Pro-Palästina & anti-russisch: Undurchschaubare Protestbewegung?

28. Mai 2024von 4,7 Minuten Lesezeit

Die Pro-Palästina-Bewegung im Westen leidet unter einer gewissen Schizophrenie. Eine mögliche Erklärung lässt sich aber finden. 

Ein aktueller Text von Felix Feistel im Magazin Manova wundert sich über die Pro-Palästina-Proteste in den USA und im ganzen Westen. Die „undurchschaubaren Unruhen“ passen so gar nicht in jenes Rechts-Links-Schema, das sich seit 2020 (neu) etabliert hat. Aber gar so „undurchschaubar“ sind die Proteste gar nicht.

Emotionen und „Critical Whiteness“

Halten wir zunächst drei Punkte fest:

  • Die werden von linken Personen und Organisationen durchgeführt, die bisher z.B. bei den Themen Corona, WHO, Klima, Ukraine und vielen anderen staatstragend agierten. Die Proteste richten sich diesmal frontal gegen die geopolitischen Interessen des Westens, bei denen die Unterstützung Israels eine prominente Rolle spielt.
  • Diese Organisationen wurden teilweise von Soros und anderen Milliardären unterstützt, allerdings nicht die konkreten Proteste selbst.
  • Die Proteste bekommen zumindest verhaltene Unterstützung von den staatstragenden linksliberalen Medien, während sie von rechten Medien wie Fox-News in den USA und Tichy in der BRD heftig kritisiert werden.

Das heißt, das bisherige Rechts-Links-Schema wurde ab 2020 geradezu auf den Kopf gestellt. Links stand bisher weit überwiegend für die Agenda der im World Economic Forum zusammengeschlossenen reichsten Männer der Welt, rechts für eine Kritik daran.

Die Erklärung für dieses Paradoxon ist allerdings einfach und man braucht sie nicht in verborgenen Machenschaften zu suchen.

Entscheidend ist vielmehr, dass die Motivation für diese Proteste bei den Linken rein emotional ist. Es wird mit den Palästinensern eine Bevölkerungsgruppe angegriffen, die wegen der dominanten Identitätspolitik große Sympathien genießt. Durch die unter Linken weit verbreitete Critical Whiteness Theorie wurde der Rassismus nicht beseitigt, sondern nur die Vorzeichen umgedreht. Weiße, insbesondere weiße alte Männer, also weiße Arbeiter und Arbeitslose, nehmen nun die unterste Stufe in der Rassenhierarchie ein. Weit darüber stehen Gruppen mit dunkler Haut und muslimischem Glauben. Die Palästinenser hatten insofern das „Glück“, die idealen Opfer zu sein.

Wieder und wieder wurde den jungen Menschen eingebläut, dass Flüchtlinge aus arabischen Ländern die Guten sind und alle kritischen Berichte über sie nur rechte Propaganda. Diese Flüchtlinge erinnern rein äußerlich sehr stark an die Palästinenser. Insofern war die Kritik an den Palästinensern durch die Mainstreammedien, die nach dem Oktober 2023 mit der Hamas gleichgesetzt wurden und blonde junge Frauen als Opfer der Hamas eine Drehung zu viel an der Propagandaschraube, die gerade moralisch gestimmte wohlhabende junge Menschen nicht mehr mitmachen konnten.

Umgekehrt herrscht bei dieser Personengruppe eisiges Schweigen gegenüber den Massakern an Russen im Donbass. Denn letztere hatten aus Sicht der Critical Whiteness Theorie das „Pech“, in den nördlichen Regionen Europas zu leben. Das wiederum führte dazu, dass helle Haut und damit einhergehend blonde Haarfarbe und blaue Augen vor Jahrtausenden dort einen Selektionsvorteil boten. In Gebieten mit einer schwachen Sonneneinstrahlung wird so die Bildung des Vitamins D3 unterstützt. Es handelt sich bei blonden Haaren etc. also nicht um ein Rassenmerkmal, was sich allein darin zeigt, dass dieses Merkmal sowohl von Angehörigen der indoeuropäischen wie der finnougrischen Sprachgruppe (Finnen etc.) geteilt wird. Dennoch werden diese Merkmale (helle Haut, damit einhergehend blondes Haar und blaue Augen) von den Woken mit der faschistischen Idealvorstellung eines arischen Herrenmenschen assoziiert und deshalb vehement abgelehnt.

