
Wieso haben eigentlich nicht die Indianer Europa entdeckt?
Eine scheinbar einfache Frage, die man nicht vorschnell mit unzureichenden Schiffen und einem Mangel an nautischen Kenntnissen beantworten sollte. Spätestens als Thor Heyerdal (1914-2002) in einem Papyrus-Schilfboot 1970 von der Westküste Afrikas nach Barbados segelte, war klar, dass bereits lange vor Cristobál Colón fremde Segel vor der europäischen Atlantikküste hätten auftauchen können.
Mit detailgetreuen Nachbauten von Doppelrumpf-Kanus unter Verwendung polynesischer Navigationstechniken erfolgten seit 1976 zahlreiche transkontinentale Fahrten und von 2014 bis 2017 eine Weltumrundung. So, wie die Polynesier über Tausende von Kilometern auf dem offenen Pazifik segelten, hätten amerikanische Ureinwohner auch in Europa vorstellig werden können. Warum wollten sie nie dorthin, wo die Sonne aufgeht?
Die Beantwortung der Frage ist komplizierter, als zunächst gedacht, da es keine technischen Sachzwänge gewesen sein können, die die Entdeckung Europas verhinderten. Die Erklärung finden wir eher im Befinden der europäischen Oberschicht, die ab dem 15. Jahrhundert Schiffe ausrüstete, um nach Indien zu kommen. Ob in Richtung der aufgehenden oder untergehenden Sonne. Koste es, was es wollte. Die reine Neugier und ein zweckfreier Forscherdrang scheiden als Triebfeder aus. Dann hätten die Portugiesen nicht mit Musketen und Kanonen unter dem Kommando kampferprobter Landadeliger die Reisen angetreten. Auch die Dominikaner und Franziskaner hätten zuhause in ihren Klöstern bleiben können.
Handelsinteressen kommen ebenfalls nicht in Frage. Exportgüter hatte das landwirtschaftlich geprägte Europa anderen nicht in größerer Menge zu bieten. Der Hauptexport waren Menschen für die arabische Welt, die vor allem im Rahmen der christlichen Ostkolonisation gefangen und verschleppt wurden. Für diese gab es aber etablierte Sklavenmärkte auf dem eigenen Kontinent. Ein Handel zu beiderseitigem Vorteil war bei der europäischen transkontinentalen Seefahrt ab dem 15. Jahrhundert nicht vorgesehen. Der „kolumbianische Austausch“ im Gefolge des Kolonialismus blieb eine sehr einseitige Gelegenheit.
- Mayer, Peter F.(Autor)
Es ging den Europäern von Anfang an um Gold, teure Gewürze, Opium und die Unterwerfung anderer Erdenbewohner. Schließlich hatten Klerus und Adel einen hohen Geldbedarf für Kriege und Luxuswaren aus dem Nahen und Fernen Osten dem ein Agrarland nicht die nötige Wertschöpfung bieten konnte. Vor allem nachdem man Juden und Araber weitgehend vom Kontinent vertrieben und ermordet hatte. Mancherorts, wie in Portugal, war das Edelmetall zur Bezahlung der Importe längst ausgegangen. Nach 1383 wurde in Portugal keine einzige Goldmünze mehr geprägt. Als Tauschobjekte beschränkte man sich auf Glasperlen und Stoffe. Menschen als bevorzugte Handelsware der Europäer mit der arabischen Welt standen mit der umfassenden Christianisierung und dem Bedarf für leibeigene Arbeitskräfte immer weniger zur Verfügung.
Was blieb der überschuldeten europäischen Oligarchie also anderes übrig, als ihr Heil in Übersee zu suchen? Man war bereit, höchste Risiken einzugehen. Der Verlust an Schiffen und ihren Besatzungen betrug bis zu 80%. Die Rechnung ging sich für die Europäer nur bei gnadenloser Ausbeutung der anderen aus. Das war das Erbe der skandinavischen Hasardeure, die als Ritter zum europäischen Adel aufgestiegen waren, und einer Kirche, die sich auf ein angebliches Weltreich der Römer berief. Den Freifahrtschein lieferte der biblische Aufruf, sich die Erde untertan zu machen.
