Wie lohnabhängige Beschäftigte zur Kasse gebeten werden – Beispiel Mercedes Benz

17. August 2024von 9,4 Minuten Lesezeit

Tagtägliche Übervorteilungs- und Übertölpelungs-Mechanismen sind das Wesen unserer Wirtschaftsform.  Dazu sollen die Zahlen aus den letzten Geschäftsberichten von Mercedes Benz untersucht werden. Mercedes unterscheidet sich darin wenig von den anderen börsennotierten Unternehmen. Die Zahlen von Mercedes werden rein exemplarisch, lediglich zur Veranschaulichung herangezogen. Mercedes ist in dieser Beziehung weder viel besser noch viel schlechter als andere börsennotierte Unternehmen, sowohl national wie international.

In dem Artikel „Börsengewitter: Wetterleuchten oder Korrektur? Zunehmende Ungleichverteilung in den USA und ihre Auswirkungen“ wurde beschrieben, dass die Ungleichverteilung von Vermögen und Einkommen in den letzten 30 bis 40 Jahren stark zugenommen hat. Hauptgrund dafür sind die sogenannten leistungslosen, passiven bzw. Nicht-Arbeits-Einkommen aus Mieten, Pachten, Dividenden und Zinsen. Pro Jahr fließen derzeit in den USA vielleicht 9.000 bis 10.000 Milliarden Dollar oder etwa ein Drittel des US-Sozialproduktes in Form von Nicht-Arbeits- oder Renteneinkommen an die glücklichen Wohlhabenden des Landes, vor allem an die oberen ein bis 10 Prozent der Menschen. Ähnliches gilt, wenn auch in unterschiedlicher Größenordnung, für fast alle Industrie- und sehr viele Entwicklungsländer. Meistens ist es in den Entwicklungsländern noch deutlich schlimmer als in den Industrieländern.

In dem Artikel wurde auf die Empfänger abgestellt, diejenigen relativ wenigen privilegierten Wohlhabenden, an die dieser enorme Geldstrom leistungsloser Nicht-Arbeits-Einkommen fließt. Jetzt soll der Blick auf diejenigen gerichtet werden, die die Gelder zahlen: Wie finden diese reichlich asozialen Geldströme konkret statt?

Hohe Gewinne bei Mercedes-Benz seit 2021

Die letzten drei Jahre waren für Mercedes Benz unter Ertragsgesichtspunkten ausgezeichnete Geschäftsjahre. 2021 war das beste Jahr in der Unternehmensgeschichte. Bei einem Umsatz von 168 Milliarden Euro wurde ein Nettogewinn nach Steuern von 23,4 Milliarden Euro erzielt.1 2022, nach der Abspaltung der LKW-Sparte Daimler Trucks, belief sich der Gewinn nach Steuern auf 14,8 Mrd. Euro, 2023 betrug er 14,5 Mrd. In den 10 Jahren von 2011 bis 2020 lag das Konzernergebnis nach Steuern (inklusive LKWs) zwischen 2,7 und 10,6 Mrd. Euro.2

Daran gemessen waren die Geschäftsjahre 2021 bis 2023 also wirklich hervorragend. Die Netto-Umsatzrendite, also die Gewinne im Verhältnis zum Umsatz lagen in den beiden letzten Jahren etwas unter 10 Prozent. Zum Vergleich: bei US-Unternehmen liegen sie derzeit bei etwas über 10 Prozent.3 Also im Vergleich mit den USA sind die Gewinnmargen bei Mercedes nicht besonders hoch, sind sogar leicht unter dem Durchschnitt.

Wer bekommt die Gewinne?