Insofern braucht es nicht zu wundern, wenn keiner der Palästina-Aktivisten etwas gegen die rasende Russophobie äußert und schon seit 2014 gegenüber den zahlreichen Massakern an Russen im Donbass mit über 14.000 Toten eisiges Schweigen in Deutschland herrschte.

Die Rechten betreiben ebenfalls Identitätspolitik, nur spiegelbildlich. Für sie sind Migranten besonders aus dem arabischen Raum eine Gefahr. Sie sehen die Gefahr einer Umvolkung Europas in Richtung einer muslimischen Mehrheit. Deshalb stellen sie Israel quasi einen Freibrief aus und behaupten, alle Proteste gegen israelische Massaker seien der reinste Antisemitismus. Dabei interessiert es sie überhaupt nicht, wie grausam Israel im Gazastreifen vorgeht.

Mit Humanismus und Einsatz für Menschenrechte haben beide Ideologien nichts zu tun. Denn Menschenrechte sind unteilbar. Trotzdem sind die Proteste bemerkenswert. Sie zeigen, dass die Manipulation der Menschen durch die Mainstreammedien Grenzen hat und selbst von einer Generation nicht mehr alles geglaubt wird, die in Schule und Universität geradezu darauf trainiert wurde, alle Narrative der Mainstreammedien widerspruchslos zu schlucken. Dies ist insbesondere dann nicht der Fall, wenn sich diese Narrative allzu sehr widersprechen.

Es heißt, US-Präsident Biden sei dabei, die junge Generation zu verlieren, was die Chancen seiner Wiederwahl noch einmal wesentlich reduziert. Während sie sich den letzten Jahren in ihrer Identitätspolitik zu verlieren drohte, tauchen im Rahmen der Palästina-Proteste laut Feistel auf einmal wieder kapitalismuskritische Parolen auf. Auf jeden Fall führt die heftige Repression gegen die Palästina-Solidarität nicht gerade zu verstärkter Loyalität mit dem Staat. Es besteht deshalb die Hoffnung, dass ihre Aktivisten dazu gebracht werden, auch weitere offizielle Narrative kritisch zu hinterfragen; vielleicht auch die rassistische Critical Whiteness Theorie. Diese dient nämlich – wie alle Formen des Rassismus – dazu, die Bevölkerung zu spalten, so dass die Kapitalisten sie umso leichter ausbeuten können.

Bild „Making Palestine Map“ by Eyad Elbayoumi is licensed under CC BY 2.0.

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Jan Müller, geboren 1971, ist Soziologe und lebt in einer Stadt in Hessen.


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29 Kommentare

  1. xbtory 29. Mai 2024 um 11:55 Uhr - Antworten

    Es gibt genau eine Erklärung für die Divergenz der Veröffentlichten Meinung in Fragen Israel-Palästina:

    die Superrirrsinnsscheißschwerreichen sind darin uneinig.

    Die Sauds stehen wie zu der Frage? Und bei Soros ( György Schwartz) ist auch nicht so ganz klar, was der für ein Verhältnis zu Israel hat. Es gibt dunkle Punkte in seiner Geschichte als junger Jude in Ungarn, habe ich gelesen.

  2. Andreas I. 29. Mai 2024 um 0:20 Uhr - Antworten

    Hallo nochmal,
    wie wäre es mit folgender Erklärung?
    Wer das usanische Schulsystem durchlaufen hat, ist „patriotisch“ hirngewaschen.
    Die usanischen Studenten sind solche „Patrioten“, weil sie das usanische Schulsystem durchlaufen haben.
    Diese „patriotischen“ Studenten können gegenüber Israel kritisch sein, aber nicht gegenüber USA selbst. Wenn man nicht sooo genau hinschaut, sehen Israel und USA wie getrennte Akteure aus, die irgendwie miteinander zu tun haben.
    Bei der Ukraine wird es schon schwieriger, nicht die USA als Verursacher zu sehen. Da müsste die USA selbst kritisiert werden.
    Und genau dazu sind die usanischen Studenten unfähig, weil sie das usanische Schulsystem durchlaufen haben.

