
Einer unserer „Groß“betriebe: Der Eierbauer – Teil 6 der Mikro-Perspektive
Geflügelzucht ist eine Alternative mit Hindernissen. In der Direktvermarktung von Bio-Produkten kann sie funktionieren. Solange es die Vorschriften, Regelungen und Vorgabe nicht völlig unattraktiv machen.
In dem Biobetrieb für Eier und Teigwaren laufen rd. 2.000 Hühner frei herum und legen pro Jahr rund eine halbe Million Eier. Neben dem Direktverkauf der Eier werden daraus ca. 40 Tonnen Teigwaren produziert, die Hälfte davon in Lohnarbeit, die andere Hälfte aus eigenem Bestand. Darüber hinaus werden 30 bis 40 Tonnen Kartoffeln geerntet und verkauft.
Ansonsten baut man auf den 30 ha Grund alles an, was Hühner fressen, insbesondere Soja, Ackerbohnen, Raps und Sonnenblumen. Weizen, Triticale und Dinkel dienen sowohl als Futter als auch als Bestandteil der Teigwaren. Raps und Sonnenblumen werden teilweise auch zu Öl verarbeitet.
Auch dieser Bauer, der bereits die lokale Kompostieranlage mitbegründet und 15 Jahre mitbetrieben hat, bestätigt, dass der Boden für Getreide nicht gut geeignet ist, sondern spezieller Behandlung und Bodenaktivierung bedarf. Aber zusätzliche 20 ha Experimentalflächen für Forschung und Tests machen deutlich, dass man sich an diesem Hof genau diesem Thema ausführlich gewidmet hat.
Eine eigens dafür gegründete Firma beschäftigt sich mit regenerativer Landwirtschaft und den dafür notwendigen, hochspezialisierten Maschinen. Auch die Weiterbildung von Bauern jenseits der industriellen Vorgaben ist Bestandteil seines Arbeitsalltags, der ihn durch ganz Europa führt. Dafür wurde und wird er seitens der Industrie auch entsprechend angegriffen. Unkonventionelle Vorgehensweisen, die die Position der Bauern stärken, werden offensichtlich nicht gerne gesehen. Das Unternehmen, das von Anfang an durch die Erträge aus der Landwirtschaft subventioniert wurde, kam aber jetzt in wirtschaftliche Schieflage, sodass er die Mitarbeiter entlassen musste und den Schwerpunkt wieder auf die Landwirtschaft legt.
Dass der landwirtschaftliche Betrieb erfolgreich wirtschaften konnte, führt der Bauer auf verschiedene Faktoren zurück. Neben der speziellen Bodenbearbeitung, die höhere Erträge gewährleistet, ist Direktvermarktung für ihn ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Sie fahren regelmäßig auf ausgewählte Bauernmärkte, wo Stammkunden auf ihre Produkte warten. Einmal wöchentlich beliefern sie die lokale Gastronomie, Bäckereien und Schulen mit Eiern und Teigwaren. In der Region gibt es mehrere Wiederverkäufer. Das sind Bauernläden sowie Supermarkt-Ketten, die noch selbstständig geführt werden, die ihr Sortiment mit den Bio-Produkten abrunden. Der Betrieb des eigenen Hofladens trägt aufgrund der doch eher abgelegenen Lage unseres Dorfes nur gering zum Umsatz bei.
Mein Gesprächspartner ist überzeugt, dass man auch heute von der Landwirtschaft leben kann. Man darf allerdings keine 40-Stundenwoche erwarten. Bei ihm sind zwei volle Arbeitskräfte in der Landwirtschaft und der Direktvermarktung tätig und das eben deutlich mehr als 40 Stunden. Am Hof arbeiten er, seine Frau und seine drei Söhne, die hauptberuflich außerhalb tätig sind, aber insbesondere immer dann einspringen, wenn der Vater als Ausbildner in Sachen Bodenkultivierung unterwegs ist.
