Hunger als Waffe in modernen Kriegen

16. März 2025von 5,2 Minuten Lesezeit

Die Weigerung Israels, humanitäre Hilfe, Strom, Wasser in das zerstörte Gaza zuzulassen, ist nicht neu. Tatsächlich ist das Konzept der Bestrafung der Zivilbevölkerung uralt. Und nicht zuletzt der große Beschützer, die USA hatten es bereits ausgiebig genutzt.

Eigentlich wird die Zivilbevölkerung seit der Gültigkeit der UNO-Charta unter besonderen Schutz gestellt. Tatsächlich aber gerät sie immer mehr in den Fokus von Staaten, welche durch Besatzung, Angriffskriege, Erpressung und Nötigung versuchen, die Politik eines Landes zu bestimmen. Denn ohne Rückhalt in der Bevölkerung haben es die Angreifer leicht, mit ihren deutlich überlegenen Waffen und Technologien, Regierungen zu stürzen und ihnen genehme Regime zu installieren. Nun wird zunehmend auch wieder der Hunger zur Waffe, eben wie zur Zeit der Belagerung von Städten während des Mittelalters.

Wenn Israel bereits vor Jahren nur so viel Lebensmittelimporte nach Gaza zuließ, dass die Menschen gerade noch nicht verhungern, und große Teile der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche Gazas mit Chemikalien verseuchte, wenn Saudi Arabien mit der Hilfe Großbritanniens und der USA eine Blockade über den Jemen verhängten, durch die mindestens 85.000 Kinder durch Mangelernährung starben, wenn die ehemalige Außenministerin Madeleine Albright bedauert, dass 500.000 Kinder durch die Sanktionen gegen den Irak starben, aber meint, dass es „das Wert gewesen wäre“, waren die Kriegsgrundsätze des Mittelalters endgültig wieder in der Neuzeit angekommen. Schauen wir uns ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit an, und zwar in Syrien.

Während Deutschland gerne betonte, wie human die Aufnahme und großzügige Versorgung von Flüchtlingen wäre, die in der Lage gewesen waren, 4000 bis 8000 Dollar für eine Schlepperorganisation aufzubringen, hielt die Regierung gleichzeitig Sanktionen aufrecht, welche nach Angaben eines UNO-Reports „tödlich“ waren. Damit nicht genug, hatten US-Politiker Weizen ganz offiziell als Waffe anerkannt.

Hunger als Waffe

Ein Mitglied der „Denkfabrik“ Center for a New American Security (CNAS), welche der Democrat Party der USA nahe steht, von der US-Regierung und der Rüstungsindustrie finanziert wird, erklärte dem Publikum, dass „Weizen eine Waffe“ wäre, und „genutzt werden kann, um Druck auf das Assad Regime“ auszuüben.

Nach acht Jahren Krieg der USA und der Golfdiktaturen gegen Syrien mit Hilfe von Terrororganisationen, und nun dann ganz offiziell mit eigenem Militär, zu dem auch Deutschland Beiträge leistete, planten Strategen in Washington neue Möglichkeiten, die Regierung in Damaskus zur Unterwerfung zu zwingen.

Weizen ist eine Waffe mit großer Macht in dieser nächsten Phase des Konfliktes in Syrien“, darauf bestand Nicholas Heras, ein Mitglied des Center for the New American Security (CNAS) in Washington DC. (…) Er argumentiert, dass Washington seine kurdischen Alliierten dazu zwingen kann, die Lebensmittelversorgung des Landes zu begrenzen ‚um Druck auf das Assad-Regime auszuüben, und durch das Regime auf Russland, um Konzessionen zu erzwingen‘.“ (2)

Der Artikel über das Thema in The Gray Zone beschreibt, was der Autor in der Vergangenheit vorgeschlagen hatte, und dann realisiert worden war. So hatte er sich dafür eingesetzt, die „moderaten Rebellen“ zu bewaffnen und zu unterstützen. Insbesondere hatte er sich für eine Bewaffnung der salafistischen Miliz Nour al-Din al Zinki mit panzerbrechenden tragbaren Raketen eingesetzt. Diese Organisation hatte sich gerade mal zwei Monate nach der Veröffentlichung des entsprechenden Papiers in eine Koalition mit einem Al-Kaida-Ableger begeben, und dabei den Namen „The Bin Laden Front“ angenommen.

Heras diente bereits als Forscher dem Pentagon, und er kontrollierte Projekte, die vom Außenministerium finanziert wurden. Er ist außerdem ein Mitglied in der neokonservativen Jamestown Foundation, eine Denkfabrik, die unter der Aufsicht des damaligen CIA-Direktors William Casey 1984 Unterstützung für Überläufer aus der Sowjetunion bereit stellte.

Die CNAS wurde bis Februar 2019 von (fuck the EU) Victoria Nuland geleitet und wird maßgeblich von den großen Rüstungsunternehmen der USA finanziert.

Interessanterweise hatte Nicholas Heras die Idee, Weizen als Waffe gegen Assad einzusetzen, selbst publik gemacht, und zwar in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP. Und er war damit einverstanden, dass die CNAS seine Idee auch über Twitter verbreitete (3). Die AFP veröffentlichte am 11. Juni einen Artikel über das Thema (4).

