
Nahost-Szenario – demnächst in Europa?
Im Nahen Osten haben Nachbarländer zugeschaut, wie die USA ein Land nach dem anderen destabilisiert, bombardiert, zerstört haben, und den Willen aufgezwungen haben. Statt beim Beginn dieser Kriege zusammen zu stehen gegen einen gemeinsamen Feind, hat jeder versucht, Vorteile daraus zu ziehen. Genau den gleichen Fehler werden die Staaten Europas machen. Alles wird mit Dänemark beginnen, und die Nachbarländer werden wegschauen. Eine düstere These.
Während es in den arabisch muslimischen Bevölkerungen brodelt, schauen die Herrscher weg, weil ein Völkermord in Gaza stattfindet. Und Israel und die USA dürfen den Iran vollkommen und tatsächlich unprovoziert bombardieren, weil ihnen die technologische Entwicklung nicht gefällt, die das Land nimmt, und die Nachbarn halten still. Das zeigt, was uns in Europa droht.
Blick in die Geschichte
Schon Alexander der Große hat es mit der Eroberung des Perserreichs (4. Jahrhundert v. Chr.) vorgemacht. Alexander vereinigte zunächst die griechischen Stadtstaaten (wie Athen, Sparta und Theben) durch gezielte Kriege und Allianzen, oft indem er sie isoliert angriff, bevor sie sich gegen Makedonien verbünden konnten. Anschließend eroberte er das Perserreich in Etappen: Kleinasien, Syrien, Ägypten, Mesopotamien und Persien selbst. Die persischen Satrapen (Provinzherrscher) kooperierten nicht effektiv, da innere Rivalitäten und Alexanders schnelle Siege eine Koalition verhinderten.
Auch das Römisches Reich und die Eroberung Griechenlands (2.–1. Jahrhundert v. Chr.) sind ein Beispiel. Rom nutzte die Uneinigkeit der griechischen Stadtstaaten und hellenistischen Königreiche aus, um sie schrittweise zu unterwerfen. Beispielsweise besiegte Rom Makedonien in mehreren Kriegen (214–148 v. Chr.), dann die Seleukiden in Syrien und schließlich die Achäische Liga. Die Griechen bildeten keine dauerhafte Allianz, da lokale Rivalitäten (z. B. zwischen Sparta und Athen) und römische Diplomatie (wie das Fördern von Unabhängigkeitsversprechen) eine vereinte Verteidigung sabotierten.
Eines der vielleicht weniger bekannten Beispiele ist die mongolische Eroberungen unter Dschingis Khan im 13. Jahrhundert.Dschingis Khan vereinigte zunächst mongolische Stämme durch Kriege gegen einzelne Clans, die sich nicht verbündeten. Danach eroberte er Zentralasien und China: Zuerst die Xi Xia (1209), dann die Jin-Dynastie (1211–1234), gefolgt von Khwarezm (1219–1221). Die chinesischen und zentralasiatischen Reiche waren durch interne Konflikte geteilt und ignorierten die Bedrohung, bis es zu spät war – eine klassische Fall von fehlender Koalition.
Bis heute unverständlich für Viele ist die Tatsache, dass die Briten im 18. und 19. Jahrhundert Indien unterwerfen konnten. Die Britische Ostindien-Kompanie (später das Britische Empire) unterwarf indische Fürstentümer nacheinander, beginnend mit Bengal (Schlacht von Plassey 1757). Sie nutzten Allianzen mit lokalen Herrschern gegen Rivalen aus, wie gegen die Marathen, Mysore und die Sikhs. Die indischen Staaten vereinigten sich nicht, da regionale Feindschaften und britische „Schutzverträge“ sie isolierten. Dies gipfelte in der vollständigen Kolonisierung bis 1858.
Die meisten dürften die napoleonischen Eroberungen in Europa von 1799 bis 1812 in der Schule gelernt haben. Napoleon besiegte europäische Mächte sequentiell: Zuerst Österreich (1800), dann Preußen (1806), Spanien (1808) und Russland (1812). Er manipulierte Allianzen und nutzte Diplomatie, um Koalitionen zu verzögern. Länder wie Preußen und Österreich griffen nicht ein, wenn andere angegriffen wurden, aufgrund von Neutralitätspolitik oder Furcht vor Frankreichs Stärke. Erst späte Koalitionen (ab 1813) wandten das Blatt.
Und nicht zu vergessen den französischen und Indianerkrieg bzw. siebenjährigen Krieg in Nordamerika von 1754 bis 1763. Großbritannien eroberte französische Kolonien in Nordamerika (wie Québec 1759), während indigene Stämme und französische Verbündete isoliert blieben. Die Irokesen-Konföderation eroberte zuvor Gebiete südlich der Großen Seen, indem sie Stämme nacheinander besiegte, ohne dass diese sich vereinigten. Britische Siege gegen Frankreich und indigene Gruppen profitierten von der Uneinigkeit der Kolonialrivalen und Stämme.
