Vor dem Ende der Vormachtstellung der Flugzeuge von Airbus und Boeing

9. Januar 2023von 4,1 Minuten Lesezeit

Boeing und Airbus beherrschen derzeit den Weltmarkt für Passagierflugzeuge. Als ich 2011 in China war, flog ich zwei Strecken mit Airbus-Fliegern und an den Rampen von Riesenflughäfen wie in Peking oder Shanghai waren praktisch nur Airbus zu sehen. Doch die aggressive Politik von USA und NATO und das krebsartig wuchernde Sanktionsregime werden auch der Vormachtstellung von Airbus und Boeing ein Ende setzen.

China Eastern Airlines verfügt derzeit über 447 Flieger von Airbus und 170 von Boeing. Ende 2022 wurde nun das erste chinesische Verkehrsflugzeug des Typs C919 der COMAC (Commercial Aircraft Corporation of China) an diese chinesische Fluggesellschaft ausgeliefert.

Das berichtet Reuters in einem Artikel mit dem Titel „China Eastern übernimmt den weltweit ersten in China hergestellten C919-Jet“:

Die weltweit erste C919, ein Schmalrumpfjet aus chinesischer Produktion, wurde am Freitag in Shanghai an den Erstkunden China Eastern Airlines (CEA) ausgeliefert und startete zu einem 15-minütigen Flug, um den historischen Moment zu feiern.

Das Flugzeug, das mit den Single-Aisle-Jet-Familien A320neo von Airbus (EADSY) und 737 MAX von Boeing (BA) konkurriert, wird nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua voraussichtlich im kommenden Frühjahr seinen kommerziellen Erstflug absolvieren.

Zwischen der Auslieferung und dem ersten kommerziellen Flug wird die erste C919 bis zu 100 Stunden an Flugtests absolvieren, berichtet Simply Flying. Bei den Testflügen werden auch Flüge zwischen verschiedenen Zielen durchgeführt. Inzwischen hat China Eastern bereits eine Reihe von Mitarbeitern für den Betrieb des Flugzeugs ausgebildet, darunter 9 Piloten, 24 Flugbegleiter und 13 Wartungsmitarbeiter.

Dieser Meilenstein ist natürlich eine große Errungenschaft für COMAC, China Eastern und die Volksrepublik China, aber er ist auch ein Sprung nach vorn für den Multipolarismus.

Mehr als nur Flugzeuge

Zusammen mit dem bereits zugelassenen russischen Verkehrsflugzeug Irkut MC-21 und der Aussicht, dass beide Flugzeuge und die dahinter stehenden Unternehmen nicht nur die inländische, sondern auch die internationale Nachfrage befriedigen, könnte sich das Duopol der westlichen Konzerne Boeing und Airbus dem Ende zuneigen.

So schrieb die Deutsche Welle in einem Artikel mit dem Titel „Neue Konkurrenz für Airbus und Boeing“:

Neue Flugzeuge drängen in das höchst lukrative Hauptsegment des Verkehrsflugzeugmarktes. Und Airbus und Boeing müssen das ernst nehmen. Vor allem die MC-21 könnte in einigen Bereichen eine bessere Leistung bieten als die gängigen Typen von Airbus und Boeing, die jetzt verkauft werden. Und das ist auch kein Wunder, denn die Giganten aus Amerika und Europa ruhen sich seit Jahrzehnten auf ihren Lorbeeren aus: Die Boeing 737 geht auf das Jahr 1967 zurück, während der Airbus A320 seine Premiere im Jahr 1987 feierte.

Wie zu erwarten, versucht die US-Regierung mit Sanktionen gegen russische und chinesische Luftfahrtunternehmen die Monopole der westlichen Konzerne zu schützen. Ähnliches haben wir erlebt mit den Sanktionen gegen das höchst erfolgreiche Telekomunternehmen Huawei.

Russland und China haben schon früher begonnen den wuchernden Sanktionen durch eigene Entwicklungen zu begegnen, unter anderem im Flugzeug- und Telekom-Markt. Sie ernten nun offenbar die ersten Früchte – und sie bahnen damit dem Multipolarismus den Weg.

Multipolarismus kann nicht nur eine politische Erklärung oder der Wunsch nach einer alternativen internationalen Ordnung zur derzeit vorherrschenden unipolaren, „regelbasierten“ Ordnung unter westlicher Führung sein. Es geht um die Wirtschaft und die Unabhängigkeit in der Produktion vom Westen. Das haben die Sanktionen immer stärker forciert. Es geht vor allem um die physische Schaffung alternativer Finanzierungs- und Handelssysteme, aber auch von Industrie und Produktion.

Die EU versucht derzeit bekanntlich mit Sanktionen gegen Versicherungen und Betreiber von Tankschiffen die skurrile Preisobergrenze für russisches Öl durchzusetzen. Sie beschleunigen damit erfolgreich den Aufbau von Schiffsflotten und Versicherungsunternehmen außerhalb der westlichen Kontrolle.

Boeing und Airbus und die an ihnen verdienenden Interessengruppen sind sich darüber im Klaren, dass es nicht nur um den Verkauf von Flugzeugen geht, sondern um die Erhaltung oder Verdrängung der westlichen Hegemonie.

Für beide Flugzeuge wurden westliche Teile verwendet, einschließlich der von Pratt & Whitney hergestellten Triebwerke. Aufgrund der Entschlossenheit Washingtons, die Entwicklung dieser Flugzeuge zu sabotieren, haben sowohl China als auch Russland entweder einheimische Alternativen entwickelt oder sind dabei, diese zu entwickeln. Diese Triebwerke werden schließlich im Inland eingesetzt werden und, sobald sie sich bewährt haben, auf den Weltmärkten Fuß fassen und wahrscheinlich ihre westlichen Gegenstücke überflügeln.

