegenteiligen Notwendigkeit verbunden ist, die öffentliche und private Verschuldung weiter zu monetarisieren, d.h. Geld aus dem Nichts zu schaffen. In gewissem Sinne kehren wir also in die Vorgeschichte des Kapitalismus zurück und haben es erneut mit dem Problem des „Geldes ohne Wert“ zu tun. Hier schließt sich fast der Kreis. Die Entwertung des Mediums Geld stellt sich heute jedoch als die Katastrophe der „Arbeitsgesellschaft“ dar, des Systems der abstrakten, durch den Markt vermittelten Arbeit. Die gegenwärtige bio- und geopolitische Gewalt (Virus, Krieg und andere kommende globale Notlagen) ist ein integraler Bestandteil dieser selbstzerstörerischen Entwicklung; ein bewusster Versuch, die Implosion mit autoritären Mitteln zu steuern. Wir haben nur eine wirkliche Wahl: Entweder wir beginnen, uns von den Formen der Ware, des Wertes und des Geldes und damit von der Kapitalform als solcher zu emanzipieren, oder wir werden in ein neues dunkles Zeitalter der Gewalt und der Regression hineingezogen.

Referenz:

[i] Robert Kurz, Schwarzbuch Kapitalismus. Ein Abgesang auf die Marktwirtschaft (Frankfurt: Eichborn), 2000.

Fabio Vighi ist Professor für Kritische Theorie und Italienisch an der Universität Cardiff, Großbritannien. Seine jüngsten Arbeiten umfassen Critical Theory and the Crisis of Contemporary Capitalism (Bloomsbury 2015, with Heiko Feldner) and Crisi di valore: Lacan, Marx e il crepuscolo della società del lavoro (Mimesis 2018).

Bild von PublicDomainPictures auf Pixabay

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Vom Krieg gegen Covid zur Eskalation des Krieges in der Ukraine – eine Analyse von Fabio Vighi

Imperium der Inflation – Die selbstzerstörerische Natur des Finanzkapitalismus

14 Kommentare

  1. C. WT. 2. Oktober 2022 at 10:16Antworten

    Grundsätzlich zerbricht alles in seinen inneren Widersprüchen. Eines ist sicher, ich lasse mich nicht davon abzulenken, egal wie oft und wie groß die Krisen angeblich sind, auch nicht durch Angst und Panikmache lasse ich mich ablenken, so wie die Politiker es gern hätten.
    Der Staat melkt die Bürger, sodass sie praktisch keine Chance haben etwas aufzubauen oder jemals 10 Euro mehr in der Haushaltskasse zu bekommen. Erhöhung bei Rentner z. B. die zusätzlich vom Staat Unterstützung erhalten müssen, obwohl sie über vierzig Jahre gearbeitet haben und eine Hungerrente bekommt, die werden verrechnet, sodass immer wieder in deren Kassen derselbe Betrag bleibt wie zur Rentenbeantragung. Schöne Worte machen nicht satt, Herr Kanzler.

  2. G.R. 2. Oktober 2022 at 10:03Antworten

    Gratuliere! Ein Meilenstein zu meiner Erkenntnisgewinnung, warum andauernd „Falschgeld“ gedruckt wird und wofür die Welt- bzw. Europakrisen nötig waren und sind. Das ergibt für mich Sinn, wenn auch nichtsnutzigen Sinn. Somit brauche ich auf ein Wirken einer Friedensbewegung (die sich erfolgreich versteckt) nicht zu warten, sondern für mich, Familien und Freundschaften in dauerhafte Deckung zu gehen. Es bleibt noch jenen die es möchten: „Bleibt untereinander gelassen und fröhlich!“ zu raten. MFG

  3. PALLA Manfred 2. Oktober 2022 at 3:47Antworten

    Dazu auch höchst interessant: – „Die Schatten-Monarchie“ von T.-O. Regenauer auf RUBIKON (01/10) !!! – wie ADELS-Dynastien im 21. Jhd. weiter Ihre Macht global ausüben, spez. die Britische Krone !!! ;-)

  4. Jan 1. Oktober 2022 at 22:32Antworten

    Elegant um den heißen Brei herumgeturnt.

    Der rosa Elefant heisst: Energiemangel!

    Russland kann die für Europa gedachte Energie lässig in Asien absetzen. Gleichzeitig kann Europa nirgendwo Energie zukaufen. Das bedeutet, wir haben mehr Nachfrage als Angebot.

    Einige meinen nun, dann hätten die Preise vor 2019 steigen müssen. Das ist so eine Sache. Steigende Energiepreise bei gleicher Produktivität kann man nicht bezahlen.

    Der Finanzturbokapitalismus hat nur minimale Wachstumsraten gebracht. So richtig gelohnt hat er sich nicht. War das ein Selbstzweck?

    Warum kam denn die Krise 2008? Weil der Ölpreis stieg und damit die Pendlerkosten in die Suburbs. Die Leute entschieden sich, teureres Benzin zu kaufen, um weiter arbeiten zu können, und zahlten stattdessen ihre Hypotheken nicht.

