
Haben die USA den Nahen Osten „verloren“?
Im Internet kursieren Meldungen, die USA hätte „den Nahen Osten verloren“. Natürlich handelt es sich um Übertreibungen, Thesen, die noch nicht durch Fakten belegt sind, teilweise hoffnungsvolle Erfindungen. Hier eine Einordnung.
Zunächst die Aussagen: „Während alle Welt die Bombenangriffe auf den Iran verfolgt, ist hinter verschlossenen Türen etwas weitaus Gefährlicheres geschehen. Reuters bestätigt, dass die Golfstaaten ihre Sicherheitsabhängigkeit von Washington neu bewerten und aktiv neue regionale Sicherheitsabkommen – mit dem Iran – in Erwägung ziehen. Man muss sich das mal vorstellen. Die Länder, die Amerika einst zu schützen geschworen hat, planen nun eine Partnerschaft mit dem Land, das Amerika gerade bombardiert. Die Golfstaaten erkannten, dass die USA ihr Öl, Gas und ihre Souveränität im Kriegsfall nicht schützen können. Die Kosten für die Golfstaaten werden als „ERSCHÜTTERND“ beschrieben. Das Golfforschungszentrum Saudi-Arabiens erklärt, die USA hätten es versäumt, auch nur eine einzige Garantie für ihre Verbündeten zu sichern. Sie beschleunigen nun die Diversifizierung ALLER Sicherheitspartnerschaften – weg von Washington. Die USA unterhalten seit 1991 Militärbasen am Golf – 35 JAHRE „Schutz“ – VORBEI.“
Bewertung
Die Behauptung, dass Reuters bestätigt, die Golfstaaten würden ihre Sicherheitsabhängigkeit von Washington neu bewerten und aktiv neue regionale Sicherheitsabkommen mit dem Iran in Erwägung ziehen, ist weitgehend korrekt. In einem Reuters-Artikel vom 11. März 2026 wird explizit berichtet, dass der Krieg die Golfstaaten dazu veranlasst, ihre Sicherheitsabhängigkeit von den USA zu überprüfen und langfristig neue regionale Sicherheitsarrangements mit Teheran in Betracht zu ziehen – allerdings „even as trust in Iran has collapsed“ (auch wenn das Vertrauen in den Iran zusammengebrochen ist). Es handelt sich um eine zukünftige Möglichkeit, nicht um bereits unterzeichnete Abkommen oder eine sofortige Partnerschaft.
Die Vorstellung, die Golfstaaten planten nun schon sofort eine echte Partnerschaft mit dem Iran, während die USA diesen bombardieren, ist übertrieben. Der Reuters-Bericht betont das kollabierte Vertrauen in den Iran, was man allerdings auch als diplomatische Umschreibung ansehen könnte, um die USA nicht zu stark zu brüskieren, da dieser die Golfstaaten mit Raketen und Drohnen angegriffen hat (z. B. Flughäfen, Häfen und Ölanlagen). Die Golfstaaten hatten dem Iran zuvor zugesichert, ihr Territorium nicht für US-Angriffe nutzen zu lassen, fühlen sich aber nun von beiden Seiten bedroht, wobei der Iran erklärt, dass sie ausschließlich US- und israelische Interessen angriff. Es gibt keine bestätigten Berichte über neue bilaterale Sicherheitsabkommen mit dem Iran, niemand weiß, was im Hintergrund stattfindet.
Die Aussage, die Golfstaaten hätten erkannt, dass die USA ihr Öl, Gas und ihre Souveränität im Kriegsfall nicht schützen können, und die Kosten seien „erschütternd“, ist korrekt und direkt von Reuters bestätigt. Der Vorsitzende des saudischen Gulf Research Center, Abdulaziz Sager, wird zitiert: Die USA hätten keine Sicherheitsgarantien für ihre Verbündeten geschaffen, die Kosten für die Golfstaaten seien „horrendous“ (erschütternd). Analysten erklären, die Golfstaaten könnten sich nicht mehr darauf verlassen, dass die USA ihre Energieversorgung, Bevölkerung oder Souveränität schützen.
