„Arglistige Täuschung“: RKI-Protokolle manipuliert

12. August 2024von 3,3 Minuten Lesezeit

Unzählige Dokumente der freigeklagten RKI-Protokolle wurden nachträglich geändert. Das ergibt eine Analyse der Metadaten und macht eine echte politische Aufarbeitung von Lockdown, und Impfregeln noch dringender. 

Entsprechende Vermutungen hat es schon länger gegeben – nun konnte es bestätigt werden: Die RKI-Protokolle wurden nachträglich geändert. Das betrifft mehr als die Hälfte der Protokolle des Zeitraums Jänner 2020 bis April 2021. Also die Hochphase der Covid-Politik. Der Anwalt des Mediums Multipolar spricht von „arglistiger Täuschung“, das RKI hält sich noch bedeckt.

Täuschung

TKP hat über eine nachträgliche Änderung in einem Protokoll bereits am heutigen Montag berichtet. Deshalb wurde Strafanzeige eingebracht. Doch die Causa um geänderte Protokolle dürft um einiges weitergehen.

Multipolar, das Portal von Paul Schreyer, der die RKI-Protokolle freigeklagt hat, meldet am Montag:

Eine Analyse der Metadaten der RKI-Protokolle zeigt, dass mehr als die Hälfte der Protokolle des Zeitraums Januar 2020 bis April 2021 – die Multipolar freiklagte –, nachträglich vom Robert Koch-Institut (RKI) geändert wurden. Multipolar-Mitherausgeber Paul Schreyer hatte am 5. Mai 2021 beim RKI einen Antrag nach dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG) auf Herausgabe der Protokolle gestellt. Die Mehrzahl der angefragten Protokolle wurden laut der nun untersuchten Metadaten jedoch unmittelbar darauf, am 6. und 10. Mai 2021, vom RKI geändert. Eine Nachfrage dazu blieb vom RKI zunächst unbeantwortet. (Ergänzung 12.8.: Unmittelbar nach Veröffentlichung dieses Textes bat das RKI um eine Zusendung der Analyse, äußerte sich aber noch nicht weitergehend.)

Rechtsanwalt Christoph Partsch, der Multipolar juristisch vertritt, hat beim Verwaltungsgericht Berlin am Montag (12. August) nun die Wiedereröffnung der mündlichen Verhandlung beantragt und spricht von „arglistiger Täuschung“. Die freigegebenen Protokolle seien „nicht die streitgegenständlichen, sondern größtenteils nach Antragstellung, teils nach Klageerhebung abgeänderte Dateien“, so Partsch in einem Schriftsatz an das Gericht. Nach dem öffentlichen Verhandlungstermin am 8. Juli, bei dem über eine weitere Entschwärzung der Protokolle beraten wurde, hatte das Gericht eine Verkündung des Urteils innerhalb von 14 Tagen angekündigt – ist dem bislang aber nicht nachgekommen. Das Urteil steht weiter aus. Befragt nach den Gründen für die Verzögerung verweigerte die Pressestelle des Gerichtes zuletzt eine Antwort. Zwischenzeitlich hatte am 23. Juli ein RKI-Whistleblower die vollständig entschwärzten Protokolle über ein Journalistenteam um Aya Velazquez an die Öffentlichkeit durchsickern lassen.

Wie Multipolar am vergangenen Freitag (9. August) bereits berichtet hatte, war in diesem Leak auch ein Entwurf des Protokolls vom 25. März 2020 aufgefunden worden, der eine Passage enthält, die in der vom RKI freigegebenen Version fehlt. Wie die Metadaten zeigen, wurde diese freigegebene Version erst im Januar 2023, kurz vor Übermittlung an Multipolar, vom RKI geändert. In der fraglichen Passage dieses Protokolls aus der ersten Lockdownwoche hieß es ursprünglich: „Bevölkerungsbezogene Maßnahmen zeigen Effekt (…) Ute [Rexroth]: aber gewagt, Causalität herzustellen – Wir sind ja generell am Ende der Grippesaison – vorsichtig formulieren“. Im Protokoll, dass das RKI später im Rahmen des Gerichtsverfahrens freigab, ist hingegen lediglich vermerkt: „Strategien [gehen] in die richtige Richtung. Aber vorsichtig formulieren!“ Die erwähnte Ute Rexroth war Fachgruppenleiterin für infektionsepidemiologisches Krisenmanagement beim RKI. Rechtsanwalt Friedemann Däblitz hat im Zusammenhang mit dieser Protokolländerung bereits Strafanzeige gestellt.

Ob Textpassagen erst nach IFG-Antragsstellung gelöscht wurden, oder ob solche Löschungen unmittelbar nach einer Sitzung im Rahmen der regulären Straffung von Protokollrohversionen erfolgten, ist unklar, da Zwischenversionen der Dateien bislang nicht öffentlich vorliegen. Die Analyse der Metadaten wurde vom Programmierer Tom Lausen im Auftrag von Multipolar erstellt.

