Die Generation Z will „regeln“, widerspricht sich dabei aber selbst: Sie fordert ein bezahlbares Leben und weniger Kürzungen – und gleichzeitig einen harten Klimaschutz, der genau diese Lebenshaltungskosten maßgeblich in die Höhe treibt.
An diesem Samstag wollen auch deutsche Schüler in vielen deutschen Städten demonstrieren. Man wird sehen, ob diese Proteste eine kritische Masse erreichen und zahlenmäßig mit denen in Frankreich vergleichbar sind. Die Medien werden jedenfalls versuchen, sie zu deckeln. Zu den Protesten aufgerufen hat eine Gruppe namens „Generation Z regelt“. Unter Generation Z versteht man die zwischen 1995 und 2010 Geborenen. Sie haben also in ihrem ganzen Leben nur einen ökonomischen, gesellschaftlichen und politischen Niedergang mitbekommen.
Ihre Forderungen richten sich demnach gegen die weitere Verschlechterung ihrer ökonomischen und sozialen Situation, wenn es heißt:
- Gespart wird bei Bildung, Sozialem, Kultur und Gesundheit. Suchtkliniken für Jugendliche und junge Menschen schließen, Psychotherapie ist für viele kaum noch erreichbar. Unsere Forderung: Geld für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie statt Kürzungen.
- Preissteigerungen, hohe Steuern und Armut belasten viele Menschen im Alltag. Ihre Sorgen bekommen zu wenig Aufmerksamkeit. Unsere Forderung: Ein bezahlbares Leben. […]
- Die Kürzungen gehen auf unseren Rücken, während Großunternehmen weiter profitieren und Milliarden in Aufrüstung fließen.
- Wir sollen für Kriege ausgebildet werden, über die wir nie mitentschieden haben. Unsere Forderung: Nein zur Wehrpflicht. Über unsere Zukunft entscheidet niemand ohne uns.
Dies sind sinnvolle und in jedem Fall unterstützenswerte Forderungen. In diesem Sinne stehen diese Demonstrationen in einem starken Gegensatz zur letzten großen Jugendmobilisierung von 2019, die von der grünennahen Fridays-for-Future-Bewegung getragen wurde.
Ganz ohne Klimahysterie kommt aber auch die heutige Bewegung nicht aus. Denn eine weitere Forderung dreht sich um noch härteren Klimaschutz: „Die Klimakrise trifft unsere Generation am härtesten. Trotzdem wird echter Klimaschutz immer weiter verschoben. Unsere Forderung: Konsequenter Klimaschutz jetzt, damit wir eine Zukunft haben.“
Es scheint sich noch nicht bis in die Schulen herumgesprochen zu haben, dass die hohen Lebenshaltungskosten wesentlich eine Folge der Klimapolitik sind. Die Kappung der Energiebeziehungen der EU zu Russland hat zwar eine Rolle gespielt. Aber noch wichtiger waren die ganzen wahnsinnigen Klimamaßnahmen wie die Abschaltung der Kern- und Kohlekraftwerke, der Ausbau der Erneuerbaren und der Netzausbau.
Hohe Energiepreise
Wichtigste Ursache des sinkenden Lebensstandards und immer neuer Sparorgien ist der Rückgang der deutschen Industrieproduktion, die wiederum maßgeblich durch hohe Energiepreise hervorgerufen wurde.
Von einer Indexzahl 120 im Jahr 2018 sank die Industrieproduktion auf 80 im Jahr 2025 (Index 100 in 2021).
Die hohen Energiepreise sind gewollt und ein Resultat politischer Entscheidungen. Ein wichtiges Beispiel sind die Strompreise:
Sie stiegen von der Indexzahl 100 im Jahr 2000 auf 329 im Jahr 2023 (Verbraucherpreise). Der Industriestrompreis stieg immerhin noch von Index 100 im Jahr 2000 auf Index 158 im Jahr 2023.