Man setzte auf eine doppelte Strategie: den ungewissen Weg nach Westen über den Atlantik und die Umschiffung Afrikas nach Osten. Im Vertrag von Tordesillas teilte der spanische Papst die den Europäern unbekannte Welt schon einmal in zwei Hälften. Westlich einer virtuellen Nord-Süd-Linie durch den Atlantik sollte alles den Spaniern, östlich davon alles den Portugiesen gehören, was neu „entdeckt“ wurde. Vorbesitzer wurden ebenso ignoriert wie die Kugelgestalt der Erde, die nicht mit einer einzigen Nord-Süd-Linie im Atlantik in zwei getrennte Reiche geschieden werden kann.
Auch wenn es anderswo auf der Welt natürlich vielerorts nicht paradiesisch und friedlich zuging, führte das Erscheinen christlicher Europäer überall, wo sie anlandeten, zu Mord, Totschlag und Unfrieden. Wer auszieht, um sich zu bereichern, muss anderen etwas wegnehmen. Meist kam es zu Kampfhandlungen, bevor man versuchte sich auszutauschen. Die europäische Expansion und deren willkürliche Begrenzungen sollten bis zum heutigen Tag zum größten Desaster der Weltgeschichte werden.
Es sieht so aus, also ob anderen Erdenbewohnern, die Europa nicht entdeckten, die Gier nach Reichtum und Macht abging oder zu gering ausgeprägt war. Bereits 1435 stellte das chinesische Kaiserhaus die Seeexpeditionen der Schatzflotte wegen der enormen Kosten trotz der Erträge ein. Den Muslimen ist von kirchlichen Geschichtsschreibern ein größerer Expansionsdrang unterstellt worden, als die tatsächlichen Ereignisse hergeben. Ob die Osmanen nach einer Eroberung Wiens noch weiter vorgerückt wären, ist ungewiss. An eine Abwehr der Araber in der Schlacht von Poitiers glauben inzwischen nicht einmal mehr staatstragende Historiker. Beweise für dieses Ereignis fehlen trotz intensiver Bemühungen bis heute.
Solange jedenfalls die Europäer nicht im Indischen Ozean kreuzten, ging es dort nach allen Indizien ziemlich friedlich zu. Muslime, Inder und Chinesen trieben Handel zu beiderseitigem Nutzen. Leben und leben lassen. Menschen anderer Kontinente scheinen einen geringeren Eroberungsdrang verspürt und die Risiken gegenüber dem potentiellen Nutzen neuer Handelsbeziehungen anders kalkuliert zu haben. Die Spur der meisten Konflikte im 20. und 21. Jahrhundert führt in den „Wertewesten“. Mehr dazu erfährt man im neuen Buch „Die Eroberung der Alten und Neuen Welt. Mythen und Fakten“ (Engelsdorfer Verlag).
Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
Univ.-Doz.(Wien) Dr. med. Gerd Reuther ist Facharzt für Radiologie, Medizinaufklärer und Medizinhistoriker. In Kürze erscheint „Die Eroberung der Alten und Neuen Welt. Mythen und Fakten“. Er hat insgesamt acht Bücher veröffentlicht. Zuletzt zusammen mit seiner Ehefrau „Die Eroberung der Alten und Neuen Welt. Mythen und Fakten“.
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Indianer haben uns – noch immer – eine Menge zu sagen
Ein anderes Corona-Update – Teil 1: Dr. Wurster oder was wussten die Indianer über Pocken?
Schluss mit den Indianern – zwecks geopolitischer Korrektheit?
Also bitte,
Man muß doch gesichertes Wissen nicht durch Spekulation ersetzen, auch als Dr. med nicht.
Schon die Phönizier haben im Auftrag Ägyptens Afrika umsegelt. Das Rezept für Hobbysegler, die in der Karibik überwintern wollen heißt: Nach Süden, bis die Butter schmilzt und dann rechts abbiegen. Man braucht also nicht dran zu zweifeln, daß die Phönizier von Westafrika zum Amazonas kamen, bei Manaus gibt es ihre Schriftzeichen und es gibt viele Gerüchte über eine weiße Führungselite in den Anden.
