Chinas neue Seidenstraße hat den Dollar einfach ausgebootet

20. Juni 2025von 3,9 Minuten Lesezeit

Iran und China haben am 25. Mai eine Güterbahnstrecke in Betrieb genommen, die Zentralasien wie ein Skalpell durchschneidet – direkt von Xi’an nach Teheran in der Hälfte der Zeit, die man auf dem Seeweg benötigen würde.

Die neue Strecke ermöglicht den Transport in 15 Tagen von Hafen zu Hafen, ohne dass die US-Marine in Sichtweite ist. Das ist nicht nur eine Eisenbahnlinie – es ist ein Stinkefinger gegenüber dem Petrodollar-Imperium. Israel hat seinen Angriff also offenbar gestartet wie gerade die ersten Lieferungen in Teheran angekommen sind. USA und Israel befürchten, dass diese neue Verbindung dem Iran zu wirtschaftlichen Aufschwung verhelfen wird.

Vertreter aus dem Iran, China, Kasachstan, Turkmenistan, Usbekistan und der Türkei trafen sich Anfang Mai in Teheran, um Zollabkommen und Betriebsstandards zu finalisieren.

Die von den USA sanktionierte Wirtschaft des Iran verfügt nun über eine klare Handelsader, die direkt in den industriellen Rachen Chinas führt. Industriegüter fließen nach Westen. Öl fließt nach Osten. Und anders als in der Straße von Hormus oder im Suezkanal liegen keine amerikanischen Kriegsschiffe entlang der Gleise.

Dieser Schritt ist der Höhepunkt einer jahrzehntelangen Kehrtwende.

Seit 2018, als Khamenei erklärte, der Iran solle sich nach Osten orientieren, ist China zum größten Ölabnehmer des Iran und zu einer Lebensader für sanktionierte Technologie- und Industriegüter geworden. Der 2021 unterzeichnete 25-jährige Wirtschaftspakt im Wert von 400 Milliarden Dollar besiegelte das Abkommen.

Chinas Belt and Road Initiative greift nun auf Europa über – und die Trockenhäfen des Iran sind das Tor dazu. Die Eisenbahnstrecke ist eine physische Ablehnung der Dollar-Dominanz und ein geopolitischer Schlag gegen die Hegemonie der USA.

Unterdessen im Irak… Peking rückt vor

Als ob das noch nicht genug wäre, hat China gerade seinen Griff um die Energieversorgung des Irak verstärkt. Geo-Jade Petroleum hat einen riesigen neuen Vertrag unterzeichnet: eine Raffinerie mit einer Kapazität von 200.000 Barrel pro Tag, zwei Kraftwerke sowie Petrochemie- und Düngemittelfabriken.

Der Irak nennt es einen „großen Sprung“. Was es wirklich ist? Eine Landnahme Chinas im Herzen des OPEC-Territoriums. Peking kontrolliert bereits über ein Drittel der irakischen Öl- und Gasreserven.

Der „Öl für Wiederaufbau”-Pakt von 2019 ermöglicht es China, im Austausch gegen Rohöl Infrastrukturprojekte zu finanzieren. Und es funktioniert. Chinesische Firmen verdrängen westliche Giganten und bauen die Energiezukunft des Irak auf, während US-Unternehmen in Bürokratie und Klimafantasien versinken.

So sieht die Entdollarisierung aus

Diese Route wurde seit 2021 koordiniert und ausgebaut, unmittelbar nachdem der Iran und China im Rahmen der Initiative „One Belt, One Road“ ein strategisches Abkommen im Wert von rund 400 Milliarden Dollar unterzeichnet hatten. Das Projekt ist im Wesentlichen einfach: Industriegüter aus China werden nun auf dem Landweg direkt in den Iran transportiert und umgehen dabei alle Einflusszonen, Militärstützpunkte und Sanktionskontrollen der USA. Der Iran erhält nicht nur Lieferungen, sondern gewinnt auch die Rolle eines wichtigen Transitknotenpunkts, der folgende Verbindungen herstellt:

  • im Süden – den Nord-Süd-Korridor durch Russland, das Kaspische Meer und Indien;

  • im Westen – den Landzugang zum Irak, nach Syrien, in die Türkei und zum Mittelmeer;

  • im Osten – den direkten Zugang zu den chinesischen Lieferketten.

Darüber hinaus untergräbt die Landroute das Monopol des Seeverkehrs, insbesondere unter den gegebenen Umständen, in denen die Straße von Hormus und der Suezkanal entweder von amerikanischen oder proamerikanischen Strukturen kontrolliert werden. Der Iran hat sich nach und nach aus seiner logistischen Isolation befreit und ist zu einem Bindeglied zwischen China, Russland, Indien und dem Nahen Osten geworden.

All dies stellt eine geoökonomische Bedrohung dar, die die USA und ihre Verbündeten sehr gut verstehen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass gleichzeitig mit dem Beginn der tatsächlichen Integration des Iran in die transasiatische Logistik ein Versuch beginnt, diese systematisch zu zerstören. Es geht nicht nur um das Atomprogramm. Es geht darum, den Iran daran zu hindern, zu einem Logistikzentrum für die neue eurasische Architektur zu werden und genügend Stärke zu erlangen.