  3. Fritz Madersbacher 28. Mai 2024 um 20:36 Uhr - Antworten

    @Gerhard Umlandt
    28. Mai 2024 at 18:45
    „Wenn der Autor erlaubt darf ich bitte zum Ukraine Krieg eine Meinung haben und zum Israel Krieg, eine andere, wenn ich möchte und Corona nochmal eine andere“
    Selbstverständlich. Der aufmerksame Beobachter darf sich vielleicht fragen: wie passt denn diese Meinung zu jener? (z. B. nach dem kürzlich erwähnten Bonmot Bossuets: „Gott lacht über die Menschen, die die Wirkungen beklagen, während sie die Ursachen gutheißen“).
    Aber es hat sich ja schon Goethe in seinem „Faust“ damit beschäftigt, dass wir dazu neigen, die Welt als eine Schubladenkommode, nicht als ein Netz von Zusammenhängen zu betrachten:
    „Es ist doch lange hergebracht,
    Daß in der großen Welt man kleine Welten macht“
    (Johann Wolfgang von Goethe, Faust, Der Tragödie Erster Teil, Walpurgisnacht)

    • Fritz Madersbacher 28. Mai 2024 um 21:24 Uhr - Antworten

      @Gerhard Umlandt
      28. Mai 2024 at 21:12
      Sie haben aber offensichtlich verstanden, was ich damit sagen wollte, und so veraltet ist das gar nicht, wird wahrscheinlich auch nicht so schnell obsolet …

    • Bernhard 29. Mai 2024 um 0:12 Uhr - Antworten

      @Fritz Madersbacher
      Goethes umfangreichste Gedichtesammlung, der West-östliche Diwan, ist eine Hommage an den persischen Dichter Hafis aus dem 14. Jahrhundert. Dieser hat bei Goethe ein spätes Kreativitätsfeuerwerk ausgelöst, dessen „Übersicht des Weltwesens“ er schätzte und den er als Zwilling betrachtete.
      Der Kampf um innere Freiheit in bedrängten Zeiten hat sie mystisch verbunden.
      Im Anderen konnte Goethe seinen Weltblick weiten, nicht im immer Gleichen. Das ist wesentlich moderner als ein Meinungspektrum von der Größe einer Schießscharte, wo links und rechts egal werden. So können die Kriegstreiber entwaffnet werden.
      Unsere Welt ist viel viel größer.

    • Andreas I. 29. Mai 2024 um 10:41 Uhr - Antworten

      An Fritz Madersbacher Hallo,
      zu Goethe :
      „Es ist doch lange hergebracht,
      Daß in der großen Welt man kleine Welten macht“

      Im Alltag ist es ja auch nützlich, sich auf seine kleine Welt zu konzentrieren. Wenn man in seiner Küche ist und sich dort was zu essen zubereitet, dann ist es eher kontraproduktiv z.B. an den Krieg in Syrien und von dort aus an die Beteiligten USA/Israel, Iran, Russland, Türkei und das ganze Geflecht zu denken; am Ende vergisst man darüber Salz ans Essen zu machen.
      Also der Mensch braucht m.E. im Alltag oft die Fähigkeit, die große Welt ausblenden zu können.

      Dumm ist nur, wenn Leute unfähig sind, bei Bedarf die große Welt einblenden zu können, wenn sie immer auf ihre kleine Welt beschränkt bleiben. Beispielsweise wenn es um eine Meinung zu USA/Israel vs. Palästina oder eine Meinung zu USA/Ukraine vs. Russland geht. Denn sind die wesentlichen Faktoren geopolitische Zusammenhänge, da ist jede Meinung, die diese Zusammenhänge ignoriert, einfach nur „gefühlte“ Grütze.
      (wenn es wenigstens genuines Gefühl wäre … aber wenn „gefühlt“ = konditionierte Reflexe oder Projektionen verdrängter Traumata … )

    • Fritz Madersbacher 29. Mai 2024 um 10:43 Uhr - Antworten

      @Bernhard
      29. Mai 2024 at 0:12
      „Das ist wesentlich moderner als ein Meinungspektrum von der Größe einer Schießscharte“
      Genau. Leider wachsen wir in vielen Bereichen mit einem Schubladendenken und einem Schießschartenblick auf …

    • Fritz Madersbacher 29. Mai 2024 um 11:04 Uhr - Antworten

      @Andreas I.
      29. Mai 2024 at 10:41
      Sie haben völlig recht, man muß sich beim Salzen der Suppe nicht vom (Hegel’schen) Weltgeist lenken lassen, das könnte zu unbrauchbaren Ergebnissen führen. Aber es ist immer gut, wenn man (zumindest annähernd) weiß, was man warum tut („unbewußt“ auch beim Salzen der Suppe), und wenn dem Reden und Handeln ein Denken in Zusammenhängen vorausgeht.
      Ich bin übrigens mittlerweile von Bossuets Bonmot abgekommen: Gott (wenn es ihn denn gäbe, wovon ich ja weniger überzeugt bin) lacht nicht über die Menschen, die die Wirkungen beklagen, während sie die Ursachen gutheißen, sondern er weint über sie …