Die Behauptung, das Golfforschungszentrum Saudi-Arabiens (Gulf Research Center) erkläre, die USA hätten keine einzige Garantie gesichert, und die Golfstaaten beschleunigten nun die Diversifizierung aller Sicherheitspartnerschaften weg von Washington, ist korrekt. Sager wird wörtlich so zitiert; er fordert eine „more cautious and balanced approach“[einen vorsichtigeren und ausgewogeneren Ansatz] gegenüber Iran und internationalen Partnern sowie eine Stärkung eigener Verteidigungsfähigkeiten. Die Diversifizierung wird beschleunigt, weil die USA keine ausreichenden Garantien geliefert haben.
Die Feststellung, dass die USA seit 1991 Militärbasen am Golf unterhalten und 35 Jahre „Schutz“ nun vorbei seien, sowie dass Amerikas Nahoststrategie von der Golf-Kooperation abhängt, ist teilweise zutreffend, aber nicht endgültig aus westlicher Sicht in Stein gemeißelt. Historisch richtig; aktuell sind US-Basen (z. B. in Katar, Bahrain, UAE) durch iranische Angriffe sogar zu Zielen geworden. Es gibt jedoch keine Berichte über eine sofortige Räumung oder offizielle „Überprüfung“ mit dem Ziel der Evakuierung – lediglich Analysen (z. B. Soufan Center) sprechen von einer wahrscheinlichen Neubewertung der Nützlichkeit dieser Basen. Letztlich ist die Entwicklung eine Bestätigung der auf TKP des Öfteren gelesenen Analyse, dass Militärbasen zwar Macht projizieren können, aber im Kriegsfall Ziele sind, welche es einem Gegner der USA ermöglichen, dem Land erheblichen Schaden zuzufügen, ohne überhaupt das Mutterland selbst angreifen zu müssen.
Die Behauptungen
„Amerikas gesamte Nahoststrategie hängt von der Kooperation der Golfstaaten ab. Sollte sich der Golf Iran, Russland und China zuwenden, ist die Dominanz des US-Dollars im Ölmarkt Geschichte. Die Medien zeigen Ihnen Raketenangriffe und Flugzeugträger. Sie zeigen Ihnen NICHT, wie Amerikas engste Verbündete still und leise die Flucht ergreifen. So endet das. Schritt für Schritt: Schritt 1 → Die Golfstaaten unterzeichnen bilaterale Sicherheitsabkommen mit China und Russland. Bereits im Gange. Schritt 2 → Saudi-Arabien beginnt, Yuan als Ölwährung zu akzeptieren. Der Petrodollar verliert an Wert. Schritt 3 → Die US-Militärbasen in Katar, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten werden „überprüft“ – diplomatische Umschreibung für Räumung. Schritt 4 → Der Iran wird vom Feind zum regionalen Partner rehabilitiert. Schritt 5 → Amerika verliert seine Kontrolle über die energiereichste Region der Erde – für immer. Man „überprüft die Sicherheitsabhängigkeit“ vom Beschützer nicht, wenn man sich sicher fühlt. → Man überprüft sie erst, wenn der Beschützer ohne Rücksprache einen Krieg vor der eigenen Haustür begonnen hat. → Und man spricht erst mit dem Feind, wenn man den Beschützer bereits als die größere Bedrohung eingestuft hat. Trump wollte Stärke demonstrieren. Stattdessen hat er allen Golfstaaten bewiesen, dass Amerika ein unzuverlässiger Partner ist, der die gesamte Region für seine eigenen Zwecke zerstören wird. Die Golfstaaten diversifizieren ihre Wirtschaft nicht. Sie schmieden einen Ausstiegsplan. Und wenn diese Tür erst einmal geöffnet ist, lässt sie sich nicht mehr schließen.“
Die Fakten
Die Warnung, dass eine Hinwendung der Golfstaaten zu Iran, Russland und China den US-Dollar im Ölmarkt beenden würde, ist spekulativ und derzeit nicht eingetreten. Es gibt keine bestätigten neuen Schritte, dass Saudi-Arabien Yuan als Ölwährung akzeptiert oder der Petrodollar zusammenbricht, auch wenn schon große Lieferverträge mit China in chinesischer Währung vereinbart wurden. Solche Diversifizierungen laufen seit Jahren (z. B. China-Vermittlung 2023), werden aber durch den Krieg nicht als abgeschlossener „Ausstiegsplan“ bestätigt. Reuters, quasi als Sprachrohr westlicher Politik unterstützender Medien, erwähnt keine Petrodollar-Entwicklung. Man darf nicht vergessen, dass die Herrscher der Golfdiktaturen einen großen Teil ihres Vermögens in westlichen Staaten, insbesondere in den USA angelegt haben. So schnell gibt man diese Vermögenswerte nicht auf, was die Folge wäre, würden sie sich gegen die USA wenden.
