
Woke Sprachverbote, Teil II: Mohr und mehr
Unworte über Unworte werden durch die woke Sprachzensur erfühlt und angezeigt. Höchstens der Anfangsbuchstabe soll bei Zitierung noch genannt werden dürfen. Die Z-, N-, M-, I- und E-Worte sind kennzeichnend für diese absurde und lächerliche Situation. Diejenigen, die die angeblich bösen Worte aussprechen, werden als Rassisten und Rechtsextreme diffamiert.
Sprache entwickelt sich eigentlich von alleine weiter – ohne ideologischen Zwang und politischen Zugriff. Durch Regierung, Organisationen und Medien wird jedoch mit Vorsatz die Sprache reglementiert und werden Begriffe umgedeutet oder als rassistisch etikettiert.
Der Horizont von Menschen, die vermeintlich böse Worte auf den Anfangsbuchstaben reduzieren, um ja keine furchtbaren Gefühle bei ge- oder verstörten Menschen auszulösen, ist rein technisch beschränkt: Wir haben im Deutschen nur 26 Buchstaben – sehr überschaubar also. Da kann es schon zum Opferstreit kommen, welcher Buchstabe was bezeichnen sollte, das angeblich unaussprechbar sein soll – als ob wir ins viktorianische Zeitalter zurückversetzt wären. Hier ist eine Glosse aus Ö-Land des Vormaßnahmenjahres 2019: “Das E-Wort steht in der U-Bahn wie ein Rüsseltier.”
Nach ein paar Vorbetrachtungen über woke Übergriffigkeit (s. Teil 1) arbeiten wir uns gemäß ABC rückwärts durch die bösen Buchstaben in MINZE durch; das Z hatten wir größtenteils in Teil 1 bereits abgearbeitet.
- Schubert, Dr. Dr. Christian(Autor)
MINZE: M wie Mohr, I wie Indianer, N wie Neger oder Nigger, Z wie Zigeuner und E wie Eskimo.
Huch, nun ist es raus – und da laufen sie schon, die ersten woken Leser in ihre Safe Spaces und begeben sich in Embryohaltung! Ernsthaft: Es wurden schon längst “an Universitäten sogenannte ‚Safe Spaces‚ eingerichtet, die die Studenten vor neuen Erfahrungen, Ideen und Widerspruch schützen sollen. Die jungen Menschen lernen sozusagen, wie man sich hilflos fühlt” (so der Kabarettist Vince Ebert in einem Facebook Eintrag Anfang Juni 2024).
Ebert führt weiter aus, daß “es vor allem darum geht, einen möglichst prominenten Opferstatus zu erlangen. Weil das aber nicht argumentativ sondern nur emotional möglich ist, müssen fast zwangsläufig Fakten durch Gefühle ersetzt werden. Und Gefühle durch Argumente.” “So hat sich in unserer Gesellschaft Stück für Stück eine Tyrannei der Wehleidigen etabliert, die ihre Aggressivität als Notwehr verkaufen, um ihren Willen durchzusetzen.”
Diese Wokeness hat sich nicht auf natürliche Weise im akademischen Umfeld entwickelt. Die Universitäten als Ideologieschleudern wurden schon lange auf ihre Rolle in einer künftigen Neuen Normalität vorbereitet. Es waren die vorausschauenden Universitäts- und College-Leitungen, die in den U.S.A den woken Weg bereitet haben. In Deutschland waren die Reihen schon 2013 zum Ersten Deutschen Diversity-Tag fest geschlossen: Große Städte, Unternehmen und die Universitäten waren von Anfang an dabei. 2013 soll auch als Beginn der woken Bewegung gelten, aber der Vorlauf war schon um 1990 mit politischer Korrrektheit gestartet (s. Teil I). Und 1995 war bereits die Gender Ausrichtung des Feminismus zur Fourth World Conference on Women auf der Überholspur.
