
Israel ändert sich, oder wird verschwinden
In der israelischen Zeitung Haaretz wurde am 5. April ein erstaunlicher Meinungsartikel vom bekannten Gideon Levy veröffentlicht, der erklärt, dass sich die israelische Politik in eine gefährliche Sackgasse manövriert hat.
Der Autor beginnt damit zu erklären, dass, nachdem Israel jahrelang tun und lassen konnte, was es wollte, der Krieg im Iran zu einem Wendepunkt in den Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Israel werden könnte. Die Trennung von der bedingungslosen Verbindung zwischen den beiden Ländern sei möglicherweise Israels einzige Hoffnung sein, der Wahrheit über Besatzung und Apartheid ins Auge zu sehen und seinen endlosen Kriegen ein Ende zu setzen. Israel werde sich dann endgültig entscheiden müssen: ein anderes Israel oder gar kein Israel. Womit Levy das erklärt, was Dan Steinbock auch in seinem Buch über den drohenden Untergang Israels beschrieb.
Am Ende dieses sinnlosen Krieges keime ein Hoffnungsschimmer auf, meint Levy. Es sei unausgesprochen: Er könnte, wie Kriege es nun einmal tun, in einer Katastrophe enden, und doch gebe es Hoffnung. In diesen Tagen der Verzweiflung sei es schwer, mehr zu erwarten. Dann erklärt er, was damit gemeint ist.
„Der Krieg könnte die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Israel für immer verändern. Was war, wird nicht mehr sein. Während die Menschen in Israel stolz auf die Zusammenarbeit beider Länder und auf das Bündnis der Piloten über Teheran sind, ziehen dunkle Wolken am Horizont auf. Je deutlicher das Scheitern des Krieges wird, desto klarer wird, dass sich die Vereinigten Staaten in eine ausweglose Lage manövriert haben, und desto heftiger wird das gegenseitige Schuldzuweisungsspiel sein.
Es wird eindeutig einseitig ausfallen. Die Vereinigten Staaten werden Israel die gesamte Schuld zuschieben. Dies könnte einen Dominoeffekt in anderen Ländern auslösen, die nur darauf warten, dass die Beziehungen zwischen den beiden abgebrochen werden. Wenn der Krieg sich beruhigt hat, könnte sich Israel in einer nie dagewesenen Situation wiederfinden: wie ein lokales Nordkorea. Es könnte zu einem isolierten Paria-Staat werden, dem die amerikanische Unterstützung fehlt, ohne die es nicht existieren kann.“
Die ungesunden Grundlagen der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Israel hätten schon vor Jahren beseitigt werden müssen, fährt der Autor fort. Ohne eine logische Basis gemeinsamer Interessen könne dies nicht Bestand haben. Die Rollenverteilung zwischen den beiden Ländern sei im Laufe der Jahre immer mehr verschwommen, bis schließlich unklar wurde, wer die Supermacht war. Israel tat, was es wollte, und immense Hilfsgelder seien bedingungslos geflossen.
Unter Benjamin Netanjahu, dem selbsternannten „Mr. America“, der es wagte, den Vereinigten Staaten mehr als jeder andere Premierminister zuvor die Stirn zu bieten, hätten diese Beziehungen monströse Ausmaße angenommen. Ein Premierminister habe die Autorität amerikanischer Präsidenten untergraben, und sein Land blieb ungestraft, wie beispielsweise während der Amtszeit von Barack Obama. Siedlungen, Annexionen, verbrecherische Kriege in Gaza und im Libanon, Pogrome, Apartheid, Völkermord – und die Vereinigten Staaten verurteilten all dies. Sie verurteilten, zahlten aber weiter, sie rügten, aber halfen mit Vetos bei der UNO vor Folgen, sie schimpften, aber lieferten über Luftbrücken weiter Munition.
Europa habe aus Angst vor den USA schweigen müssen und sei untätig geblieben, selbst nach dem Gaza-Massaker. Nun warte es nur noch auf eine Gelegenheit, mit Israel abzurechnen, genau wie große Teile der US-amerikanischen Öffentlichkeit, selbst in jüdischen Gemeinden. Alle haben genug von diesem Israel, das die internationale Gemeinschaft fortwährend ignoriere, das Völkerrecht missachte und die unvorstellbare Kluft zwischen der öffentlichen Meinung in den meisten Ländern der Welt und den Positionen ihrer Regierungen aufzeige.
