
Rettungssanitäter, Rettungsrambo oder nützlicher Idiot?
Wer kennt es nicht. In aufdringlicher, oft aggressiver Art und Weise und mit viel Lärm, nähert sich Ihnen ein Rettungsfahrzeug der Feuerwehr, des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), des Arbeiter und Samariter Bundes, der Arbeiter Wohlfahrt oder sonstiger staatlich subventionierter Rettungsdienste.
Manche führen sich auf wie Rambos auf der Straße. Ihre Vorfahrtsrechte im Kopf, alle Signale eingeschaltet und vor allen Dingen mit viel Lärm, fahren sie durch die Stadt. Die Nutzung dieser Sonderrechte kann man durchaus häufig als unverhältnismäßig bezeichnen, obwohl es erfreulicherweise auch Ausnahmen gibt. Dennoch ist die erzeugte Geräuschkulisse für Mensch und Tier oft unerträglich und macht lärmempfindliche Mitmenschen aggressiv.
Die Fahrer der Rettungsdienste haben einen Auftrag auszuführen und den bekommen sie von einem sogenannten Disponenten, der in einer Zentrale der Feuerwehr oder sonstiger Einrichtung der öffentlichen Gesundheitsversorgung sitzt. Dieser muß je nach Ausbildungs- und Kenntnisstand entscheiden, welcher Transport erforderlich ist. Aufgrund der Schilderung des Patienten, des Angehörigen oder sonstiger Personen wird er sich meist für einen Rettungstransport entscheiden, da andernfalls ein juristisches Nachspiel für ihn folgen könnte. Das wissen alle Beteiligten und nutzen es schamlos aus, so daß der Disponent gleichsam als nützlicher Idiot mißbraucht wird. Er kann sich kaum dagegen wehren, da er damit sein Geld verdient. Er kennt die Mißbrauchsrate häufig, muß sich aber dem System beugen, wie er das aus der Coronazeit kennt. Impfen oder Hausverbot.
Eine hohe Mißbrauchsrate von Seiten der Patienten führt aber auch dazu, daß dieses System kurz vor dem Kollaps steht und nur durch hochmotiviertes Personal noch einigermaßen funktioniert. Es kommt zu einer Vielzahl mißbräuchlicher Einsätze, was dazu führt, daß auch die Geräuschkulisse in Städten zeitweise unerträglich ist. Dabei kann man nicht unbedingt den Fahren dieser Vehikel die alleinige Schuld geben. Sie können oft nicht die Simulanten von echten Patienten mit lebensbedrohenden Erkrankungen unterscheiden. Also schalten sie lieber die Sondersignale ein, bevor sie sich späteren Vorwürfen ausgesetzt sehen.
- Schubert, Dr. Dr. Christian(Autor)
In erheblichem Maße wird dieses liebgewonnene System von der Unterschicht aus aller Welt bei uns in Deutschland genutzt. Die Vorzüge liegen auf der Hand. Man erspart sich den mühsamen Weg zum Arzt oder ins Krankenhaus und hat keine Wartezeiten. Daher spricht man unter Insidern auch vom “Sozial Taxi“, was bedeutet, “es kommt sofort und kostet nichts“.
Während der Handwerker, der Selbstständige, der Angestellte aus der Mittelschicht, oder auch die Hausfrau oftmals bis zu 8 Stunden in der Notfallambulanz auf der Wartebank sitzen, wird der Patient, der mit dem Sozial Taxi eingeliefert wird, sofort versorgt, weil er ja als “Notfall“ eingeliefert wurde.
Wenn Menschen, die geduldig bis zu acht Stunden warten, sich über die langen Wartezeiten beschweren, wird das mit Personal- oder Kapazitätsengpässen begründet. Er kann ja seinen Hausarzt aufsuchen. Dort erlebt er aber das gleiche, wie er anschließend feststellen wird. Einen Termin bekommt er erst in Wochen oder Monaten. Er ist inzwischen geheilt oder verstorben.
In der sozialen Unterschicht, zunehmend aus allen Nationen, wird die Nutzung des Sozial Taxis aber nicht als Mißbrauch des Systems gesehen, sondern als “clever“ verstanden. In der Regel hat man keinen Job und muß doch schließlich die begrenzte Tageszeit zwischen Video Games, Chips Konsum und “chillen“ clever einteilen. Damit hat man selbstverständlich die Berechtigung, bevorzugt und kostenlos zur medizinischen Behandlung transportiert zu werden und alle Vorteile des Sozialsystems kostenlos zu nutzen, denn die Kosten werden von der Allgemeinheit getragen und nicht von ihm. Und wenn das Geld nicht reicht, werden einfach die Beitragssätze zur Krankenversicherung erhöht und mit einer allgemeinen Kostensteigerung im Gesundheitssystem begründet. Die Kostensteigerung ist also systemimmanent.
