Diesel-Verknappung: Tanker kehren vor Europa um

31. März 2026von 3,3 Minuten Lesezeit

Mehrere Dieseltanker aus den USA ändern mitten im Atlantik den Kurs. Ihre Ladung soll offenbar nicht nach Europa – an Bord sind rund 1,2 Millionen Barrel Diesel. So gerät der Dieselmarkt in Europa immer weiter unter Druck.

Aktuell wurden mehrere Tanker, die eigentlich nach Europa unterwegs waren, mitten auf der Strecke umgeleitet. Betroffen sind die Schiffe Aliai, Minerva Vaso, Grand Ace6 und Elka Delphi. Das Grand Ace6 steuert nun Lomé in Togo an, die anderen bewegen sich südostwärts oder warten auf neue Order.

Bloomberg berichtet am Montag über die Tanker, die zusammen rund 1,2 Millionen Barrel Diesel-Treibstoff an Bord haben. Das sind fast 200 Millionen Liter Diesel. Zum Vergleich: Deutschland verbraucht täglich rund 120 Millionen Liter Diesel. Die Mengen, die diese vier Tanker transportieren, sind also keineswegs unerheblich.

Und es dürften nicht die ersten Tanker sein, die kurz vor Europa wenden. TKP hat bereits letzte Woche über Schiffe berichtet, die statt in Europa anzulegen vor der Küste warten. Es sind also nicht die ersten Schiffe, die vor Europa umkehren. Nun berichtet aber auch der Mainstream. Dabei geht es nicht um eine großangelegte Verschwörung, sondern um einfache Marktmechanismen, die Europas Markt noch stärker unter Druck setzen.

Denn einerseits bieten asiatische Käufer, die stark von der Straße von Hormuz abhängig sind, nun deutlich höhere Preise – was die Verkäufer dazu verleitet, Asien statt Europa anzusteuern. Andererseits kann man auf weiter steigende Preise wetten und die Tanker vorerst auf See lassen.

Es handelt sich also nicht um eine gezielte Energieblockade, die Europa trifft, sondern der „Markt“ (der freilich staatlich beeinflusst werden könnte) treibt die Verknappung in Europa voran. Spotpreise in Asien machen die Lieferungen dort attraktiver. Ähnliche Umleitungen betreffen auch LNG-Tanker aus den USA und Nigeria, die ursprünglich für Europa vorgesehen waren. Europa verliert so nicht nur Diesel, sondern auch Gasladungen an höher bietende Abnehmer in Asien. Hier dazu etwa Euronews.

Die Deindustrialisierung Europas durch einen Kollaps am Dieselmarkt ist allerdings ganz real. Und auch wenn diese Verknappung keine große Verschwörung ist, spielt sie einer Agenda 2030 in Europa bestens in die Karten. Es gibt genug Akteure, die diese Verknappung als „Chance“ sehen. Manche sagen das auch ganz offen.

Die Politik hat seit 2022 ihr Übriges dazu getan. Indem man die Abhängigkeit von russischem Öl und Gas massiv reduziert hat, machte man sich vor allem von US-LNG abhängig. Mit russischen Anbietern hatte man jahrzehntelange Verträge – diese wurden gekündigt. US-Tanker drehen nun einfach um und lassen Europa mit weniger Energie zurück. So braucht es weder Hafensperren noch politische Sabotage – der Markt regelt das ganz von allein.

Diesel ist unverzichtbar für Industrie, Logistik und Landwirtschaft. Ganz egal, was manche Klimaretter behaupten. Ohne Diesel wird es übel. Engpässe könnten zu Produktionsstopps, steigenden Preisen und einer weiteren Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit führen. Inflation und Arbeitslosigkeit wären nur die unmittelbaren Folgen.

Also keinerlei Verschwörung? Bloomberg hat abschließend noch etwas sehr Interessantes zu berichten:

„Im April werden wir insgesamt einen starken Rückgang der Importe nach Europa erleben“, sagte George Shaw, Ölanalyst bei Kpler, in Bezug auf Dieselkraftstoffe. „Derzeit wird der Großteil der Importe aus den Vereinigten Staaten stammen, da dies die einzige Region ist, die in der Lage ist, das Defizit auszugleichen.“

Jede langfristige Unterbrechung der Lieferungen aus dem baltischen Hafen Primorsk [in Russland] – einem wichtigen Diesel-Exportknotenpunkt, der von der Ukraine angegriffen wurde – würde zudem die weltweite Versorgung verknappen.

Bild „Schwimmdock“ by Michael Bliefert is licensed under CC BY-NC-SA 2.0.