    2005 war Peak Crude Oil. Seitdem rechnet man „Fracking-Gas“ mit zu Öl. Daher stimmte die Kurve wieder. Bis jetzt ist sie allerdings noch nicht wieder auf Vor-Corona-Niveau. Und Gas hat natürlich eine verringerte Produktivität.

    Ölförderung und Wirtschaftswachstum laufen parallel.

    Corona, Hunger und Krieg sorgen für eine Bevölkerungsreduktion. Damit steigt die Energie-pro-Kopf-Relation auch bei sinkender Produktion.

  5. Haderach 1. Oktober 2022 at 10:27Antworten

    Interessante Analyse, leider bezeichnet der Autor unser aktuelles Sytem als Kapitalismus. Das ist es nicht. Staatlich gesteuerter Zins, Monopolgeld als FIAT Währungen, staatszentralistisch organisierte Gesundheits- Renten- Bildungs- und Sozialpolitik, das alles hat mit echtem Kapitalismus, i.e. Marktwirtschaft nichts zu tun. Was wir haben ist Geldsozialismus, siehe Roland Baader.

  6. G. Kanten 1. Oktober 2022 at 10:06Antworten

    Es dient nur einer Sache: Die Gelddruckmaschine am Laufen zu halten. Das war schon immer so. Erst die Pandemie, dann der Krieg, dann Energiekrise und jetzt mit Nord-Stream-Sabotage. Der täglichen Massaker richtet mehr Schaden an als alles andere. Der Zusammenbruch ist bereits überfällig. Vom Untergang aus kann man Gott sei Dank nicht mehr berichten.

  7. Hecht 30. September 2022 at 23:39Antworten

    Könnten Sie mal folgenden logischen Widerspruch lösen. Gedankenkonstrukt geschlossene Volkswirtschaft (was ja die Welt ist). Realwirtschaft, eine definitive uneingeschränkt gültige Grundannahme. Jede Einnahme ist die Ausgabe einers anderen, sowie jede Ausgabe die Einnahme eines anderen ist. z.B. Wirtshaus Rechnung, der Wirt nimmt +30 Euro ein, sie geben -30 Euro aus. Das Unternehmen gibt ihren Lohn aus -, sie nehmen den Lohn ein+. Wenn Sie alle Einnahmen und Ausgaben in dieser geschlossenen Volkswirtschaft z.B. über ein Jahr dokumentieren, gibt es zu jeder Einnahme eine Ausgabe und wenn sie über alle Einnahmen und Ausgaben addieren erhalten Sie logischer Weise null.
    Wenn jede Wirtschaftseinheit über ihre eigenen Einnahmen und Ausgaben nach dem Jahr bilanziert und entweder Gewinn oder Verlust ermittelt und Sie sämtliche Gewinn/Verluste aller Wirtschaftseinheiten addieren, wäre es so, als hätten Sie über alle Einnahmen und Ausgaben addiert und daher erhalten Sie zwangsweise 0.
    Jetzt wollen aber Unternehmen Gewinne schreiben, sonstige Institutionen Gewinne schreiben und Privat Personen sich was ansparen. Das geht aber nicht weils zu jeden Gewinn einer Wirtschaftseinheit (Einnahmen mehr als Ausgaben) einen Verlust einer Wirtschaftseinheit geben muß (Ausgaben mehr als Einnahmen). Wie wollen Sie das ohne Schulden lösen?

    • Elisabeth 1. Oktober 2022 at 3:46Antworten

      Es gibt auch den Gegenwert. MMn geht es um die Deckung der Schulden. Für einen Kredit muss der Normalbürger Sicherheiten anbieten, Hypotheken etc. Früher hat man mal gesagt, die Hypothek darf nur 50% des Verkehrswertes ausmachen. Heute ist sie oft doppelt so hoch. Aber je größer die Schuldner, umso geringer sind die Sicherheiten. Bei Staaten sind es die Bürger und alles, was ihnen gehört.

      Sobald Geld und Schulden keinen Gegenwert haben, kann das nur mit massiven Verwerfungen gelöst werden. Die Golddeckung für den Dollar wurde ja Anfang der 70er aufgehoben. Das Papiergeld kehrt somit zu seinem realen Wert zurück, null. Man müsste die Erde, samt allem, was sich darauf und darinnen befindet, mehrfach an div. Außerirdische verkaufen, um die Schulden, die existieren, damit zu tilgen. Wir sind zB im Besitz der Börsenspekulanten, die darum die Leadership in der EU übernommen haben.