Für viele Menschen ist es auch ein erhebendes Gefühl, wenn man mit soviel Lärm und Blaulicht, nicht selten auch mit Helikopter, in eine Einrichtung der Maximalversorgung transportiert wird. Dort müssen dann alle bereit stehen, weil der als Notfall eingelieferte Mensch vorrangig behandelt wird. Oft stellt sich bei der Kurzanamnese aber bereits heraus, daß der Rettungstransport nicht mit dem Krankheitsgeschehen korreliert und daß der Transport bestenfalls als mißbräuchlich zu werten ist. Konsequenzen hat der “user“ nicht zu befürchten, da alle Beteiligten, auch er selbst, profitieren. Das öffentliche Gesundheitssystem wird von ihm als bestes weltweit angepriesen und daher auch fleißig weiter genutzt. Es zieht die Menschen geradezu an. Dass ist vergleichbar mit der Asylmafia.
Das Krankenhaus rechnet den sog. Notfall ab, der Transportdienst oder Spediteur bekommt den Transport bezahlt, der Rettungssanitäter bekommt sein Gehalt, auch der eventuell eingesetzte Notarzt wird bezahlt, alle sind zufrieden und das deutsche Gesundheitssystem ist weiterhin weltweit “top rated“. Während Rettungssanitäter, Notärzte und sonstiges Personal nur marginal profitieren, greifen die Betreiber dieses Systems erheblich größere Beträge ab.
Zu erwähnen sind auch private Helikopter Betreiber, wie z. B. Air Rescue aus Luxemburg, die in diesem Spiel fleißig mitmischen und gutes Geld verdienen. Oft hat man den Eindruck, sie sammeln alles auf, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Selbstverständlich hat auch die Luftrettung ihre Berechtigung, sie darf aber nicht unter dem Deckmantel des “Notfalls“ zur “Cash Cow“ werden. Hier müßte auch häufiger dem Patienten die mißbräuchliche Nutzung in Rechnung gestellt werden.
Daß die Beteiligten im Krankenhaus (Ärzte, Schwestern, Pfleger) längst an ihre Grenzen gekommen sind, spielt offensichtlich keine Rolle. Sie sind Ausführende und werden auch als solche behandelt. Das muß auch der Bürger aus dem Mittelstand, der das alles mit seinen Beiträgen bezahlt, verstehen. Da muß er auch mal in Kauf nehmen, daß er acht Stunden warten muß. Es gibt schließlich die Rettungstransporte, die in jedem Falle Vorrang haben und in zunehmende Maße durchgeführt werden und vor allen dingen mehr Geld bringen.
Damit können auch die diversen Dienstleister die Kohle besser abschöpfen. Immer unter dem Aspekt des Notfalls. Dazu habe ich einmal im Gespräch mit einem zuständigen Dezernenten einer Kleinstadt erwähnt, daß die Feuerwehr der Stadt, als Betreiber der Rettungsdienstzentrale sich die Aufträge selbst generieren kann und damit noch das Budget der Stadt aufbessert, was natürlich über die Krankenkassen erfolgt, die am Ende wieder die Beiträge erhöhen. Somit werden sicher auch manche städtische Budgets über diesen Weg aufgebessert.
Jetzt kommen wir zum Rettungssanitäter, der am Steuer des Rettungsfahrzeugs sitzt und der je nach Ortslage mit verschiedenen Kompetenzen ausgestattet ist. Ob das immer sinnvoll ist, mag jeder für sich selbst entscheiden. Er nutzt in der Regel alle Verfügbaren Mittel (Martinshorn, Blaulicht) um sich im Verkehr durchzusetzen. Auch in verkehrsberuhigten Straßen oder nachts, wenn alles frei ist, macht er gerne mit viel Lärm auf sich aufmerksam.
Da er in diesem Falle alleine entscheidet welche Signale er nutzt, ist er ziemlich unangreifbar, da er sich immer auf einen Notfall, den er selbst zwar nicht oder nur begrenzt beurteilen kann, berufen kann. Sehr zum Ärger der nachts schlafenden Bevölkerung oder auch tagsüber der arbeitenden Bevölkerung die diese Schauspiel ertragen und natürlich bezahlen muß. An manchen Tagen hört man diese Signalhörner mit einer überdurchschnittlichen Häufigkeit, so daß man unterstellen muß, daß nicht nur absolute Notfälle transportiert werden, was ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann. Unter Kollegen sprechen wir von einer Mißbrauchsrate von etwa 70 % dieser Transporte. Würde man diese mißbräuchlichen Patiententransporte wie in den 70er und 80iger Jahren sanktionieren können, würde sich das Bild schnell ändern. Da mußte der Patient bei ungerechtfertigter Benutzung zahlen.
