Bauernaufstand in Griechenland

10. Dezember 2025von 3,3 Minuten Lesezeit

In Griechenland legen Tausende Bauern aus Protest gegen die Agrarpolitik das Land lahm. Traktoren blockieren Autobahnen, Häfen und Flughäfen. Ausgelöst wurden die Proteste aufgrund fehlender EU-Gelder.

Beeindruckende Bilder aus Griechenland symbolisieren einmal mehr die Unzufriedenheit mit der Agrapolitik, die von Brüssel gesteuert und kontrolliert wird. Seit Ende November demonstrieren griechische Bauern gegen die hohen Porduktionskosten, zu niedrige Verkaufspreise und ungerecht verteilte EU-Subventionen.

Videos zeigen endlose Kolonnen an Landmaschinen, die Autobahnen aber auch Häfen und Flughäfen blockieren. Zudem haben die Bauern mit ihren Traktoren Grenzübergänge zu Nordmazedonien, Bulgarien und der Türkei blockiert, was zu stundenlangen Umleitungen führt. Am Flughafen Heraklion auf Kreta drangen Demonstranten auf das Rollfeld vor, was Flüge lahmlegte. Zusammenstöße mit der Polizei gab es in Heraklion und anderen Regionen, wo Tränengas eingesetzt wurde.

Insgesamt sollen bis zu 6.000 Traktoren aktiv an den Protest beteiligt sein, manche Beobachter sprechen sogar von bis zu 25.000, was vermutlich leicht übertrieben. Der Auslöser der Proteste ist ein Korruptionsskandal um EU-Subventionen, allerdings demonstrieren die Bauern auch gegen die hohen Energie- und Düngerkosten. Ein Schicksal das Bauern in der ganzen EU teilen. Zudem stehen sie durch die Öffnung des EU-Marktes für Bauern aus der Ukraine massiv unter Druck.

Premierminister Kyriakos Mitsotakis, de facto ein Statthalter für die EU-Kommission, musste bereits einlenken und gab ein Versprechen von 1,2 Milliarden Euro an Hilfen bis Ende Dezember ab. Die Bauern dürften ihm aber kaum glauben und wollen bis Weihnachten weiter protestieren.

Besonders bei den Bauern brodelt es keinesfalls nur in Griechenland. In Frankreich protestieren die Bauern etwa regelmäßig gegen den EU-Mercosur-Handelsvertrag mit Südamerika, der Billigimporte fürchtet, sowie gegen Importe aus Indien. Aktuell kommt zudem der Protest gegen die Zwangstötung von Vieh wegen angeblicher Gesundheitsrisiken hinzu. Im September und November 2025 blockierten Traktoren Straßen in Frankreich.  Ein aktueller Fall in der Ariège, wo 208 Kühe getötet werden sollen, heizt die Stimmung an.

Zurück nach Griechenland und einige Stimmen aus dem Lager der protestierenden Bauern:

„Die Produktpreise sind so demütigend niedrig, dass die Produktionskosten höher sind als das Geld, das wir verdienen“, sagte Vaios Tsiakmakis, ein Tabak- und Baumwollanbauer, gegenüber AFP bei einer Protestkundgebung in der Nähe der Innenstadt von Karditsa.

Iordanis Ioannidis, ein Baumwollbauer und Sprecher der Demonstranten bei einem Traktorenprotest in der Nähe von Larissa, sagte, der Sektor habe den „Felsboden“ erreicht und die Bauern hätten kaum noch etwas zu verlieren.

„Die Regierung gibt uns Geld, das uns seit 2023 geschuldet wird.“. Es gibt keinen politischen Willen, dem Primärsektor zu helfen“, fügte er hinzu.

Ein anderer Landwirt an derselben Straßensperre, Evripides Katsaros, sagte, dass es bei den Forderungen des Sektors um „Überleben“ gehe, und wies darauf hin, dass seine Birnenernte 31.000 Euro (36.000 $) kostet, um sie jährlich zu produzieren, und ihm nur 27.000 Euro einbringt.

„Die Regierung hat uns nichts gegeben“, sagte Katsaros.

Am Montag durchbrachen Bauern auf der Insel Kreta die Polizeilinien und besetzten die Hauptflughäfen Iraklio und Chania, wodurch mehrere Flüge gestrichen oder verschoben werden mussten.

Ein weiterer Farmprotest auf der Insel Lesbos am Montag hinderte Passagiere daran, eine ausgehende Fähre zu verlassen.

Ausgelöst wurden die Proteste um einen Betrugsskandal bei EU-Agrarsubventionen. Die EU behauptet, dass einige Bauern fiktive Anträge gestellt hätten, was zu einem Defizit von rund 600 Millionen Euro geführt habe. Deshalb müssen viele griechische Bauern auf ihre Förderungen warten.

Bild KI

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5 Kommentare

  1. Konrad Kugler 10. Dezember 2025 um 20:41 Uhr - Antworten

    Die Ukraine hatte einmal 45 Mio. Einwohner, aber 600 000 km² mit bestem Ackerland, Schwarzerde. Weil sie absolut unterbevölkert ist, drängt das Getreide in anderen Ländern auf den Markt.
    Mit Mercosur soll das Rindfleisch aus Südamerika in Europa verzehrt werden. Regenwald-Abholzung spielt in diesem Rahmen dann keine Rolle.

  2. local.man 10. Dezember 2025 um 19:21 Uhr - Antworten

    Das Problem ist, dass wir immer nur noch betteln gehen. Wir haben die Kontrolle über unsere Leben verloren, weil wir die Kontrolle über eine uns eigentlich dienende Struktur nicht mehr besitzen, oder haben wir das jemals?
    Ok also Bauern mit eigenem Land vor x hundert Jahren wohl, bis die Fabrikarbeit Arbeiter brauchte und die Herrschenden über ihre Schlägertrupps die Höfe und Felder anzündeten.. Immer der gleiche Müll..
    Immer das gleiche Systemproblem…

  3. Glass Steagall Act 10. Dezember 2025 um 14:31 Uhr - Antworten

    Vermutlich zielt diese Politik absichtlich darauf ab, die Landwirtschaft in Europa herunter zu fahren und zu zesrtören, damit die Industrielle-Labor-Landwirtschaft der Machteliten ihren Platz einnehmen kann.

    • Jan 10. Dezember 2025 um 17:55 Uhr - Antworten

      Tut sie längst! Man suche nach einem einzigen Käse ohne „Mikrobielles Lab“, gezogen auf Schimmelkulturen von Gates und Pfizer. Auch im Bio- und Hochpreisbereich alles voll – nur die italienischen Parmesanproduzenten wehren sich.

      Welche Strafen stehen auf Falschdeklaration? Allergie- und entzündungsförderndes Insektenprotein wird in Österreich produziert (Inzersdorfer), wohin geht es? Ins Brot?

      Proteinzusätze fördern die Bindung von Wasser und damit das Frischegefühl, eine längere Haltbarkeit und höheres Gewicht, bei gleichzeitig verbesserter Textur und verstärkter Maillard-Reaktion, die für Bräune und Röstaromen verantwortlich ist. Das Argument, Insektenmehl sei teuer und lohne nicht in Brot und Gebäck, muss so nicht stimmen.

      Miso in Ehren, aber industrielles Sojafleisch steht in großen Theken in österreichischen Supermärkten!

      Mir gruselt nicht vorm Wurm in der Zwetschke oder im Apfel oder in der Wurmkiste – aber dieser Dreck ist fürchterlich!

      • local.man 10. Dezember 2025 um 19:18 Uhr

        Amen!

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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