Was den Heilpilz Hericium so wertvoll macht – ein Überblick

14. Februar 2026von 9,5 Minuten Lesezeit

Der oft „Löwenmähne“ genannte Hericium sticht unter den Heilpilzen schon deshalb hervor, weil seine gleichermaßen regulierende Wirkung auf Körper und Seele seit vielen Jahrhunderten in Asien hochgeschätzt wird.

Hericium erinaceus wird auch Igelstachelbart oder in China Affenkopfpilz (Hóu Tóu Gū) genannt. In Asien bzw. Japan kennt man ihn als Yamabushitake. Er sieht aus wie eine weiße Knolle (das amyloide Trama) mit langen weichen Fäden und erscheint meist im Herbst in Spalten oder Höhlen alter Laubbäume. Bevorzugte Wirte sind Buche und Eiche, manchmal Nuss- und Apfelbäume. Er entsteht als Wundparasit am lebenden Baum, kann aber auch auf Totholz einige Jahre als Saprophyt in Form von Weißfäule existieren. Der Pilz ist zwar auch in Deutschland heimisch, kommt aber selten wild vor. In Japan oder Nordamerika findet man ihn dagegen häufig. Beim jungen Hericium ist der Fruchtkörper weiß, später färbt er sich gelblichbraun. Deutsche Mykologen sind eher zurückhaltend, was den Hericium als Speisepilz angeht, in China gilt er als Delikatesse. Kultiviert wurde der Pilz ab Ende der 50er Jahre in Schanghai, doch erst 20 Jahre später gelang es dem deutschen Mykologen Dr. Peter Hübsch, ihn zu züchten. Das versteckte Myzel des Hericium ist der eigentliche Pilz, sein weißer „Pommel“ der essbare Fruchtkörper.

Die Inhaltsstoffe von Hericium sind weitgehend ernährungsphysiologisch erforscht und die erkannten Wirkungen decken sich mit den Lehren der Traditionellen Chinesischen Medizin. Er ist ein Adaptogen (wie praktisch alle Heilpilze), das bedeutet, er ist in der Lage einen durch Stress und falsche Lebensweise geschädigten Organismus wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Die Wissenschaft spricht heute von „Verjüngungsmitteln“, da Anti-Aging ein Schlagwort der modernen Zeit geworden ist. Unser Körper bzw. das Immunsystem soll damit besser an den alltäglichen physischen und mentalen Stress angepasst, sprich „adaptiert“ werden, vermeiden wäre natürlich klüger. Hericium kann hier tatsächlich helfen.

Ein immunmodulierendes Eiweiß-Paket

Allerorts ist nun ständig die Rede davon, man müsse sich täglich mit genügend Eiweiß versorgen, wobei es nicht nur auf die Menge, sondern primär die Qualität ankommt. Der Hericium gehört hier zu den wenigen Lebensmitteln, die nicht nur einen Pool von mehr als 100 natürlichen Substanzen, sondern unter seiner Fülle an Eiweißstoffen auch alle acht essenziellen Aminosäuren anbietet – zusammen mit Polysacchariden (Beta-Glukanen) und Polypeptiden, die das Immunsystem stimulieren. Dazu kommen die Terpenoide Hericenon und Erinacin, das Alkaloid Hericirin, Isoindolinone und Sterole.

Die Inhaltsstoffe des Hericium können nachweislich die Proliferation von T- und B-Lymphozyten erhöhen, was die körpereigene Abwehr stärkt. Der Hericium enthält neben B-Vitaminen, reichlich Kalium, Calicium, außerdem Zink, Eisen, Selen, Kupfer und sogar Germanium (ein seltenes Spurenelement, das spezielle antioxidative, antivirale, entzündungshemmende und entgiftende Eigenschaften hat), aber nur wenig Natrium. Damit wurde dieser Pilz auch im deutschen Sprachraum als Forschungsobjekt und Nahrungsergänzung immer interessanter.