Aufgrund der erfreulichen Ertragslage konnte Mercedes in den letzten drei Jahren gute Dividenden ausschütten. Für 2021 wurden 5 Euro Dividende ausgeschüttet, für 2022 5,2 Euro und für 2023 5,3 Euro. Das sind die mit Abstand höchsten Dividenden der letzten 15 Jahre.4 In absoluten Beträgen waren das etwa 5,35 Milliarden Euro für 2021, 5,6 Milliarden für 2022 und knapp 5,7 Milliarden für 2023.5

Wer bekam das viele Geld? Die größten Aktionäre von Mercedes sind die chinesische BAIC Group mit 9,98 Prozent aller Aktien sowie der chinesische Anleger Li Shufu, der über eine Holdinggesellschaft (Tenaciou 3) 9,69 Prozent an Mercedes hält.6 Drittgrößter Aktieneigentümer ist die Kuwait Investment Authority mit 5,57 Prozent aller Mercedes-Aktien. Der Rest sind zum größten Teil so genannte Institutionelle Investoren, das sind internationale Großanleger wie Blackrock, Vanguard, DWS usw. 6,5 Prozent aller Aktien werden von deutschen Anlegern gehalten, 93,5 Prozent von internationalen Eigentümern.7 Also die meisten Aktionäre wissen vermutlich nicht so genau, wie man „Sindelfingen“ oder „Untertürkheim“ buchstabiert und dürften die Werke selten oder nie von innen gesehen haben.

Wer hat Gewinn und Wertschöpfung erarbeitet?

Mercedes beschäftigte 2021 im Jahresdurchschnitt etwa 251.000 Menschen (inklusive LKW-Sparte). 2022 waren es 171.400 (ohne LKWs), 2023 168.300.8 Die Lohn- und Gehaltssumme belief sich 2021 auf 22,9 Milliarden Euro, 2022 betrug sie 16,5 Milliarden, 2023 16,6 Milliarden.9 Die Beschäftigten sind die Menschen, die die Autos geplant und gebaut haben, die die Wertschöpfung des Konzerns erbracht und für den Gewinn gesorgt haben.

Hätte man die Dividende statt an die Aktionäre an die Werktätigen ausgezahlt, die die Wertschöpfung erbracht haben, hätte jeder bei Mercedes beschäftigte Mensch 2021 eine Lohnerhöhung von 23,4 Prozent bekommen können. 2022 und 2023 hätte man die Löhne und Gehälter jedes/r Beschäftigten um etwa 34 Prozent erhöhen können. Anders ausgedrückt: Man hat den Beschäftigten etwa ein Drittel ihres Lohnes vorenthalten, um ihn den Aktionären auszuschütten, die die Werke kaum oder nie von innen sehen.

Definiert man die Wertschöpfung eines Unternehmens als die Summe von Löhnen und Gehältern und der Gewinne (nach Steuern), so hatte Mercedes 2021 eine Wertschöpfung von 46,3 Milliarden Euro, 2022 31,3 Milliarden und 2023 30,1 Milliarden. Das ist der Wert, den die arbeitenden Menschen bei Mercedes geschaffen haben. Von dieser Wertschöpfung bekamen die Arbeitenden 2021 49,5 Prozent, 2022 52,7 Prozent und 2023 53,4 Prozent, also gut die Hälfte. Betrachtet man also alle Gewinne, nicht nur den ausgeschütteten Teil, so wurde den arbeitenden Menschen bei Mercedes in den letzten drei Jahren knapp die Hälfte ihres Lohnes abgenommen und den Aktionären übertragen, die meist gar nicht so genau wissen, wo die Werke eigentlich sind und was mit ihrem Geld dort eigentlich gemacht wird.

Der Beitrag, den der Aktionär leistet, besteht darin, dass man einmalig für einen Geldbetrag Aktien kauft und dann, solange das Unternehmen existiert, einen Dividendenstrom bekommt. Kauft man ETFs (Exchange Traded Funds)10 auf Aktienindizes, so ist dieser Dividendenstrom tatsächlich ewig. Denn jedes Mal wenn ein Unternehmen underperformed, wird es aus dem Index entfernt und durch ein gewinnstärkeres ersetzt. Kauft man sich heute in einen Aktienindex ein, bekommt man also buchstäblich ewige Renten. Auch die Urenkel brauchen dann nur die Hand aufzuhalten bzw. vom Konto abzuheben. Das sind leistungslose Einkommen in Reinform. Sie laufen ewig.