Teile und herrsche
Über „teile und herrsche“ wurde schon viel geschrieben. Aber es funktioniert immer wieder, seit Jahrtausenden. Die USA hatten Saddam Hussein ermutigt den Iran anzugreifen, hatten die Bomber von den US-Flugzeugträgern aus eingewiesen, Waffen und Material für die Produktion von Giftgas geliefert, usw. Daher hatte der Iran keinen Finger gerührt, als die USA den Irak zerbombten. Syrien hatte sich „rausgehalten“, in der Hoffnung, durch Kooperation mit der CIA und Zulassung von US-Wirtschaftsinteressen, einen Regime-Change zu verhindern. Aber als Assad eine Pipeline den Durchlass verweigerte, aus Loyalität zum Iran, war das der Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte, und so wurde er auch zum Ziel. Und als die USA den Krieg gegen Afghanistan führten, half der Iran sogar, weil es glaubte, so die Freundschaft der USA erlangen zu können. Und so ging es weiter. Schließlich hatte der Iran verstanden, dass es sich nur schützen konnte, wenn das Land unter großen Opfern Syrien im Kampf gegen die Terrorarmeen unterstützte, und den Libanon durch Hilfe für die Hisbollah. Aber da war es schon zu spät. Die Golfdiktaturen wollten eine Scheibe vom Kuchen abhaben und unterstützten die USA, die arabische Liga war unterwandert, es gab keinen vereinigten Widerstand. Wenn sich Pakistan, Türkei, Iran, Irak, die Golfmonarchien und besonders Saudi-Arabien einig wären, hätten die USA keine Chance, ihren Willen durchzusetzen. Ich spreche schon gar nicht von den bereits vollständig soveränitätsentkernten Ländern wie Syrien, Libanon oder Jordanien.
Und Europa?
Und nun sehen wir im Ansatz, was in Europa passieren wird. Die USA nehmen sich einfach Grönland, wer sich wehrt wird notfalls zerbombt. Und die handvoll deutsche Soldaten sind ganz schnell abgezogen worden, als Trump mit 25% Strafzoll drohte. Es ist lächerlich zuzusehen, wie es immer wieder nach dem gleichen Muster verläuft. Orban glaubt, er könne sich als Trumps Statthalter in der EU schützen, während nur Teile Frankreichs begreifen, was die Stunde geschlagen hat. In Deutschland glaubt man, es treffe das Land nicht, weil es kein Öl oder Gas hat, keinerlei Bodenschätze, und die Ingenieure und Wissenschaftler werden freiwillig geopfert. Es braucht noch nicht einmal ein geheimes Projekt Paperclip. Und die Industrie überlässt man doch gerne dem Hegemon.
Das ganze Projekt ist nichts Neues. Seit Jahrzehnten sterben gut gehende und motiviert geführte mittelständische Unternehmen, und folgen am Ende aus Frustration über Regulierungswut und Wirtschaftspolitik nach ein oder zwei Generationen den Verlockungen des Geldes. Da werden Markennamen gekauft, aber die Produktionsstätten aufgelöst, und die Produktion in Niedrigsteuer- oder Niedriglohnländer verlagert. Und das geht so schon seit Jahrzehnten. Aber das wird nicht reichen. Die Gier ist unersättlich. Vor allen Dingen aber die Gier nach Macht.
Der Nahe Osten hätte eigentlich schon seit Jahren eine Warnung für europäische Politiker sein müssen. Saddam Hussein und Baschar al-Assad hatten lange Zeit alles getan, um das Imperium zufrieden zu stellen. Und es hat nicht gereicht. Das gleiche Schicksal erwartet nun in den nächsten Jahrzehnten die europäische Politik ist die düstere Progrnose.
Krieg innerhalb der NATO?
Lange Zeit hatten Länder geglaubt, wenn sie nur NATO-Mitglied werden würden, wären sie vor der Aggression der USA zumindest militärisch geschützt. Dass die NATO keinen Finger rührt, wenn NATO-Mitglieder Streit haben, hätten sie aus dem Konflikt zwischen der Türkei und Griechenland lernen können. Und dass Verbündete ganz schnell zu Gegnern und Feinden der USA werden, hätte nicht nur der Nahe Osten, sondern auch Südamerika verraten können.
Bei den Konzernlenkern waren es das nächste Quartalsergebnis, die Jahresboni und die höheren Gehälter der Vorstände in den USA, die dazu führten, dass sogar Konzernsitze in die USA verlegt wurden. Bei den Politikern die Angst vor einem „kleinen“ Regime-Change. Ein Problem, das nicht durch Wahlen, sondern nur durch ein Losverfahren gelöst werden könnte. Aber so lange Förderung von Politikern durch Netzwerke und „Young Leader“ Programme entscheidend sind für zukünftige Ämter, wird sich das nicht ändern.
Deshalb wird der US-Rüstungsindustrie, quasi als Schutzgeld, hunderte von Milliarden Euro in den Rachen geworfen, für vollkommen überteuerte Waffen, die mit einem Click abgeschaltet werden, wenn sie sich einmal gegen das angreifende Imperium richten sollten. Die Diversifizierung deutscher Außenpolitik hätte schon vor Jahrzehnten beginnen müssen, um Vertrauen und langfristige Zusammenarbeit aufzubauen. Aber im Kielwasser des Imperiums mitzuschwimmen, und zu hoffen, einen Teil vom Kuchen abzubekommen war einfacher und für die Karriere sicherer.