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11 Kommentare

  1. Patient Null 23. Juni 2025 um 11:52 Uhr - Antworten

    China hat ein 50 Jahresplan, der Westen fährt auf Sichtweite. Mit der Seidenstrasse schlagen sie mehrere Fliegen mit einer Klappe, zum eigenen Vorteil aber eben auch zum Vorteil der anderen.

  2. Daisy 21. Juni 2025 um 8:32 Uhr - Antworten

    Ahm, Trump verfolgt angeblich eine „brillante Strategie“….

    „Das Projekt heißt Indien-Naher Osten-Europa-Korridor, kurz IMEC. Die meisten Amerikaner haben noch nie davon gehört. Es wurde 2023 auf dem G20-Gipfel in Neu-Delhi als gemeinsame Initiative der USA, Indiens, Saudi-Arabiens, der Vereinigten Arabischen Emirate und der Europäischen Union ins Leben gerufen. Ihr Ziel? Der Bau einer modernen Infrastrukturverbindung zwischen Südasien und Europa – ohne chinesisches Territorium zu durchqueren oder auf chinesisches Kapital angewiesen zu sein.

    Die Vision des IMEC ist kühn, aber einfach: Indische Waren würden per Bahn und über Häfen durch den Golf, durch Israel und weiter zu europäischen Märkten transportiert. Unterwegs würde der Korridor nicht nur Handelsrouten, sondern auch Energiepipelines, digitale Kabel und Logistikzentren verbinden. Er wäre die erste ernsthafte Alternative zu Chinas Belt and Road Initiative – eine Möglichkeit für die USA und ihre Partner, Einfluss aufzubauen, ohne vor Ort aktiv zu sein.“

    Die HAMAS-Anschläge haben das Projekt gestoppt.

    „Das ist der Hintergrund für Trumps aktuelle Schritte. Für sich genommen wirken sie uneinheitlich. Zusammengenommen folgen sie der Logik, Infrastrukturhindernisse aus dem Weg zu räumen. Trump mag zwar keine Pläne im Lageraum entwerfen, aber sein Instinkt – für Einfluss, Verhandlungen und Unberechenbarkeit – beseitigt genau die Hindernisse, die IMEC überhaupt erst aufgehalten haben.“

    https://www-foxnews-com.translate.goog/opinion/trumps-unpredictable-middle-east-moves-actually-follow-brilliant-master-plan?_x_tr_sl=auto&_x_tr_tl=de&_x_tr_hl=de&_x_tr_hist=true

    • Fritz Madersbacher 21. Juni 2025 um 12:59 Uhr - Antworten

      @Daisy
      21. Juni 2025 um 8:32 Uhr
      Der IMEC-(oder IMEEC-)Korridor ist kein Trump-Projekt, sondern Indien, mehrere Staaten des Mittleren Ostens, vor allem aber Israel, die EU (darin insbesondere Italien, Frankreich, Deutschland) und natürlich die USA haben sich am Rand des G20-Gipfels im September 2023 in einer Absichtserklärung auf dieses Konkurrenzprojekt zur „Neuen Seidenstrasse) verständigt.
      „Das Projekt steht im Rahmen der auf dem G7-Gipfel in St Ives 2021 vereinbarten und auf dem G7-Gipfel auf Schloss Elmau 2022 konkretisierten Kooperation („Partnership for Global Infrastructure and Investment“, auch „Build Back Better World“), die als Reaktion auf die Initiative Neue Seidenstraße der Volksrepublik China gesehen wird. Seitens der EU wird das Projekt über die Initiative Global Gateway mit 300 Milliarden Euro teilfinanziert“ (Wikipedia).
      Außer einer Absichtserklärung ist noch kaum etwas geschehen. Die Erfolgsaussichten waren (und sind zunehmend) kaum gegeben, vor allem angesichts der internationalen Entwicklung mit ihrer immer ausgeprägteren Polarisierung zwischen dem „Westen“ und der „globalen Mehrheit“, dem „globalen Süden“. Der Kampf des Westens um seine Hegemonie mit allen Mitteln isoliert ihn immer mehr, auch von früheren Verbündeten in „Westasien“, wirtschaftlich hat er seine frühere Dominanz eingebüßt …

      • Daisy 21. Juni 2025 um 13:05 Uhr

        Sagte ich nicht, dass er es erfunden hat. Steht alles in meinem Beitrag und unter dem Link.Tipp: Einfach zuerst lesen. Trump aber versucht anscheinend, das Projekt neu zu beleben, nachdem es von der Hamas gestoppt wurde. Ich drücke die Daumen. Sie
        nicht?? 😉