Die aufgezählten Schritte 1–5 (bilaterale Abkommen mit China/Russland, Yuan-Akzeptanz, Basen-Überprüfung als Räumung, Iran-Rehabilitation, endgültiger Kontrollverlust) sind größtenteils Spekulation sind Thesen, die noch nicht bestätigt werden können. Schritt 1 läuft bereits länger, aber nicht als direkte Folge dieses Krieges; Schritte 2–5 sind nicht durch aktuelle Quellen belegt – keine neuen Abkommen, keine Yuan-Umstellung, keine Basen-Räumung und keine Rehabilitation des Iran als Partner (Iran greift die Golfstaaten weiter an). Es handelt sich um eine dramatische Prognose, die berechtigt sein mag, aber eher eine Hoffnung ausdrückt, es handelt sich noch nicht um Fakten.
Die Schlussfolgerung, Trump habe durch seine Stärke-Demonstration bewiesen, dass Amerika ein unzuverlässiger Partner sei, und die Golfstaaten schmiedeten einen unwiderruflichen Ausstiegsplan, ist teilweise berechtigt, aber überzogen. Reuters und andere Quellen berichten von Unmut, weil die Golfstaaten weder den Krieg wollten noch vorab konsultiert wurden und nun die Kosten tragen. Eine „unwiderrufliche“ Tür ist jedoch nicht geschlossen – die Golfstaaten projizieren weiterhin Entschlossenheit und kooperieren teilweise mit den USA.
Zusammenfassung
Anhänger beider Seiten im Angriffskrieg Israels und der USA verbreiten ihre Vision von der erhofften Entwicklung als schon eingetretene Fakten. Aber der Krieg ist noch nicht entschieden. Alles deutet darauf hin, dass die USA eine Bodenoffensive planen, um die Kontrolle über den Bereich um die Meeerenge von Hormus auf iranischer Seite zu erhalten. Dies dürfte den eigentlichen Höhepunkt des Konfliktes markieren und die Entscheidung über die zukünftige politische Orientierung der Golfregion.
Dieser Konflikt wird nun in einem Krieg entschieden, nicht durch Diplomatie.
Gelingt es den USA, einen Pufferbereich auf dem Boden des Iran dauerhaft zu besetzen und die Fähigkeiten des Irans, die Straße von Hormus zu kontrollieren zu beenden, oder werden die USA dort ihr Waterloo erleben? Misslingt die Bodenoffensive, könnte sich die Entwicklung einer Hinwendung der Golfmonarchien zum Iran bewahrheiten, trotz der Gefahren für die Assets der Herrscher, die dann gefährdet sind. Gelingt es den USA die Besatzung durchzusetzen und dauerhaft zu sichern, und die Straße von Hormus dadurch für die westlichen Öltanker schiffbar zu machen, wäre ihre Hegemonie gesichert. Letzteres erscheint jedoch fraglich angesichts dem Iran nachgesagten maritimen Fähigkeiten, und auch Seeminen aus dem Inneren des Landes mit Raketen in die Straße von Hormus einzubringen.
P.S. Durch den Abzug von Luftabwehr-Einheiten aus Südkorea ist die US-Hegemonie nicht nur in der Golfregion in die Diskussion geraten. Aber das ist ein anderes Thema.
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Störungen in Hormuz: Das ist noch lange nicht alles!
Zwingt der Iran die US-Marine im Hormus-Konflikt zur Kapitulation?
USA ziehen Luftabwehrsysteme aus Südkorea ab
Durch die Sperre von Hormus und die Zerstörung der Anlagen haben die Golfmonarchien fasst alle Einnahmen verloren und riskieren massive soziale Spannungen und ein Ende ihrer staatlichen Existenz.
Durch die Mosaikverteidigungsdoktrin des Iran bestehen 31 autonome Kommandos unter Waffen, dh man ist von 31 Warlords auf einem Gebiet wie Deutschland abhängig, die ihre Wirkung auf die Weltgemeinschaft maximieren können, indem sie einen Ölhafen bombardieren.