Die Regierung Syriens, geführt durch Präsident Bashar al-Assad, bietet den Bauern in Hasakah einen hohen, subventionierten Preis für ihren Weizen. Aber die von der USA unterstützte kurdische Regierung sagte ‚kein Weizen darf die Region unter ihrer Kontrolle verlassen‘, berichtete die AFP. (…) Der Artikel stellt fest, dass Syrien ‚ein Land ist, in dem Millionen von Brot als Hauptnahrungsmittel angewiesen sind, und dass lähmende Sanktionen, die von den USA und Europa verhängt worden waren, die humanitäre Situation verschärft hätten.“ (Zitat)

Gleichzeitig wurde bekannt, dass „moderate Rebellen“, die von der NATO unterstützt wurden, Weizenfelder des Landes in Brand setzen. (Quelle)

Deutschlands Rolle

Wir müssen vielleicht unseren Regierungen dankbar sein, dass sie sich durch vollständige und bedingungslose Unterwerfung unter das Imperium USA vor Bombardierung und Hungersnöten beschützten. … Bis Donald Trump Präsident wurde. Die Frage bleibt aber, ob man genau diese Politik auch unbedingt als „gemeinsame Werte“ gegenüber den eigenen Bürgern erklären sollte. Auch ist zu hinterfragen, ob die Hilfe Deutschlands im Rahmen der „Koalition“ in Syrien, durch welche diese Kriegsverbrechen mit ermöglicht wurden, und durch die Mitvertretung der Sanktionen gegen Syrien, ob diese Hilfe wirklich notwendig ist, um nicht selbst in den Fokus der Macht zu geraten. Mal ganz abgesehen vom Geist und Text des deutschen Grundgesetzes.

Insofern unterscheidet sich das Vorgehen Israels in Gaza lediglich durch das Ziel. Nämlich die Vertreibung der indigenen einheimischen Bevölkerung und notfalls deren Eliminierung.

Bild von Engin Akyurt auf Pixabay

Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wieder. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

Jochen Mitschka ist Erster Vorsitzender des Vereins „Der Politikchronist e.V.“: https://www.politikchronist.org/

Er ist Herausgeber der TKP-Jahrbücher  „Chronologie einer Plandemie“  mit allen Artikeln von TKP, die in den Jahren von 2020 bis 2023 erschienen sind.


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3 Kommentare

  1. Jurgen 17. März 2025 um 11:38 Uhr - Antworten

    Gegen induzierten Hunger hilft Vorratshaltung und eigener Gemüsegarten! Alles was man zukaufen muss ist kontra Nahrungsmittelautarkie…

  2. Pfeiffer C 16. März 2025 um 17:31 Uhr - Antworten

    Hunger als Waffe in modernen Kriegen

    Zur Erinnerung:

    Im besten Deutschland aller Zeiten wurde während des vom Deep State & den Pharmakonzernen angezetteltem globalen Coronaskandals inmitten des „Westlichen-Werte-Horts“ Hunger & Durst als schwarz pädagogisches Druckmittel skrupellos eingesetzt, hier:

    Das deutsche Bundesland Hessen verschärfte im Oktober 2021 den Druck auf Ungeimpfte. Die dortige Landesregierung ermöglichte die sogenannte 2-G-Option nun im gesamten Einzelhandel.

    Damit können auch Supermärkte beschließen, keine Ungeimpften mehr einzulassen. Bislang gab es hier keine Zugangsbeschränkungen, um allen Menschen die Möglichkeit zur Grundversorgung zu gewähren.

    Sollte ein Supermarkt sich für die 2-G-Regel entscheiden, wäre das demnach legitim.

    Neverforget!

  3. Fritz Madersbacher 16. März 2025 um 14:16 Uhr - Antworten

    „Die Weigerung Israels, humanitäre Hilfe, Strom, Wasser in das zerstörte Gaza zuzulassen, ist nicht neu … Nun wird zunehmend auch wieder der Hunger zur Waffe, eben wie zur Zeit der Belagerung von Städten während des Mittelalters“

    Die naheliegenderen Vorbilder sind der jüngeren Vergangenheit zu entnehmen:

    „Der Warenverkehr in das [Warschauer] Ghetto und aus dem Ghetto [Oktober 1940 bis zum Aufstand April, Mai 1943] wurde streng kontrolliert. Es gab bei Weitem nicht genügend Lebensmittel, um die Ghettobewohner zu ernähren. Unter großem persönlichen Risiko versuchten viele Juden, Lebensmittel einzuschmuggeln. Die Lebensmittelration für einen Bewohner des Warschauer Ghettos betrug weniger als 10 Prozent der Ration eines Deutschen. Jeden Monat starben im Ghetto Tausende von Juden an Hunger oder Krankheit („Holocaust Encyclopedia“ des „United States Holocaust Memorial Museum“, Washington, DC.)

    „Als Leningrader Blockade (russisch блокада Ленинграда blokada Leningrada) wird die Belagerung Leningrads … durch die deutsche Heeresgruppe Nord … während des Zweiten Weltkriegs bezeichnet … Die Belagerung dauerte vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944, also 872 Tage (ca. 28 Monate).
    Geschätzt verloren etwa 1,1 Millionen zivile Bewohner der Stadt wegen der Blockade ihr Leben, etwa 90 % dieser Opfer verhungerten. Die Einschließung der Stadt durch die deutschen Truppen mit dem Ziel, die Leningrader Bevölkerung systematisch verhungern zu lassen, gilt als eines der eklatantesten Kriegsverbrechen der deutschen Wehrmacht während des Kriegs gegen die Sowjetunion. Die Russische Föderation, als Rechtsnachfolger der Sowjetunion, stuft die Leningrader Blockade als Völkermord ein“ („Wikipedia“, Stichwort „Leningrader Blockade“)

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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