Wer in der Universität nicht Wokeness antizipiert und nicht auf aggressive Wehleidigkeit eingestellt ist, kann bei Vorträgen böse Überraschungen erleben, so wie der emeritierte Professor für Interkulturelle Pädagogik, Georg Auernheimer, der von einer hysterischen Studentin in seinem Vortrag jäh unterbrochen wurde: Er hatte über Frantz Fanon, Autor von ‚Die Verdammten dieser Erde‘, berichtet und ihn dabei wörtlich zitierend das Wort ‚Neger‘ vorgelesen. Auernheimer zieht über jenen Vorfall sein Resümmee:
“Die Ablehnung mancher Begriffe nimmt heute fast schon totalitäre Züge an. […] Sprachregelungen ändern nichts an den Verhältnissen. Die Diskriminierung und Stigmatisierung von Gruppen endet erst mit grundlegenden institutionellen Reformen oder der Transformation des Systems. […] Die kubanische Revolution hat den Rassismus dank der Angleichung der Lebensverhältnisse und Chancen fast aus dem Alltagsleben verbannt.” [Auernheimer, ibidem]
Die Euphemismus Tretmühle
“The Euphemism Treadmill is a concept coined by Stephen Pinker in his 2003 book ‚The Blank State‘. The concept explains how words that are used to replace offensive terms over time become offensive themselves.” Ein Beispiel auf englisch wäre die Transformationsfolge:
mentally retarded [geistig zurückgeblieben] → retarded [zurückgeblieben] → imbecile [schwachsinnig] → intellectually challenged [intellektuell herausgefordert] → (with) special needs [mit besonderen Bedürfnissen]. Auf deutsch könnte schlußendlich folgen “→ anders begabt”; das wäre der ultimative Endpunkt, denn dümmer ginge es nimmer.
Die fünf (bzw. sechs) Bezeichnungen bedeuten eigentlich alle etwas Verschiedenes, wenn auch in Bezug auf die ersten beiden nur in Nuancen. So hat unsere derzeitige Außenministerin gewiß besondere Bedürfnisse in Bezug auf ihre tägliche Frisur und war bei manchen Reden intellektuell etwas herausgefordert, aber sie ist natürlich weder schwachsinnig noch zurückgeblieben. Wir sehen also, daß bei der tretmühlenartigen Ersetzung die Begriffe immer schwächer und schwammiger werden, um schließlich bei ganz anderen vagen Grundbedeutungen zu landen. Ein weiteres Beispiel mit demselben vorläufigen Endpunkt ist:
Krüppel → Behindeter → Mensch mit Behinderungen → Mensch mit Funktionseinschränkungnen → Mensch mit besonderen Bedürfnissen.
“Neuschöpfungen und Euphemismen allein verhindern, geschweige denn lösen die tatsächlichen Ursachen von Rassismus, Sexismus und Behindertenfeindlichkeit nicht, sondern verschieben sie. Fazit: ‚Wir landen mit PC [Political Correctness] in einer Euphemismus-Tretmühle‘ (Žižek), in der jeder Begriff durch den folgenden seinerseits unter Diskriminierungsverdacht gestellt und entwertet werden kann.” Das war im Jahre 2016 – da schauten wir schon in einen geistigen Abgrund. Heute sind wir in Deutschland den berüchtigten einen Schritt weiter.
Eines sieht man mit dem Drehen der Tretmühle ganz klar, nämlich daß die Betroffenen, wie etwa die mental oder körperlich Behinderten schließlich sprachlich unsichtbar werden. Allen Ernstes ließ der Deutschlandfunk in der Maßnahmenzeit zur Ablenkung einen Beitrag los unter dem kuriosen Titel “Diskriminierung durch Sprache: ‚Behinderter‘ ist ein Unwort” mit dem Eingangssatz: “Menschen, die nicht der Norm entsprechen, als ‚behindert‘ zu bezeichnen, hält der Schriftsteller Christoph Keller für falsch.” Was für ein Quatsch: Sich nur im Rollstuhl fortbewegen zu können, ist eine arge Einschränkung für den Betroffenen, denn im städtischen Umfeld gibt es für Rollis immer wieder unerwartete Hindernisse – und von anderen Problemen im persönlichen Bereich ganz zu schweigen. Das hat mit Norm überhaupt nichts zu tun. Offenbar soll man sich nicht mehr um sie besonders kümmern müssen: Sie haben halt andere Talente; vielleicht zu fliegen?
Man kennt es auch im Falle von “sehbehindert”: “Die Bezeichnung ‚Blinde und Sehbehinderte‚ […] ist nicht angemessen, weil sie Menschen auf ihre Behinderung reduziert.” Was soll das für eine Logik haben? Ebert bringt den Irrsinn der woken Spracherziehung auf den Punkt: “Ich bin Brillenträger. Früher war ich sehbehindert, aber dieses Wort könnte mich ja verletzen. Deswegen bin ich heute visuell herausgefordert; was’n totaler Quatsch ist, denn wenn ich die Brille abnehm‘, seh ich nix. Visuell herausgefordert würde bedeuten, daß ich besser sehen könnte, wenn ich mich nur genug anstrenge. Kann ich aber nicht, kann mich noch so sehr bemühen: Ohne Brille seh‘ ich keine Dioptrien besser. Die Typen von der politisch korrekten Abteilung spielen also nicht nur meine Sehbehinderung runter, die unterstellen mir auch noch Faulheit! […] Wir leben in einer unfaßbar verklemmten, spießigen Biedermeierzeit.”