Lohn- und Gehaltsabschläge für die Beschäftigten

Wer zahlt also diese leistungslosen Einkommen für die Anleger? Die Beschäftigten. Sie bekommen einen entsprechenden Lohnabschlag, denn sonst käme ja der Gewinn für die Dividende nicht zustande. Das kann man für jedes Jahr und für jedes Unternehmen ausrechnen.

Konkret heißt das: Wenn eine Mercedes-Ingenieurin 2023 ein Monatsgehalt von 8.500 Euro hatte, hat sie für den Konzern real etwa 16.000 Euro pro Monat erwirtschaftet. Von diesen 16.000 Euro Wertschöpfung bekam sie etwa 8.500 Euro ab, die Inhaber der Aktienpakete ungefähr 7.500 Euro.

Auf diese Problematik wies Rudolf Steiner, der Begründer der Waldorfschulen, bereits 1919 hin: „Woher kommen die Schäden im sozialen Leben? […] Davon, […] dass wir nicht bemerken, wie wir in der Lebenslüge leben, wie dem Arbeiter sein Teil abgenommen wird. […] Das heißt ihn betrügen, ihn übervorteilen.11 Das bringt den Tatbestand gut auf den Punkt.

Die drei Jahre 2021 bis 2023 waren für Mercedes ungewöhnlich ertragsreiche Jahre. In der Vergangenheit waren die Lohnabschläge der Beschäftigten zu Gunsten der Aktionäre sicherlich deutlich geringer. Wirft man jedoch einen Blick in die USA, sieht die Lage anders aus. Verglichen mit dem Durchschnitt der US-amerikanischen Unternehmen hat Mercedes selbst in den letzten drei Jahren nicht überragend hohe Gewinne gemacht. In den USA dürften also die Lohnabschläge der Beschäftigten zu Gunsten der Aktionäre im Normalfall durchschnittlich wohl immer in etwa so groß wie bei Mercedes in den letzten drei Jahren sein oder gar höher.

Alibi für leistungslose Nicht-Arbeits-Einkommen

Das Standardargument für die Existenz solcher leistungsloser Einkommen aus Dividenden lautet: Passive Investoren – es ist hier nicht die Rede von Unternehmerpersönlichkeiten, Entrepreneuren und start-ups usw., die tatsächlich enorme Risiken eingehen und riesiges Engagement investieren, sondern von reinen sogenannten Portfolio-Investitionen – also passive oder Portfolio-Investoren, reine Geld-Investoren übernehmen ein Risiko, das Risiko des Kapitalrückganges oder gar Totalverlustes und dafür müssen sie kompensiert werden.

Das Argument hinkt aber. Die Beschäftigten tragen auch ein Risiko, sie können bei Wirtschaftsabschwüngen entlassen werden und haben dann Probleme aller Art, wie vergangene Wirtschaftskrisen zeigen, teilweise gar Existenzprobleme, wie etwa in den Jahren 1929-1932 oder 1907/1908. Auch die Krise 2008-2009 war für viele Arbeitslose, für viele Familien schlimm. Für dieses Risiko fordert aber niemand eine Risikoprämie in Form eines Lohnaufschlags oder Unternehmensbeteiligungen. Dieses Arbeitslosigkeits-Risiko muss stillschweigend von jedem abhängig Beschäftigten in Kauf genommen werden, man sagt „that’s life“ und thematisiert die Frage der Rentier-Einkommen lieber nicht weiter, weil sie zu unbequem ist und es recht heikel wird, wenn man die Sache zu Ende denkt.

