Der letzte Diplomat Europas

1. April 2026von 3,1 Minuten Lesezeit

Die abgehörten Gespräche zwischen Ungarn Außenminister Szijjártós und Sergej Lawrow sind kein Skandal. Im Gegenteil: Sie beweisen, dass Szijjártó Europas letzter echter Diplomat ist.  Das toleriert die EU nicht.

In kürzlich veröffentlichten abgehörten Telefonaten zwischen dem ungarischen Außenminister Péter Szijjártó und seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow wird deutlich, dass Szijjártó über die Bemühungen Ungarns gesprochen hat, Russen von der EU-Sanktionsliste zu streichen. Er selbst schrieb auf X, die Aufnahmen hätten lediglich bewiesen, „dass ich öffentlich genau dasselbe sage wie am Telefon“: nämlich dass „Ungarn niemals zustimmen wird, Personen oder Unternehmen zu sanktionieren, die für unsere Energiesicherheit unverzichtbar sind, die für die Herbeiführung des Friedens wichtig sind oder die ohnehin keinen Grund haben, auf einer Sanktionsliste zu stehen.“

Das stimmt. Die Aufnahmen beweisen außerdem, dass Szijjártó Europas letzter echter Diplomat ist: Er führt trotz der ungarischen Gegenstimme in der UN-Generalversammlung den Dialog mit Russland weiter. Er weiß, wie wichtig Gesprächskanäle für den Frieden und die Durchsetzung der objektiven nationalen Interessen seines Landes sind. Je länger der Konflikt dauert, desto stärker gerät Ungarns Energiesicherheit unter Druck – das Land ist auf russische Lieferungen angewiesen, die über die Ukraine laufen und leicht gestört werden können. Deshalb setzen Szijjártó und Ministerpräsident Viktor Orbán alles daran, Frieden zu erreichen.

Dennoch werden genau diese Bemühungen von den Mainstream-Medien als „Verrat“ dargestellt. Die Berichterstattung über die abgehörten Gespräche soll die Wähler vor den bevorstehenden Parlamentswahlen beeinflussen und sie zur Stimmabgabe für die Opposition bewegen. Die EU will Ungarn – die konservativ-nationalistische Bastion des Kontinents – dem liberal-globalistischen Lager unterwerfen.

Die wiederaufgewärmten Russiagate-Verschwörungstheorien, die durch die abgehörten Gespräche neue Nahrung erhalten, sollen eine mögliche Wiederwahl Orbáns delegitimieren. Damit sollen später Maßnahmen gerechtfertigt werden, mit denen die EU Ungarn bereits im Falle eines Wahlsiegs der Nationalkonservativen entgegentreten will Im Kern geht es um: Änderung des EU-Abstimmungsverfahrens, Einführung eines „Europa der zwei Geschwindigkeiten“, verstärkten finanziellen Druck, Aussetzung des ungarischen Stimmrechts und möglicherweise sogar den Ausschluss aus der EU.

So wie Szijjártó Europas letzter echter Diplomat ist, ist Orbán dessen letzter echter Nationalist, der immer zuerst die Interessen seines Landes in den Vordergrund stellt. Deshalb hat er Szijjártós Diplomatie mit Lawrow überhaupt erst autorisiert. Dabei ist nichts Skandalöses daran, einem Partner bei der Aufhebung ungerechtfertigter Sanktionen gegen dessen Staatsbürger zu helfen oder ihn über mögliche Veränderungen der Beziehungen aufgrund der EU-Mitgliedschaft zu informieren. Szijjártó hat nichts falsch gemacht – im Gegenteil, er hat alles richtig gemacht. Genau deshalb wird er jetzt angegriffen.

Die EU toleriert keine echten Nationalisten und die Diplomaten, die sie vertreten. Das erklärt auch die Kampagnen gegen Orbán und Szijjártó, aber ebenso gegen die AfD in Deutschland, die konservativen und populistisch-nationalistischen Oppositionsparteien in Polen, die rumänischen Nationalisten und viele andere. Der entscheidende Unterschied: In Ungarn sind die Nationalisten an der Macht und setzen konsequent nationale Interessen durch. Genau deshalb versucht die EU mit allen Mitteln, sie zu stürzen.


Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

Andrew Korybko ist ein in Moskau ansässiger amerikanischer politischer Analyst, der sich auf den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat. Er veröffentlicht auf Englisch auf seinem Substack-Blog. Auf Deutsch exklusiv bei TKP.