  4. rudi fluegl 28. Mai 2024 um 20:24 Uhr - Antworten

    Rassismus für immer? Wenigstens als mögliche Kategorisierung für Verhalten? wenn auch unter neuerem aufgeklärten Vorzeichen.
    Bitte lieber nicht!
    Allerdings findest sich ähnliches in der quasi neuen Gesellschaft tatsächlich!
    Beispielsweise bei den jü..stämmigen Äthopiern!
    Apartheid ist auch nicht weg zu diskutieren und dürfte auch zwischen den Menschen die sich aber oft trotz „anscheinend“ verschiedener Abstammung sehr ähnlich sind!
    Israel als Konglomerat verschiedenster Menschen unter dem Vorzeichen einer Religion, die manche auch als Gen zu finden glauben, hat aber hier die Pflicht auf zu arbeiten und auf zu klären!
    Neben der „verdammten“ Pflicht es besonders nicht, den üblichen Imperialisten, weiterhin nach zu machen!!!
    Und der Unmöglichkeit einfach einem Hetzer nach zu laufen!

    • rudi fluegl 28. Mai 2024 um 20:27 Uhr - Antworten

      ähnlich sind –rassistische Tendenzen haben..

  5. andi pi 28. Mai 2024 um 20:15 Uhr - Antworten

    ich gestehe, mit diesem artikel kaum etwas anfangen zu können. der autor scheint von folgender prämisse auszugehen: habe ich zum thema A diese meinung und zu den themen B, C und D (auch wenn sie teils nichts miteinander zu tun haben) jene, wäre es „normal“, dass alle, mit denen ich bei A übereinstimme, es auch bei B, C und D tun. und wenn das nicht der fall ist, wird es „paradox“. das ist eine sehr binäre sichtweise, die ich absolut nicht teile. ich selber fühle mich z.b. bei corona der linie dieses blogs recht nahe (auch wenn ich manche impfartikel für etwas übertrieben halte), beim thema ukraine definitiv nicht und bei israel/palästina stehe ich in der mitte. ich erwarte mir doch nicht, dass alle mit mir entweder bei allen themen stets einer meinung sind oder bei allen themen stets der gegensätzlichen. die welt ist viel pluralistischer.

    wobei ich zugeben muss, in einem punkt selber so eine erwartungshaltung gehabt zu haben und diesbezüglich schwer enttäuscht worden zu sein: ich wäre nämlich davon ausgegangen, dass gerade jene menschen, die vor 2020 immer wieder für menschenrechte (oft auf den selben demos wie ich) auf die straße gegangen sind, selbstverständlicherweise auch gegen die totalitären coronamaßnahmen demonstrieren würden. doch siehe da: ausgerechnet die waren teils die ersten, die der corona-religion beigetreten sind.

    was mir die palästina-uni-proteste komplett unsympathisch macht, ist ihr faible für corona-masken. das führt mich zur annahme, dass diese leute wohl aus der fundamentalistischen zero-covid-szene stammen. und so sehr ich seit corona querfront-gedanken gegenüber um einiges aufgeschlossener bin als früher, aber mit zero-covid-leuten gibt es für mich defintiv keine querfront – nie und nimmer, zu welchem thema auch immer.

    und ganz grotesk ist für mich dieser satz:

    „Links stand bisher weit überwiegend für die Agenda der im World Economic Forum zusammengeschlossenen reichsten Männer der Welt, rechts für eine Kritik daran.“

    ich (der ich mich selber links verorte) versuche ihn nachzuvollziehen, schaffe es aber nicht. neoliberalismus links, occupy-bewegung rechts? allen ernstes?

    • Gerald Umlandt 28. Mai 2024 um 20:46 Uhr - Antworten

      andi pi
      28. Mai 2024 at 20:15Antworten

      Doch, doch Herr Andi.
      Hier ist eine unisono Meinung gefragt.
      Machen sie dich mal den Selbstversuch und stellen Ihren Ukraine Standpunkt klar.
      Hab bei den Ukraine-Russland Themen nichts von Ihnen lesen können.
      Klar, Sie wollen einer Konfrontation mit den Putin Fans aus dem Weg gehen, ihr gutes Recht, dennoch Feigheit vor dem Gegner.
      Seine Meinung zu vertreten, angefeindet zu werden, zig mal gesperrt und gelöscht zu werden ist halt nicht jedermanns Sache.
      Lassen Sie um Ihres Friedens Willen Ihre Maskenphobie behandeln.