      • Fritz Madersbacher 21. Juni 2025 um 13:51 Uhr

        @Daisy
        21. Juni 2025 um 13:05 Uhr
        „Tipp: Einfach zuerst lesen“
        Gilt auch für Sie. Sie können gerne die Daumen drücken für Israel, die EU und natürlich die USA …

  3. Nurmalso 20. Juni 2025 um 23:03 Uhr - Antworten

    Und warum tut Russland und China nicht auf die iranische Regierung einwirken, endlich damit aufzuhören sich auf die iranische Fahne zu schreiben, das Land Israel zu vernichten ?
    Die Hisbollah Finanzierung gegen Israel etc.
    Und warum muss für das Land Iran eine Urananreicherung U-235 von 60% her. Brauch man weder für Kernreaktoren noch für Medizin und sonst was. Und 90% Anreicherung ist dann Atomwaffenfähig. Wozu brauch Iran eine Atombombe ?
    Irgend was stimmt hier nicht an der Geschichte und i.welche Falschmeldungen über den Iran sind im Umlauf.
    Erbitte von tkp um mehr Aufklärung, damit die Webseite lesenswerter wird. Danke !

    • Varus 21. Juni 2025 um 8:29 Uhr - Antworten

      Wozu brauch Iran eine Atombombe ?

      Das ist gerade das Problem, dass Iran meint, keine zu brauchen. Hätte das Land welche, würde Israel nicht wagen, das Land anzugreifen.

      Früher haben etliche muslimische Länder die zionistische Besetzung Palästinas abgelehnt. Einige haben mit Israel Abkommen geschlossen, wofür aber Israel die international bevorzugte Zweistaatenlösung umsetzen sollte – wird es getan? Stattdessen wird das Westjordanland besetzt und unterjocht.

    • triple-delta 22. Juni 2025 um 19:24 Uhr - Antworten

      Es gibt keine iranische Stgrategie der Vernichtung Israels. Hier werden Zitate aus dem Zusammenhang gerissen und Aussagen interpertiert, um zum gewünschten Ergebnis zu kommen.

  4. Jan 20. Juni 2025 um 19:33 Uhr - Antworten

    Das hier abgebildete Dreieck Saudi-Arabien, Iran/Irak, Kaspisches Meer ist das wichtigste Ölfördergebiet der Erde mit zwei- oder dreimal soviel Öl wie unter der saudischen Halbinsel.

    Der Westen hat mit seiner feministischen Außenpolitik hier nicht viel Stand. Nehammer ist zu Putin gefahren und hat ihm gedroht.

    Das Nordseeöl ist weg, Afrika und Südostasien importieren, Venezuela liegt brach, das US-Fracking dürfte bis 2030 einbrechen und Grönland oder kanadische Ölsande sind feuchte Träume.

    Die Europäer haben sich aber gerade für die nächste Zwangsspritzenorgie entschieden. Wie schön, wenn Selbsterkenntnis zu Konsequenzen führt!

  5. Fritz Madersbacher 20. Juni 2025 um 18:19 Uhr - Antworten

    „Iran und China haben am 25. Mai eine Güterbahnstrecke in Betrieb genommen … All dies stellt eine geoökonomische Bedrohung dar, die die USA und ihre Verbündeten sehr gut verstehen“

    Ja, es ist eine Bedrohung für den Westen, und zugleich zeigt das die Perversion auf, die dem Imperialismus zugrundeliegt und ihn zum Hindernis für jeden Fortschritt der Kooperation der Völker macht. Jeder Fortschritt der Menschheit ist geknüpft an die Zerschlagung dieses kannibalistischen Molochs, der von der Überlegenheit seiner barbarischen Zivilisation über andere Kulturen und jener seines bankrotten „Lebensmodells“ überzeugt ist. Mit Krieg und Zerstörung versucht er sein Leben zu verlängern. Wenn wir das nicht allmählich begreifen und unsere dummen Dünkel überwinden, werden wir aus unserer Misere und aus unseren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Schwierigkeiten nicht mehr hinausfinden …

  6. Sabine Schoenfelder 20. Juni 2025 um 16:20 Uhr - Antworten

    In ihrem überheblichen und heimtückischen Expansions- und Machtstreben ERSETZT die USA (jetzt auch) im Osten alle eigenständigen Staatschefs, dank militärischer Operationen, bzw. hinterhältiger Bewaffnung terroristischer, muslimischer Gruppierungen, DURCH lenkbare, bestechliche Satelliten-Statthalter. In Afghanistan kämpften wir für die FREIHEIT..🤣 und etablierten korrupte Steinzeit-Muslime + afghanische Migration. In der Ukraine kämpfen wir für die DEMOKRATIE ..😂und stabilisieren ein Fascho-Regime + Ukrainemigration. In Israel kämpfen wir für unsere SICHERHEIT..😂und halten Bibi im Amt + Palästinenser- und Iranmigration ‼️
    …und der Chinese macht mit diesen Staaten Geschäfte. Preiswerter und umfangreicher als zuvor…..😂👍🏼
    Weiter so, Werte-Westen….bald sind wir kulturell, ethnisch und ökologisch weg…

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