Der Krieg im Iran könnte einen Wendepunkt darstellen, wiederholt der Autor. Die beiden großen amerikanischen Parteien warteten nur darauf, dass der Riss sich auftut. Donald Trump werde der Erste sein, der die Schuld zuweist. Er werde das Signal geben, und die Flut wird folgen. Es könnte verheerend sein, aber es könnte Israel auch in eine positive Richtung lenken.
Israel, so der Artikel weiter, werde nicht eines Morgens aufwachen und sich selbst sagen, dass die Besatzung, die Apartheid und die endlosen Kriege aufhören müssen und dass es auch auf die Welt hören muss. Nur die Ablösung der Verbindung zu den Vereinigten Staaten könnte dies bewirken.
Die Ablösung der bedingungslosen Verbindung zwischen den Vereinigten Staaten und Israel könnte sich als einzige Hoffnung erweisen, sofern ihr ein tiefgreifender Wandel der israelischen Politik folgt. Dieser Wandel werde aber nicht von allein geschehen. Israel wird nicht eines Morgens aufwachen und sich selbst verkünden, dass die Besatzung, die Apartheid und die endlosen Kriege aufhören müssen und dass es auch auf die Welt hören muss. Nur die Ablösung der Verbindung zu den Vereinigten Staaten könnte dies bewirken. Hierin liege die Gefahr, dass das Kind – das schon lange kein Kind mehr ist – mit dem Bade ausgeschüttet wird. Es sei schwer vorstellbar, dass Israel ohne die Vereinigten Staaten agiert. Es stimme, dass die Schwätzer am rechten Rand sicher sind, dass Israel die USA nicht brauchen, aber sie müssten der Realität ins Auge sehen.
„Plötzlich gibt es keine Waffen, kein Geld und kein Veto im UN-Sicherheitsrat mehr. Was dann? Wird Siedlerführerin Daniella Weiss uns beschützen? Wird Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir eine UN-Resolution verhindern? Werden die Ford Rangers der Siedler nach Teheran fahren? Dieser Tag ist näher, als alle Beteiligten an Israels törichtem Marsch der Irren denken. Israel wird sich dann endgültig entscheiden müssen: ein anderes Israel oder gar kein Israel.“
Nahost hat die größten Öl- und Gasreserven weltweit. Die Importländer haben kein Interesse daran, dass dieses Gebiet von einem starken Player dominiert wird, der Preise und Liefermengen kontrollieren könnte.
Ideal wäre ein Dauerstreit von total fanatisierten und relativ unfähigen Akteuren, die nicht einmal eine Pipeline sprengen können. Stichwort Steinzeit.
Israel ist viel zu wertvoll, um es zu schleifen!
Na aus dem Kommentar strotzt ja der pure Rassismus.
Zuerst:
Ideal wäre …. Total fanatisierte und relativ unfähige Akteure. Stichwort Steinzeit.
Aber:
Israel ist viel zu wertvoll, um es zu schleifen!
Der Schreiber spricht sich ungeniert dafür aus, den Iran in die Steinzeit zu bomben, aber dem völkermordendem Zionstaat darf nichts passieren.
Ekelhaft!
Ich denke, Jan schreibt das aus der Perspektive der USA. Issrael ist strategisch zu wertvoll für die USA, die von einem Chaos in der Region profitieren würden. So würde ich zumindest diesen Kommentar lesen – und auch inhaltlich zustimmen.
Ich glaub nicht, dass das israelischen Nazis sich jemals ändern werden. Solche Leute sind ideologisch nicht lernfähig.
Es ist wahrscheinlicher, das irgendwann ein oder mehrere gewaltige Blitze den israelischen Staat ins Nirwana schicken. Und dann geht alles wieder von vorne los..
Zustimmung.
Wenn sich auf dieser Welt etwas ändern soll, dann müssen alle diese skrupellosen, rassistischen Kriegstreiber verschwinden; Zionstaat, Ukraine, USA und ihre Bewunderer weltweit.
Wenn ich sage verschwinden dann rede ich nicht von Mord oder ähnlichen Verbrechen.
Die verschwinden aber nicht, man kann nur versuchen ihre finanzielle, wirtschaftliche, soziale und militärische Macht zu marginalisieren..
So ist es! Faschisten sind und bleiben Faschisten. Die ändern sich sicher nicht. Sie können das gar nicht, da sie sonst ihre Identität aufgeben müssten. Ihr Fundament ist der klassische Judaismus, der eben davon ausgeht, dass das „auserwählte Volk“ über allen anderen Völkern steht. Nicht-jüdische „Goyim“ sind minderwertig. Darauf stützt sich auch der Zionismus, der davon ausgeht, dass (nur) den Juden das „gelobte Land“ zusteht, das ihnen ihr biblischer „HERR“ geschenkt hat – wobei schon bei der biblischen Landnahme Palästinas durch die Israeliten alle anderen dort lebenden Völker ausgerottet oder vertrieben wurden. Andere haben jedenfalls in Israel nichts verloren (zumindest nicht auf Dauer). Nicht-zionistische bzw. nicht-(ultra)orthodoxe politische Kräfte spielen in Israel praktisch keine Rolle. Es zeichnet sich auch nicht ab, dass es da fundamentale Änderungen geben wird. Somit ist das Ende Israels programmiert.