Hierfür sind folgende Faktoren maßgeblich:
Abschaltung aller Kernkraftwerke bis 2023. Dies bewirkte aufgrund des preistreibenden Merit-Order-Mechanismus einen besonders starken Preisanstieg. Das von der EU ihren Mitgliedsstaaten im Rahmen der Strompreisliberalisierung auferlegte Merit-Order-Prinzip sieht vor, dass Stromproduzenten in der Reihenfolge ihrer Gestehungskosten aufgereiht werden, vom preiswertesten bis zum teuersten Kraftwerk. Hier kommen zunächst die „Erneuerbaren“, weil bei ihnen aufgrund einer politischen Entscheidung die Gestehungskosten schlankweg auf Null gesetzt wurden, dann die Kernkraftwerke, die Braunkohlekraftwerke, die Steinkohlekraftwerke und schließlich die Gaskraftwerke. Das Kraftwerk mit den höchsten Gestehungskosten, das in einer aktuellen Situation gerade noch benötigt wird, bestimmt den Preis. Alle Anbieter, die preiswerter produzieren, können Extraprofite realisieren. Durch den Wegfall der Kernkraftwerke muss sehr viel häufiger die nächstteure Kraftwerkskategorie aktiviert werden, darunter auch die besonders teuren Gaskraftwerke.
CO₂-Bepreisung. Die EU erhöhte im Jahr 2021 den CO₂-Preis ohne jede öffentliche Diskussion um satte 400 %. Abgedeckt wurde dieser Anschlag auf unseren Wohlstand durch das Lärmen der Pandemie. Dadurch verdreifachte sich der Strompreis bei Kohlekraftwerken und er erhöhte sich bei Gaskraftwerken immerhin um 40 %.
Russland-Sanktionen. Der Ausfall der Gaslieferungen aus Russland, zahlreiche Sanktionen und Spekulationsattacken ließen die Gaspreise in die Höhe schießen.
Verbrennerverbot. Durch das ab 2035 geltende Verbrennerverbot wurde die deutsche Automobilindustrie sehr hart getroffen und immer mehr Arbeitsplätze werden dort und bei Zulieferern gestrichen. Es kommt zu einer flächendeckenden Deindustrialisierung.
„Erneuerbare“ Ein wichtiger Kostentreiber ist die Umstellung der Energieversorgung auf „Erneuerbare“. Hier fallen nicht nur jährliche direkte Subventionen in Milliardenhöhe an, sondern auch extrem hohe Kosten für den Netzausbau, gefährliche Handeingriffe in das Stromnetz („Redispatch“) und die Vorhaltung eines Reservekraftwerksparks für Dunkelflauten aus besonders teuren Gaskraftwerken. Nach einer aktuellen Studie des Prognose-Forschungsinstituts werden horrende 6 Billionen Euro für Net Zero benötigt. Durch diese Wahnsinnspolitik wird unser Wohlstand richtiggehend aufgezehrt.
Was bedeutet „konsequenter Klimaschutz“?
Ein „konsequenter Klimaschutz“, wie ihn die Generation Z fordert, bedeutet unter anderem Verbrennerverbot, Wärmepumpenzwang, die von der EU beschlossene Zwangsstillegung großer Teile unseres Wohnraumes ab 2030 sowie weitere soziale Grausamkeiten.
In der Folge führt ein harter Klimaschutz zu einer massiven Verarmung großer Teile unserer Gesellschaft. Die grüne Journalistin Ulrike Herrmann spricht offen davon, dass die Normalbevölkerung in Zukunft zugunsten des Klimas ein Schrumpfen ihres Wohlstandes und Rationierungen hinzunehmen habe.
Der Energieverbrauch der Durchschnittsverdiener könnte um gut 80 Prozent zurückgehen. Das führt zu massiven Einschnitten im Lebensstandard und bedeutet Leben in großen Schlafsälen ohne die geringste Privatsphäre, in die uns das World Economic Forum zusammenpferchen will, keine individuelle Mobilität, Leben in Freiluftgefängnissen der 15-Minuten-Städte, keine Reisen, keine Milch, kein Fleisch, nur ekelhafter Insektenfraß, drei Kleidungsstücke pro Person und Jahr und eine zeitlich sehr begrenzte Nutzung von elektrischen Geräten. Damit würde sich die „Prophezeiung“ des World Economic Forums verwirklichen: „Du wirst nichts besitzen, aber glücklich sein.“ Der Schriftsteller Thomas Eisinger gibt in seiner Dystopie Hinter der Zukunft (2021) einen beklemmenden Einblick vom Leben in einer solchen harten Klimadiktatur.