Ausnahmslos jedes Wort mit einer positiven Konnotation, wie z.B. ‚Querdenker‘ kann durch die Politik und die Staatsmedien binnen kurzer Zeit ins Negative gedreht werden. Auch Worte, die Mitgefühl ausdrücken, können ins Negative rutschen, wie das diskriminierende “Du Opfer” aus dem Kiezdeutsch der Nullerjahre. Wo der Wille zur Diffamierung und Diskrimination besteht, findet sich immer ein Wort oder zwei. Es dann zu tabuisieren, ändert nichts an der Konfliksituation.
N
Der Prototyp des bösen Unwortes ist das ‚N-Wort‘, nämlich ‚Neger‘ oder ‚Nigger‘. Beide Bedeutungen haben die gleiche unschuldige Etymologie: Sie leiten sich letztlich vom lateinischen niger ab, bzw. entlehnt über französisch nègre. ‚Schwarzer‘ darf man jedoch noch gerade sagen, obgleich es die gleiche Grundbedeutung hat.
Die Tretmühle ist hier: Nigger → Neger → Schwarzer → Person of Colour (PoC) → BIPoC = (sprich: bye-pock).
Schwarz, indig(o), farbig soll es am Ende sein. Wer im Gesicht schlagflüssig aussieht, ist rötlich, also auch farbig, Und wer die Gelbsucht hat, ist gelb in den Augen. Und wer besoffen ist, ist blau. Einen Menschen farbig zu nennen, ist völliger Quatsch – es sei denn, er hat sich eine Regenbogenfahne um den Leib gewickelt – und dann ist er bunt.
Das makabre Liedchen ‚Zehn kleine Negerlein‘ (‚Ten little niggers‘) sollen Kinder natürlich auch nicht mehr kennen und singen dürfen. “In Deutschland handelt es sich um das verbreitetste jemals gedruckte Kinderbuch“, das seit mindestens 99 Jahren in Umlauf ist. Viele Variationen und Anspielungen auf diesen Text würden nicht mehr verstanden werden ohne Kenntnis der Originale. Dieses Lied ist so weit weg vom heutigen woken Aktivisten, daß es nicht einmal in der diesjährigen Hitliste “Gewalt oder Rassismus: Diese neun Lieder gehören nicht in Kinderohren” vorkommt.
M
Der Film ‚M‘ von Fritz Lang aus dem Jahre 1931 ist nicht gemeint, sondern das M-Wort ‚Mohr‘, wo auf Wikipedia glatt behauptet wird, daß die Bezeichnung ‚Mohr‘ heute als “rassistisch diskriminierender Ausdruck” verstanden wird. Also – bei uns drei Autoren nicht. “Wer […] gar bei der Basler Guggenmusik Mohrekopf mitspielt oder zur Berner Mohrenzunft gehört, steht so lange unter Rassismusverdacht, bis er bereut und sich von diesem Wort distanziert.” Natürlich ist in Wirklichkeit ‚der Mohr‘ ein historischer Begriff, der sich zunächst nur auf die Mauren und Nordafrikaner bezog und später volkstümlich überhaupt auf Afrikaner übertragen wurde.
Wo der ‚Neger‘ schon Schockstarre auslöst, tut der ‚Mohr‘ bei Wehleidigen das gleiche. Und in der Tat wurde in der Hauptstadt des Wokismus die Mohrenstraße auf Initiative der woken Parteien (SPD, Grüne, Linkspartei) tatsächlich umbenannt. Dieses Ansinnen ist typisch für den dümmlichen Ahistorismus der Woken – nicht nur in Berlin. “Der Ahistorismus begreift die Geschichte einzig aus Sicht der Gegenwart und ihrer Ideen.” Dabei ist im woken Falle nur das Gefühl und nicht das irgendwie Begreifen relevant, wobei die moralische Bewertung des Vergangenen aufgrund des eigenen oder gruppenspezifischen Gefühls erfolgt.
Es gibt ein Restaurant in Kiel mit Namen ‚Zum Mohrenkopf‘, das bereits vielfach bedrängt wurde, sich doch umzubennen. Der Besitzer Andrew Onuegbu, selber ziemlich dunkler Hautfarbe, denkt nicht daran: “Ich bin als Mohr auf die Welt gekommen und stolz darauf. […] Der Mohrenkopf war im Mittelalter eine Auszeichnung für gutes Essen”, sagt Onuegbu. “Ich brauche keine Weißen, die mir sagen, wann meine Gefühle verletzt sind”, so der Mann in der ARD-Sendung ‚Hart aber Fair‚. Es gibt eine Reihe von Restaurants in Deutschland und Österreich, die ebenso den Mohren stolz im Namen tragen, so wie etwa das Kultlokal “Mohrenwirt” in Graz.