Die Frage ist, ob sie auch wieder zurück fanden, die Spanier & Portugiesen brauchten nämlich auch einige Zeit, bis sie für jedes Meer die richtige Volta raus hatten.
Am heftigsten finanziert haben die Fugger und zwar sowohl Portugal als auch Spanien und nicht aus Neugier, sondern aus nackter GIER.
Was der Herr Reuther da zusammengeschrieben hat, sieht der kurzen Rezension entsprechend nach einstellungsgesteuerter Wahrnehmung aus. Es gibt einfach zu viele Beispiele dafür, dass es Krieg, Mord und Totschlag zum Zwecke der Machtausübung und -ausdehnung in allen Teilen der Welt gab. Die muss man hier nicht auflisten. Warum die Indianer nicht Europa eroberten lag ganz einfach daran, dass sie keine Karavellen und keine Kanonen hatten. Hätten sie die gehabt und Europa nur Papyrusboote, dann hätten z.B. die Kriegervölker Atzteken oder Inka eben Europa erobert. Es hat sie niemand daran gehindert, entsprechende Schiffe und Waffen zu entwickeln.
Gehen Sie vielleicht nicht immer von sich selber aus….
Vor 10 000 Jahren schon gab es in den meisten Gesellschaften Regeln um nicht alles den gierigsten überlassen zu müssen-
Könnte sein, dass diese Regeln Einfluss darauf nahmen, Ihre aus tiefsten Gerechtigkeitssinn heraus entwickelte mögliche Gleichberechtigung zum Imperialismus zu bremsen, oder war es , was ich so gar nicht an zu nehmen wage, die Bewunderung für die geniale Veranlagung zur Destruktion „unserer“ Ahnen, die uns durch verdiente Überlegenheit, immer noch auf die Apokalypse warten lässt.
Ihre quasi Erkenntnis, dass Gemeinsinn im Sinne von Gemein sein und das ohne Hemmschwellen, die Zivilisation immer noch wachsen lässt, beeindruckt mich zutiefst!
Die Indianer haben eben keinen Übersee-Expansionismus an den Tag gelegt, sondern in diesem riesigen Land Wanderwirtschaft betrieben oder auch feste Städte gebaut. Inklusive tausendjähriger Basisdemokratie an der Ostküste. Wurde alles platt gemacht von den Engländern und Franzosen.
Wanderwirtschaft trifft es ganz gut. Die Pferde (die berühmten „wilden Mustangs“) haben die Spanier eingeführt, Metall kam erst mit den weißen Invasoren und das Rad kannten sie bis zum Schluß nicht. Allen Geschichtsklitterungsversuchen zum Trotz: Sie waren einfach gnadenlos rückständige Naturvölker, ohne jegliche Kenntnis von Technik, Astronomie, Nautik, Metallverarbeitung und Bautechnik.
Es gibt zu diesem Thema ein sehr gutes Buch von Shared Diamond „Arm und Reich“. Der Titel ist verwirrend, aber es geht eben um die unterschiedliche Entwicklung verschiedener Zivilisationen. Wenn der Autor dieses Beitrags das Buch kennen würde, hätte er sich diesen Text erspart.
Wer mehr wissen will, der lese von Friedrich Engels „Der Ursprung der Familie, des Privateigenthums und des Staats“. Nebenbei ist das naturwissenschaftliche Wissens Engels, das dabei erkennbar wird, beeindruckend.
Man kann sich auch mal den Film „500 Nations“ von Kostner anschauen.
Ist das jetzt Geschichtsmärchenstunde auf einem DIN A4 Blatt, über die pösen Europäer und alle anderen waren gut?
Hier nur 2 Beispiele: der Fall von Konstantinopel mit dem Aufstieg des osmanischen Reiches 1453 und die Begründung des mongolischen Reiches durch Dschingis Khan 13.JH.
Das ging alles brutal und blutig vor sich.
Große Projekte müssen unterschiedliche Interessen bedienen, daher ist Cui bono sehr eindimensional.
Ich sehe zwei Aspekte: Erstens, die Tendenz Europas zur Überbevölkerung, im Vergleich zu seinen Ressourcen, eine Folge des Kapitalismus, was zu Übernutzung und Verfall führt und im Spätmittelalter nur durch die Nutzung von Kohle gelöst werden konnte, wofür die Eisenbahn eine Voraussetzung für den Transport war.
