Seit Mittwoch, dem 14. Oktober, trifft ein Unwettersystem vor allem Istanbul und die Region Antalya. Allein in Istanbul meldete das Gouverneursbüro 1.277 Überflutungen, 15 Erdrutsche und 47 Fälle eingeschlossener Personen, dazu rund 808 beschädigte Wohnhäuser und 280 Geschäfte.
Nach Angaben des Innenministers waren zuletzt 46.000 Einsatzkräfte im Einsatz, bisher sind drei Tote bestätigt und vier Menschen vermisst. Mehr als 2.700 Eingeschlossene wurden laut AP gerettet. Dort wird auch berichtet, dass in der Provinz Sakarya ein auf einem Flussbett errichtetes Haus einstürzte. Es ist das schlimmste Unwetter in Antalya und Istanbul seit 1985.
In Antalya mussten im Bezirk Demre 22 eingeschlossene Menschen gerettet werden, in Manavgat richtete ein Tornado schwere Schäden an. Der Flugverkehr war gestört: Allein in Istanbul wurden 43 Flüge umgeleitet.
Ist das historisch?
Beim Niederschlag ja, so die offiziellen Angaben. Gouverneur Davut Gül sprach laut AFP von den höchsten Niederschlägen seit Beginn der Aufzeichnungen 1942. Das Katastrophenkoordinierungszentrum Akom meldete für den Bezirk Beykoz 277,1 Liter pro Quadratmeter, so viel wie seit 1942 nicht mehr. Die Stadtverwaltung nennt für einzelne Gebiete das Jahr 1985 als Vergleichsmarke. Zum Vergleich: In Deutschland besteht laut StZ schon bei 40 bis 50 Millimetern in 24 Stunden Überschwemmungsgefahr.
Bei den Opferzahlen sieht es anders aus. Die Sturzfluten in Istanbul 2009 forderten laut einem Archivbericht mindestens 29 Tote. Die Schwarzmeer-Fluten 2021 kosteten laut tt.com mindestens 70 Menschen das Leben. Der Rekord betrifft also bisher die Regenmenge, nicht die Opferzahl, was schlimm genug ist.
Das Ereignis passt in ein Jahr mit auffälligem Niederschlag. Der türkische Wetterdienst meldet in seiner Zwischenbilanz, dass die Monatsniederschläge 2026 mit Ausnahme des Juni über dem Normalwert lagen. Ende Mai gab es schon Überflutungen in Hatay.
Welche Folgen werden befürchtet?
Neuer Regen auf gesättigten Böden. Ein Experte des Wetterdienstes warnte für Samstag vor erneutem Starkregen im Norden und Osten Istanbuls. Wegen der bereits stark gesättigten Böden bestehe auch bei geringeren Mengen Hochwassergefahr. Ab Sonntag soll der Regen nachlassen. Für die Provinzen Kocaeli, Zonguldak, Sakarya, Yalova und Düzce wurden laut ZDFheute bis zu 100 Liter pro Quadratmeter erwartet.
Hausgemachte Ursachen. Die Istanbuler Kammer für Stadtplanung führt die Lage nicht allein auf die Regenmenge zurück. Sie sieht die jahrelange intensive Bebauung, Flächenversiegelung und verengte Flussbetten als Mitverursacher. Die Erklärung stammt über die oppositionsnahe Agentur Anka, das sollte man bei der Gewichtung mitdenken. Der eingestürzte Bau im Flussbett in Sakarya passt allerdings ins Bild.
Wirtschaftliche Schäden. Sie werden bereits auf Dutzende Millionen Euro, möglicherweise einen dreistelligen Millionenbetrag geschätzt. Betroffen sind Tourismus, Flugverkehr und Basare in der Herbstferiensaison.
Politische Dimension. Vom 9. bis 20. November richtet die Türkei die UN-Klimakonferenz COP31 in Antalya aus, also genau in einer der betroffenen Regionen. Die Weltbank hatte das Land kurz zuvor als besonders anfällig für Überschwemmungen, Dürren und Waldbrände eingestuft (StZ). Die Fluten dürften die Debatte über Klimaanpassung und Bauaufsicht dort zusätzlich aufladen, so wie jedes Extremnaturereignis ja inzwischen „Klima“ ist.
Ein Wort zu Extrem-Thesen
Als im Iran nach einer langen Dürreperiode wieder umfangreiche Niederschläge einsetzten, führte man das auf die Zerstörung von großen Radaranlagen durch den Iran in seinen Nachbarländern zurück. Nachdem nun in einer nicht allzu entfernter Region ebenfalls starker Niederschlag auftritt, erhalten Verschwörungsthesen zusätzlichen Auftrieb. Allerdings ist Vorsicht geboten. Solche Thesen werden oft von ClickBait-Seiten verbreitet, welche einfach Geld sammeln wollen, oder Kreise, welche Nachrichten im Internet grundsätzlich diskreditieren wollen. Die „Klimathese“ wurde bereits bei TKP behandelt.
Die wahrscheinlichste Hauptursache, wenn man menschlich verursachte Hintergründe vermutet: Istanbul hat in den letzten Jahrzehnten massive Grünflächen verloren. Die gigantischen Asphalt- und Betonflächen verhindern, dass das Wasser im Boden versickern kann. Zudem verstärken die aufgeheizten Betonmassen der Stadt (Hitzeinseln) das Aufsteigen feuchter Luftmassen, was Gewitterzellen zusätzlich extrem intensiviert.
Bild: Screenshot von Video über die Überschwemmung
Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇
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Rekordregen in Istanbul: Die Geschichte und die Daten zeigen die wirklichen Ursachen
3 Kommentare
gibt es schon einen spendenaufruf der üblichen parasiten-ngo’s für das hochgerüstete natoland?
die freakshow der bundesregierung ist schon bereit das ergebnis zu verdoppeln,
denn seine freunde vergisst man nicht
Ich denke, sie manipulieren das Wetter. Was bei uns zu extremer Trockenheit führte, muss sich anderswo entleeren.
@,
das einzige, dass sich regelmässig prall entleert, sind die gebärmuttern
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