Die Familie erbringt zusätzlich auch noch Dienstleistungen mit eigenen Hochleistungsmaschinen für den Maschinenring. Verleihen möchte er die Geräte aber nicht mehr, da bei Schäden oft „niemand dran schuld war“.
Eine Chance für das Überleben einer kleinteilig strukturierten Landwirtschaft sieht er darin, wenn man konsequent dafür sorgt, dass die Wertschöpfung im eigenen Betrieb verbleibt. Sobald man zukauft, fressen die Kosten einen auf. Sobald man den klassischen Handel involviert, kassiert der Handels„partner“ einen Großteil des Gewinns. Für seinen Betrieb bedeutet das konkret: eigenes Futter, eigene Teigwaren-Produktion und Direktvermarktung.
Diese Eigenständigkeit erlaubt auch, schnell auf Veränderungen im Markt reagieren zu können. Selbst wenn die Kostensteigerungen der vergangenen zwei Jahre für den Betrieb nicht in vielen Bereichen durchgeschlagen sind, auch bei ihnen sind die Energiekosten signifikant gestiegen. Die Preise für Nudeln und Teigwaren wurden daher im vergangenen Jahr zwei Mal moderat erhöht. Die Preisanpassung von insgesamt 10 bis 15% wurde von den Kunden aber als akzeptabel erachtet. Das ist leicht nachvollziehbar, wenn man Preiserhöhungen von bis zu 50% und mehr in den Supermärkten betrachtet.
Auch bei der Beschaffung seiner Legehennen geht er alternative Wege. Er kauft inzwischen keine Junghennen mehr, sondern setzt auf einjährige Hennen, die aus anderen Betrieben ausgemustert und geschlachtet werden sollen. Dadurch vermeidet er Strafzahlungen, die im Rahmen des „Bruder-Hahn“-Projektes anfallen und die Kosten für Geflügelbauern in die Höhe treiben.
Das Projekt „Bruder-Hahn“ wurde ins Leben gerufen, um mit den Einnahmen die unwirtschaftliche Aufzucht von Hähnchen auszugleichen, die in der Vergangenheit zu Millionen geschreddert wurden, was bei Tierschützern aus verständlichen Gründen zu massiven Protesten geführt hat. Aber nicht nur mein Gesprächspartner sieht in diesem Projekt kaum Nutzen für die Tiere selbst. Im Gegenteil. Nach dem, was ich von ihm erfahre, handelt es sich dabei einfach um Verbrauchertäuschung und Täuschung der Tierschützer, die eigentlich zum Wohle der Tiere agieren wollen.
Die „geretteten“ Brüderhähne sterben jetzt eben nicht mehr direkt nach der Geburt, sondern etwa 8 bis 12 Wochen später. Zwei bis drei Monate, in denen sie teilweise unter widerlichen Bedingungen im In- und Ausland gemästet werden, um dann geschlachtet und als Tierfutter verarbeitet zu werden. Auch wenn einzelne Biohöfe das sicher anders handhaben und die geretteten „Bruder-Hähne“ unter korrekten Bedingungen aufziehen: Die Realität für die Masse der Tiere ist eine völlig andere. Das zeigt ein Bericht der Tierschutzorganisation PETA „Bruderhahn-Initiativen: Augenwischerei auf Kosten der Tiere“ mehr als deutlich auf.
Dass mein Gesprächspartner durch spezielle Fütterungs- und Haltungsmethoden das „produktive“ Leben der freilaufenden Legehennen deutlich verlängern kann, wird vom Tierschutz zwar geschätzt, ist für die Behörden aber nicht gar so relevant. Zumindest musste er sich sehr anstrengen, um eine Sondergenehmigung für die Schlachtung seiner deutlich älteren Hennen zu erhalten. Für ihn ein typisches Beispiel, dass „Gesetze von Menschen gemacht werden, die von der Materie nichts verstehen“. Beim Thema Mauser gäbe es beispielsweise einen sinnlosen Leitfaden, der bei den Hühnern zu bis zu 10% Ausfall führen kann, bei ihm liege der Ausfall durch Mauser bei 0,1%.
