Zerschlagung eines Klimakartells?

28. Februar 2026von 5,3 Minuten Lesezeit

Im Internet kursieren Meldungen, dass BlackRock und Co in den USA eine juristische Niederlage in einem Rechtsstreit hinnehmen musste, aber wenigen ist die Tragweite bewusst, weil die Strafzahlung für US-Verhältnisse niedrig erscheint. Warum also ist diese Meldung wichtiger als es auf den ersten Blick erscheint?

Nun zunächst kommt im Fall einer Einigung zwischen Angeklagten und Ankläger in den USA der Angeklagte immer mit einem blauen Augen davon, wenn er die anderen vor den Bus wirft. Deshalb dürften bald wesentlich drastischere Strafzahlungen die Runde machen. Aber das ist nur die Oberfläche. Schauen wir uns genauer an, worum es geht.

Was ist ESG zunächst?

ESG ist die Abkürzung für Environmental, Social und Governance (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung). Es handelt sich um einen Rahmen, mit dem Investoren und Fondsmanager Unternehmen nicht nur nach klassischen Finanzkennzahlen (Gewinn, Wachstum, Risiko) bewerten, sondern auch nach Nachhaltigkeits- und Ethik-Kriterien.

  • Environmental (E): Umweltaspekte wie CO₂-Emissionen, Ressourcenverbrauch, Wasserverschmutzung, Biodiversität oder Klimarisiken.
  • Social (S): Soziale Faktoren wie Arbeitsbedingungen, Menschenrechte, Diversität & Inklusion, Datenschutz oder Gemeinschaftsengagement.
  • Governance (G): Unternehmensführung, z. B. Vorstandsstruktur, Vorstandsgehälter, Korruptionsbekämpfung, Transparenz und Aktionärsrechte.

ESG-Investing (auch „nachhaltiges Investieren“ oder „Responsible Investing“ genannt) bedeutet, dass große Vermögensverwalter wie BlackRock bei der Auswahl von Aktien oder bei der Stimmrechtsausübung (Proxy Voting) diese Kriterien einbeziehen – oft über Initiativen wie „Net Zero Asset Managers“ oder „Climate Action 100+“. Befürworter sagen: ESG minimiert langfristige Risiken und schafft bessere Renditen. Kritiker (vor allem in den USA bei Republikanern) werfen vor, es sei „Woke Capitalism“ – also Ideologie, die Rendite schmälert, Märkte verzerrt und z. B. fossile Energien benachteiligt.

Der große „ESG-Case“ in den USA gegen BlackRock & Co.

Der zentrale und prominenteste Fall ist die Mehrstaaten-Antitrust-Klage Texas et al. v. BlackRock, Inc. et al. (eingereicht November 2024 im US-Bezirksgericht Eastern District of Texas).

  • Kläger: Texas AG Ken Paxton und 12 weitere republikanisch geführte Staaten (u. a. Iowa, Missouri, Kansas, Alabama, Louisiana, Montana, Nebraska, Oklahoma, West Virginia, Wyoming – insgesamt 13 Staaten).
  • Beklagte: Die Big Three“ – BlackRock, Vanguard und State Street (die zusammen Billionen Dollar verwalten und in fast jedem großen US-Unternehmen große Aktienpakete halten).

Kernvorwurf

Die drei Fondsriesen hätten durch ihre Beteiligung an ESG-Klimainitiativen ein Kartell („BlackRock-led cartel“) gebildet. Sie hätten ihre kombinierten Aktienanteile an US-Kohlekonzernen genutzt, um diese zu zwingen, die Kohleproduktion massiv zu senken (Ziel: Halbierung bis 2030). Dadurch seien Kohle- und Strompreise künstlich gestiegen – zum Schaden der Verbraucher und der Energieversorgung. Das verstoße gegen:

  • Sherman Act § 1 (Absprache zur Wettbewerbsbeschränkung),
  • Clayton Act § 7 (Aktienkäufe/-nutzung, die den Wettbewerb mindern).

Zusätzlich wird BlackRock vorgeworfen, Anleger in „non-ESG“-Fonds getäuscht zu haben.

Entwicklungen bis 27. Februar 2026

Im Mai 2025 hatte die Trump-Administration (DOJ + FTC) ein offizielles Statement of Interest vorgelegt und die Klage massiv unterstützt. Passive-Investor-Schutzklauseln gelten nicht, wenn man aktiv Output, also die Produktion senkt – „social justifications“ (Klimaschutz) entschuldigen keinen Antitrust-Verstoß.