Was könnte etwas verändern?
Es ist unerheblich wie die Wahlen ausgehen, ob Trump oder ein anderer Präsident regiert. Es ist lediglich das Erscheinungsbild nach Außen, das sich ändert. Auch China wird uns nicht retten, denn wir sind viel zu weit weg aus dem asiatischen Kulturkreis und haben viel zu lange schon gegen die Führung des Landes polemisiert. Auch Putin wird nicht auf einem weißen Schimmel durch das Brandenburger Tor reiten, um Deutschland „zu befreien“. Weil deutsche Politik viel zu lange und zu schmerzhaft und tödlich gegen russische Interessen gehandelt hat.
Nur eine große Katastrophe könnte etwas verändern, und wir wollen hoffen, dass sie nicht eintritt. Denn ein großer Krieg wäre für alle Menschen ein riesiges Problem, würde uns um Jahrzehnte zurückwerfen, und niemand weiß, was dann wirklich passieren würde. Denn aus einer relativ homogenen Gesellschaft Deutschlands wurde etwas Unberechenbares, von dem niemand weiß, was wirklich einmal passiert, wenn eine solche Katastrophe ausbricht. Wir brauchen noch nicht einmal von einem großen Atomkrieg zu reden. Alleine die Vernichtung von ein paar Kraftwerken und Fabriken, Brücken oder Hafenanlagen würden zu einer Not führen, wie wir sie in Deutschland seit dem Krieg nicht mehr kannten.
Hoffnung?
Hoffnung besteht, wenn die europäischen Politiker begreifen, dass wir ein europäisches Sicherheitskonzept EINSCHLIESSLICH Russland benötigen. Ein Konzept, was in der Folge einen riesigen Markt erschließen könnte, und eine alte Befürchtung von Mackinder wahr werden ließe, nämlich dass das Herzland für die Beherrscher der Meere unangreifbar wird. Im Jahr 1919, fasste Mackinder seine Theorie folgendermaßen zusammen: Wer Osteuropa beherrscht, beherrscht das Herzland; wer das Herzland beherrscht, beherrscht die Weltinsel; wer die Weltinsel beherrscht, beherrscht die Welt. Das war in einer Periode, in der es nur Herrscher und Beherrschte gab. Im Jahr 2026, dem Zeitalter des Multipolarismus bedeutet dies, dass die GEMEINSCHAFT von Länder im Herzland unangreifbar wird.
Das Schicksal der Randregion des Herzlandes, wird mit der Rimland-Theorie deutlich. Das prägende Merkmal der Randregion ist ihre Rolle als Zwischenraum zwischen dem Kernland und den peripheren Seemächten. Als amphibische Pufferzone zwischen Land- und Seemächten muss sie sich von beiden Seiten verteidigen, und darin liegen ihre grundlegenden Sicherheitsprobleme. Mit der Unterstützung durch das Kernland wird es aber unangreifbar. Ohne die Versorgung aus dem Kernland ist es Angriffen relativ schutzlos ausgeliefert.
Bild: Wikipedia
Für Europa sehe ich schwarz und keinen Ausweg aus der Katastrope. Da bleibt nur „rette sich, wer kann“ und beste Wünsche für die, die es nicht können. Was entsteht nach der Katastrophe, wer wird mit den Bedingungen während der Katastrophe am ehesten zurechtkommen? Ein muslimischer failed state oder einfach ein entvölkerter Landstrich?
„Periphere Seemächte“ in der Mehrzahl? Ich sehe nur eine. Deshalb heißt es für mich „die Welt gegen den Hegemon“. Das könnte auch ohne großen Krieg gehen. Dafür müßte man sich einig werden. Und gewissen Politikern in gewissen großen Staaten traue ich die nötige Einsicht und Weitsicht zu. Drin liegt für mich Hoffnung.
Warum haben die Taliban gegen
die NATO gewonnen und wurden noch besser bewaffnet und von wem?
Was machen die Taliban mit Kindern und Frauen?
Das ist richtig!
Man darf noch ergänzen, dass Zivilisationen in Zyklen von kapp 250 Jahren wachsen und fallen, meist energiebedingt, und dann natürlich auch verteidigungsunfähig werden. Energie, Ressourcen, Bildung, Ernährungslage beeinflussen die Verteidigungsfähigkeit.
Die mangelnde Kooperationsbereitschaft fällt auch auf die Leyen zurück, die Kooperation mit ihrer eigenen Ermächtigung verbinden will.
Neben außenpolitischen Versäumnissen bestehen falsch gesetzte innen- und wirtschaftspolitische strategische Entscheidungen: Bildung, Gesundheit, Wohlstandsverteilung, Ernährung, Vertrauen, Rechtsstaatlichkeit.
Man könnte auch die Pandemie als Wegbereiter für Regimechange betrachten.