Eine solche Dystopie stünde in einem diametralen Gegensatz zu den sonstigen Forderungen der Generation Z. Es ist schwer vorstellbar, dass sie dies wollen. Offenbar hat da jemand nicht ausreichend nachgedacht.
Kann Deutschland das Klima retten?
Deutschland ist für etwa 1,5 % des globalen CO₂-Ausstoßes verantwortlich, die EU insgesamt für etwa 6 %. Das heißt, selbst wenn wir uns noch so sehr kasteien, werden wir die Welt nicht retten können. Der „konsequente Klimaschutz“ in Deutschland wirkt auf andere Länder abschreckend und wird gerade nicht dazu führen, dass sie dem deutschen Beispiel folgen werden. Dies gilt insbesondere für den globalen Süden, der die meisten CO₂-Emissionen auf sich vereint und auf den es deshalb ankommt. Denn die dortige Politik beruht darauf, die Lebensverhältnisse ihrer Bevölkerungen zu verbessern.
Wie könnte ein „intelligenter Klimaschutz“ aussehen?
Statt „konsequentem“, also brutal hartem Klimaschutz, müsste also selbst dann, wenn man das Klimanarrativ akzeptiert, ein „intelligenter Klimaschutz“ gefordert werden.
Dies ist zum Glück durchaus möglich. Wie der Physiker Gerd Ganteför in seinem Buch „Plan B für das Klima“ berechnete, nehmen die natürlichen Senken, also vor allem die Ozeane und Wälder etwa 50 % des vom Menschen ausgestoßenen CO₂ auf. Diese wurden aber ohne sachlichen Grund in den Klimamodellen des IPCC schlankweg auf Null gesetzt.
Der Mensch muss also nach Ganteför seine CO₂-Emissionen nur um etwa 50 % senken und das bis 2100. Netto-Null bedeutet keineswegs absolut null, wie das Bundesverfassungsgericht und aktivistische Wissenschaftler behaupten. Eine wichtige Möglichkeit für eine solche intelligente Dekarbonisierung wäre der Bau von modernen Kernkraftwerken bzw. die Reaktivierung bestehender Kernkraftwerke.
Forderungen der Generation Z finden sich hier.
Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wieder. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
Jan Müller, geboren 1971, ist Soziologe und lebt in einer Stadt in Hessen.
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Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 
Die große Energiekrise in Europa – Teil 1
Die große Energiekrise in Europa – Teil 2
Die Macht der Ozeane und Pflanzen: Plan B für Klima & CO2
1 Kommentar
Man muss es ihnen nachsehen, waren wir „Boomer“ damals anders? Als Jugendlicher ist man schnell begeisterungsfähig und mit Hurra dabei ohne den Sachen auf den Grund zu gehen.
Doch, ja, wir waren anders! Man denke alleine an die große Friedensbewegung in den 80er. Und was haben die tiktok Zombies nach nun fünf Jahren Krieg mitten in Europa so zustande gebracht? Wo seid ihr während C. gewesen, wo? Ich habe 80% alte Leute gesehen. Ganz im Gegenteil, die schwarz gekleideten Teenies der „Antifa“ wollte uns alle impfen. Pfui, schämt euch, ihr feigen Mitläufer.
Auch diese unsägliche Mär von den Boomern die es ja so gut hatten habe ich wirklich satt! Wir hatten Jugendarbeitslosigkeit, keine Lehrstellen, volle Studiengänge und nach dem Abschluss, wenn du überhaupt etwas bekommen hast, schlecht bezahlte Jobs. Meine Frau ist als Architektin lieber putzen gegangen als sich damals in irgendeinem Büro ausbeuten zu lassen. Ich selbst bin lieber auf der Messe auf den Knien rumgerutscht und habe Spanboden verlegt. Das daraus dann ihrgendwann mit viel Herzblut und Verzicht ein kleines Messebau Unternehmen geworden ist, steht auf einem anderen Blatt.
Also bekommt endlich wirklich den Arsch hoch! Ich befürchte allerdings ihr betrachtet das alles nur als Event, bisschen Pogo, bisschen Randale, wie alljährlich zu Silvester. Danach das Handy raus, den Kopf gesenkt und sich das nächste lustige ticktock Video angesehn.
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