
Was ein langfristig hoher Ölpreis bedeuten würde
Nach kurzer Entspannung wird der Ölpreis nun wieder steigen. Washington nimmt das mit der Blockade von Hormuz – nun durch die USA – ganz billigend in Kauf. Was würde ein langfristiger Ölpreisschock für die Wirtschaft bedeuten?
Denken wir darüber nach, was ein langfristiger Ölpreissprung bedeuten würde. Vor dem Krieg kostete das Barrel Rohöl der Sorte Brent rund 80 US-Dollar, danach oft deutlich über 100 Dollar. Sagen wir, der Preis steigt um 60 Prozent zum Vorkriegsniveau, auf rund 130 Dollar, und bleibt dort über Jahre stehen. Nein, es gibt keinen Mangel an Energie, sie wurde nur teurer. Eine ferne Theorie ist so etwas nicht. Die Folgen für die Weltwirtschaft wären gravierend: höhere Inflation, gebremstes Wachstum und ein erhöhtes Rezessionsrisiko.
Es ist stark zu vermuten, dass die liberalistisch-globalistischen Eliten (ihr Zentrum ist in Brüssel, teilweise auch in der UNO) mit diesem Szenario durchaus operieren und vermutlich so manche „Great Reset“-Pläne dann umsetzen. Ideen von Energie-Lockdowns seien hier nicht erwähnt, die Gefahr ist aber ebenfalls real. Denken wir nur über wirtschaftlichen – ohne politischen – Folgen nach: Höhere Preise treiben sofort die Kosten für Transport, Logistik und Heizung in die Höhe.
Eine Faustregel aus ökonomischen Modellen besagt: Ein dauerhafter Ölpreisanstieg um zehn Prozent dämpft das globale BIP-Wachstum um etwa 0,1 Prozentpunkte pro Jahr und hebt die Inflation um ähnliche Werte. Bei 60 Prozent multipliziert sich das: Schätzungen von Instituten wie dem IW Köln oder Vanguard rechnen mit einem Verlust von 0,3 bis 1 Prozent des globalen BIP im ersten bis zweiten Jahr. Für industrialisierte Volkswirtschaften wie Deutschland, Japan oder den Euroraum könnte es sogar ein Prozent Wachstum kosten – genug, um eine Rezession auszulösen. Die Verbraucherpreise steigen spürbar: In Deutschland wären sie 2026/27 um bis zu einem Prozent höher, was reale Kaufkraft frisst.
Besonders hart trifft es ölimportierende Länder. In Europa und Asien, wo der Ölanteil am Energiemarkt hoch ist, explodieren Produktionskosten in der Chemie-, Auto- und Stahlindustrie. Logistikunternehmen geben Dieselpreise an Kunden weiter, Supermärkte verteuern Lebensmittel. Die EZB müsste Zinssenkungen verschieben oder sogar straffen, um die Inflation einzudämmen – obwohl das Wachstum bereits lahmt. Das Ergebnis: Stagflation.
Ölexportierende Staaten wie Saudi-Arabien, Russland oder Norwegen profitieren zunächst. Höhere Einnahmen füllen Staatskassen und ermöglichen Mehrausgaben. Doch der globale Nachfragerückgang dämpft auch hier den Boom. Die USA als teilweiser Nettoexporteur sind robuster, da die eigene Produktion (Shale Oil) dämpft. Dennoch leidet die Weltwirtschaft insgesamt: Der Schock wirkt wie eine Steuer für alle, die Kaufkraft von Konsumenten zu Produzenten umverteilt, ohne dass diese das Geld gleich effizient ausgeben.
Erst nach zwei bis drei Jahren würde sich das Bild ändern: Unternehmen investieren in Energieeffizienz, erneuerbare Energien und alternative Antriebe. Energieinnovationen könnten Push bekommen, die Ölintensität der Wirtschaft – also der Ölverbrauch pro BIP-Einheit – ist seit den 1970er Jahren um über 40 Prozent gesunken. Trotzdem wird Öl weiter gebraucht. In Schwellenländern wie Indien oder Brasilien könnten höhere Importrechnungen Währungskrisen auslösen und Armut verstärken. Globale Lieferketten geraten unter Druck, Aktienmärkte brechen ein, der US-Dollar und der Euro als „sichere Währungen“ steigen.
Das wäre das Szenario aus einem volkswirtschaftlichen Lehrbuch. Allerdings: Wirtschaft ist nie isoliert von Politik, Ökonomie ist immer politische Ökonomie. Politische Handlungen werden deshalb das Lehrbuch immer über den Haufen werfen. Es ist aber nicht zu erwarten, dass die (EU-)Politik ihr Handeln an den Interessen der Bürger orientieren wird.
Warum werden Erdöl und Erdgas immer nur als Energieträger gesehen? Dabei wird der größte Teil beider als Rohstof für die chemische Industrie gebraucht. Eine Verteuerung durch eine Angebotsverknappung würde hier auch zu Produktionsrüggängen führen und einen Versorgungsmangel bewirken.