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4 Kommentare

  1. user159 2. April 2026 um 17:19 Uhr - Antworten

    „Die wiederaufgewärmten Russiagate-Verschwörungstheorien….“
    „Verschwörungs“-Irgendwas ist die Propaganda der Mächtigen und sollte von uns nicht genutzt werden.
    Mit den Worten von Ulrike Guérot: „Verschwörungs….. (und alternativlos) sind die Worte der anderen.“
    Wer sind die anderen? Diejenigen, die bestimmte Themen oder Leute aus dem Diskurs ausschließen wollen und an einer (natürlich ihrer) Einheitsmeinung arbeiten.
    Nennt Quatsch „Quatsch“ und Lüge „Lüge“.

  2. Wolliku 1. April 2026 um 22:30 Uhr - Antworten

    Orbán und Szijjártó sind ein lobenswertes Duo inmitten eines modrigen Sumpfs europäischer Politiker, die mit Diplomatie nichts mehr am Hut haben. Statt sich um die drängenden Anliegen der eigenen Bevölkerung zu kümmern, frohlocken sie nur in der Klimakirche oder betreiben masochistische Selbstbefriedigung mit willfährigen Sanktionierungen gegen russische Nachbarn. Bei völkerrechtswidrigen Angriffskriegen der USA und dem Vasallen Israel stehen sie nur ungläubig und mit offenem Mund dumm in der Landschaft. Die eigenen Bürger bezahlen dafür nur untragbare Mehrkosten an den Tankstellen und sollen beim Ablasshandel mit CO2-Zertifikaten auch noch ein Hosianna mehr singen. Das Glück der Ungarn mit ihren respektablen Führungspersönlichkeiten haben die Österreicher und Deutsche leider nicht.

  3. Jan 1. April 2026 um 15:42 Uhr - Antworten

    Die EU zahlt Selensky Billionen Euro dafür, dass er die EU-Energieversorgung in Russland zerstört, darunter teilweise CPC-Pipeline und teilweise den Hafen Novorossiysk über die Öl aus Kasachstan – also nicht-russisches Öl – im Rahmen der richtigen EU-Diversifizierungsstrategie eingekauft wurde. Begründet werden solche Zerstörungen damit, dass man die finanzielle Basis des Ukrainekriegs zerstören möchte. Aber Russland produziert knapp 10 Millionen bpd Öl. Der Preis für Nordseeöl der Sorte Brent ist von 55 USD auf bis zu 119 USD gestiegen, die Erwartungen sind, dass dies bis mindestens den Sommer über anhält. Selenskys Zerstörungen haben für Ausfälle von etwa 3 Millionen bpd für die EU gesorgt. Das bedeutet, dass der Gewinn durch den Preisanstieg höher war als der Verlust durch Selensky.

    Das Ziel kann auf diese Weise nicht erreicht werden. Was bleibt ist der Kollateralsschaden. Es ist auch nicht möglich, mit den Bombardierungen die Energiewende erzwingen zu wollen. Um den Verlust von 3 Millionen bpd auszugleichen, würde man 236.000 3-MW-Windkraftanlagen zusätzlich benötigen. Aktuell installiert sind wenn überhaupt 95.000. Alternativ könnten wir 236 AKWs bauen, in Betrieb sind derzeit keine 100.

    Wenn man sich mit Russland entflechten möchte, muss man zuerst Mehrmengen einkaufen. Diese gibt es am Markt aber nicht.

    Das ist keine Frage von Nationalismus, sondern ob man den Verstand verloren hat!

  4. joseph53 1. April 2026 um 15:34 Uhr - Antworten

    Meine 1. Frage ist allerdings, was wir in Europa überhaupt noch machen können, ohne daß die Zionisten oder andere von da und dort alles mithören?

    Noch dazu wenn es der Außenminister des souveränen Landes Ungarn ist.

    Aber zur Überschrift:
    „Letzter (einziger) Diplomat“ halte ich für nicht zutreffend.
    Orban und Szijjarto machen bezüglich Ukraine-Krieg vieles richtig.
    Was ich aber vollständig vermisse – und was den Agierenden bald einmal schwer schaden kann – ist die deutliche Kritik / Verurteilung der verbrecherischen Kriege Netanjahus und Trumps.

    Das werfe ich allen anderen Rechten Europas mehr oder weniger auch vor – die FPÖ werde ich nicht mehr wählen, wenn nicht rasch etwas kommt.

    Nur die AfD hat sich deutlich deklariert und es hat ihr – jedenfalls bisher – noch nicht geschadet und alle leben noch.
    Meloni und LePen haben wohl mitgewirkt, die Überflugrechte und Benutzung der US-Militärbasen einzuschränken.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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