Ein trauriges Fazit: Wer alle Regeln und Gesetze punktgenau einhält und an den Handel liefert, hat deutlich weniger Probleme als Menschen, die die Situation für die Bauern, aber auch für die Tiere und die Natur verbessern wollen. Wer sich an Arbeitsweisen hält, die die Lebenszeit verlängern und zu einer nachweislich niedrigeren Ausfallrate führen, dem kann auch mal mit Sperrung des Betriebes gedroht werden, so die Erfahrung meines Gesprächspartners.
Bestimmte Kontrollen könnte der Bauer reduzieren, wenn er auf das Bio-Label verzichtet. Da sein Direktvermarktungskonzept aber darauf ausgerichtet ist, wäre das für ihn kontraproduktiv. Daher nimmt er die Vorgehensweise der Organisationen zähneknirschend (noch) in Kauf.
Wenn sich die Bauern aus dem Hamsterrad der Abhängigkeiten lösen, einen großen Anteil der Wertschöpfungskette im Betrieb oder in direkten Kooperationen mit anderen Bauern halten, kann die Landwirtschaft in Österreich überleben. Mein Gesprächspartner ist aber skeptisch, was die Kooperationswilligkeit und -fähigkeit mancher Bauern angeht, und befürchtet, dass der Nutzen bei größeren Gruppen schnell durch Strukturen und Hierarchien zerstört werden kann. Er tut daher alles, um so autark wie möglich zu agieren.
Zum Thema Geflügel-Zucht noch ein „Schmankerl“ am Rande
Da Deutsche und Österreicher häufig nur Filets oder Keulen konsumieren, wird der Rest schon lange nach Afrika geschickt und billig verramscht – mit entsprechenden Folgen für die dortigen Bauern.
Bereits 2017 konnte man lesen: „EU-Hähnchenfleisch überschwemmt Afrikas Märkte … Die Europäische Union (EU) und die Bundesregierung haben afrikanischen Staaten Unterstützung beim Aufbau einer eigenen Wirtschaft zugesagt. Billigexporte von Geflügelfleisch aus der EU lassen einheimischen Produzenten jedoch kaum Chancen. … Da der Verkauf der in Europa begehrten Hähnchenfilets bereits gewinnbringend ist, wurden die Ausfuhrpreise von Hähnchenteilen auf durchschnittlich 0,75 Euro pro Kilogramm gedrückt. Mit diesen niedrigen Preisen können afrikanische Geflügelproduzenten nicht mithalten.“
Zunehmend trifft es jetzt auch uns. Denn mit den Preisen aus unkontrollierten internationalen Hühnerzuchtgefängnissen, die nicht mal im Ansatz auch nur unseren konventionellen Vorgaben bzgl. Tierhaltung genügen, können österreichische Bauern nicht mithalten, zumindest wenn sie ihre Produkte über den Handel vermarkten und sich strikt an alle Regeln halten.
Eine der absurdesten Regeln zum Schluss. Bei einer Kontrolle durch die Amtstierärztin erfuhr einer meiner Nachbarn, der für Eier ein paar Hühner im Freilauf hält, dass pro Huhn 8 qm Freilauffläche erforderlich sind. Würde man aber Sträucher dazwischen setzen, seien es nur 4 qm. Sein Kommentar dazu: „Dann hat der Habicht ja die besten Möglichkeiten, sich vom Gebüsch aus seine Opfer auszusuchen.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.
Im Artikel morgen geht es darum, wie man landwirtschaftliche Betriebe mit Exoten am Leben erhält.
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Alte Rassen – eine Option für den Erfolg in der Tierzucht – Teil 5 der Mikro-Perspektive
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Die Situation der Bauern – eine Mikro-Perspektive aus Oberösterreich
Man wird den Leuten mit der ganzen Geflügelzüchterei und Eierlegung den Hals umdrehen und zur Aufgabe dieses Geschäftsbereiches zwingen. Eier gibs in Zukunft von Bill Gates als Hauptsponsor von Biowaffenlabors. Weiss doch jeder und die Zukunft heißt Tod. Es gibt dann nur noch ein paar Inseln wo die Superreichen der Welt leben und jeder mit 7 Frauen. Der Rest sind nur noch menschliche gestaltete Roboter die als Sklaven die Reichen bedienen müssen.