Es gibt sogar Speisen, in deren Namen das Wort Mohr vorkommt. Eine beliebte Süßspeise in Österreich (und auch in Bayern) ist der “Mohr im Hemd”, in der Form eines kleinen Gugelhupfs mit warmer Schokosoße übergossen und mit Schlagobers oben drauf oder seitlich dran. Hier ist das Rezept aus dem Stadtmagazin graz.net. Trotz Bedrängnis gibt es ihn also noch im Hemd. Bei woken universitären Kämpfern soll angeblich die Befürwortung des Begriffes als Beispiel für “Alltagsrassismus von Weißen Menschen” gelten, wobei dieser Vorwurf selbst einen rassistischen Ton gegen Weiße in sich trägt.
Kein Mensch – gleich welcher Hautfarbe – braucht betreutes Fühlen.
Der Mohr sollte gemäß einer Petentin an den Bayerischen Landtag sogar aus dem Wappen des Landkreises Freising verschwinden; diese Geschichtstilgung hat aber nicht im Ansatz geklappt. Seit über 700 Jahren sind der ‚Freisinger Mohr‘ oder das ‚caput Ethiopum‘ das Wappenzeichen für viele Orte und kirchliche Bereiche im Freisinger und europäischen Raum laut Vorsitzendem des Historischen Vereins Freising.
Die Mohrenapotheken in vielen Städten stehen unter doppelten Druck: erstens nimmt das Apothekensterben zu durch Morbus Lauterbach und zweitens wird der Mohrenname beshitstormt. Die Mohrenapotheke in der Nürnberger Altstadt mußte nach 582 Jahren zum 30. Juni schließen: Die klassische Kundschaft wurde immer weniger, so daß die Apotheke wirtschaftlich nicht mehr tragbar war; hinzu kamen die allgemein schwierigen Rahmenbedingungen, die Apotheken in ganz Deutschland betreffen. Im ersten Halbjahr des Jahres 2024 gab es in Deutschland 307 Apothekenschließungen. Die Regensburger Mohren-Apotheke traf es nach 499 Jahren schon 2016.
In Wien gibt es noch immer eine Apotheke dieses Namens, die seit Mitte des 14. Jahrhundert besteht. Der Name variierte mit der Zeit leicht, z.B. “Zum schwarzen Mohren”. Vor über vier Jahren orteten da woke Aktivisten Diskriminierung: Per Online-Petition sollte die Betreiberin der Mohren-Apotheke in Wien zu einer Namensänderung bewegt werden. Sie ließ sich nicht bewegen, verwies an den positiven Hintergrund will die Erinnerung an die Pioniere von damals aufrecht erhalten.
Viele Apotheken im deutschsprachigen Raum widerstanden den Anfeindungen, aber einige knickten doch ein und haben sich folgsam umbenannt. Dabei stand eine solche Nennung selbst laut Wikipedia “seit der Antike stellvertretend für den gesamten Afrikanischen Kontinent bzw. für im Europa der damaligen Zeit unbekanntes (Heil-)Wissen und aus der Ferne importierte (pharmazeutische) Produkte.” Nichts war daran jemals diskriminierend – im Gegenteil. Die Diskriminierung gibt es nur in den Köpfen der woken Neusprechler.

Von der 2017 geschlossenen Mohren-Apotheke zu Suhl blieb nur der Namenszug am Haus (Photo: HZ)
Es gibt übrigens in Thüringen die Mohrenstadt Eisenberg (in der wir, HJB & HZ, in diesem Jahr kurz weilten), die mit Bezug auf eine Legende alljährlich ein Mohrenfestival durchführt. Viele Eisenberger sind stolz darauf.
Die Geschichte von den schwarzen Buben aus dem erzieherischen Kinderbuch ‚Der Struwwelpeter‘ von 1845 hat einen Mohr als Hauptfigur, der von drei Buben geneckt wird. Der Nikolaus bestraft die drei, indem er sie in schwarze Tinte taucht: “Was kann denn dieser Mohr dafür, daß er so weiß nicht ist wie ihr?”. Nichts ist auch nur einen Deut rassistisch an dieser schönen Geschichte für Kinder.
I & E
Das I-Wort ist nicht ‚Indigener‘ sondern ‚Indianer‘. Für den Zeitgeistigen ist Indigener in und Indianer out. Eine sogenannte Sensitivity-Readerin erklärt sich gegenüber dem österreichischen Standard: “Der Begriff ‚Indianer‘ sei eine Fremdbezeichnung, die auf die Zeit zurückgeht, als Christoph Kolumbus geglaubt hat, in Indien zu sein. Zudem sei der Begriff stark verallgemeinernd. ‚Indigene Menschen sind keine homogene Gruppe‘, sagt Kandlbauer. ‚Wer soll gemeint sein, wenn wir diesen Begriff verwenden?‘“ Dümmlicher geht’s nicht: Oberbegriffe fassen zusammen und verallgemeinern halt. Homogenität der Indianer hat niemand ernsthaft behauptet: Es gibt weit mehr als 150 indigene Sprachfamilien in Amerika (laut Lyle Campbell, Historical Linguistics, 1st ed., 1998; S. 312). Kinder und Kindgebliebene stellen sich unter Indianer meist Prärie-Indianer, insbesondere Apachen vor – oder gleich in klischeehafter Weise ‚Winnetou‘.
