Weltweit wird der Ausbau von 5G und 6G vorangetrieben. Gleichzeitig werden Gesundheits- und Umweltprüfungen systematisch zurückgedrängt.
In einem aktuellen Beitrag beschreiben Dr. Gary Null und Richard Gale die Gefahren von 5G und 6G und eine Politik, die Frequenzspektren freigibt, Genehmigungen strafft und lokale Mitspracherechte einschränkt, während die geltenden Grenzwerte für Hochfrequenzstrahlung seit Jahrzehnten unverändert bleiben.
Null und Gale halten fest, dass die aktuellen Grenzwerte der FCC (Federal Communications Commission) „aus der Mitte der 1990er-Jahre“ stammen und „auf Forschung aus den 1980er-Jahren“ beruhen. Sie konzentrierten sich „fast ausschließlich auf kurzfristige thermische Effekte“ und berücksichtigten die seither veröffentlichten Studien zu nicht-thermischen Wirkungen nicht. Ähnliche Grenzwerte gelten in der EU. Ein Berufungsgericht habe 2021 entschieden, die Behörde habe „keine vernünftige Begründung“ geliefert, die Grenzwerte angesichts der Belege zu Langzeitexposition, Kindern und Umwelt nicht zu aktualisieren.
Die Autoren fokussieren sich zwar auf die USA, doch dies trifft nach ihrer Darstellung auch auf Europa zu. In den USA hat der Ausbau unter Trump noch einmal Tempo aufgenommen. Besonders folgenreich sei das Präsidialmemorandum „Winning the 6G Race“. Es erkläre die amerikanische Führungsrolle bei 6G zur nationalen Priorität und fordere, das Band von 7,125 bis 7,4 GHz für die kommerzielle Lizenzierung freizugeben sowie weitere Mittelbänder umzuwidmen.
Dabei sei der gesetzliche Rahmen geschaffen worden, damit Anbieter die Kapazität ausbauen und frühe 6G-Dienste an Tausenden Standorten einführen können. Bundesstaaten und Kommunen seien entmachtet worden und könnten nur zusehen. Anwohner verlieren die Möglichkeit, „Einfluss auf die Platzierung von 5G-Masten in der Nähe von Wohnungen, Schulen, Geschäften und Wohngebieten zu nehmen“.
Obwohl höhere Frequenzen Energie eher oberflächlich abgeben, erfordere eine flächendeckende Versorgung „eine starke Zunahme der Dichte von Masten und Small Cells“. Dadurch steige die Zahl der Menschen, die näher an Sendern leben. Null und Gale warnen, die Kombination aus veralteten, rein thermischen Grenzwerten und schwächeren Vorschriften werde „ungesunde Bedingungen“ schaffen. Besonders gefährdet seien „Kinder, Schwangere sowie Menschen mit bestehenden EMF-Empfindlichkeiten und Autoimmunerkrankungen“. Insekten absorbierten bei diesen Frequenzen wegen der Körpergrößenresonanz mehr Energie; Vögel in der Nähe von Masten zeigten häufiger Desorientierung.
Die Autoren werfen der FDA vor, die von ihr selbst in Auftrag gegebene NTP-Studie ignoriert zu haben. Diese habe „klare Belege“ für karzinogene Aktivität geliefert. Sie führen weitere Kritiker an.
Dr. Ronald Melnick nannte die Entscheidung „schockierend“ und einen „gefährlichen Präzedenzfall“. Dr. Anthony Miller erklärte, Hochfrequenzstrahlung sei „ein erwiesenes Karzinogen“, und hob erhöhte Risiken für Glioblastome hervor. Dr. Devra Davis kritisierte, der FDA-Bericht ignoriere Studien, die EMF-Exposition mit Schilddrüsenkrebs verbinden, und übergehe die besondere Verletzlichkeit von Kindern und Schwangeren. Prof. Tom Butler sprach von „einem erstaunlichen Versagen“: Die Behörde scheine den Kenntnisstand zu nicht-thermischen Effekten „nicht bewusst“ zu sein oder ignoriere ihn.
Null und Gale führen in ihrem Aufsatz weitere konkrete Befunde aus der Forschung an. Eine Arbeit von Kharchenko et al. (2022) habe Zellstress, oxidativen Stress und DNA-Schäden gezeigt; nicht-thermische Störungen zellulärer Signalwege könnten „mit der Zeit zu Krebs führen“. Schäden an der zellulären DNA „bergen gravierende Risiken, insbesondere in städtischen Gebieten, in denen die Exposition kontinuierlich ist“. Hassan und Khalil (2024) dokumentierten Müdigkeit, Schlaflosigkeit und Kopfschmerzen bei Anwohnern von Mobilfunkmasten und warnten vor einer „irreversiblen gesundheitlichen Verschlechterung“. Bei Kindern lasse der dünnere Schädel eine stärkere Absorption zu, mit möglichen Folgen für Lernen und Gedächtnis. Jagetia habe DNA-Strangbrüche und Mutagenese in Lymphozyten beschrieben; das Fortpflanzungssystem sei besonders anfällig.
Martin Pall, emeritierter Professor an der Washington State University, listet unter anderem geringere Fruchtbarkeit, neurologische Effekte, DNA-Schäden, Apoptose, oxidativen Stress und endokrine Störungen. Es gebe „35 separate wissenschaftliche Übersichten“, die Belege dafür lieferten, dass EMF die Karzinogenese erhöhen. Pall spricht von „digitalen Demenzen“ und sieht einen möglichen Zusammenhang von spätpränataler und frühpostnataler Exposition mit ADHS und Autismus.
Null und Gale schließen, jeder werde von der Strahlung betroffen sein. In Teilen der Forschung wachse die Sorge, der Ausbau könne „eine Epidemie von Erkrankungen einleiten, wie sie die Menschheitsgeschichte noch nicht gesehen hat“.
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