Coronavirus Antikörpertests in Schweden: 20 Prozent Immunität in Stockholm

Das schwedische Gesundheitsamt hat das Ergebnis seiner ersten Testserie auf Antikörper zum Coronavirus mitgeteilt. Aus den Ergebnissen schließt der verantwortliche Epidemiologe Anders Tegnell, dass in Stockholm eine Immunität bei über 20 Prozent der Bevölkerung erreicht sei.

Aber nun von vorne: Ein Antikörpertest überprüft, ob im Blut Antikörper, vorhanden sind, die eine vergangene Infektion nachweisen. Sie unterscheiden sich von den PCR Coronavirus-Tests, die eine aktive Infektion anzeigen.

Langzeit Untersuchung in Schweden

In neun schwedischen Regionen sammelten die Laboratorien über einen Zeitraum von acht Wochen rund 1.200 Proben pro Woche: Jämtland, Jönköping, Kalmar, Skåne, Stockholm, Uppsala, Västerbotten, Västra Götaland und Örebro.

In der Woche bis zum 3. Mai waren 7,3 Prozent der Proben von Menschen in Stockholm in der Studie positiv. In Skåne waren 4,2 Prozent der Proben positiv, in Västra Götaland 3,7 Prozent.

Der zeitliche Verlauf

Wie bei dieser Pandemie üblich, spielen auch hier zeitliche Verzögerungen eine Rolle. Zum Beispiel geht man derzeit davon aus, dass es bei Todesfällen im Schnitt 23 Tage vorher zur Infektion gekommen war. Weiter dauert es einige Wochen, bis der Körper ausreichend Antikörper entwickelt, dass sie nachweisbar sind. Daher sagte das schwedische Gesundheitsamt: „Die Zahlen spiegeln den Zustand der Epidemie Anfang April wider, da es einige Wochen dauert, bis das körpereigene Immunsystem Antikörper entwickelt.“

Der Staatsepidemiologe Anders Tegnell erläuterte die Ergebnisse. Grundsätzlich seien die Zahlen „nicht weit von denen des Modells entfernt“.

„Wir sind jetzt nicht bei sieben Prozent [Infektionsrate in Stockholm]. Es waren sieben Prozent um Woche 15, das ist also ziemlich lange her. Diese Leute waren in Woche 18 [der Woche bis zum 3. Mai] immun, das heißt sie wurden irgendwann in Woche 14 oder 15 krank. Wir sind jetzt in Stockholm bei über 20 Prozent“, sagte Tegnell Journalisten auf der Pressekonferenz.

Es ist noch unklar, welchen Grad an Immunität eine frühere Infektion mit dem Virus zur Folge hat. Mehrere Studien haben jedoch gezeigt, dass infizierte Menschen einige Antikörper haben, die nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation wahrscheinlich „ein gewisses Maß an Schutz“ gegen eine erneute Infektion bieten würden. Es gibt jedoch noch keine Beweise dafür, ob oder wie lange Menschen vollständig immun sind.

„Wann wir ein Niveau erreichen, das die Ausbreitung von Infektionen erheblich verringert, wissen wir immer noch nicht wirklich, und deshalb haben wir die Herdenimmunität nie zum Ziel erklärt. Das Ziel ist vielmehr, dass wir Maßnahmen ergreifen um die Ausbreitung von Infektionen so gering zu halten, dass das Gesundheitswesen und andere [Teile der Gesellschaft] weiterhin funktionieren können“, sagte Tegnell.

Altersgruppen unterschiedlich betroffen

Die Tests zeigten auch, welche Bevölkerungsgruppe am stärksten vom Virus betroffen war.

Im ganzen Land waren Antikörper bei Erwachsenen zwischen 20 und 64 Jahren am häufigsten, wobei 6,7 Prozent der Tests in dieser Altersgruppe positiv ausfielen, verglichen mit 4,7 Prozent positiv für die Altersgruppe 0-19 und nur 2,7 Prozent für die Altersgruppe 65 -70.

„Es gibt einen großen Unterschied zwischen verschiedenen Altersgruppen in der Gesellschaft, der gut ist. Die Gruppe über 65 und 70 hat es geschafft, sich zu isolieren, und Kinder sind weniger krank als die Gruppe zwischen 30 und 64“, sagte der Epidemiologe Anders Tegnell bei Pressekonferenz am Mittwoch.

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