Studie über Mechanismen der Immunität gegen SARS-Cov-2 durch Infektion mit Erkältungs-Coronaviren

Ein hoher Prozentsatz von 85 bis 90 Prozent der mit SARS-Cov-2 infizierten Personen bleiben ohne oder leichten Symptomen. Der Großteil davon merkt die Infektion nicht einmal. Dass hier eine Immunität vorhanden sein dürfte, wurde schon lange vermutet. Forscher aus den USA und Australien haben nun die Ergebnisse ihrer Studien über die Mechanismen der Immunität dirch frühere Infektionen mit den gewöhnlichen Erkältungs-Coronaviren vorgelegt.

Es gibt viele Unbekannte über menschliche Immunantworten auf das SARS-CoV-2-Virus. SARS-CoV-2-reaktive T-Zellen wurden bei nicht exponierten Personen schon in mehreren Studien gefunden, was auf ein bereits vorhandenes kreuzreaktives T-Zell-Gedächtnis bei Menschen hinweist. Weitere Ergebnisse wurden nun in Sciencemag als Preprint veröffentlicht.

Die Art und Funktionsweise der T-Zellen, die für die Immunität sorgen, war bisher spekulativ. Bei menschlichen Blutproben, die vor der Entdeckung des SARS-CoV-2-Virus im Jahr 2019 entnommen wurden, zeigte sich bei einer Reihe bereits vorhandener CD4+ T-Speicherzellen Kreuzreaktivität zu SARS-CoV-2 und den Erkältungs-Coronaviren HCoV-OC43, HCoV-229E, HCoV-NL63 oder HCoV-HKU1. Daher kann ein T-Zell-Gedächtnis für Coronaviren, die Erkältungen verursachen, zumindest einen Teil der bei der SARS-Cov-2 Infektionen beobachteten umfassenden Immunität begründen.

Bisherige Studienergebnisse

Studien, die die menschliche Immunantwort gegen SARS-CoV-2 untersuchen, haben begonnen, SARS-CoV-2-spezifische T-Zell-Antworten zu charakterisieren, und mehrere Studien haben eine deutliche Aktivierung von T-Zell-Untergruppen bei akuten COVID-19-Patienten beschrieben.

So berichteten T-Zell-Studien, die mit fünf verschiedenen Ländern durchgeführt wurden, dass 20-50% der Personen, die nicht SARS-CoV-2 ausgesetzt waren, eine signifikante T-Zell-Reaktivität gegen SARS-Viren zeigten. Die Studien stammten aus  USA, Niederlande, Deutschland, Singapur und Großbritannien. Das allgemein beobachtete Muster war, dass die bei nicht exponierten Personen gefundene T-Zell-Reaktivität überwiegend durch CD4+ T-Zellen (T-Helferzellen) vermittelt wurde. Es wurde angenommen, dass dieses Phänomen auf bereits vorhandene Erkennung menschlicher Erkältungs-Coronaviren wie HCoV-OC43, HCoV-HKU1, HCoV-NL63 oder HCoV-229E zurückzuführen sei. Diese HCoVs haben ähnlichen Aufbau und Bestandteile wie SARS-CoV-2, sind in der Allgemeinbevölkerung weit verbreitet und in der Regel für leichte Symptome verantwortlich.

Diese kreuzreaktive T-Zell-Immunität gegen SARS-CoV-2 hat weitreichende Auswirkungen, da sie Aspekte der unterschiedlichen klinischen Ergebnisse von COVID-19 erklären, epidemiologische Modelle der Herdenimmunität beeinflussen und die Leistungsfähigkeit von COVID-19 Impfstoff-Kandidaten beeinflussen könnte.

Die Studienergebnisse

Für die Untersuchung wurden Proben von nicht exponierten Probanden verwendet, die zwischen März 2015 und März 2018 gesammelt wurden, lange bevor die weltweite Verbreitung von SARS-CoV-2 erfolgte. Die nicht exponierten Probanden wurden als negativ für SARS-CoV-2 bestätigt.

SARS-CoV-2-reaktive T-Zellen wurden auf ihre Reaktionen gegen die verschiedenen „Spikes“ getestet. In 82/88 Fällen (93,2%) waren die Zellen, die auf die SARS-CoV-2 reagierten, eindeutig CD4+ T-Zellen (T-Helferzellen). In vier Fällen (4,5%) waren die reagierenden Zellen CD8+ T-Zellen (die Suppressor- oder Killerzellen), und in zwei Fällen (2,3%) wurden die Antworten sowohl von CD4+ – als auch von CD8+ T-Zellen nachgewiesen.

Die Untersuchung konnte auch klären, welche Teile (Epitope) des SARS-Cov-2 von den bestehenden T-Zellen erkannt wurden. Diese Virenteile sind bei den Erkältungsviren und SARS gleich und können deshalb von T-Zellen die bei deiner der beiden Virenarten entstanden ist, erkannt und damit auch bekämpft werden.

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Bild: Pixabay

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