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6 Kommentare

  1. Der Zivilist 1. April 2026 um 2:57 Uhr - Antworten

    Hochverrat in Brüssel ist nicht strafbar, das ist eine Einladung . . .

  2. lotus998dc2ac81f3 1. April 2026 um 2:46 Uhr - Antworten

    Jan hat darauf hingewiesen: Die USA können ohne Canada und Venezuela selbst nicht genug Diesel für den heimischen Markt produzieren, Cerosin ebenso. Wieso gibt es überhaupt Dieseltanker aus den USA nach Europa wo man andererseits genügend Raffinerien hat , um auf Fertigprodukte Importe zu verzichten?
    Irgendwas stimmt da nicht.

  3. joseph53 31. März 2026 um 20:11 Uhr - Antworten

    Meine Meinung war schon vor 25 Jahren, daß wir die große Chance, uns von der zionistischen USA & Co. abzuwenden, nutzen müßten.
    Wer diesen Wunsch nach den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte immer noch nicht versteht, dem ist nicht zu helfen.
    Wollen wir uns weiter von Banditen erpressen lassen?
    Weg mit jenen, die erpressbar sind oder die diesen Unsinn freiwillig mitmachen.
    Wer mit Banditen kooperiert ist selber Bandit.

    Es gibt auch in Europa fähige Diplomaten, die sowohl mit Russland als auch mit dem Iran erfolgreich verhandeln können.
    Wenn das Thema offen angesprochen wird, können wir uns einschränken und diese Erfolge abwarten.
    a) Der Ukrainekrieg wird zu bestmöglichen Bedingungen sofort beendet.
    b) Wir verhandeln beste Preise und aktivieren alle Energieleitungen aus Russland unverzüglich.
    c) Wir bezahlen für Lieferungen aus dem Golf in Yuan oder Landeswährungen und geleiten unsere Tanker militärisch geschützt nach Hause.
    d) Absolut 0 Importe aus den USA
    ab sofort !!
    e) Alle US-Basen in Europa werden sofort geschlossen, absolutes Überflugverbot,

    Europa braucht diese USA nicht mehr.
    Trump kann seinen Sonderurlaub bei Wasser und Brot vorverlegen 😅!

  4. Jan 31. März 2026 um 19:55 Uhr - Antworten

    Eine Dieselverknappung hat sich bereits vor Monaten abgezeichnet. Das US-Fracking fördert ein sehr „leichtes“ Rohöl, aus dem sich schlecht Diesel herstellen lässt. Die USA importieren daher bereits viel „schweres“ Rohöl aus Kanada. Man kann spekulieren, ob Trump daher das „schwere“ Öl aus Venezuela will? Die aktuellen Geschehnisse haben die Knappheit am Weltmarkt nur noch verstärkt.

    Der Irankrieg dürfte die EU nicht wirklich treffen, solange die Pipelines intakt sind. Aber jetzt wird Rohöl bezogen, statt wie zuvor fertigen Diesel. Dieses muss erst raffiniert werden.

    Die teilweise Zerstörung von Primorsk und Novorossiysk durch Selensky, der das ohne EU-Steuergelder kaum hätte machen können, ist ein Skandal. Offenbar begreift die Leyen nicht, dass man in Zeiten hoher Ölpreise Putin nicht finanziell austrocknen kann, indem man sein Öl nicht kauft.

    Eine Forcierung der Energiewende wird nicht funktionieren, da wir noch dreimal die bestehenden Windräder dazu bauen müssten, allein um das Öl aus Nahost zu ersetzen. Und noch einmal mehr für die russischen Fehlmengen.

    Dass man durch Lockdowns Grundrechte einschränkt, weil die Leyen Pipelines zerstören lässt, geht nicht!

  5. VerarmterAdel 31. März 2026 um 17:50 Uhr - Antworten

    „Diesel-Verknappung: Tanker kehren vor Europa um“ und „Mehrere Dieseltanker aus den USA ändern mitten im Atlantik den Kurs. Ihre Ladung soll offenbar nicht nach Europa – an Bord sind rund 1,2 Millionen Barrel Diesel.“ Ja klar, schließlich EUropa reich und kann Apothekenpreise bezahlen. 666 Euro pro Liter? Kein Problem, vor allem Dummland zahlt das gerne, wenn dafür das Heilige Klima nicht geschädet wird, oder? Hm…

    „Weil wenn die Krise größer wird, werden die Fähigkeiten, Veränderungen durchzusetzen, größer.“

    Mal drüber nachdenken.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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