Paul Schreyer kommentiert, dass „die Notwendigkeit einer parlamentarischen Aufarbeitung immer deutlicher“ werde. Der „Wust an Unregelmäßigkeiten und mutmaßlichen Täuschungsversuchen“ könne nicht allein von Gerichten „im Rahmen teurer Klageverfahren von Privatpersonen“ aufgeklärt werden. Es brauche nun den „politischen Willen der Abgeordneten zu einem Untersuchungsausschuss, der sauber aufklärt“, so Schreyer.

Bild „Speedy vor dem Robert Koch Institut“ by Bicycle Bob is licensed under CC BY-SA 2.0.

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9 Kommentare

  1. Reinhard Hardtke 14. August 2024 um 21:40 Uhr - Antworten

    Wenn es so weitergeht, sehe ich den Gesellschaftsvertrag – unser gemeinsames Zusammenleben als Gesellschaft, die Anerkennung von gewählten Vertretern zur Verwaltung der gesellschaftlichen Aufgaben, als gekündigt. Und das Urteile aus organisatorischen, kapazitären Gründen aufgeschoben werden, glaube ich auch langsam nicht mehr. Das Gericht sollte sich nach diesen schicksalhaften Ereignissen der letzten Wochen insb. der neusten Entwicklung entscheiden, ob sie weiter die Verantwortlichen in Regierung und Behörden schützen will. Diese Aggreement in gewissen Maßen ist Realität. Nur wenn es genug ist, ist es genug. Das was hier geschieht ist kriminell. Die Protokolle hätten eigentlich vom ersten Tag an online gestellt werden müssen. Ungeschwärzt. Das wäre echte Demokratie. Ohne Geheimnisse vor dem Souverän. Hier läuft mittlerweile alles falsch.

    Sind wir denn noch der Souverän? Oder sind wir mittlerweile Geiseln – Verfügungsmasse, die von eine kriminellen Kaste drangsalieren wird? Und auf welcher Seite steht unsere Justiz? Auf welche Seite die Medien stehen, weiss glaube ich jeder.

  2. Dorothea 13. August 2024 um 9:29 Uhr - Antworten

    Gerade die Interiews von Roland Karner mit Bürgern aus der Steiermark, bezüglich RKI-Protokolle, auf YT gesehen. Die Menschheit ist verloren. Ignoranz, Gleichgültigkeit, Desinteresse, anbiedern an die Politik, all das macht einfach fassungslos. Die Leute erkennen nicht das Unrecht, dass die Politik entgegen der Meinungen der Wissenschaft agiert hat. Die arglistige Täuschung wird hingenommen. Somit tut es mir nicht leid um die Mehrheit der Geimpften, selber schuld. Lediglich ein Mann am Ende des Videos, der wenigstens ein bisschen Kritik zeigt. Er würde sich zwar nicht mehr impfen lassen, jedoch fehlt mir eine gewisse Wut oder Anklage, die jeder mittlerweile Aufgeklärte wenigstens ansatzweise zeigen sollte. Mit der nächsten Pandemie wird gerechnet und das mit Ergebenheit.

    • Dorothea 14. August 2024 um 9:04 Uhr - Antworten

      „Selber schuld“ …das möchte ich ergänzen. Die alten und behinderten Menschen wurden und konnten es nicht selbst entscheiden. Die Menschen, die durch die Angstpropaganda in die Spritze getrieben wurden, waren in einem Ausnahmezustand, das lässt man sich auch noch einreden. Aber Angst war in den wenigsten Fällen der Grund, sondern: unkompliziert zu verreisen, speisen in Restaurants, dem Vorgesetzten nicht zu widersprechen, die bevorzugte Partei zu unterstützen ….
      Mit den immensen Collateralschäden müssen jetzt ALLE leben. Angehörige, die warnten, sehen sich mit den ärgsten Gesundheitsschäden in der Familie konfrontiert. Blutgerinnselentfernungen, Herpesausbrüche, Totgeburt, Herzschwäche bei jungen Menschen ….. das seelische Leid der warnenden Angehörigen sieht niemand, sie werden wegen ihrer Verzweiflung und ohnmächtigen Wut als herzlos, mitleidlos und unbarmherzig bezeichnet. Zuerst verlangten sie Solidarität beim Impfen, jetzt Solidarität beim Mittragen ihrer Tragödien.