Das ist der Plan und so geht das ständig weiter. Von der Leyen und solche Figuren gibs dann nicht mehr, alles weg rationalisiert, sind selbst Opfer dieser Geschäftsgebaren geworden und mit Sicherheit schon frühzeitig verstorben. That’s what I say.
Einerseits wird zwar ein Bevölkerungsrückgang als wünschenswert proklamiert, andererseits werden aber besonders wachstumsstarke Volksgruppen imporiert. Die Geschichte ist paradox, was erst wünschenswert war, gilt nun als „Bevölkerungslücke“, die gestopft werden muß.
Ich hatte mal 1 1/2 Legehybrid Hendln – sie haben eine kurze Mauser. 2 1/2 hat der Fuchs geholt. Das dritte hat die Nachbarin, eine Biobäuerin, mit Pech bestrichen und so „zusammengeflickt“. Es hat sich vollständig erholt. So hatte ich jede Woche 14 Eier, sehr große – oft mit zwei oder drei Dottern. Sie bekamen Kukuruz, Pellets aus dem Lagerhaus, Gras, feinste Kräutlein, und Bioabfälle aus der Küche. Hier, wo ich jetzt lebe, könnte ich das überhaupt nicht, denn ich habe einen Terassenfuchs, der meine Schuhe verzaht. Er spielt damit. Hab ihn schon mit Wildkamera gefilmt. Ein Dach lebt hier auch in der Nähe, der kommt des nachts zu den Vogelhäuschen, weil unten am Boden auch was liegt. Div. Gartenrehe, sogar mal ein gefräßiger blonder Hund – wohl ein golden Rerivier, der von mir Katzenfutter will. Pfa! Das ist ein Dickerl :-) Der poscht wohl immer wieder ab.
Ein Gast/Architekt (kein Techniker) meinte mal, die brauchen doch einen Hahn, sonst legen sie keine Eier. Er beharrte fix und steif darauf. Nein, brauchen sie nicht. Der „buckt“ sie nur, um sie zu befruchten. Dann haben die Dotter einen roten Punkt. Ich schenkte ihm Eier zum Beweis, so wie ich sie oft verschenkte. Trotzdem meinte er, sie bräuchten den Hahn aber, damit sie glückliche Hühner seien… :-) Seine Frau (Tanzschule) kam übrigens mit hervorquellenden Augen angerannt, und fragte mich, ob ich da hinten Marihuana angebaut hätte. Ich antwortete trocken: „Das sind Erdäpfeln.“ Wow, hat die mich elend und suchend angeschaut. Sie wollte es nicht glauben. Mein Mann hat ihr diesen Bären aufgebunden, weil er sie gut kannte…..alles Städter…. :-)
Dachs :-)
Retriever
Legehennen sind per se Qualzüchtungen. Eier sind Menstruationsabgänge, die aus wirtschaftlichen Gründen täglich erfolgen müssen. Der ursprüngliche Zyklus des Wild Huhns beträgt etwa 30 Tage, der durch Züchtung und sonstige Manipulationen auf 1 Tag verkürzt wurde. Die Folge ist, daß eine Legehenne aufgrund dieser Ausbeutung die potentielle Lebenserwartung von 15Jahren bei weitem nicht erreicht, sondern nur 1,5 Jahre. Die Haltungsform ändert an dieser Tatsache rein garnix.
Man stelle sich vor Frauen zu züchten, die täglich menstruieren….:-(
Schlicht ergreifend! Danke für die Aufklärung. Das kann dann wahrscheinlich nur mit Hilfe von Hormongaben so stattfinden. „SEHR GESUND“ auch für den Menschen (Sarkasmus). Da ist die Freilandhaltung dann auch schon egal.