      • andi pi 29. Mai 2024 um 22:43 Uhr

        @ Gerald Umlandt
        28. Mai 2024 at 20:46

        ich habe mich hier einige wenige male durchaus auch klar pro-ukrainisch geäußert. aber ich sehe auch keinen sinn darin, das auf dauerschleife zu machen. ich könnte mich übrigens auch wieder im standard-forum anmelden (bis märz 2020 dort eine art „stamm-poster“ mit einigen zehntausend beiträgen gewesen) und mich dort jedes mal zur corona-thematik äußern. auch das ergibt für mich keinen sinn. der standard hat sich in sachen corona in eine völlige irrationalität hineingesteigert, bei der ich kaum mehr eine chance auf heilung sehe. ich habe drei mal dem standard protestmails gegen corona-artikel geschrieben. zwei mal davon bekam ich auch eine antwort – aber die waren von einer fundamentalistischen corona-religiosität und diskursverweigerung geprägt.

        „Lassen Sie um Ihres Friedens Willen Ihre Maskenphobie behandeln.“

        aha, und wenn ich mich geweigert hätte, vor 80-90 jahren an des führenden geburtstag eine dementsprechende fahne aufzuziehen (siehe übrigens: der bockerer), hätte ich dann um meines friedens willen meine hak*nkreuzphobie behandeln lassen müssen?

  6. Andreas I. 28. Mai 2024 um 20:10 Uhr - Antworten

    Hallo,
    die Frage ist,m.E. nach welchen Kriterien die Meinungen aufgebaut sind.
    Pro-Palästina und Anti-Russland wäre denkbar, wenn jemand davon ausgeht: Angreifen ist falsch → Israel greift Palästina an → Russland greift Ukraine an → also Pro-Palästina und Pro-Ukraine bzw. Anti-Israel und Anti-Russland.
    Der Widerspruch wäre dann aber, dass derjenige, wenn es im Westen lebt, aus den dortigen (bzw. hiesigen:) Qualitätsmedien erzählt bekommt, dass die bösen Palästinenser die armen Israelis angreifen und die die bösen Russen die armen Ukrainer angreifen. Also müsste er
    Anti-Palästina und Anti-Russland sein.
    Wenn er aber Pro-Palästina und Anti-Russland ist, dann entsteht die Frage, auf welcher Informationsgrundlage. Dann müsste er irgendwie halb den Qualitätsjournalisten glauben und halb Infos aus alternativen Medien zu Grunde legen, wie es ihm gerade für sein Weltbild (oder seine Projektionen :) passt.
    Das ist inkonsistent bzw. doppelter Maßstab.
    Wenn man mit gleichem Maß misst, kann man nicht in zwei gleichen Fällen zu entgegengesetzten Ergebnissen kommen, das ist m.E. der Punkt.

    • andi pi 28. Mai 2024 um 20:22 Uhr - Antworten

      @ Andreas I.
      28. Mai 2024 at 20:10

      „Dann müsste er irgendwie halb den Qualitätsjournalisten glauben und halb Infos aus alternativen Medien zu Grunde legen, wie es ihm gerade für sein Weltbild (oder seine Projektionen :) passt.
      Das ist inkonsistent bzw. doppelter Maßstab.“

      das sehe ich ehrlich gesagt ganz anders. genau das macht einen mündigen medienkonsumenten aus. nur, weil ich finde, dass fast alle mainstreammedien uns bezüglich corona ein lügenmärchen nach dem anderen aufgetischt haben, heißt das für mich nicht automatisch, dass die alternativmedien (und die sind auch nicht alle homogen – siehe reitschuster oder tichy bei den themen corona vs. ukraine) ein wahrheitsmonopol gepachtet haben. ich mag weder die vorstellung einer mainstreammedien-prawda noch jene einer alternativmedien-prawda. und ja, ich habe ein gefestigtes weltbild. eben deshalb vertraue ich weder den einen noch den anderen blind.

    • Andreas I. 28. Mai 2024 um 23:14 Uhr - Antworten

      An andi pi Hallo,
      in meiner Welt ist ein mündiger Bürger jemand, der seine Maßstäbe hat und die an alles gleich anlegt, alles mit gleichem Maß misst.
      Doppelmoral ist infantil.