So wie sich die USA durch ihre übermäßige Abhängigkeit von Sanktionen politisch isoliert haben, schaffen sie für ihre Industrie mehr Probleme, als sie lösen. In noch größerem Ausmaß trifft das auf die EU zu, die sich folgsam den US-Wünschen unterworfen hat, auch wenn es den Interessen der eigenen Bevölkerung und Wirtschaft noch so massiv schadet.


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9 Kommentare

  1. Fritz Madersbacher 9. Januar 2023 at 18:47Antworten

    @Irmi
    9. Januar 2023 at 16:06
    „Und was soll der Artikel aussagen?“
    Der Artikel soll wohl aussagen, dass die westliche Einbildung ewiger „technischer Überlegenheit“ eine Illusion ist genauso wie die Vorstellung einer weiterbestehenden Vorherrschaft/Hegemonie über die Welt. Und wir „im Westen“ tun gut daran, das endlich zu begreifen und uns vom hohen Ross herunterzubegeben, bevor wir unsanft heruntergeholt werden …

  2. Nordlicht 9. Januar 2023 at 18:43Antworten

    Sanktionspolitik hat immer Schattenseiten für den Sanktionierenden. In den 30er Jahren sanktionierten die USA Deutschland und beschleunigte dadurch die Entwicklung von Chemiefasern statt Baumwolle sowie Kraftstoffherstellung aus Kohle. Letztlich strebte Deutschland dann zu den Öl-Feldern im Kaukasus und griff Russland an.

    Ebenfalls sanktionierten die USA Japan und blockierte deren Versorgung mit Erdölprodukten, was Japan zum Angriff auf die US-Flotte in Pearl Harbor veranlasste. Die US-Flotte hätte den japanischen Zugang zu den Öl-Feldern Burmas blockiert.

    Wirtschaftskrieg hat Tradition bei den USA.

  3. Andreas I. 9. Januar 2023 at 17:46Antworten

    Hallo,
    „Der Kunde und die damit verbunden Nachfrage, entscheidet schlußendlich womit er fliegt, was für ein Produkt erfolgreich ist. Egal woher es kommt.“

    Und das ist das (mehr oder minder) Neue:
    Woher das Produkt kommt, ist entscheidend – und zwar wegen der Sanktionspolitik.

  4. Fritz Madersbacher 9. Januar 2023 at 14:10Antworten

    Airbus und Boeing betreiben schon lange Produktionswerke in China, ebenso ihre großen Zulieferbetriebe. Die langfristigen Verträge liefen und laufen seit jeher unter der Bedingung von Seiten Chinas, gemeinsames Know-how zu entwickeln. Umso absurder war das in Mode gekommene inflationäre Beschließen von Sanktionen durch die USA und in ihrem Gefolge durch die EU. Dumme, völlig deplazierte Arroganz glaubte sich überlegen und in der Lage, technischen Fortschritt für sich monopolisieren und politisch ausnützen zu können. Der durch die kapitalistische Konkurrenz notwendig hervorgerufene Zwang zu günstigen Produktionskosten hat zur „globalistischen“ Auslagerung vieler Produktionen in „Billiglohn“-Länder geführt, die sich nun ihrerseits anschicken, auf Basis neugewonnener Stärke das imperialistische Joch ihrer langjährigen Drangsalierer abzuschütteln. Die Ereignisse in der Ukraine haben als Brandbeschleuniger bei der Isolierung der sich als exzeptionelle ‚praezeptores mundi‘ fühlenden und aufführenden westlichen Kriegsherren gewirkt …

  5. alexandrabader 9. Januar 2023 at 13:45Antworten

    Dieser Artikel passt gut ins Bild! Immerhin kandidierten Sie ja für Pilz, der Airbus mit Doskozil fürs russische Luftfahrtprogramm attackierte.

  6. Jurgen 9. Januar 2023 at 11:46Antworten

    Das sind doch mal gute Aussichten, wenn Asien, Afrika und Südamerika das Boeing/Airbus Monopol brechen.

  7. Heiko 9. Januar 2023 at 11:30Antworten

    In einer technologisch hoch entwickelten Welt macht es im Prinzip keinen Sinn, dass jeder alles können will. Die globale Arbeitsteilung ist eine völlig normale und auch vorteilhafte Entwicklung. Spart sie doch Ressourcen. Der Westen hat in seinem Kampf gegen den Niedergang diese globale Arbeitsteilung einseitig aufgekündigt und geglaubt, damit seine Pfründe zu sichern. Aber genauf das Gegenteil passiert. Der klassische Westen schafft sich selbst ab und feiert das auch noch als Sieg.

  8. Andreas I. 9. Januar 2023 at 11:16Antworten

    Hallo,
    das wird auch nicht so schnell gehen und eher eine langfristige Entwicklung werden, auch wenn die westliche Sanktionspolitik diese Entwicklung antreibt.
    Wie der Volksmund sagt:
    Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.

  9. Karl der Käfer 9. Januar 2023 at 11:16Antworten

    Von Analitik am 11.03.2020 im Beitrag ganz am Ende scheinbar richtig vorher gesagt: http://analitik.de/2020/03/11/was-bringt-uns-die-koenigsgrippe/ und eigentlich auch ganz logisch.

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