Pilze, die der Sonne ausgesetzt sind, bilden Ergocalciferol (Vitamin D2) in der Steroidfraktion und es gilt als Geheimtipp, dass man alle Pilze nachträglich in die Sonne legen und so den Gehalt noch erhöhen kann – egal ob frisch oder getrocknet. Vitamin D2 ist ebenso wertvoll wie D3, hält sich im Körper nur weniger lange, wie diese interessante Studie erklärt. Das unglaublich vielfältige Wirkmuster des Hericium zeigt sich schon darin, dass alleine für sein zitrus- bzw. kokosähnliches Aroma mindestens 32 Substanzen verantwortlich zeichnen.

Im International Journal of Biological Macromolecules vom 15. August 2020 heißt es:

„Hericium erinaceus, auch bekannt als „Löwenmähne“, nimmt einen zentralen Platz in der modernen funktionellen Mykologie ein. Über seine anerkannten neurotrophen Eigenschaften hinaus beleuchtet die aktuelle Forschung seine bedeutende Rolle bei der Zellregulation. Diese Seite listet Schlüsselstudien auf, die seine Fähigkeit untersuchen, Teilungszyklen zu modulieren, die Apoptose (…) zu fördern und die endogenen Abwehrkräfte des Körpers zu unterstützen. Im Rahmen der integrativen Onkologie positioniert sich Hericium als wertvoller biologischer Partner zur Aufrechterhaltung des Gleichgewichts der zellulären Mikroumgebung und zur Begrenzung abnormaler Proliferationsmechanismen.“

Es finden sich hier (Tier)studien in den Bereichen Zellzyklus-Blockade, Apoptose – Programmierter Zelltod und Stimulation der körpereigenen Abwehr. Hericium reduzierte sehr wirksam Entzündungen und oxidativen Stress, wie in Studien wie dieser gezeigt.

Hericium erinaceus ist schon lange eine etablierte Größe in der TCM, aber auch in Japan, wie hier oder hier ersichtlich, was auch in Europa und den USA wissenschaftliches Interesse weckte. Aktuell sind alleine auf pubmed.de 524 Studien über Hericium einzusehen, leider überwiegend Tierstudien, doch es wird auch an Patienten geforscht.

Die praktische Mykotherapie sowie traditionelle Erkenntnisse der TCM beziehen sich seit jeher auf die folgenden Anwendungsgebiete, die auch für Laien sicher und lohnend sind, wobei zur Selbstanwendung das synergistisch wirkende, ganze Pilzpulver zu bevorzugen ist. Auf deklarierte Herkunft und Bio-Qualität achten! Klinische Studien erfolgen meist mit Extrakten oder wässriger Lösung aus Pilzen, um die Signifikanz zu erhöhen und natürlich auch, um eine Grundlage für patentierbare „Medikamente“ zu schaffen, denn reines Pilzpulver wäre für die Hersteller schon zwecks Konkurrenz keine lukrative Option.

Regulation von Magen-Darmproblemen und Allergien bis hin zu Krebs

Ein großes und bestens erforschtes Wirkpotenzial besitzt der Hericium im Bereich der Verdauungsorgane – von der Speiseröhre bis zum Darm. Vor allem das enthaltene Hericirin beruhigt Entzündungen, lindert Sodbrennen, Reflux und Schmerzen, fördert Heilungsprozesse und hilft dabei, die gesunde Schleimhautstruktur, etwa bei Gastritis oder Magengeschwüren, neu aufzubauen. Hericium hemmt sichtlich das Bakterium Helicobacter Pylori, welches für Magenkrebs ursächlich sein kann – ebenso unterstützt der Hericium jede Therapie gegen Speiseröhren-, Magen- oder Dickdarmkrebs (dazu auch hier und hier) oder kann Geschwüre im Zwölffingerdarm zu hemmen, was ihn jedenfalls als Begleittherapie bei allen Krebsarten der Verdauungsorgane interessant macht (ideal in Verbindung mit Shiitake, Maitake und ABM-Mandelpilz).