      Wenn jemand nur Qualitätsjournalismus konsumiert, dann ist klar, dass er sich seine Meinung nur aus den Informationen (oder Fehlinformationen) bilden kann, die dort berichtet werden: Die bösen Russen bedrohen die freie Welt und die antisemitischen Palästinenser sind Terroristen. Dann müssten die im Artikel thematisierten usanischen Studenten anti-palästinensisch und anti-russisch sein.
      Wenn jemand auch „alternative“ Medien konsumiert, die immer die jeweils andere Seite abbilden, dann hat er schonmal davon gehört oder gelesen, dass die Israelis palästinensisches Land besetzen usw., dass die Ukraine Donezk und Lugansk beschossen hat, die Bevölkerung dort die Volksrepubliken gegründet hat, USA die Ukraine in die Nato zerren will, die Russen sich davon bedroht sehen usw.. Dann müssten die im Artikel thematisierten usanischen Studenten pro-palästinensisch und pro-russisch sein.
      (Oder er müsste zu beidem mehr oder minder neutral sein.)
      Aber die usanischen Studenten sind mal so und mal so, das ist inkonsistent, also irgendwo steckt da Doppelmoral drin und deswegen wirft es Fragen auf.
      Ob die Antworten, die der Artikelautor gibt, zutreffend sind, das steht auf einem anderen Blatt.

  7. xbtory 28. Mai 2024 um 15:42 Uhr - Antworten

    Dieser Text strotzt vor unglaublicher Naivität. Entlarvend ist der Satz:
    „Diese Organisationen wurden teilweise von Soros und anderen Milliardären unterstützt, allerdings nicht die konkreten Proteste selbst.“
    Irrtum. Natürlich werden konkrete Proteste unterstützt. Woher will der Autor es besser wissen? Dieser zentrale Punkt wird ohne jede Begründung und Referenz einfach behauptet.
    Aber sicher: es gibt „Workshops“, es gibt Zeltlager, es gibt Online-Schulungen, …. Inhalte: wie tritt man erfolgreich auf, wie steuert man Gruppierungen und Menschenmengen, wie organisiert man Proteste, wie macht man Meinung, etwa über „Freie Radios“, und vor allem: wie kommt man an Staatsgelder oder an andere Quellen und Förderungen.

    • Nurmalso 28. Mai 2024 um 16:04 Uhr - Antworten

      Der darf ni so schnell hier wieder einen Gastbeitrag machen. Wird Hausverbot bei tkp bekommen mit der Bitte, etwas mehr an der Realität zu berichten :-)))
      Zum Teil kommt er auch etwas überheblich rüber, aber wer ist das heute nicht.

    • Hasdrubal 28. Mai 2024 um 16:16 Uhr - Antworten

      Was ich gerne verstehen möchte – wieso unterstützt Soros Palästina-Demos (darüber habe ich auch woanders gelesen), wo es sonst das Globale Woke Imperium unterstützt, welches um die USA aufgebaut wurde, für die Israel ein Flugzeugträger und Militär-Proxy in Nahost ist? Nach dem Prinzip, für den Fall eines Falles auf beiden Seiten präsent zu sein?

      • H.Reiser 28. Mai 2024 um 18:04 Uhr

        Man braucht sich nur das Aktienportfolio genauer ansehen ;-)

      • Hasdrubal 29. Mai 2024 um 2:58 Uhr

        Ich bin nicht der Steuerberater von Herr Soros, daher würde ich nicht behaupten, dass ich sein Aktienportfolio gut kenne. Aus den Medien ist bekannt, dass er viel zuerst mit Währungen, dann mit CO2-Zertifikaten spekulierte. Ferner soll er Klimamurks-Investments besitzen. Was hat das alles aber mit Palästina zu tun?

  8. Ma'alesch Habibti , Alles wird gut meine Liebe , صلش حبيبتي 28. Mai 2024 um 15:07 Uhr - Antworten

    Also Herrn Müller sein Vitamin D Spiegel , Rassismus etc. gefällt mir überhaupt nicht. Früher 2015 war ich noch pro-Israel, zwischenzeitlich bin ich pro-Palästina.
    Bei den Israelis war es schon immer so, wenn der jüngste Sohn einer palästinischen Familie einen Terrorakt ausführte, musste seine ganze Familie zur Strafe durch die Israelis sterben + ihr Haus wurde in Schutt in Asche gelegt.
    Man muss sich das mal in Deutschland so vorstellen. Ein deutscher Straftäter tötet eine Person und dafür muss seine ganze Familie ausgemetzelt werden + + ihre Wohnungen und Häuser.
    Hallo Israel, so geht das nicht ….. dahinter ist keine Logik.

