Logistik-Konzepte in Österreich und der Schweiz – ein Vergleich

E-Commerce boomt und damit auch die Logistikbranche, die die bestellten Artikel von den Produzenten über die Warenlager der Online-Händler zu den Endkunden bringt. Eine der Folgen davon ist, dass bereits überlastete Straßen noch mehr Verkehr aufnehmen sollen was insbesondere in Ballungsräumen Probleme schafft.

Die Schweiz bereitet eine radikale Lösung vor in Österreich wird das Problem verschoben und dadurch noch größer gemacht.

Verlagerung an den Stadtrand in Österreich

Der Güterverkehr ist in Wien für 25 % der CO2 Belastung und gar für 70 % der Stickoxidemissionen verantwortlich, so zu lesen im Logistik-Express. 2008 war der Klein-LKW (unter 3,5 t) in Wien für 135.000 t CO2-Emissionen verantwortlich. Zwar hat man erkannt, dass Verteilzentren möglichst nahe bei den Kunden zu platzieren sind, hält dies aber in Wien für nicht durchführbar, weil die dafür erforderlichen Flächen im Bereich hochwertiger innerstädtischer Grundstücke gebaut werden müssten. Das ist bei den Grundstückspreisen nicht realisierbar und Schwerverkehr im innerstädtischen Bereich ist natürlich unerwünscht.

Im Februar 2017 startete eine mit Vertretern der Stadt Wien, dem Land Niederösterreich und den Wirtschaftskammern Wien und Niederösterreich beschickte Arbeitsgruppe mit der Erarbeitung von Lösungsansätzen für eine umweltfreundliche aber auch wirtschaftsfreundliche City-Logistik für Wien, so Davor Sertic, MBA (Unit Cargo GmbH, Spartenobmann für Transport und Verkehr in der Wirtschaftskammer Wien).

Ein wichtige Rolle soll dabei ein riesiges Logistikzentrum bei Korneuburg spielen. Im ersten Schritt soll die Post auf 10 Hektar ihre Paket-Logistik ausbauen. Geplant sind aber weitere Ansiedlungen von verwandten Unternehmen. Dafür stehen insgesamt 40 Hektar zur Verfügung, wie der Raumplanung der Gemeinde Langenzersdorf zu entnehmen ist, auf deren Gemeindegebiet der Logistikpark gebaut werden soll.

Das Areal befindet sich allerdings in unmittelbarer Nähe zu den Wohngebieten von Korneuburg und Bisamberg. Die Region leidet bereits jetzt unter starkem Zuzug und überbordendem Verkehr. Projekte in Korneuburg wie der geplante riesige Campus der RWA Raiffeisen Ware Austria AG werden ohnehin für eine massive Verkehrszunahme sorgen.

400 km Logistiksystem in 50 Meter Tiefe in der Schweiz

Unser Nachbarland ist leidgeprüft, was Staus anbelangt – 50 Minuten Verzögerung auf der Autobahn zwischen Bern und Zürich sind bereits Standard. Die Autofahrer konkurrieren mit den Schweizer Spediteuren, und die wiederum mit dem Transitverkehr aus und nach Frankreich, Deutschland, Österreich und dem Balkan um jeden Meter Asphalt.

Aber auch die Bahn ist bereits überlastet. Wolfgang Stölzle, Logistikexperte an der Uni St. Gallen, beschreibt die Situation: „Da haben wir ja in der Schweiz schon eine Besonderheit, dass wir eine sehr hohe Akzeptanz der Bahn haben und ein beachtlicher Anteil der Berufspendler beispielsweise zwischen Zürich und Bern mit dem Zug fährt. Und das bedeutet, Sie werden zu den Stoßzeiten in den Zügen keinen einzigen Sitzplatz mehr finden. Die fahren momentan halbstündig und fahren voll. Mehr ist nicht drin, denn wenn sie auf einen Viertelstunden-Takt gehen, das wurde auch schon untersucht, dann würde das bedeuten, dass der Güterverkehr von der Strecke fliegt.“

Anders als bei uns sind also in der Schweiz nicht nur die Straße, sondern auch die weit besser ausgebauten Bahnlinien überlastet. Deshalb setzt der Experte Peter Sutterlüti, der dreißig Jahre lang die Logistikbereiche der Schweizer Post geleitet hat, auf ein Projekt, das einen ganz neuen Weg wählt, dort, wo es noch Platz gibt: unter der Erde.

Der Name: Cargo Sous Terrain, unterirdische Fracht. Cargo Sous Terrain – kurz CST – steht für eine Tunnelröhre in durchschnittlich 50 Metern Tiefe quer durch das Schweizer Mittelland von Ost nach West, von St. Gallen über Winterthur, Zürich und Bern bis Genf, mit Ablegern nach Luzern, Basel und Thun.

Infografik_Karte_Gesamtnetz

In der sechs Meter breiten unterirdischen Tunnelröhre sollen sich unbemannte Fahrzeuge sich mit einer konstanten Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometern bewegen. Sie können frei auf den Spuren navigieren, zu Zügen gekoppelt sowie aus dem Verkehrsstrom ein- und ausgegliedert werden. Für Einzelgüter ist an der Tunneldecke eine dreispurige Paket-Hängebahn vorgesehen, die doppelt so schnell, also mit 60 Stundenkilometern laufen soll.

Die Be- und Entladung geschieht über redundant ausgeführte Aufzugssysteme, die die Waren in Hubs an der Oberfläche befördern. Ob Cargo Sous Terrain eine Erfolgsgeschichte wird, hängt aber auch davon ab, wie die Waren von den Hubs am Stadtrand oberirdisch in die Innenstadt geliefert werden können. Bisher gibt es hierfür in der Schweiz, wie auch in Österreich, keine ökonomisch und ökologisch abgestimmte City-Logistik. Im Einsatz sind überwiegend uralte Transporter nach Euro 3 oder Euro 4 Standard, die meist von kleinen Sub-Unternehmern betrieben werden.

Infografik_System

Fazit

Der Schweizer Plan ist eine sehr radikale Lösung mit enorm hohen Kosten und nur bedingt auf andere Länder übertragbar. Aber immerhin versucht man den Verkehr zu verlagern, wieder dem Personenverkehr Raum zu schaffen, schont die Umwelt und schafft Platz für unbelastetes Wohnen.

Was in Österreich dagegen passieren soll, nimmt nur auf die Interessen der Wirtschaft Rücksicht, schädigt die Umwelt und die Wohnbevölkerung. In den Städten sind die Grundstückspreise zu hoch für Betriebsflächen. Deshalb geht man an den Stadtrand baut dort Mega-Zentren die enorm viel Verkehr anziehen und verursachen. Da aber rund um die Städte die sogenannten Speckgürtel entstanden sind, ist auch da die Wohndichte bereits sehr hoch geworden. Auf die Wohnbevölkerung und die Anrainer wird keinerlei Rücksicht genommen. Die ÖVP-Landesregierung unterstützt diese rücksichtslosen Pläne und will das geplante riesige Logistik-Zentrum bei Korneuburg durchziehen. Jein Wunder, dass dagegen eine stetig wachsende Bürgerinitiative ankämpft.

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