Letztlich liegt das an den Machtverhältnissen. Das Investorengeld ist frei, zu wandern, wohin es will, auch über Landesgrenzen hinweg und in andere Anlageformen. Die meisten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind nicht frei. Sie müssen arbeiten, um sich oder ihre Familien zu ernähren.

John Maynard Keynes über „funktionslose Investoren“

Der vielleicht berühmteste Volkswirt John Maynard Keynes kritisierte die geschilderten leistungslosen oder Rentier-Einkommen schon 1936 in seiner wegweisenden „General Theory“ scharf: “I see, therefore, the rentier aspect of capitalism as a transitional phase […] that the euthanasia of the rentier, of the functionless investor, will be nothing sudden […] so that the functionless investor will no longer receive a bonus”.12 (Ich sehe daher den Rentier-Aspekt des Kapitalismus als eine Übergangsphase […], dass die Euthanasie des Rentiers, des funktionslosen Investors, nichts Plötzliches sein wird […], so dass der funktionslose Investor keinen Bonus mehr erhalten wird)

Keynes sieht in dem Rentier-Kapitalismus keinen Sinn und bezeichnet Investoren, die Renten-Einkommen beziehen als „funktionslose Investoren“ („functionless investors“), also sinnlose Investoren, die keinen Beitrag zum Wohlergehen in der Ökonomie leisten. Solche funktionslosen Investoren müssten laut Keynes verschwinden, weil sie keinen ökonomischen Zweck erfüllen und dürften nicht länger einen Bonus erhalten. Genau das tun aber letztlich die großen Aktionäre von Mercedes-Benz Group alle – und die Aktionäre aller börsennotierten Aktienunternehmen auch. Sie bekommen zu Lasten der Beschäftigten ewige leistungslose, passive Nicht-Arbeits- bzw. Renteneinkommen in Form von Dividenden, selbst ihre Urenkel. Wollen wir das wirklich? Ist das fair?

Referenzen

1 Geschäftsbericht 2021 Mercedes-Benz Group S.345

2 Daimler Geschäftsbericht 2020, Zehnjahresübersicht, S.264

5 Mercedes hat derzeit etwa 1,07 Milliarden Aktien: https://group.mercedes-benz.com/investoren/aktie/aktionaersstruktur/

8 Geschäftsbericht Mercedes-Benz-Group 2022, S.244, Geschäftsbericht Mercedes 2023, S.92

9 Gechäftsbericht Mercedes 2023, S.234

11 Rudolf Steiner, Vortrag Zürich 9.3.1919, Gesamtausgabe Band 193, Schweiz 1989, S.82

12 Keynes, John Maynard (1964, (Erstveröffentlichung 1936)): The General Theory of Employment, Interest and Money, New York, S.376

Bild:Peter H auf Pixabay/h5>

Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wieder. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

Prof. Dr. Christian Kreiß, Jahrgang 1962: Studium und Promotion in Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsgeschichte an der LMU München. Neun Jahre Berufstätigkeit als Bankier, davon sieben Jahre als Investment Banker. Seit 2002 Professor für Finanzierung und Volkswirtschaftslehre. Homepagehttp://www.menschengerechtewirtschaft.de

Aktuellestes Buch: Das Ende des Wirtschaftswachstums – Die ökonomischen und sozialen Folgen mangelnder Ethik und Moral,


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12 Kommentare

  1. Andreas I. 18. August 2024 um 10:26 Uhr - Antworten

    Hallo,
    ,, … beschäftigte 2021 im Jahresdurchschnitt etwa 251.000 Menschen … Hätte man die Dividende statt an die Aktionäre an die Werktätigen ausgezahlt, die die Wertschöpfung erbracht haben“

    Das wäre praktisch dann so, wenn die Werktätigen gleichzeitig die Aktionäre wären, also das Eigentum am Unternehmen in 251.000 Teile aufgeteilt wird und jeder Arbeitende einen Anteil besitzt.
    Und wenn diese Eigentumsanteile eben keine verkäufliche Ware sind, auch nicht vererbbar, sondern wenn die Eigentumsanteile daran gebunden sind, im Unternehmen Arbeit zu leisten.

