Blackout in Spanien – ein Erlebnisbericht

29. April 2025von 6,2 Minuten Lesezeit

Am 28. April um 12.30 ereignete sich in Spanien und Portugal ein landesweiter Stromausfall. Hier soll die subjektive Wahrnehmung eines Betroffenen aus einer 100.000-Einwohner-Stadt geschildert werden.

Zunächst dachte ich an einen Kurzschluss oder eine Netzüberlastung. Die Mehrfamilienhäuser aus den 80er Jahren haben aus heutiger Sicht zu schwache Stromleitungen. Meine 100-m²-Wohnung ist insgesamt nur mit 24 Ampere abgesichert; ein elektrischer Durchlauferhitzer würde 20 Ampere benötigen. Für Kochen und Warmwasserbereitung benötigen die Wohnungen Gasflaschen, die ein Tante-Emma-Laden in der Straße verkauft. Dieser Nachteil sollte sich jetzt als Pluspunkt erweisen. Früher waren auch die Festnetztelefone vom Stromnetz unabhängig; heute hängen sie aber am Router des Internetanschlusses, und der braucht Strom.

Nach der Überprüfung der Sicherungen und des Schutzschalters prüfte ich die Treppenhausbeleuchtung; die funktionierte auch nicht. Danach fragte ich im Geschäft im Erdgeschoss und die Inhaberin wusste schon, dass die ganze Straße keinen Strom hatte. Auch das Mobilfunknetz funktionierte nicht, also mussten auch die Sender der Funkzellen ohne Strom sein. Also ging ich die 50 Meter zur Hauptstraße und sah auch hier alle Geschäfte im Dunkeln. Danach kehrte ich in die Wohnung zurück und berichtete meiner Frau. Sie kam auf die Idee, ins 4 km entfernte Touristenviertel zu fahren und auf dem Weg mehr zu erfahren.

Im Auto stellten wir fest, dass auch viele Radiosender ausgefallen waren. Die Ampeln funktionierten nicht und es gab nirgendwo Strom. Bei einem Strandspaziergang fanden wir dann eine Funkzelle, die ein Signal hatte. Eine Stunde nach dem Netzausfall meldeten deutsche Nachrichtenseiten den Stromausfall als Eilmeldung. In Spanien wurde eine erste Stellungnahme der Regierung veröffentlicht, in der ein Terroranschlag oder ein Cyberangriff nicht ausgeschlossen wurden. Sollte Russland als Sündenbock aufgebaut werden?

Kleine Geschäfte blieben offen, verkauften aber nur gegen Barzahlung und registrierten die Verkäufe mit Papier und Bleistift, statt mit den Scannerkassen. Aldi hatte geschlossen, Lidl hatte dagegen eine Notstromversorgung und akzeptierte sogar Kreditkarten. Die Geldautomaten funktionierten nicht. Bei den meisten Tankstellen funktionierten weder Kassen noch Pumpen; an denen mit Notstromversorgung bildeten sich lange Schlangen. Die hier sehr beliebten E-Skooter und E-Bikes verschwanden langsam aus dem Straßenbild. Nach der Arbeit kamen die Bewohner der Innenstadt nicht in ihre Garagen, weil die Rolltore einen Elektromotor hatten. Viele Ladenbesitzer mühten sich abends aus dem gleichen Grund damit ab, ihre Läden zu sichern.

Am 28.04. meldeten die Radiosender um 15.00 Uhr, die Störung werde zwischen 17.00 und und 23.00 schrittweise beseitigt. Am 29.04. um 6.00 meldete Radio Nacional de España, dass 99 % des Landes wieder Strom hätten. Wir waren aber erst um 9:21 Uhr wieder am Netz, nach fast 21 Stunden. Wahrscheinlich waren es auch um 6.00 Uhr nur 80-90 % und vermutlich waren wir in einer 100.000-Einwohner-Stadt nicht die letzten, die wieder angeschlossen wurden. Abgelegene Dörfer in den Bergen dürften wohl deutlich länger gewartet haben.

