
Ex-Grüne über die Liste Madeleine Petrovic – Teil 1
In Deutschland hat sich die Partei der „Grünen“ in den letzten Jahrzehnten sukzessive in Richtung „Olivgrün“ entwickelt. Auch die österreichischen Grünen stehen nicht mehr für die Werte und Inhalte, für die sie ursprünglich angetreten sind. Aber im Gegensatz zu Deutschland gibt es für die Nationalratswahl am 29.9.2024 in Österreich eine Alternative: Die Liste Madeleine Petrovic.
Über Madeleine Petrovic erfährt man aus der Wikipedia, dass sie eine österreichische Politikerin (Liste Madeleine Petrovic, zuvor Die Grünen) ist. Sie war von 1994 bis März 1996 Bundessprecherin der Grünen und von 2002 bis 2015 Landessprecherin der Grünen in Niederösterreich.
Welche Chancen hat diese neue Partei speziell unter Menschen, die aus welchen Gründen auch immer in der Vergangenheit Grün gewählt, inzwischen aufgrund des Wandels dieser Partei ihre politische Heimat aber verloren haben. Ich habe in den sozialen Medien einen Aufruf gestartet und nach ehemaligen Grün-Wählern gesucht. Hier das Ergebnis meiner nicht-repräsentativen Umfrage, das aber vielleicht einen ersten Eindruck vermittelt, welche Stimmung unter frustrierten Ex-Grünen herrscht.
Der Aufruf und erste Reaktionen
Drei Fragen an meine österreichischen Kontakte:
- Wer von Euch hat früher Grün gewählt und würde das aufgrund des Verhaltens der österreichischen Grünen nicht mehr tun?
-
Ist für Euch die Liste Madeleine Petrovic jetzt eine Alternative und warum?
Wer die Frage 2 mit „ja“ bzw. mit „vielleicht“ beantwortet, dem stelle ich noch die Frage
- Bist Du bereit, mir das in einem kurzen Interview zu erzählen, das ich dann gemeinsam mit einigen anderen in einem Artikel für TKP zusammenfassen möchte? Es reicht „Sabine S. aus Linz“ – muss nicht der volle Namen sein.
Sabine schrieb: 1. Ja, 2. Nein, somit erübrigt sich 3.
Leila schrieb: 1. Von 1998/1999 bis ca. 2017/2018 also ungefähr 20 Jahre „grün“ gewählt – 2. finde ich eine wunderbare Alternative mit ganz wichtigen Themen, aber mein Herz gehört der „Liste Gaza“ und ich hab mittels Wahlkarte bereits Anfang September der „Liste Gaza“, Gülmihri Aytac und Patrick Bongola alias Topoke meine Stimme gegeben.
Wolfgang schrieb: Die Frage 1. kann ich noch mit „Ja“ beantworten, aber dann ist Schluss. Solange ich nur eine Partei wählen kann (egal mit welchem Programm) beteilige ich mich nicht mehr daran. Die einzige Ausnahme wäre, wenn die Partei als Hauptziel die Abschaffung aller Parteien hätte …
Es waren aber auch einige bereit, mit mir kurzfristig zu telefonieren. Im Folgenden die anonymisierte Zusammenfassung der Telefonate, für deren Authentizität ich mich verbürge.
Enttäuschte „Ehemalige“ erzählen
Andrea – Auslands-Kärntnerin aus München
Ich habe das letzte Mal vor 16 Jahren die Grünen in Österreich gewählt. Als Auslandsösterreicherin war ich lange Zeit nicht politisch aktiv. Mir waren und sind Umweltschutz und Friedensthemen ganz wichtig, dafür standen die Grünen seinerzeit. Madeleine Petrovic fand ich schon in der Schulzeit cool. Damals fand ich auch noch Eva Glawischnig beeindruckend. Unser Geschichtslehrer hat von uns verlangt, dass wir uns politisch interessieren. Wir mussten die Minister und ihre Themen kennen. Was in den letzten 20 Jahren passierte, habe ich nur sehr am Rande mitbekommen, da ich nach Deutschland ging. Erst in den letzten 2, 3 Jahren wurde mir bewusst, dass die Grünen sich länderübergreifend gleichermaßen katastrophal entwickelt haben.