Die de facto Sperre von Hormus ist durch den Rückversicherer in London ausgelöst, der die Risiken nicht mehr berechnen kann. Diese Entscheidung in London wird als versicherungsmathematische Folge der Bankenregulierung bewertet. Aber kann ein Einfluss der CIA, die im Spannungsfall auf US-Firmen dezidiert durchgreifen dürfen, wirklich ausgeschlossen werden?
Die Region liefert je nach Berechnung 20% bis 30% der Weltölproduktion, das sind, da diese etwa 30% ausmacht, knapp 10% des Weltenergieverbrauchs, darunter wichtige Fraktionen, bei denen der Anteil der Abhängigkeit noch viel höher ist. Die USA sind davon nur gering betroffen, Europa zu 20%, bei Diesel und Schweröl zu 40%.
75% dieser Lieferungen gehen nach Asien, in den Vorhof Chinas. Jubelschreie, dass Russland diese ersetze, scheinen wegen fehlender Lieferwege, Durchsatzraten der Pipelines und viel geringerer Produktion nicht glaubwürdig.
Nun lassen die Warlords die chinesischen Schiffe offenbar durch, aber Dronen sind schwer zuzuordnen.
Spielt Trump über die Bande Krieg mit China?
Insbesondere importabhängige Länder mit geringer eigener Öl- und Nahrungsmittelproduktion sind betroffen, auch in Afrika.
Der Westen wird indirekt stark betroffen sein durch asiatische Warenimporte, darunter Textilien, Halbleiter, Metalle, Glas und Autos.
Leyen, Merz und Selensky werden unter Druck kommen. Und das alles passiert, weil ein alter Cowboy nicht begreift, dass die Versicherungen abspringen?
Die Warlords werden natürlich um ihre Macht konkurrenzieren. Der Iran ist bereits gespalten, Geier und Hyänen dürften Schlange stehen.
Ich warte noch immer auf die Bombardierung Teherans, mit der Folge, dass die aserbajdschanischen Brüder vereinigt werden und – huuuch! – die iranischen Ölfelder der EU beitreten.
China darf dann Sicherheitsgarantien für Nahost aufbauen. Viel Spass mit den BRICS!
Israel ist das Problem und die Abhängigkeit der USA von Israel, das ist lange klar, bloß Trump macht das gerade überdeutlich, es sieht ja geradezu so aus, als ob Bibi Trump reingelegt hat.
Interessant ist ja, wenn man die Börsen ansieht. Der Krieg läuft nun schon 2 Wochen und würden die Investoren vom Reuters Bericht ausgehen, hätte man ein komplett anderes Bild.
Fakt ist, die Börsen reagiert kaum. Nicht im geringsten eine Panik. Dips werden umgehend gekauft. Man kann noch nicht mal von einer gesunden Korrektur sprechen, um den Überkauft-Status abzubauen. Nichts davon. Wenn man das mit Anfang 2022 vergleicht, sind das Welten. Dort herrschte Panik, grosser Einsturz aller Börsen. Ölpreis ging über 130USD. Heute nichts davon. Heisst Stand heute geht das Smarte-Kapital davon aus, dass die USA den Krieg haushoch gewinnen, Iran verliert ganz klar und der Krieg wird kurz sein und die Unterbrechungen in der Strasse von Hornuz nur vorübergehend. Im Gegenteil, man preist schon die gewaltigen Umsätze durch Rüstung und Wiederaufbau von Israel ein.
Wird das so bleiben? Meine Meinung denkt nein, kann mich aber täuschen. Würde persönlich ein Szenario mit einem definitiv längeren Krieg sehen und später grossen Auswirkungen. Aber wie gesagt, die Börse sieht es heute komplett anders.. und man sagt ja, die Börsen haben meistens recht. Wir werden sehen.
Wie soll die USA die Straße von Hormus unter Kontrolle bekommenß Das sind mehr als 250km iranische Küste, die da besetzt werden müssten. Wie sollen die USA da ihre Truppen überhaupt hinbekommen und versorgen ? Das wäre ein Himmelfahrtskommando gegen einen Staat mit mehr als 90Mio Einwohnern.
Von den Kosten gar nicht zu reden..