Wo ist das Problem? Das Neuwort ‚Indigene‘ trifft’s nicht im Falle der voreuropäischen Bewohner Amerikas, denn Eskimos sind keine Indianer. Und überhaupt gibt es keine allgemein anerkannte Definition von “Indigenität”. Der Begriff ist gewollt schwammig. “Indigene” hat übrigens in der Vorkommenshäufigkeit in Büchern ab 1990 einen Senkrechtstart hingelegt: Ein weiterer Hinweis dafür, daß der Wokismus spätestens 1989 in groben Zügen als Design (in den U.S.A.) schon angedacht war. Bleiben wir also beim Begriff Indianer bzw. indianischer Abstammung, wo jeder weiß, was gemeint ist – nichts ist verwerflich daran.
Inuit und Eskimo werden oft fälschlicherweise als Synonyme verstanden: Die Eskimos bilden eine echte Obergruppe der Inuit und können auch prähistorische Gruppen, wie die Dorset, umfassen. Zu den Eskimos gehören neben den grönländischen Inuit auch andere arktische Bevölkerungsgruppen wie die Yupik (in Sibirien) oder die Inupiat (in Kanada). Es gibt zwei konkurrierende Etymologien für das Wort ‚Eskimo‘, die eine ist ein indianisches Wort, was “Rohfleischesser” bedeuten soll, das andere bezieht sich auf Schneeschuhe und Netze. Und rohes Fleisch aßen die Eskimo tatsächlich regelmäßig gleich nach einem Fang. Das war ihrer Gesundheit höchst zuträglich und ist in keiner Weise herabsetzend. Man könnte das Wort tatsächlich für einen Wokeness-Schnelltest nutzen: Wer schon den Namen ‚Eskimo‘ für rassistisch hält, ist definitiv woke verblendet.
‚Eskimo‘ hat mit dem ‚Hamburger‘ gemeinsam, das man’s auch essen kann: ‚Eskimo‘ ist nämlich eine Eismarke, als ‚Eskimo Pie‘ zuerst 1921 belegt in den U.S.A., mit Verbreitetung auch nach Europa, insbesondere 1927 in Österreich. In der Sowjetunion tauchte es als Eis am Stil schon 1935 auf, aber erst ab 1947 konnte es mittels eines Eis-am-Stiel-Generators schließlich in den 60er Jahren so populär werden, daß es sogar einen Trickfilm gab, in dem die Figur “Krokodil Gena” sein Geburtstaglied singt, wo er von einem Zauberer erhofft, 500 Eskimo geschenkt zu bekommen.

Fremdbezeichnungen gab und gibt es allenthalben, zuhauf auch für die Deutschen, wie z.B. in den slawischen Sprachen: “Slavic terms for Germany, like Niemcy (Polish) or Německo (Czech), have an altogether different origin. They come from the Proto-Slavic němьcь, which means ‚mute‘ [deutsch: Stumme(r)]. The word went on to be used to describe foreigners (i.e. people who couldn’t speak the local languages), who frequently turned out to be Germanic people.” Regen wir uns darüber laut auf? Nö, natürlich nicht: einfach stumm bleiben.
Wer diskriminiert eigentlich wen?
All jene Vorgänge bezeugen, wie abwegig der heutige Diskriminierungs- oder Rassismusvorwurf ist. Man kann woken Fanatikern auch nicht zugestehen, daß sie doch grundsätzlich das Gute wollten und nur gegen böse Diskriminierung vorgingen. Die am heftigsten diskriminierte und brutal ausgegrenzte Gruppe in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg waren die sogenannten Ungeimpften zwischen Herbst 2021 und Winter 2022/23 (also während des faschistoiden Testlaufs) – und dagegen erhob sich kein Fünkchen Widerstand seitens der Woken, die ja getreu an der Seite der Regierung standen und fürderhin stehen: “Wo war der Sturm der Entrüstung, als Meinungsmacher Ungeimpfte als ‚faschistische Bagage‘ (Volksverpetzer), ‚Anti-Impf-Terroristen‚ (Robert Misik) und ‚Staatsfeinde‘ (Taz) bezeichneten?”