  9. Hasdrubal 28. Mai 2024 um 14:51 Uhr - Antworten

    Die Proteste bekommen zumindest verhaltene Unterstützung von den staatstragenden linksliberalen Medien, während sie von rechten Medien wie Fox-News in den USA und Tichy in der BRD heftig kritisiert werden.

    TE polterte noch kürzlich massivst gegen alles nichtwestliche: Russland, China, Türkei… In dieser Hinsicht war das Medium höchst transatlantisch-staatstragend und so kritisch wie TKP wurde es bis heute nicht. Dafür beschäftigt es sich massivst mit Israel-Propaganda und Hetze gegen Muslime/Araber. Dazu nur ein Hinweis – ich kenne ein Buch von einem der TE-Autoren, wo dieser Anekdoten aus seinem Leben in Israel sammelt, wo er offenbar daheim ist.

    Besonders brisant – kürzlich wetterte ein TE-Artikel gegen die doppelte Staatsangehörigkeit, die „eine halbe“ sein sollte – merkwürdiger Einblick eines Mediums, wo die Anliegen eines Landes auf einem anderen Kontinent am allerwichtigsten sind und die restliche Welt sich diesen unterzuordnen hat.

  10. Andreas I. 28. Mai 2024 um 14:44 Uhr - Antworten

    Hallo,
    naja USA … was in USA schon seit Jahrzehnten als „links“ gilt, das lässt sich wahrscheinlich nur so erklären, dass die im Parlament (Senat) tatsächlich links sitzen. Aber wenn rechts beinharte Imperialisten sitzen und links gemäßigte Imperialisten, dann bleiben das trotzdem noch Imperialisten.

    Man stelle sich vor, in Gemüseläden befänden sich seit Generationen immer die Äpfel rechts im Regal und die Birnen links und deswegen hätte es sich so eingebürgert, dass auf die Einkaufszettel geschrieben wird „rechte Früchte und „linke Früchte“.
    In allen Gemüseläden, in denen Äpfel und Birnen im Regal liegen, funktioniert ein Einkaufszettel mit „rechte Früchte und „linke Früchte“, denn dort bekommt man unter „linke Früchte“ das, was man will, nämlich Birnen.
    So.
    In einem Gemüseladen, in dem nur Äpfel im Regal liegen – verschiedene Sorten Äpfel, aber eben alles nur Äpfel – da funktioniert ein Einkaufszettel mit „rechte Früchte und „linke Früchte“ NICHT , denn da bekommt man unter „linke Früchte“ nicht das, was man will, nämlich keine Birnen, sondern Äpfel.
    Mal ganz abgesehen von Läden, wo dazu auch noch alle Äpfel faul sind …
    Und dann stelle man sich die Gemüseläden als parlamentarische Demokratien vor und die Einkaufszettel als Wahlzettel. Da steht dann z.B. „Die Linke“ auf dem Wahlzettel, aber das sind keine Birnen, das sind Äpfel, man bekommt nicht , was man will.
    Deswegen nicht von Etiketten täuschen lassen, sondern den Inhalt betrachten; ist es für soziale Gerechtigkeit usw. oder ist es für die Großkapitalisten.
    Bei der großen Hustenhysterie mitzumachen war eindeutig für die Aktionäre von Pfizer&Co, also von wegen „Die Linke“ haha, das ist Die Rechte (übrigens auch bezüglich Israel). Deswegen werde ich feiern, wenn diese Etikettenschwindler hoffentlich nach der nächsten Bundestagswahl ihr angestrebtes Ziel <5 % erreicht haben. Weiß jemand, wo man heutzutage Krim-Sekt her bekommt? :-)

    • xbtory 28. Mai 2024 um 15:45 Uhr - Antworten

      „sondern den Inhalt betrachten“ un da kommt schon das nächste Problem: sagen kann man nämlich viel …

      Wer immer noch nicht kapiert hat, dass man nach der Wahl NIE das bekommen hat, was vor der Wahl versprochen wurde, – egal welche Partei und zumindest die letzten 50 Jahre in der BRD so – dem ist nicht zu helfen.