  3. rudifluegl 12. August 2024 um 23:15 Uhr - Antworten

    Neben dem Zusammenbrechen eines Täters der sich vor Entsetzen über sich selbst schüttelt und vorgibt alles zu gestehen, haben wir nun diese Form des Geständnisses, bezüglich immer weiter fortgesetzter Verbrechen gegen die Menschheit. Die Bewusstwerdungsphase genau diese begangen zu haben, interessiert nicht mehr, im Vergleich dazu, wie mit unfassbarer krimineller Energie einfach weitergemacht wurde und immer mehr Menschen geschädigt oder getötet wurden.
    Die erste Form des „Zugebens“ würden allerdings schon durch die Masse der Täter, nur speziell organisierte „Beichtempfänger“ aushalten. Ob sich da etwas in den Beichtstühlen von Kirchen abspielt?
    Die zweite Form des „Geständnisses“ wird nun zeigen ob am Begriff des „Rechtsstaates“ noch irgendetwas ernst zu nehmendes vorhanden ist!
    Der neuerlichen Beweis dafür, dass die Zeiten der Aufarbeitung längst vorbei sind und nur mehr die Aufklärung dieser Verbrechen, plus vorgegebene Reaktion des Rechtstaates, zählt!

  4. Dorothea 12. August 2024 um 19:41 Uhr - Antworten

    Ob man je die Echtheit der angeblichen Originalniederschriften beweisen kann, ist zu bezweifeln. Wenn schon an den veröffentlichten, entschwärzten RKI-Files, ungeheuerliches zu Tage kam, wie niederträchtig muss es erst in den Orignalzitaten hergegangen sein.

  5. anamcara 12. August 2024 um 17:03 Uhr - Antworten

    2008 hat der damalige Präsident des RKI Jörg Hacker einen bemerkenswerten Vortrag* zur Rolle des RKI im Dritten Reich gehalten.

    Seine Lehren daraus sind heute von erschreckender Aktualität.

    Eine Passage des Vortrages ist besonders beachtenswert, weil Hacker in diesem Zusammenhang auf die allgemeinen Werte des Menschen zu sprechen kommt:

    “Für das Übertreten humanistischer Grundsätze, für die Verletzung der Würde und der körperlichen Unversehrtheit des Menschen gibt es zu keiner Zeit der Welt eine Rechtfertigung, auch wenn die Mehrheit ein solches Verhalten toleriert oder gar fordert.”

    Zum Schluss des Vortrages spricht Hacker, erschüttert von der Rolle des RKI in der Vergangenheit, auch die Zukunft an und benennt die wichtigste Lehre für uns aus dieser dunklen Epoche:

    “Jeder Einzelne, innerhalb wie außerhalb des Instituts kann und muss Rückgrat beweisen. Diskriminierung und emotionale Verrohung, Schutz von Tätern oder eine Unterscheidung in wertvolle und weniger wertvolle Menschen dürfen wir nicht hinnehmen.”

    Das, was die RKI-Protokolle jetzt zeigen, spricht nicht für bewiesenes Rückgrat, im Gegenteil, die verantwortlichen Mitarbeiter haben sich wieder korrumpieren lassen und somit ihrem eigenen Leitbild widersprochen.

    Das, was wir auf der Webseite des RKI lesen können, bezieht sich im Grunde nicht allein auf die NS-Zeit, sondern steht als universale Mahnung für die Ewigkeit festgeschrieben.

    Blautopf net hat zwei interessante Artikel „Vom RKI lernen“ und „Lernresistente RKI-Mitarbeiter“ veröffentlicht.
    *https://www.rki.de/DE/Content/Service/Presse/Pressetermine/presse_rki_ns_Stellungnahme.html

  6. Glass Steagall Act 12. August 2024 um 16:55 Uhr - Antworten

    Was zeigt uns das, wenn sogar die Originalprotokolle gefälscht wurden? Es zeigt, dass der ganze politische und behördliche Apparat durch und durch korrupt ist und selbst dann lügt, wenn die Wahrheit gerichtlich angeordnet wurde! Es zeigt auch, wie man das Volk einordnet … nämlich wie ein Haufen unmündiger Idioten, die man für alles zahlen lässt und dafür noch mit Freiheitsentzug belohnt! Das sollte sich jeder Bürger gut merken, wenn die Politik mal wieder mit weiteren Forderungen an den Bürger kommt oder wenn mal wieder der falsche Spruch über die „Verteidigung der Demokratie“ abgelassen wird!

    Für mich sind diese Behörden und die Politik nur Dreck! Gleiches gilt für die superreichen Drahtzieher im Hintergrund! Es gibt nichts positives von denen … NICHTS!

  7. Ed Uscho 12. August 2024 um 15:37 Uhr - Antworten

    Als ob es einen politschein Willen bei den Tätern gäbe. Und die gleichen Täter sind gegenüber den Staatsanwaltschaften weisungsberechtigt. Eine Aufarbeitung oder gar strafrechtliche Konsequenzen wird es also nicht geben. Im Gegenteil, bei der nächsten herbeibetrogenen Pandemie wird man erst gar keine Protokolle erstellen.

  8. Daisy 12. August 2024 um 15:23 Uhr - Antworten

    Was für eine Frechheit! Wann reicht das denn endlich?

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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