Schwäche des vernetzten Systems

In Österreich oder Deutschland wären die Konsequenzen ernster gewesen, weil es mehr Cerankochfelder als Gasherde gibt. Die Küche wäre kalt geblieben, und es hätte in vielen Wohnungen auch nur eine kalte Dusche gegeben. Dagegen haben Deutsche und Österreicher noch mehr Bargeld in der Tasche und sie können sich wenigstens noch Brot kaufen.

Das Problem, das in Spanien und Portugal sichtbar wurde, ist die Abhängigkeit vom Strom. Elektronische Kommunikation, elektronische Zahlungen, elektrische Garagentore, Elektrofahrzeuge; ohne Strom funktioniert nichts. Und es fehlt selbst ein so einfacher Ersatz wie eine Handkurbel am Garagentor. Das Verbot des Verbrennungsmotors und die Abschaffung des Bargelds würden auch noch die letzten Reste von Ausweichmöglichkeiten beseitigen.

Für die Ursache des Blackouts konnte auch am 29.04. noch keine plausible Erklärung abgegeben werden. Das System scheint so komplex geworden zu sein, dass es niemand mehr vollständig überblicken kann. Wer hat an seinem Computer noch keine Funktion erlebt, die ungewollt gestartet wurde und nicht wieder abgeschaltet werden konnte. Dann bleibt nur, den Computer herunterfahren und neu starten. So scheint es auch den Technikern bei der Stromversorgung gegangen sein.

[Die tatsächlichen Ursachen sind hier beschrieben: Solar Tsunami offenbar verantwortlich für Blackout in Spanien]

Eine kritische Infrastruktur von zwei Ländern, die mit einem Fehler für einen Tag flächendeckend lahmgelegt werden kann, ist übertrieben zentralisiert. Eine dezentrale Grundversorgung mit einem Ausgleich von Produktions- und Bedarfsspitzen sollte in der Lage sein, einen technischen Defekt auf die Region einzugrenzen, in der er entstanden ist.

In Ländern mit häufigeren Stromausfällen haben sich darauf eingestellt und sich Ersatzsysteme bereitgestellt. In Europa werden dagegen die Systeme, die das Ausfallrisiko verteilten und damit Alternativen für den Notfall bereithalten, zurückgedrängt.

Terroranschläge und Cyberangriffe

Am 28.04. wurden bald nach den ersten Meldungen ein Terroranschlag oder Cyberangriff als Ursache ausgeschlossen. Es ist aber interessant dass die Regierung dies zunächst für möglich gehalten hat. Das Netz wird also für so anfällig gehalten, dass es ein Sprengstoffanschlag auf ein einziges Ziel zusammenbrechen lässt. Die baskische ETA hat sich aufgelöst, aber islamistische Gruppen können diese Einschätzung vielleicht einmal dankbar aufgreifen.

Bei einem Verdacht auf Cyberangriffe denkt jeder an Russland. Natürlich hätte man sich in Moskau eher Deutschland, Frankreich oder Großbritannien als Ziel ausgesucht statt Spanien und Portugal. Angesichts der feindseligen Haltung EU-Europas gegen Russland muss man natürlich damit rechnen, dass erfolgversprechende Angriffsziele für den Fall einer Eskalation ausgekundschaftet werden. Ob es dem russischen Geheimdienst möglich ist, mit Cyberangriffen die europäische Stromversorgung lahmzulegen, ist offen. Mindestens wäre die Stromversorgung ein militärisch relevantes Ziel, denn die modernen Waffen sind heute computergestützt und vernetzt. Ohne Internet und Mobilfunknetz wären die gestört. Die spanische Regierung hielt eine Cyberangriff mindestens für möglich. Umgekehrt dürfte das allein schon wegen der Größe Russlands nicht möglich zu sein. Die Stromnetze müssen schon wegen der großen Entfernungen dezentraler organisiert sein, die Ausfälle wären dann räumlich begrenzt.

Wenn Europa kriegsbereit werden will, befindet man sich mit elektronischem Geld und Elektromobilität sowieso auf dem falschen Weg. Der Kontinent ist zu verletzlich und in einer vernetzten Welt gibt es für professionelle Saboteure zu viele Ansatzpunkte, um die Verletzlichkeit auszunutzen. Die Beseitigung einer technischen Störung war schon schwierig. Wenn aber professionelle Hacker auch auf die Maßnahmen zur Schadensbeseitigung reagieren könnten, wären die Störungen irreparabel. Die Bevölkerung wäre hilflos.