Im Übrigen wäre es gar nicht so falsch, wenn Trump Israel den schwarzen Peter zuweisen würde, denn das zionistische Israel und die sie unterstützenden amerikanischen Juden waren und sind die treibende Kraft in dem Spiel – seit vielen Jahren.
Ob sich diesmal Trump rein waschen kann, wenn er Israel den schwarzen Peter zuspielt? Der großartige Dealmaker lässt sich von einem kleinen Land reinlegen? Es könnte amüsant werden, wenn sowohl Trump als auch Netanjahu gegenseitig als „Kronzeugen“ für ihr erbärmliches Tun aufträten. Mit England als dritter im Bunde.
Na wie schön, wenigstens einer scheint meine Kommentare hier zu lesen. ;))
Ich bin voll und ganz seiner Meinung. Dem Iran wird es sehr wahrscheinlich gelingen, die USA aus der Region zu vertreiben – und das genügt schon, auch wenn sich Issrael und die USA nicht entzweien und Europa die Hosen voll hat wie immer. Aber am Ende zoffen sich die charakterlosen Minderleister immer untereinander und suchen verzweifelt nach einem Schuldigen für ihr eigenes Versagen. Nur eine Frage des Wann.
Sollte sich Issrael nach diesem Krieg jedenfalls nicht dazu entscheiden, ein kleines, braves Nachbarland zu sein, dann wird es eine Ein-Staaten-Lösung geben und dieser Staat Palästina heißen.
Der ganze Westen und die halbe Welt waren nötig, um dem ehemaligen Ostblock das anzutun, was der Iran nun alleine dem wertewestlichen Imperium angedeihen lässt. Bumsti, die haben wirklich nicht zu viel versprochen.
Wenn es nach mir gehen würde, könnte man Israel komplett schließen oder den Staat auflösen! Die Welt wäre deutlich ruhiger! Und am besten die USA gleich mit abwickeln!
„Und am besten die USA gleich mit abwickeln!“
Mit derm engsten Verbündeten: England.
Also die Angelsachsen.
Stimmt, hatte ich noch vergessen.
Gideon Levy bekämpft Netanjahu schon lange sehr tapfer – aber er hatte viel zu wenige mutige Unterstützer im eigenen Land 😢!
MMn ist es nach diesem Krieg endgültig zu spät für eine Aussöhnung mit allen Nachbarn.
Viele intelligente Juden, die die Konfrontation mit den Zionisten scheuten, haben das Land schon verlassen und das wird sich fortsetzen.
Ich hatte früher schon vorgeschlagen, die schweren Fehler von 1917 (Balfour-D.) und 1948 (Umsetzung des unfairen UNO-Teilungsplanes) rückgängig zu machen.
Das geht nach dem Genozid in Gaza, den weiteren Gräueln in Gaza, Westbank und Libanon (nach der Pseudo-Waffenruhe 2025) nur mehr mit der geordneten Aussiedlung der Juden.
Sonst gibt es irgendwann DAS Blutbad.
„Die Vereinigten Staaten werden Israel die gesamte Schuld zuschieben. “
In Schuldzuweisungen ist Trump „great“. Die EU wird sich nach dem Wind drehen. Wenn Israel der (alleinige) Bösewicht ist, werden alle wieder der USA nachlaufen? Mir fällt bei Trump immer wieder die Bibel ein. Adam/Trump: Die Frau (in dem Fall Israel), die du mir zur Seite gabst (also Gott, du bist selbst schuld), hat mir von diesem Baum gegeben. (so ungefähr)
Ich bezweifle, dass die EU mit den jetzigen PolitikerInnen endlich versteht, wofür der demokratische Wertewesten eigentlich stehen sollte – und die Konsequenzen zieht.
Ich verschiedener Hinsicht – Tucker Carlson verkündete neulich das Ende des US-Imperiums. Wenn es das Zionistenstan fallen lässt – ob sich diese Entität darauf (endlich) benehmen wird? Hoffentlich greifen die Wahnsinnigen nicht zur „Samson-Option“.
Hoffentlich greift Samson Netanjahu!