Hericium hilft die Oxidation von LDL-Cholesterin zu verhindern (erst diese führt zu Arteriosklerose und Gefäßschäden, nicht bloß „zu hohe“ Werte), harmonisiert Triglyzeride und schützt damit das Herz und die Leber. Der Pilz hilft mit, den Blutzucker zu senken und linderte sichtlich diabetische Nervenschmerzen. Ein Kombinationspräparat, das neben Hericium auch die Heilpilze ABM (Mandelpilz) und den Maitake (Grifolia frondosa) enthielt, konnte in zwei norwegischen Studien eine signifikante Verbesserung der Symptome bei Probanden mit entzündlichen Darmkrankheiten wie Colitis ulcerosa bzw. Morbus Crohn erreichen, wie hier und hier gezeigt. Eine japanische Pilotstudie ergab 2021, dass schon eine 7-tägige Einnahme von 1g Hericiumpulver täglich die Artenvielfalt der Darmflora stark beeinflusst und krankmachende Bakterien reduziert. Diese Aktivität wurde auch schon hier 2017 für Hericium-Extrakte gezeigt.

Hericium ist hilfreich in der Behandlung von Neurodermitis, was zugleich darauf hinweist, dass diese Störung sehr viel mit dem Darm und Nahrungsmittelallergien zu tun hat, denn auch bei diesen erweist er sich als wertvolle Unterstützung – ebenso bei anderen allergischen Erscheinungen, besonders der Haut und des Verdauungstraktes. Aufgrund seiner Fähigkeit die Schleimhaut zu regenerieren, kann im Hericium ein Ansatz zur Besserung von „Leaky gut“ (zu durchlässige Tight Junctions der Darmwände) liegen, ev. zusammen mit dem Heilpilz Chaga. Diese Kombination könnte zugleich Autoimmunerkrankungen, bis hin zu chronischer Erschöpfung bessern – dies wohl auch im Fall von „Long Covid“ bzw. Post-Vac.

Neurologische Symptombilder und Zellregulation

Die Terpenoide Hericenon und Erinacin im Hericium sind für eine neuroregenerative und neuroprotektive Wirkung des Hericium verantwortlich. Sie regen die Produktion des Nervenwachstumsfaktors (NGF) an – ein essenzielles Protein, das für die Neuentstehung (Neurogenese), Differenzierung und das Überleben von Neuronen gebraucht wird. Dadurch verbessern sich naturgemäß Gedächtnis und Hirnleistung. Chronische Entzündungen und Psychostress schädigen diesen Prozess, doch Hericium könnte ihn nicht nur stoppen, sondern aktiv zur Regeneration beitragen, was ihn zu einer Therapieoption bei Alzheimer oder Parkinson, ja sogar Multipler Sklerose macht. Hericium kann ebenso bei Nervenverletzungen und Neuropathien unterstützen, die durch degenerative Nervenerkrankungen entstanden sind. Im Falle einer Trigeminusneuralgie zeigten sich Erfolge zusammen mit einem Vitamin-B-Komplex. Auch interessant: Zwei Gramm Hericium-Myzelienpulver plus 250 mg Honig pro Tag hatten nach acht Monaten Gehörschäden bei älteren Probanden verbessert (Taiwan).

Es sei ebenfalls erwähnt– angesichts der gerade heißen Diskussion um einen Lithium-Mangel – dass die meisten Heilpilze natürliches Lithium enthalten. Warum das weitgehend verschwiegen wird, darf man sich fragen – und ob nicht dieses (womöglich doch essenzielle?) Spurenelement ein wesentlicher Grund dafür ist, dass Hericium Nerven und Gehirn derart positiv beeinflusst – wie auch diese neue Arbeit aus 2025 zeigt – veranschaulicht in diesem TKP-Artikel.