Drei Merkmale treffen dabei zu: erstens die Kategorisierung von Andersartigkeit (sprich: “ungeimpft”); zweitens die negative Bewertung der Anderen (sprich: als unsolidarisch und unmoralisch) und drittens das Vorhandensein von Machtungleichheit (sprich: Staatsgewalt gegen gewaltlose Querdenker und Impfgegner). Laut Definition von Siegfried Jäger liegt mit diesen drei Merkmalen “Rassismus im Alltag” vor; schon 1993 gab es in Potsdam eine diesbezügliche Tagung “Entstehung von Fremdenfeindlichkeit” der Friedrich-Ebert-Stiftung. Damit bestünde, wenn man jenem Rassistenjäger geistig folgte, das gesamte Kabinett unter der Kanzlerschaft Scholz aus Rassisten. Das ist natürlich Quatsch, die Definition also Schrott. Das kranke Konzept des “Rassismus ohne Rassen” wurde schon Ende der 80er Jahre ernsthaft als neuer Begriff eingeführt. Christoph Türcke kritisierte das 1993 als “Inflation des Rassismus”. ‚Gender‘ nahm sogar einen ersten Aufschwung 1982 und ging 1990 richtig hoch; ein weiterer Begriff kam ab 1992 in Mode: ‚Antiziganismus‘. Vor über 30 Jahren wurde hier also ein Popanz aufgebaut und der Wokismus vorbereitet. Vieles, was uns gesellschaftlich und politisch jetzt als Fake um die Ohren fliegt, hat eine jahrelange Vorgeschichte.
Es ging also seit 1990 kaum um den Kampf gegen wirklichen Rassismus und auch nicht gegen echte Diskriminierung, weil die Regierung und ihre dienstbaren NGOs [= Nichtregierungsorganisationen] nach Belieben diskriminieren können und es auch taten. So werden ständig im großen Stil Sprachpopanze aufgebaut, gegen die angestürmt wird. Wer sich solchem Ansinnen konsequent widersetzt, würde auch heute diffamiert und ausgegrenzt als Rassist, besonders wenn er weiße Hautfarbe hat und zu keiner von den Woken anerkannten Opferkategorie gehört. Auf diese Weise werden politisch Unliebsame auf vielfältige Art stigmatisiert, um sie letztlich ökonomisch zu vernichten oder gar zu kriminalisieren. Deswegen fördern ja auch die Bundes- und Landesregierungen die woke Ideologie. Das ist schnöder Klassenkampf von oben. So wird ein Klima der Angst erzeugt, das die Schreck- und Beugsamen zurückschrecken läßt.
Wer bisher geglaubt hat, daß es bei ‚weiß‚ und ‚schwarz‚ in diesem Kontext um die jeweilige Hautfarbe ging, muß sich von Amnesty International belehren lassen: “‚Weiß‘ und ‚Weißsein‘ bezeichnen ebenso wie ‚Schwarzsein‘ keine biologische Eigenschaft und keine reelle Hautfarbe, sondern eine politische und soziale Konstruktion. Mit Weißsein ist die dominante und privilegierte Position innerhalb des Machtverhältnisses Rassismus gemeint, die sonst zumeist unausgesprochen und unbenannt bleibt.” [2012] Und: “Schwarze Menschen ist eine Selbstbezeichnung und beschreibt eine von Rassismus betroffene gesellschaftliche Position. “Schwarz wird großgeschrieben, um zu verdeutlichen, daß es sich um ein konstruiertes Zuordnungsmuster handelt und keine reelle‘ Eigenschaft‘, die auf die Farbe der Haut zurückzuführen ist.” [2013]
Was sind denn etwa Obdachlose in unserer Gesellschaft: “Weiß” sind sie demnach nicht, “Schwarz” eigentlich auch nicht – also nix? Diese Gruppe spielt offenbar keine Rolle im woken Gesellschaftsbild der extremisierten Mitte. Und wieso benutzt man Farbwörter, wenn Farben irrelevant sind? Der gleiche Unfug passiert ja auch mit dem Geschlecht des Menschen: Die Biologie ist irrelevant, es wird einfach als soziale Konstruktion umbenannt.
Woker Kampf und totale Zerstörung
Alle Vorwürfe von Alltagsrassismus und angeblicher Diskriminierung durch traditionelle Begriffe und historische Bezeichnungen sind woke-politisch motiviert und werden hochmoralisch verkündet. Sie sind verflochten mit faschistoider Cancel Culture und neuem Orwellschen Neusprech, zu dem Gender Neusprech zählt. All das sind Kampfmittel, die miteinander verflochten sind und dazu dienen, uns von unserer nationalen und eigenen ethnischen oder persönlichen Geschichte mehr und mehr abzuschneiden und stattdessen nur noch unbesonnen das gesteuerte Zeitgeistige zu inhalieren und in Folge dessen uns der medialen Einheitsmeinung anzuschließen. Nein, wir beugen uns nicht, sondern verbeugen uns in Ehrfurcht vor den historisch gewachsenen vielfältigen Sprachen mit all ihrer Diversität, syntaktisch wie semantisch.