  2. Daisy 18. August 2024 um 7:44 Uhr - Antworten

    In unserem Büro gibt es Prämien bei Projekten, die Gewinn abwerfen, an Verlusten/Flauten werden wir indes nicht beteiligt. Ansonsten gibts Gleitzeit. Man arbeitet oft bis in die Nacht oder das WE durch, je nachdem, welche Arbeit ansteht und zu erledigen ist. In den Flauten darf man daheim bleiben, wenn man Zeitpolster hat, oder im Büro sitzen und den ganzen Tag surfen oder spielen :-)
    Mir ist es immer gut gegangen. Wir wurden durch die Gleitzeit dazu erzogen, die Arbeit zu so zu machen, als wäre es die eigene, und keine Stechuhr- bzw. Beamtenmentalität zu entwickeln. Wer sich besonders ins Zeug gelegt hat, bekam auch mehr Lohn.

    Am meisten arbeitet übrigens der Chef selbst. Er ist jeden Tag bis spät in die Nacht im Büro, auch an den Wochenden, hat selten Urlaub und „auf Krankenstand“ geht er auch nie…

  3. Informationsbefreier 17. August 2024 um 22:00 Uhr - Antworten

    Wenn ein Mitarbeiter 34% mehr Gehalt bekommen würde, wenn die Dividende auf sein Gehalt umgelegt werden würde, dann hat er aber nicht ein Drittel seines eigentlichen Gehaltes als Dividende abgedrückt, sondern ein Viertel. Denn 34 von 134 sind eher ein Viertel als ein Drittel.

  4. Jurgen 17. August 2024 um 16:14 Uhr - Antworten

    Genau deshalb ist mein Betrieb ruhend und ich kümmere mich nur noch um eigene Entwicklungen, die primär für meine Bedürfnisse sind. Oder gegen Gold tausche ich auch mal.

  5. Ed Uscho 17. August 2024 um 14:00 Uhr - Antworten

    Konkret heißt das: Wenn eine Mercedes-Ingenieurin 2023 ein Monatsgehalt von 8.500 Euro hatte, hat sie für den Konzern real etwa 16.000 Euro pro Monat erwirtschaftet. Von diesen 16.000 Euro Wertschöpfung bekam sie etwa 8.500 Euro ab, die Inhaber der Aktienpakete ungefähr 7.500 Euro.<

    Die Ingenieurin zahlt auf ihren Lohn dann 42% Steuern, der leistungslose Inhaber der Aktienpakete allerdings nur 25%.

  6. Ed Uscho 17. August 2024 um 12:19 Uhr - Antworten

    Rudolf Steiner braucht da niemand, um zu erkennen, dass der Arbeiter ausgebeutet wird. Karl Marx hat das schon 30 Jahre vorher analysiert und zu Papier gebracht. Dazu müsste man nur die ideologischen Scheuklappen ablegen.

  7. Glass Steagall Act 17. August 2024 um 12:06 Uhr - Antworten

    Gesteigert werden solche Geschäftsmodelle noch durch eine sogenannte „Steueroptimierung“! Stiftungen, KGs, GmbHs usw.

    Das bedeutet, es wird überall dort, wo man Steuern sparen kann, Steuern gespart. Das kling erst einmal harmlos, aber die Steuersparmodelle funktionieren nur, wenn man auch entsprechend Geld hat. Deswegen haben große Konzerne auch die besten Steueroptimierer. Die einfache Version heißt Steuerberater.