      • Andreas I. 28. Mai 2024 um 19:50 Uhr

        Hallo,
        “ … dass man nach der Wahl NIE das bekommen hat, was vor der Wahl versprochen wurde … zumindest die letzten 50 Jahre in der BRD“

        Das ist in meiner Metapher der Fall, den ich so beschrieb:
        „Mal ganz abgesehen von Läden, wo dazu auch noch alle Äpfel faul sind“

        Dazu gehört dann aber eine Kundschaft, die immer wieder die faulen Äpfel kauft und wenn daneben mal anderes Obst im Angebot ist, wo vielleicht mal ein Wurm drin sein könnte, was ansonsten aber noch frisch ist und wenn die Kunden es kaufen würden, der Laden mehr davon anbieten müsste (Piraten, Die Basis, direkte Demokratie), dann kaufen die Mehrheitsmichel lieber trotzdem faule Äpfel, die wollen gar kein frisches Obst mehr, die sind schon an die Fäule gewöhnt.
        Das hält einige wenige andere aber nicht davon ab, die Utopie von frischem Obst wenigstens mal zu denken.

    • Hunsrücker 28. Mai 2024 um 20:30 Uhr - Antworten

      Erstmal danke für Deine Einlassung. Es ist in der Tat so, daß man heute ultrarechten unterstellt, sie seien links.
      Die am weitesten rechts stehende Partei sind eindeutig die “ Grünen“. dann kommen SPD, wegen mir CDU, FDP, und die “ Linke“ ( antideutsche, Solid und Queer, die Hurra-Israel-Fraktion) .
      Die AFD ist die auf Grund ihrer Themen eindeutig die am weitesten links stehene Partei bei uns, denen wird, weil sie wie alle Parteien Spinner und Vollhonks in ihren Reihen haben, nur immer der rechte Rochus angehängt, die werden eben zu stark, sind scheinbar noch nicht so stark unter der Kontrolle der herrschenden KLasse.
      Soros als linken zu bezeichnen, das ist schon ein starkes Stück.
      Oder, die Antifa: das sind überwiegend Utras, die für genug Bier und ein bisschen Geld sich busladungsweise in den Osten karren lassen, um Randale zu machen. Gekaufte Schläger,mehr nicht.
      Natürlich hat der Autor sich viel zu wenig Zeit genommen bei seiner Recherche.
      Als Grundlage einer sachlichen Diskussion ist der Text brauchbar, nur, das wird hier wohl nicht möglich sein. Anpissereien aller Art z.B. Linksgrüne oder Soros links, demnächst Uschi von der Dingsbums links, usw. so wird das nix, Leute. Nicht nur nachplappern, selber Denken, da ist bei einigen nier noch ne Menge Luft nach oben.

      • Andreas I. 29. Mai 2024 um 20:59 Uhr

        Hallo,
        „Die AFD ist die auf Grund ihrer Themen eindeutig die am weitesten links stehene Partei bei uns“

        Oder anders herum gesagt die am wenigsten rechten unter den Rechten, was letztendlich das selbe ist. Das ist alles ganz schön verrückt, aber damit spiegelt es wohl auch nur die verrückten Zustände in Deutschland wieder.

        Ich bin kein potentieller Wähler der AfD, aber die Hetzte gegen die verstehe ich auch nicht so ganz, denn die sind m.E. wie eine Mischung aus CDU und FDP vor 30 Jahren und noch heute wird die „Wiedervereinigung“ gefeiert und wer war damals an der Regierung?! CDU/FDP. Die werden jeden 3.10. als die tollen super-demokratischen Wiedervereiniger Deutschlands gefeiert und die waren ziemlich genau so rechtskonservativ+liberal wie heute die AfD, soll einer das verstehen …
        (Ja klar, da gibt es nix zu verstehen, es geht um Macht und Geld und sonst nix.)

  11. Andreas Triebel 28. Mai 2024 um 13:21 Uhr - Antworten

    Nein, Herr Müller, so einfach ist das mit dem Rassismus nicht. Die Studenten sind wahrscheinlich ähnlich intelligent wie Sie und nicht nur vorurteilsgesteuert. Sie sind wahrscheinlich in der Lage, die Verbrechen in Palästina zu erkennen. Ihnen eine rassistische Umkehrung ihrer Sympathien zu unterstellen, geht eindeutig zu weit. Eher kann man unterstellen, dass ihre Unterstützung des Corona- Faschismus nur mit Mühe und Not gelang und und jetzt ein Ventil gefunden hat. Nach meinen Erkenntnissen ist der woke Rassismus der Studenten, der sich jetzt umgekehrt hätte, höchstens ein aufgepfropftes Phänomen.

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