Der historische Fall des Mohren in unserer Sprache und Kultur ist paradigmatisch für den woken Ahistorismus, der sich in aggressiver und dümmlicher Manier zu Intoleranz und Diskriminierung Nicht-Woker aufschwingt. Mit Rudolph Bauer gesprochen läßt sich das gerade in Deutschland zu folgendem Akronym kondensieren:
AIDA: A wie ahistorisch, I wie intolerant, D wie dümmlich und A wie aggressiv.
Die Einhegung und Umwandlung der Sprache wird professionell mit staatlicher Unterstützung (wie im Falle des Gender-Neusprechs) betrieben und zeigt Analogien zur “Lingua Tertii Imperii” (Victor Klemperer: LTI. Notizbuch eines Philologen, 1947) und natürlich zum Orwellschen Neusprech: “[Dieser] geht zurück auf George Orwells dystopischen Klassiker ‚1984‘ aus dem Jahre 1949. Dort etabliert die Partei des EngSoz eine im Original Newspeak genannte, gereinigte Sprache, die verhindern soll, daß Menschen kritische Gedanken überhaupt nur denken, geschweige denn äußern.”
Dieses Zitat stammt aus einem Artikel eines Feuilletonredakteurs der Welt, geschrieben in der Absicht, diejenigen, die schon damals im Jahre 2020 von ‚Neusprech‘ sprachen, lächerlich zu machen, als ob es nur ums Gendern oder um Negerküsse und Zigeunerschnitzel ginge, wo doch angeblich solche Umbenennungen “als Ergebnis von Diskussionen in einer demokratischen Gesellschaft vollzogen wurden”. Wo wurde denn jemals ergebnisoffen diskutiert und mehrheitlich in Deutschland darüber abgestimmt? Wäre es demokratisch zugegangen, wäre z.B. das behördliche Gender-Neusprech sofort ad acta gelegt worden – nein, es war wie alles Andere in diesem Zusammenhang auch – von oben nach unten oktroyiert worden, unterstützt durch die regierungshörigen Massenmedien.
Folgender richtiger Zusammenhang ist jedoch in jenem Artikel zu finden: “Ein Boom erlebte das Wort [Neusprech] dann geradezu seit den späten Neunzigerjahren, als aus Amerika die Idee der politischen Korrektheit importiert wurde [ – das war schon früher der Fall; s. oben] und man sich auch hierzulande sogar daran machte, alte Bücher nach nicht mehr opportunen Passagen zu durchsuchen und sie umzuschreiben.” In der Tat sind das alles Erscheinungen, die Aufgeklärte heute zusammen mit Gender und Political Correctness als Wokeness oder Wokismus geißeln.
“Die Sprache gehört einzig den Menschen – nicht dem Staat und schon gar keinen kleinen, aber lautstarken Gruppen. Der Versuch die Sprache künstlich zu verändern, gar mit dem Ziel das Denken der Menschen in ihrem Sinne zu verändern, ist übergriffig. So etwas sollte es in einer freiheitlichen Demokratie nicht geben”, schrieb ein Kommentator zu jenem Welt-Artikel. Das könnten wir auch sagen – nur, der Schluß ist eigentlich anders herum: Eine freiheitliche Demokratie haben wir längst nicht mehr, wenn man auf das gebündelte Zusammenspiel von Regierungsarbeit, Gesetzgebung, Justiz und Polizei des letzten Jahrfünfts schaut. Hans-Joachim Maaz macht in seinem Vortrag (im Video ab Minuten 24:12 bzw. 51:10) klar, daß wir nicht (mehr) in einer Demokratie leben, sondern:
“Wir leben in einem Demokratiespiel [… und] was wir erleben [ist] eine Selbstzerstörung unserer Tradition, eine Zerstörung unserer nationalen Identität, eine Zerstörung unserer Sprache, eine Zerstörung der Geschlechtsrollen, eine Zerstörung der Familie, Zerstörung des Verhältnisses Gut und Böse, richtig und falsch – und letztlich des Demokratiespiels.” [Hans-Joachim Maaz]
Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
Thomas Immanuel Steinberg ist Diplom-Volkswirt (FU Berlin) und hat einige Semester Allgemeine Sprachwissenschaft an der Hamburger Universität studiert.