Im Kalten Krieg wollte jede Seite einen Krieg vermeiden, weil die Folgen für beide Seiten inakzeptabel wären. Spanien und Portugal hatten am 28. April einen kleinen Einblick in die Konsequenzen, die die Zuspitzung der politischen Lage bewirken könnte. Die sollte niemand wollen. Die unbedachte Bemerkung, einen Cyberangriff nicht ausschließen zu können, war ein falsches Stichwort.

Der 28. April hat gezeigt, dass Europa nicht kriegsbereit, sondern friedensbereit werden muss.


Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wieder. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

Prof. Dr. Werner Müller, ehem. Fachbereich Wirtschaft der Hochschule Mainz, seit 2023 pensioniert und wohnhaft in Spanien.


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5 Kommentare

  1. Konrad Kugler 30. April 2025 um 22:01 Uhr - Antworten

    Liebe Leute, fangt mit Grundsätzlichem an.
    Als erstes funktioniert die Klospülung nicht mehr. Im Kühlschrank ist noch was und ein paar Flaschen Getränke stehen auch noch rum. Spätestens am zweiten Tag sind die Geschäfte „offen“ und leer.
    Welchen Nutzen haben dann ungekochte Nudeln oder Kartoffeln? Aber gedörrte Brotreste wären dann wertvoll.

  2. Varus 29. April 2025 um 14:57 Uhr - Antworten

    Dagegen haben Deutsche und Österreicher noch mehr Bargeld in der Tasche und sie können sich wenigstens noch Brot kaufen.

    Gerne können die Spanienden:innen das Woke Gefallen daran ablegen, per zentrale Erfassung aller Transaktionen ausgeschnüffelt zu werden. Eine eifrige brasilianische Bank liefert gleich einen CO2-Auszug zu den Kontobewegungen mit – hat nicht gerade TKP darüber berichtet?

    Ich betrachte jedenfalls Bargeld als Freiheit – und um Freiheit muss man kämpfen.

  3. Glass Steagall Act 29. April 2025 um 13:35 Uhr - Antworten

    Willkommen in der extremistischen „grünen“ CO2-Hölle! Wir können uns schon einmal ausmalen, was so ein Blackout auch bei uns bewirken würde, speziell im Winter! Es wurde ja oft genug davor gewarnt, aber die Politik will nichts davon wissen!

    Apropos „kriegstauglich“. Russland brauch nur ein paar Atomraketen in großer Höhe über Europa zünden und der elektromagnetische Impuls würde zu einem sehr langen Blackout führen! Damit wäre Europa auf einen Schlag „kriegsUNtüchtig“! Mehr braucht es eigentlich nicht.

    • Varus 29. April 2025 um 15:10 Uhr - Antworten

      Mehr braucht es eigentlich nicht.

      Nicht mal das – bloß wenige Jahre warten, bis sich Westeuropa selbst abschaltet. Gerade hat es fast schon geklappt.

      Heute Früh um 05:37 schrieb Podoljaka auf Telegramm als Erstes über etliche Fragen, die der Blackout in Westeuropa aufwerfen müsste – bebildert mit einem Don Quichote, der gegen Industriewindräder kämpft. Während ein Russe aus Sumy gleich an „delegitimierende“ Fragen (nieudobnyje Woprosy) zur „grünen Agenda“ denkt, Michelnde:innen und Spaniende:innen suhlen sich im exzessiven Obrigkeitsglauben.

      Потому, что если ее огласить, то уже жители всей Европы начнут задавать своим правителям очень неудобные вопросы. И требовать прекратить то безумие, которое творят их элиты на протяжении последних десятилетий своей „зеленой повесткой“.

    • Varus 29. April 2025 um 15:13 Uhr - Antworten

      Damit wäre Europa auf einen Schlag „kriegsUNtüchtig“! Mehr braucht es eigentlich nicht.

      Vermutlich würde es sogar reichen, wenn Russland nur wenige Jahre geduldig wartet, bis sich der Westen „für Klima“ selber abschaltet. Gerade hat es fast schon geklappt.

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