Angst, Depressionen, Schlaf, Klimakterium, Übergewicht

Die Praxis zeigte beim Hericium gute Wirkungen in Bezug auf Angstzustände und depressive Episoden, obgleich es nicht viele klinische Studien gibt. Eine japanische Studie aus 2010 mit 30 Frauen in der Menopause zeigte eine Abnahme von Irritationen, Unruhe und gedanklicher Fixierung unter Hericium-Gabe (4 Kekse mit je 500 mg des pulverisierten Fruchtkörpers von Hericium pro Tag über 4 Wochen). Auch 3-mal täglich 400 mg eines speziellen Mittels aus Hericium (80 % aus Myzel und 20 % Extrakt des Fruchtkörpers) über acht Wochen genommen, konnte Angstzustände, Depressionen und Schlafstörungen signifikant verbessern.

Dass der Pilz zugleich eine Hilfe bei Übergewicht sein kann, wurde hier gezeigt.

Da es keine allgemein empfohlenen Dosierungen für Hericium gibt, muss die individuell verträgliche Menge im Einzelfall gefunden werden, denn Unverträglichkeiten (Blähungen etc.) wegen zu hoher Dosierung sind bisweilen möglich – oft ist es besser, mit kleinen Dosen zu beginnen und sie langsam zu steigern. Die üblichen Mengen liegen zwischen 1 und 4 g Pilzpulver täglich, abhängig auch davon, ob es um Vorbeugung oder Behandlung geht. Nur im ganzen Pilzpulver sind noch alle Substanzen enthalten, während Extrakte selektiv wirken.

Weitere Heilpilz-Optionen bei Krebs

Diese Studie lässt erkennen, dass der Hericium auch eine Option in der Therapie von Brustkrebs sein kann.

Dass der Hericium und weitere Heilpilze eine unbedingt zu beachtende Option in der Behandlung (und Vorbeugung) von Krebs darstellen, ergibt sich aus vorhandenen Studien sowie traditionellem Heilwissen eigentlich von selbst. In China, Japan und den USA ist das längst Standard. Sie können aus Erfahrung auch die Nebenwirkungen von Chemotherapien abschwächen, insbesondere der ABM (Agaricus Blazei Murill – Mandelpilz).

Was die deutsche „Biologische Krebsabwehr e. V.“ zur additiven Krebsbehandlung mit „Medizinalpilzen“ sagt, geht aus diesem Merkblatt hervor. Noch mehr dazu hier.

Aufgrund eigener Erfahrungswerte und des Austausches mit Betroffenen kann ich anfügen, dass sich Heilpilze oftmals besonders gut mit qualitativ hochwertigen, gut erforschten Kräuterformeln der Tibetischen Medizin im Westen synergistisch zu ergänzen scheinen.

Literaturhinweise:

Alles über die Heilkraft von Pilzen gegen Krebs und andere Erkrankungen in diesem TKP-Buch:

Pilze contra Krebs und andere Erkrankungen 2. Auflage

Jürgen Guthmann: Heilende Pilze weltweit: Beschreibung – Inhaltsstoffe – Wirkung. Quelle & Meyer 2024

Christopher Hobbs: Ganzheitliche Anwendung von Heilpilzen: Vital und gesund mit Pilzen in Hausapotheke und Küche. Herba Press 2022

Gabriele Feyerer: Padma. Die Kraft tibetischer Pflanzenmedizin. Heilkunst für ein neues Jahrtausend. Synergia Verlag 2021


Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

© Dr. Gabriele Feyerer, freie Autorin / Journalistin.


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2 Kommentare

  1. Jan 15. Februar 2026 um 12:52 Uhr - Antworten

    Sehr spannende Info!

  2. Vortex 15. Februar 2026 um 4:40 Uhr - Antworten

    Heilsame Infos: https://justpaste.it/bewusst-gesund

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