  8. paulohbruder 30. September 2022 at 21:54Antworten

    „Von Covid-19 bis Putin-22“ lautet auch ein Band politischer Lyrik, den ich allen Denkenden und Widerständigen anempfehlen möchte (weil Gedichte kurzgefasst den Nagel auf den Kopf treffen, ohne viele Worte zu verlieren). Zu bestellen bei: pad-verlag@gmx.net. ISBN 978-3-88515-341-6

  9. Hannibal Murkle 30. September 2022 at 19:54Antworten

    „Der Feind wird also nicht mehr konstruiert, um die Expansion des Empire zu legitimieren. Stattdessen dient er dazu, den Bankrott unserer schuldengeplagten Wirtschaft zu verschleiern.“

    Dennoch werden die Weltherrschaft-Träume immer noch nicht aufgegeben – sichtbar an vergegebenen Titeln wie „Global Leader“. Oder das häufige Gebrabbel vom „globalen CO2-Preis“ zum Füttern westlicher Green-Tech-Oligarchen, selbstredend im Westen festgesetzten – dafür müsste die heldenhafte ukrainische Armee zuerst ganz Russland bis zum Pazifik erobern. Danach China, dann ein Schwenk nach Indien und nur noch Afghanistan, wo gerade die gesamte NATO gescheitert ist.

  10. Elisabeth 30. September 2022 at 19:34Antworten

    Wow, danke!

  11. Dr. med. Veronika Rampold 30. September 2022 at 18:37Antworten

    Meine Wenigkeit hat eine einfache eigene Theorie über den Konsumkapitalismus der letzten Dekaden.
    Sie lautet:

    Das System der WAchstumswirtschaft begrenzt sich selbst durch die Bedürfnisse der Menschen.
    Hat die Mehrheit alles Notwendige und Nützliche, wird der Kapitalismus dysfunktional.

    Zunächst kann man die aufscheinenden Widersprüche durch Werbung, Kaufidolatrie, verdecken.
    (dAs klappte verdammt lang, ich hätte nie geglaubt, dass der Zauber 60 Jahre – vom Wirtschaftswunder bis 2020 – wirken würde. Aber zuletzt hatten normale europäische Bürger alles doppelt und dreifach und die Dachböden und Keller waren ebenso voll wie die Wohnungen. Wozu dann noch kaufen? Ich bin überzeugt, viele waren um die Einschränkungen in den letzten 2 Jahren, die sie zB via home office oder Partyverbot von der Belastung des sichschönmachens und teuereinkleidens erlöste, heimlich FROH! Aus der Konsumfreude ist doch spätestens in den 2000ern Konsumzwang geworden…)

    Sobald die Menschen mehrheitlich spüren, dass sie nur einen Teil ihrer Bedürfnisse durch Kaufen und über Geld erfüllen können und dass die Kauf- und Geld-Idolatrie mit all ihren Folgen, zb „Smombietum“, die Erfüllung der NICHt käuflichen Bedürfnisse, welche die eigentlich menschlichen sind, stört und hindert („Digitalisierung = Vereinsamung“ stand an eine WAnd in Herford gesprüht im Jahr 2015, ein Hilferuf!) wird das SYstem in sich auch instabil (dieser Lernprozess des Volkes fing in den 1970ern an, stagnierte ab den späten 80ern durch die naive Begeisterung für digitale Technolügie, nahm ab 2008 wieder zu);

    dann kommt es erst zu absurden Auswüchsen der Kaufideologie bis hin zur Selbstschädigung, z. B. Tattoo, Geschlechtsumwandlung (2000-2010er Jahre) – das war eine Art Louis Seize – Zeit von heute;

    und zuletzt wird die skrupellose Diktatur hinter der schönwetterhumanen Maske sichtbar (seit 3/2020)
    und es kommt zu Verelendung, die aber anders als von Marx beschrieben v.a. die menschliche, nicht die materielle Versorgungsebene betrifft. Wir kommen geistig-moralisch herunter (auch dies fing schon in den1970ern kleinklein an, wurde aber erst in den frühen 2000er Jahren sichtbar für alle Bürger, als Komasaufen zum Hobby der Teenies wurde…).

    wie es weitergeht?
    Setzt einfach den Lernprozess der Emanzipation vom Kaufen und viele-sachen-haben fort… Gott hilft!

    • Elisabeth 30. September 2022 at 19:42Antworten

      Auch wow!
      Dieser Blog ist so edel. Ich liebe euch :-)

      Stimmt, ich denk mir das auch schon lange. Ich habe alles. Ich brauche fast nichts. Man fühlt sich so übersättigt und kasteit sich freiwillig, damit es noch Spaß macht. Manchmal denke ich, vielleicht sehne ich mich sogar danach, arm zu sein? Denn ich tue ja so, als wär ichs schon …

      • I.B. 2. Oktober 2022 at 11:18

        „Manchmal denke ich, vielleicht sehne ich mich sogar danach, arm zu sein?“

        Zwischen nichts mehr zu brauchen und nichts zu haben, ist ein meilenweiter Unterschied. Ihrer Sehnsucht nach Armut können Sie sofort nachgehen, indem Sie Ihr monatliches Einkommen sofort bis auf das unbedingt Notwendigste verschenken. Selbst dann sind Sie noch nicht arm, denn Sie haben genug, um zu wissen, dass Sie am Monatsende nicht hungern müssen, genug, um Ihre Miete (oder Betriebskosten) bezahlen zu können und eine eventuell kaputt gegangene Waschmaschine reparieren oder ersetzen zu können.

        Hätte ein matti, Ernst oder Otto Huber einen derartigen Satz geschrieben, hätten Sie das nicht als Verhöhnung armer Menschen bezeichnet?

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