Politisch fand ich die drei grünen Gesundheitsminister der Corona-Jahre alle untragbar. Auch Frau Gewessler als Umweltministerin ist für mich unwählbar. Die Aktionen und Maßnahmen, die die Grünen in den letzten vier Jahren als Regierungspartei gesetzt haben – sei es der Gesundheitsmaßnahmen-Totalitarismus bis hin zur CO2-Agenda statt Umweltschutz – das hat mit grünen Werten nichts mehr zu tun.
Die Liste Madeleine Petrovic ist eine Alternative – trotzdem hadere ich schon eine Weile mit meinem Kreuz aus Sorge, dass sie es nicht schafft. Nur: Wenn alle hadern und sie nicht wählen oder gar nicht oder eine Partei wählen, die sie eigentlich nicht wollen, führt das auch zu nichts. Angeregt durch unser Gespräch werde ich mein Kreuz bei ihr setzen, weil es sich einfach richtig anfühlt. Es braucht einen Wechsel zu wirklich relevanten Themen, die geklärt werden müssen. Dazu gehört die Aufarbeitung der Corona-Zeit und wirklicher Umweltschutz. In einer Zeit, in der Politik, internationale Konzerne und NGOs immer stärker zusammenwachsen, braucht es Politiker, die wirklich im Sinne ihrer Wähler agieren. In meiner Wahrnehmung vertritt Madeleine Petrovic heute noch meine Gründe für meine frühere Wahl der Grünen. Sie hat sich nicht verändert, ich habe mich nicht verändert – es ist ein „Match“. Die Themen sind mir nach wie vor wichtig. Im Gegenteil, jetzt mit kleinen Kindern sind mir Gesundheit und Umwelt noch wichtiger geworden.
Andreas aus Salzburg
Ich habe mit den Grünen sympathisiert und sie gewählt, weil mir die Umwelt immer schon wichtig war und ist. Die Natur, Pflanzen, Tiere – die Welt ist ein Wunder der Schöpfung, aber wie die Menschen damit umgehen, ist eine Katastrophe. Bei der letzten Wahl habe ich noch Grün gewählt, aber das ist jetzt definitiv vorbei.
Es ist doch katastrophal, was da heute abläuft. Ob Umwelt, Neutralität, WHO, EU – die grünen Politiker vertreten nicht mehr annährend meine Interessen oder Werte. In der Corona-Zeit haben sie in meinen Augen total versagt. Der grüne Gesundheitsminister hat während seiner Amtszeit aus meiner Sicht nicht die richtigen Maßnahmen gesetzt. Die Politik stand für Panikmache und Impfzwang. Das wurde von den Grünen mitgetragen und lässt sich beides mit grünen Werten nicht vereinbaren. Ich habe deren Präsentationen der Situation auch nicht glauben können, weil ich aus anderen Ländern wie z. B. Schweden völlig andere Informationen bekam. Im Übrigen habe ich Vertrauen in die Schöpfung und somit auch in meinen Körper. Ich lebe Zeit meines Lebens hervorragend ohne Medikamente und Pharma.
Die Liste Madeleine Petrovic ist heute die für mich einzig wählbare Option. Wenn ich mir das Programm der LMP durchlese, spricht es mich in wesentlichen Punkten an. Besonders gut gefällt mir ihr Versprechen an die Republik, da es eine themenbezogene, parteiübergreifende Zusammenarbeit mit allen Parteien ermöglicht. Die LMP steht für Mut, gelebte aktive Neutralität und Friedenspolitik, Verteidigung der Grund- und Freiheitsrechte, Entlastung der Bauern und kleiner Unternehmen. Sie fordern eine nachhaltige Wirtschaft, Bargelderhalt, echten Umwelt- und Tierschutz sowie – last but not least – Ehrlichkeit und Transparenz. Das sind alles Punkte, die ich bei den derzeitigen Grünen vermisse. Darum bin ich froh, dass es die LMP als Alternative gibt.
Dieter aus Traun
Ich habe früher einige Mal Grün gewählt und war auch bei Greenpeace sehr aktiv. Ich dachte, sie haben gute Ansätze und tun Gutes für die Umwelt. Themen wie Umweltschutz, gesellschaftlicher Zusammenhalt, Basisdemokratie oder Stärkung der Schwächeren in der Gesellschaft unterstützen habe ich bei vielen Parteien vermisst. Herrn Kogler kenne ich schon lange. Er war bei einer Veranstaltung in der Tabakfabrik dabei, nachdem u. a. Glawischnig und Maurer aus dem Nationalrat geflogen waren. Da wurden sie wieder basisdemokratisch.