Zweitens, die Siedlungsdichte der Alten Welt, die dazu geführt hat, dass altes Wissen tradiert werden konnte. Ich vermute, dass Columbus und Co alte Überlieferungen und Karten zur Verfügung standen. Dabei hatte man sicher auch die Idee, nachschauen zu wollen, ob von jener Seite her ein Angriff droht. Man hat ja Alexander den Großen gekannt.
In Kanada gibt es Museen, die Siedlungen europäischer Fischer vor Columbus konservieren. Wenn das richtig ist, wäre Columbus nicht der Entdecker, sondern die militärische Nachhut.
Wenigstens Sie interessiert der Vielvölkerbestand, die Feudalistenvielfalt, der Nationenwahn. mit der damit entwickelten Kriegs und Tötungstechniken, nicht, die die Unterwerfung schwächerer begünstigten – hier gilt mal „the survival of the fittest“ wirklich, in Richtung das „Stärkere setzt sich durch!
Und Ihrem Spezialgebiet entsprechend wurden doch tatsächlich keulenförmige Gegenstände mit Griff, mehr und mehr Formen angepasst, für die auch Kohle, Öl verwendet werden konnten.
Ich stelle nicht in Frage, dass (wie heute immer noch) Einfluss, Macht und Geld die Triebfedern für die Kolonialisierungen waren.
Auch nicht, dass Christen sich genau vor diesen Karren spannen ließen und ihren Herrn damit verunehrt haben (wie heute auch die evangelische Kirche, die unsere Ideologen-Regierung voller Eifer noch überholt).
Aber dass das nur auf dem Mist von vorgeblichen Christen geschah, das weise ich von mir. Viele nichtchristliche Zivilisationen gingen an Dekadenz und Korruption zugrunde, bis in die Gegenwart. Der Mensch war und ist des Menschen Wolf, egal welche Religion er hatte.
Vielleicht weil die Indianer mit sich und ihrer Umwelt zufrieden waren ?
Es ist genug für a l l e da, nur nicht für a l l e GIERIGEN. 😁👍
Eher nicht. Dort hat man sich auch blutig bekämpft. In Mesoamerika bspw. die Tolteken gegen die Maya. Auch bei den Pueblo-Völkern gab es viele Vertreibungen und Auslöschungen.
Sicherlich haben diese Indianervölker keine solche Interessen, wie das, heute noch etablierte Ausbeutungssystem dieser, immer auf Ausbeutung und endlosen Wachstum ausgerichteten Denkweise gehabt. Sie waren ein Naturvolk mit Ihren Naturgöttern, so wie wir es einst waren. Dem Monotheismus folgte der gnadenlose Materialismus und schaffte planmäßig die Trennung von Mutter Natur. Gewinnmaximierung trat an die Stelle von Liebe zu dieser schönsten Mutter der Natur. Das dies eine Sackgasse ist wird der Mensch spürbar erfahren. Dann kann sich auch niemand weg – Retten.
Die Gierigen, die den Hals nicht vollkriegen und ihren angeblichen „Fortschritt“ wollen, waren und sind immer die Gleichen. Wohin uns das geführt hat, sieht man ja heute. Und die, welche man früher gewaltsam beehrt hat, drängen jetzt nach Europa – was im Grunde keinen wundern muss. Auch sie vergessen nicht… bzw. fällt ihnen heute wieder ein, wer ihre Länder seinerzeit ausgebeutet hat.
Karma?
Die ganze Welt drängt nach Europa?
Die allermeisten Flüchtlingsströme enden in der Nähe des Fluchtortes.
Die wenigen mit ausreichenden Mittel kommen am weitesten.
Umfragen und Aufstellungen wer wann wo hin will werden in Lagern etc. nicht gemacht.
Wie viele illegale sich wirklich wo aufhalten und auch in Gesellschaften versiegen können, je nach Schattenwirtschaft. (Schon vor 20 Jahren gingen rund 80 000 im Jahr, in Australien mit Visum im Land verloren) interessiert die großmäuligsten „Law and Order“, alles in der Hand habenden Breitmaulführer, auch nicht, um sich nicht lächerlich zu machen!