Im August 2025 hatte ein Gericht die Abweisungsanträge der Beklagten größtenteils abgelehnt. Die Klage durfte in den Kernpunkten (Antitrust und teilweise Verbraucherschutz) weiterlaufen.

Am 26. Februar 2026 schloss Vanguard einen Vergleich – historisch und „der erste seiner Art“

    • Vanguard zahlt 29,5 Millionen USD an die 13 Staaten (ohne Schuldanerkenntnis).
    • Verpflichtet sich zu den stärksten Passivitäts-Zusagen der Branche: Darf keine ESG-Ziele über Profitabilität stellen, keine Klimainitiativen mehr beitreten, keine spezifischen CO₂-Reduktionsmaßnahmen von Portfolio-Unternehmen fordern, keine Direktoren nominieren oder Divestment androhen, um ESG durchzusetzen.
    • Bietet erstmals in großem Umfang Proxy Voting (Stimmrechtsausübung) direkt an die eigenen Anleger an (für mind. 50 % der US-Aktienfonds-Vermögen) – die Kunden entscheiden selbst.
    • Kooperiert weiter bei der Beweissicherung gegen die verbleibenden Beklagten.

BlackRock und State Street kämpfen weiter; sie nennen die Klage „grund- und chancenlos“ und bestreiten jede Absprache oder Schädigung.

Was folgt daraus?

Zum ersten Mal wird gerichtlich festgehalten, dass große Asset Manager bei Indexfonds strikt passiv bleiben müssen. Aktives „Steuern“ für Klimaziele kann als wettbewerbswidrig gelten. Das schwächt den gesamten ESG-Apparat der Wall Street massiv. Gleichzeitig wird das Primat der Politik über gesellschaftspolitisch wichtige Entscheidungen, noch nicht gegenüber reichen Menschen, aber wenigstens gegenüber den Verwaltern von Vermögen gestärkt.

BlackRock & State Street stehen nun isoliert da. Ein Vergleich nach Vanguards Vorbild ist wahrscheinlich, sonst droht ein aufwändiger Prozess unter einer Trump-freundlichen Justiz. Aber daraus resultieren weitere Konsequenzen:

Es wird mehr „Anti-ESG“-Gesetze und Blacklists in republikanischen Staaten geben. Die Debatte um „Common Ownership“ (gemeinsame Eigentümerschaft) wird juristisch relevant – ein lange theoretisches Antitrust-Thema. Die Energiepreise könnten kurzfristig sinken (weniger Druck auf Kohle), die Energiewende verlangsamt sich in den USA, aber die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie, insbesondere gegenüber Deutschland wächst weiter. Für Anleger ergibt sich mehr Transparenz und echte Wahlmöglichkeit (bei Vanguard jetzt direkt).

Politisch ist dies ein riesiger Sieg für die republikanische „Anti-Woke“-Agenda unter Trump 2.0. ESG wird in den USA deutlich zurückgedrängt, während es in Europa (EU-Taxonomie) weiter stark bleibt. Die Polarisierung nimmt zu: Links sieht „Klimaschutz sabotiert“, Rechts „freie Märkte und Energieunabhängigkeit gerettet“.

Zusammengefasst: Der Fall ist der bisher härteste und erfolgreichste Schlag gegen ESG als Machtinstrument großer Fonds. Vanguard hat eingelenkt, die anderen zwei stehen noch unter Beschuss – und die gesamte Branche muss jetzt umdenken. Es geht nicht mehr nur um „grün vs. braun“, sondern um die Grundfrage: Dürfen Fondsmanager mit dem Geld von Millionen Rentnern Politik machen?

Fazit

Es geht um viel mehr als um „Klima„. Einerseits kann man in dem Vorgang natürlich lediglich als den Sieg einer Oligarchenklasse gegen eine andere sehen. Andererseits ist es aber trotz Allem eine Stärkung der Politik. In den USA könnte sich eine Philosophie entwickeln, ähnlich wie in China: „Ich darf reich werden, aber darf Reichtum nicht für Politik missbrauchen„. Natürlich wäre dahin noch ein sehr weiter Weg zu gehen. Denn bisher richtet sich der Versuch der Politik, die Macht des Kapitals einzuschränken auf die VERWALTER von Vermögen. Aber dieser Vorgang könnte als erster Schritt in die Richtung in die Geschichte eingehen.

Bild: Gründer der Vanguard-Gruppe (Wikipedia)


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