Jetzt kann ich sie wieder nicht mehr wählen. Das Basisdemokratische ging endgültig verloren. Sie scheinen an ihrer eigenen Hypermoral zu ersticken. Seit Corona fällt mir nur noch faschistoid beim Thema Grüne ein. Das ist der Begriff, der sie am besten beschreibt. Wie ein Herr Kogler sich über Impfgegner geäußert hat – „man müsse ja nicht jedem Neonazi hinterherrennen“ –, ist für mich immer noch unfassbar.
Madeleine Petrovic ist noch eine echte Grüne, stammt aus der Zeit der basisdemokratischen Kultur und Meinungsvielfalt. Als Jugendlicher habe ich die grüne Bewegung schon im Rahmen der Besetzung der Hainburger Au, als die Polizisten auch schon recht rabiat gegen Demonstranten vorggegangen sind, schätzen gelernt. Sie stand damals für zivilen Ungehorsam – und mit der LMP gilt das heute noch. Sie hat sich gegen die Corona-Politik der Regierung gestellt, an der die Grünen maßgeblich beteiligt waren. Und sie hat sich für Menschen wie Prof. Andreas Sönnichsen engagiert, dessen wirtschaftliche Existenz vernichtet werden sollte – ihr und der LMP traue ich eine ehrliche Corona-Aufarbeitung zu.
Dietmar aus Linz
Ich bin als Grüner mit Antiatomkraft-Aktivismus aufgewachsen, habe die Menschen in meinem Umfeld informiert. Peter Weish, die graue Eminenz der Grünen, war damals – und ist heute – mein Vorbild. Ich habe mit den Menschen in der Hainburger Au sympathisiert. Aufgrund meiner technischen Ausbildung war mir das Thema „Rohstoffverschwendung“ immer ein Anliegen. Ich habe bewusst „grün“ gelebt und gearbeitet. Seit die Grünen im System angekommen sind, sind sie für mich unwählbar. Seitdem geht es bei ihnen auch nur noch um Macht und Machterhalt. In der Finanzkrise 2007/2008 ging es nur noch um Bankenrettung statt um grüne Politik. Vom grünen Urgedanken haben sie sich weit entfernt. Die letzten zehn Jahre vor der Pandemie habe ich mich nur noch auf meinen Job als Arzt konzentriert, bin in meinem Tun aufgegangen und war apolitisch.
Corona hat mich dann wieder politisiert. Die Grünen haben politisch komplett versagt, haben das Gegenteil der grünen Urgedanken gelebt. Der Machtmissbrauch in dieser Zeit war unfassbar. Alles, was früher links und grün war, mutierte plötzlich zum Systemerhalter. Ich habe mein großes Netzwerk zu Beginn der „Pandemie“ informiert und eindringlich gewarnt: „Wehret den Anfängen!“ Aber gerade die, die das früher am lautesten geschrien haben, verstanden nicht, dass es jetzt darauf ankommt, dass sie ihre Aussagen leben müssen. Sie hatten nichts von dem verinnerlicht, was sie von sich gegeben haben.
Ich habe Peter Weish dann am 5.9.2020 in Wien auf der großen Demo kennengelernt, als er gegen die Menschen protestieren musste, die er mit in den Nationalrat gebracht hat. Als das Impfpflichtgesetz kam, waren es die „Grünen gegen Impfpflicht“, die meine wichtigen Werte offen vertreten haben. Das war in dieser schwierigen Zeit endlich wieder eine Gruppe, der ich mich anschließen konnte, ein Verein, der sich gegen Impfpflicht, für Grundrechte und Informationsfreiheit sowie für Aufarbeitung einsetzte. Die LMP ist die logische Fortsetzung dieses Vereins, die ich mit voller Kraft unterstütze. Sie vertritt die grünen Grundwerte und verbindet den Widerstand gegen die Corona-Maßnahmen mit den Gedanken der Friedensbewegung, den die Grünen aufgegeben haben. Dabei ist Frieden und Neutralität gerade heute so wichtig, darum bin ich auch aktiv auf der Liste Madeleine Petrovic dabei.
Erik aus Wien
Ich komme aus dem Öko-Umfeld, habe mich immer für Natur und Umwelt interessiert und eingesetzt. Ich war nicht nur Wähler, sondern auch Parteimitglied und Aktivist. Bei den Bezirksgrünen in Wien war ich aktiv für Themen wie bessere Öffis, mehr Radwege, mehr Begrünung und Erhaltung von Grünflächen. Ich sehe mich selbst aber immer noch als Grüner – auch wenn die leider falsch abgebogen sind.