Zu nützlichen Idioten werden aber eigentlich alle, die an diesem Prozeß beteiligt sind, ob sie wollen oder nicht. Sie bedienen dieses System, weil sie es müssen und keine andere Wahl haben. Sie können den Transport oder die Behandlung nicht verweigern, sie müssen gute Miene zum bösen Spiel machen, auch wenn sie klar erkennen können, daß ein Mißbrauch vorliegt. Andernfalls laufen sie Gefahr, ihren Job zu verlieren. Da sie alle längst über die zumutbaren Grenzen hinaus belastet sind, spielen Viele mit dem Gedanken, diese perfide System zu verlassen oder sie haben es bereits verlassen, weil auch keine Änderung zu erwarten ist.
Ich selbst hatte schon in den 90iger Jahren Erlebnisse als Notarzt in einer Millionenstadt, die mich dazu bewogen, dieses System schnellstmöglich zu verlassen. Ein Notarztfahrzeug, BMW mit Überrollbügel und einem übereifrigen Rettungssanitäter als Fahrer. Er schaltete alle Signale ein und fuhr mit hohem Tempo durch die Stadt, auch über rote Ampeln. Er war fest überzeugt, alle müßten ihn hören und Platz machen. Ich habe ihm unmißverständlich klar gemacht, wenn er noch eine rote Ampel in diesem Tempo überfährt, soll er mich sofort aussteigen lassen. Es hat nicht viel genutzt, denn beim nächsten Dienst hatte ich wieder einen anderen Fahrer. Ich kann aus meiner Erfahrung sagen, daß ein hohes Tempo in den wenigsten Fällen gerechtfertigt ist, da das Krankheitsbild vom Disponenten in der Regel schon falsch eingeschätzt wird. Es nutzt auch niemandem, wenn das Notarztfahrzeug verunglückt. Da aber die Fahrer permanent wechselten, war es müßig, das jedem Fahrer oder Rettungsassistenten zu erklären.
Wie bereits erwähnt, wird das System häufig mißbräuchlich als Sozialtaxi genutzt, was viele Ärzte bestätigen können. Sie dürfen aber nicht darüber sprechen, weil der Arbeitgeber, Rettungsdienst, das Krankenhaus oder die Klinik, das nicht hören wollen. Sie sind nämlich die eigentlichen Profiteure diese Systems und das darf man nicht in Frage stellen.
Wenn man jetzt die Frage aufwirft, warum haben wir eigentlich diesen Ärztemangel, kann man sich die Antwort herleiten. Egal, mit welchen Kollegen ich spreche, sie haben fast alle die Nase voll. Dieses unpersönliche Krankenhaussystem, welches Ärzte und Pflegepersonal wie Leibeigene behandelt ist nicht überlebensfähig. Die Ökonomen in diesen Anstalten bestimmen den Ablauf. Der Verwaltungschef, die Pflegedirektorin und zuletzt der Chefarzt, der mit viel Glück auch etwas sagen darf.
Es gibt immer noch viele hochmotivierte Kräfte, die dieses marode System aufrecht erhalten, auch wenn es auf die eigene Gesundheit geht. Dies Menschen brauchen wir, genau so wie einen funktionierenden Rettungsdienst. Wir brauchen auch motivierte Rettungsassistenten und Ärzte.
Diese Ressource muß aber verantwortungsvoll eingesetzt werden, so wie das bis in die 90iger Jahre noch gut funktionierte. Es darf nicht sein, daß dieses Personal um des Profits willen weiterhin verbrannt wird. Es muß nicht jeder mit dem Rettungstransportwagen ins Krankenhaus transportiert werden. Eine Fahrt mit dem Taxi oder Transport von Angehörigen würden auch reichen. Auch die Fahrt mit dem Bus wäre durchaus häufig angebracht. Rettungstransporte mit Sonderrechten sollten nur noch für schwerkranke Patienten durchgeführt werden. Dann wäre auch das System weniger belastet.
Bild von (Augustin-Foto) Jonas Augustin auf Pixabay
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Dipl.Chem. Dr. med Bruno Panzner ist Diplom Chemiker und promovierter Facharzt, hat in Klinik, Wissenschaft und Forschung gearbeitet. Neben Praxistätigkeit hat Panzner 20 Jahre einen der großen Impfstoffhersteller wissenschaftlich (Arzneimittelentwicklung, Herstellung, Zulassung und Arzneimittelsicherheit) beraten.
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