    So können große Unternehmen statt den Höchstbetrag an Steuern, nur kleine Prozente von 1% – maximal 15% bezahlen, während sie die gesparten Steuern in die Vergrößerung ihres Konzerns stecken können. Wer zahlt also die Vergrößerung dieser Konzerne wirklich? Jeder normale Bürger oder Steuerzahler, der 25% bis 50% Steuern zahlt, weil er solche Steuerabschreibungen nicht nutzen kann! So fließt immer Geld zu mehr Geld! Der normale Bürger wird dadurch ausgeblutet, aber so funktioniert das kapitalistische System nunmal.

    Da der Bürger das aber alles nicht versteht, akzeptiert er sein eigenes Schicksal nach dem bekannten Spruch, dass wenn er nur fleißig genug ist, es auch zu etwas bringen kann! In den USA wurde er mit dem Beispiel „vom Tellerwäscher zum Millionär“ belogen! Das Prinzip ist aber immer das gleiche!

    • Ed Uscho 17. August 2024 um 12:23 Uhr - Antworten

      Das mit dem Tellerwäscher ist in der Tat eine infame Lüge, die nur darauf abzielt, denjenigen, der es nicht zum Millionär gebracht hat, die Schuld dafür in die Schuhe zu schieben.
      Vom Tellerwaschen ist noch keiner reich geworden. Dazu muss man Teller waschen lassen.

      • Glass Steagall Act 17. August 2024 um 14:30 Uhr

        Genau! Du hast selbst Schuld, wenn du arm bist! Aber du bist ein angesehener Kerl, wenn du andere für dich arbeiten lassen kannst. Das ist kapitalistische Indoktrination!

      • Zbigniew 18. August 2024 um 9:16 Uhr

        Und dann noch die Verdrehung der Begriffe ARBEITGEBER und ARBEITNEHMER. Eigentlich ist es doch genau andersherum.

  8. Andrweas 17. August 2024 um 11:11 Uhr - Antworten

    Schade, dass Sie diesen hervorragenden Artikel mit der Frage, ob das fair wäre, beenden. Die Kapitalakkumulation bei einer bestimmten Klasse macht ja das Wesen des Kpitalismus aus. Als ob es einen fairen Kapitalismus geben könnte!

    • Fritz Madersbacher 17. August 2024 um 11:56 Uhr - Antworten

      @Andrweas
      17. August 2024 um 11:11 Uhr
      Sehr richtiger Einwand … Der Autor selbst vermerkt ja völlig richtig: „Letztlich liegt das an den Machtverhältnissen“
      Es ist müßig, die Funktionsweise und die Gesetzmäßigkeiten des Kapitalismus zu bedauern. Er ist gekennzeichnet durch die private Aneignung der gesellschaftlich erzeugten Produkte und Dienstleistungen und den Zwang zur Erzielung von Profit im Kampf gegen die Konkurrenz. Er kennt z. B. keine (im Artikel fingierten) „Lohnabschläge“ in Form nicht ausbezahlter Gewinne, sondern nur vereinbarte Löhne und den Mehrwert, der von den entlohnten Arbeitskräften geschaffen wird. Wie das funktioniert, hat Karl Marx bereits vor langer Zeit eingehend analysiert. Dass der Kapitalismus gesetzmäßig riesige Finanzkomplexe und dazugehörige Kuponschneider / Rentiers hervorbringt, ist auch nichts Neues, sondern das Kennzeichen für seinen Übergang in die imperialistische Phase, die heute gern mit Ausdrücken wie „Globalismus“, „Neoliberalismus“ und dergleichen Euphemismen verniedlicht wird.
      Solange sich die politische Macht in den Händen der Klasse der Kapitalisten befindet, wird sich daran nicht ein Iota ändern, egal, was ihre politischen Handlanger in den bürgerlichen und verbürgerlichten Parteien darüber behaupten und fabulieren. Da eine revolutionäre Partei der arbeitenden Menschen in naher Zukunft nicht zu erwarten ist, werden die bestehenden Verhältnisse bis auf Weiteres andauern, mit all den Folgen, die noch zu gewärtigen sind: Kriege, „Pandemien“ etc. …

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