Ob Corona-Maßnahmen, Impfpflicht oder der Umgang mit den Kindern: die Positionen, die die Grünen hier vertreten haben, waren für uns untragbar. Ich habe die Konsequenzen gezogen. Ich bin Anfang 2021 dann aus der Partei ausgetreten, denn die Maßnahmen waren wirklich ein unangemessener Irrsinn. Es wurde übertrieben, offen gelogen, der Bevölkerung massivster Schaden zugefügt und die Grünen waren die Speerspitze dieses Unsinns. Es gab aber auch noch viele andere Themen, die nichts mehr mit den ursprünglichen Werten der Grünen zu tun haben. Die Parteilinie scheint eine Kopie der Vorgaben des World Economic Forums zu sein. Wer davon nur einen Millimeter abweicht ist ein Nazi. Egal ob Klima, Transgender oder Migration: Wer die Linie in Frage stellt, ist automatisch ein Rechter – unabhängig davon, ob die Fakten für dich sprechen oder nicht. Diese extreme Intoleranz gegenüber Andersdenkenden hat nichts mit den ursprünglichen grünen Werten zu tun, auch wenn ich bei Umwelt und nachhaltiger Mobilität nach wie vor grüne Positionen vertrete. Sie sind aber auch keine Friedenspartei mehr, setzen sich nicht aktiv und glaubwürdig für die Neutralität ein. Die deutschen Grünen sind in dieser Hinsicht aber noch übler als die österreichischen Grünen. Wenn man einer Umfrage der Zeitschrift „Emma“ glauben kann, sind die Wähler der Linken und Grünen die intensivsten Kriegsbefürworter in Deutschland.
Die Liste Petrovic ist da für mich eine Alternative. Ich habe Madeleine Petrovic persönlich kennengelernt, als sie bei uns eine lokale Initiative zur Erhaltung einer Grünfläche unterstützt hat. Sie hat sich kritisch zu Corona geäußert, was mir gut gefallen hat. Ich war zunächst aber mit der MFG vernetzt – die das Thema „Corona“ parteipolitisch als Erste kritisierten. Die waren die Pioniere und ich finde es schade, dass MFG und LMP kein Wahlbündnis geschlossen haben. Gemeinsam hätten sie viel größeres Potenzial gehabt. So besteht die Gefahr, dass sie sich gegenseitig kannibalisieren. Aber ich wähle taktisch die Partei, die die größeren Chancen hat. Das ist in meinen Augen die LMP, die bei den unzähligen enttäuschten Grün-Wählern ein größeres Potenzial hat.
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Als geborener Trauner und oft in Linz arbeitender erlaube ich mir, ob zufällig ähnlicher Meinung oder nicht, da vielleicht ähnlicher früherer Zugang, mich den Ausführungen von Dieter und Dietmar an zu schließen!
Allerdings habe ich schon bei der Gründung der grünen in Oberösterreich, ob mehr alternativ oder fundamentalistisch, graue Haare gekriegt!
Was soll man von politischen Kindern halten, die nicht wissen, wer ihre geistigen Väter sind? Wer nach Aufklärung sucht und bei guter Laune bleiben möchte, der ist bis heute bei Harald Schmidt gut aufgehoben. Welcher in puncto geistiger Vaterschaft immer wieder typisch dirtyfarbenes aufgriff. Wer’s (eher untypisch grün) wirklich wissen will und dennoch (trotz Joschka und seinem bombigen „Nie wieder Auschwitz“ im Kosovo Camp Bondsteel) noch immer „grün“ scheint, der recherchiere etwa über den Namen Maurice Strong beginnend bei James Corbett. Inwieweit die erfahrene politische Praktikerin Madeleine Petrovic den Ursprung und die Geschichte der Grünbewegung reflektiert, weiß ich nicht. Aber ist das nicht eine Grundvoraussetzung für die Wählbarkeit welcher Partei auch immer oder gar einer „Bewegung“?
Dazu gab es ja am Freitag, den 13.9. 😁 in Graz eine Podiumsdiskussion mit dem Thema: „Warum Grüne die Grünen nicht mehr wählen“ mit Martin Sprenger, Frank Sölkner………. mit ähnlichen Tenor, wie auch Hinwendung zu Liste Gaza.