Die Leute, die den Kindern verbieten, sich im Fasching als Indianer zu verkleiden oder überhaupt zu spielen oder Winnetou aus den Bücherregalen verbannen wollen, sind selbst rassistisch. Auch das N-Wort war nie beleidigend gemeint. Es zu verbieten, ist auch rassistisch. Die Politisch Korrekten sind selbst das, was sie anderen vorwerfen. Sie erinnern an die Po rno- und Nadsi-Jäger, die sich ja auch primär selbst Tag und Nacht mit der Materie befassen…..
Verbotene Wörter sind zudem kontraproduktiv und machen erst recht böses Blut. Kann mich erinnern, dass ein ö. Polizist mal einen Drogendealer verhaftete und ihn in der Beschreibung als „starkpigmentierten Südschweden“ bezeichnete, was ihm eine Meldung bei ZARA bescherte.
Und übrigens ist der Russenhass der selbsternannten Guten auch reiner Rassismus und die „Brandmauer gegen Rechte“, um sie von der „Demokratie“ auszuschließen, ist Faschismus, ja!
Das schlimme, es wir immer schlimmer, weil die Kette immer weiter getrieben wird.
Das gute, irgendwann begreift auch der letzte das das eine Sackgasse ist.
„Ebert führt weiter aus, daß “es vor allem darum geht, einen möglichst prominenten Opferstatus zu erlangen. Weil das aber nicht argumentativ sondern nur emotional möglich ist, müssen fast zwangsläufig Fakten durch Gefühle ersetzt werden. Und Gefühle durch Argumente.” “So hat sich in unserer Gesellschaft Stück für Stück eine Tyrannei der Wehleidigen etabliert, die ihre Aggressivität als Notwehr verkaufen, um ihren Willen durchzusetzen.”“
I love him, den Vince…😂…janz emozionaal, nicht wegen seines Charmes oder seines guten Aussehens 😁✌️, sondern ausschließlich aufgrund seines scharfen Verstandes, seiner unbestechlichen Haltung und reinen Vernunft.❤️
Kann diese selbstgefällige, eitle, gefühlsduselige, dümmlich-ahnungslose, beinrasierte und Wimpern-gezupfte Gendermännlichkeit, die ständig rumheult, ( siehe Olympia ) kaum mehr ertragen..🤮
Woke goes broke.
„Durch Regierung, Organisationen und Medien wird jedoch mit Vorsatz die Sprache reglementiert und werden Begriffe umgedeutet oder als rassistisch etikettiert“
Da das nicht neu ist, sondern auch früher der Fall war, haben natürlich rassistische, diskriminierende Regierungen, Organisationen und Medien ihre Spuren im Denken und in der Sprache gezogen, sodass Sensibilität gegen Diskriminierung im „Denken“ (mit Denken hat das meist nichts zu tun) und in der Sprache stets eine höchst bedeutsame politische wie sprachliche Aufgabe war und bleibt (die wir allerdings nicht irgendwelchen scheinfortschrittlichen, in Wirklichkeit spalterischen Institutionen und wichtigtuerischen Leutchen überlassen können und dürfen). Denn, wie richtig festgestellt wurde: „Ausnahmslos jedes Wort mit einer positiven Konnotation, wie z.B. ‚Querdenker‘ kann durch die Politik und die Staatsmedien binnen kurzer Zeit ins Negative gedreht werden“. Machthaber und ihre Handlanger sind gezwungen, die „Deutungshoheit“ in der Sprache zu erlangen und zu behaupten. Wir sind gezwungen, das zu unterlaufen …
Bei der vermeintlichen Sensibilität bezahlt der Westen am Dnepr Heilhitlernde:innen mit Hakenkreuzen und Wolfsangeln dafür, möglichst viele Russen umzubringen, die dem Woken Imperium im Weg stehen. Wahrhaftig braucht man im Westen „Safe Spaces“, wo man vor dem Nachdenken geschützt wird, um den schreienden Widerspruch nicht zu erkennen. (In der Palästina gibt es übrigens einen weiteren.)
Die hierzulande als Karotte (Ducus carota) bekannte Möhre oder Mohrrübe, trägt ihren Namen wegen der arttypischen weißen Doppeldolde mit schwarzer Mohrenblüte in der Mitte.
Gleichstellung und Respekt zeigt sich wohl auch in der Sprachwahl, aber nicht durch Ausradieren aller historischen Spuren. Nicht-Sichtbarkeit ist auch Diskriminierung. Wollen die Deutschen, die eine Mrd Chinesen belehren – Nehammer hatte nur Putin gedroht – ihre historischen Fehler vertuschen?
Wird kaum gelingen.
So lange sich alle unterordnen, wird sich nicht ändern. Ich würde eine Apotheke, die sich Mohren Apotheke nennt und den Namen ändert, sofort boykottieren, genauso wie ich Geschäfte wo man mit Scanner Corona Tests prüfte und Lokale wo man sich wie Blockwarte benahm, boykottiere.