Kritik aus Ungarn: NATO-“Kriegspsychose“ riskiert Konflikteskalation

5. April 2024von 3,2 Minuten Lesezeit

Anlässlich des 75. Jahrestages der NATO-Gründung am 4. April 2024 gab es in Brüssel Ministertreffen der Mitgliedsländer. Scharfe Kritik kommt wieder einmal aus Ungarn. „Die NATO befindet sich in einem Zustand der Kriegspsychose, was ein ernsthaftes Risiko der Eskalation darstellt“, sagte Außenminister Peter Szijjarto am Donnerstag in Brüssel und fügte hinzu, dass die NATO ihre Strategie ändern sollte.

Gemäß der ursprünglichen Aufgabenstellung operiert die NATO allerdings recht erfolgreich. Der erste NATO-Generalsekretär vom 1952 bis 1957 war der britische General und Politiker Hastings Lionel Ismay. Auf Ismay geht die Äußerung hinsichtlich der Funktion der NATO für Europa „to keep the Russians out, the Americans in, and the Germans down“ zurück, die sich zu einer verbreiteten Kurzcharakteristik für die Allianz entwickelte. Zur Erreichung der Ziele setzte die NATO 1999 Bomben und radioaktive Uranmunition gegen die Zivilbevölkerung Jugoslawiens ein, erreichte eine Zersplitterung in Teilstaaten und besetzt heute noch den Kosovo.

Der Terroranschlag auf die Nord Stream Pipelines diente sogar ziemlich allen drei ursprünglichen Zielen der NATO.

In der Ukraine läuft es allerdings nicht so ganz wie gewünscht. „Die Situation auf dem Schlachtfeld zeigt deutlich, dass die Zahl der Opfer und Zerstörungen ohne eine schnelle diplomatische Lösung dramatisch ansteigen wird“, zitierte das Außenministerium Szijjarto nach einer Sitzung des NATO-Ukraine-Rates laut ungarischen Medien.

Die Operationen auf dem Schlachtfeld nehmen eindeutig zu, mit immer schwerwiegenderen Folgen; alle Anstrengungen sollten sich jetzt auf die Herstellung des Friedens konzentrieren, um Leben zu retten und weitere Zerstörungen zu verhindern„, so der Minister. Es sei eine „schlechte Nachricht“, dass seine Position „innerhalb der NATO in der Minderheit“ sei.

Er zitierte einen Teilnehmer des Treffens mit den Worten, dass „das Ziel nicht darin besteht, Frieden zu schaffen, sondern den Krieg zu gewinnen“. „Die NATO ist mehr oder weniger von dieser Art von Kriegspsychose geprägt … die meisten sprachen heute darüber, wie man die Waffenlieferungen an die Ukraine erhöhen kann„, fügte er hinzu.

Szijjarto sagte, die Zusammenstellung solcher Lieferungen werde immer problematischer, auch weil viele NATO-Mitgliedsstaaten „bereits fast die gesamte Munition ihrer Reserven zur Verfügung gestellt haben.“ Er wies darauf hin, dass derzeit Ungarn und die Tschechische Republik die Luftpolizei in der Slowakei stellen, weil „Bratislava alle seine Flugzeuge an Kiew abgegeben hat und noch keine neuen erhalten hat“.

Es wurde auch vorgeschlagen, dass „Lagerhäuser geleert und die gesamte Ausrüstung an die Ukraine übergeben werden sollten… Verzweifelte Bemerkungen wie diese zeigen deutlich, dass die zunehmenden Schwierigkeiten ein Hindernis für Waffenlieferungen sind“, sagte Szijjarto. Diese Schwierigkeiten „sind nicht nur physischer Natur, nicht zuletzt, weil nur noch wenige Waffen vorhanden sind, sondern auch, weil sich die Waffenlieferungen im Hinblick auf die ursprünglichen Ziele als sinnlos erwiesen haben.“

Bisher haben wir von den Ländern, die Waffen schicken, gehört, dass diese Waffen der Ukraine zu Siegen auf dem Schlachtfeld verhelfen würden … aber das ist nicht der Fall.“

Ungarn lehnt eine Verstärkung der Koordinierungsrolle der NATO bei der Lieferung von Waffen an die Ukraine und der Ausbildung ukrainischer Soldaten ab „und wird sich weder an der Planung noch an den Aktivitäten selbst beteiligen und auch nicht zur Finanzierung beitragen“, so der Außenminister.

Viele politische Kommentatoren sagen allerdings einen Zerfall der NATO nach einer Niederlage in der Ukraine vorher. Vor allem dann, wenn es Russland schafft eine Landverbindung zu Ungarn und der Slowakei herzustellen und damit auch Serbien entlastet.

Agencia de Noticias ANDES, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

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14 Kommentare

  1. Sofie Kampulek 8. April 2024 um 18:00 Uhr - Antworten

    Ich finde an der deutschen Politik hat sich nicht viel geändert. Früher haben sie halt die Menschen für ihren bekloppten Führer in den Krieg geschickt. Heute tun sie es für die zionistischen US Eliten. Aber wer weiß vielleicht war das Wort Nazi eh nicht so falsch, da ja die Zionisten schon damals monetäre Erschaffer, Förderer und Freunde der Dunkelbraunen waren.

  2. Hasdrubal 6. April 2024 um 1:36 Uhr - Antworten

    Das Banderastan wurde zum Zentrum eines „EU“-Götzendienstes, dem die UncutNews gestern den interessanten Artikel „Die Feuer, in denen die Freiheit in der Europäischen Union brennt!“ widmeten. So leer, dass das Kartenhaus mit der militärischen Niederlage (für die Kakistokratie) fallen muss – vermutlich dieses Jahr.
    Ein Zitat daraus:

    „… Angesichts des mehr als angekündigten Zusammenbruchs des Kiewer Regimes und all dessen, wofür es steht, steht die EU vor einer Überlebensfrage. Denn Götzendienste sind nun einmal so: Sie haben keine Substanz. Ganz gleich, wie sehr sie versuchen, den „ukrainischen Mitgliedstaat“ zu einer Bastion „europäischer Werte“ zu machen, alles bricht zusammen, wenn gerade in Banderas Ukraine die Rechte, die die EU zu vertreten vorgibt, am meisten verweigert werden. …“

    Irgendwann muss es einen großen Knall geben, selbst bei gleichgeschalteten Medien und schlafwandelnden Michels. Oder ähnlich schnarchenden Polen, die sich selbst in PiS-Sendern wie „Rzeczpospolita“ lieber mit dem gegenseitigen Anpinkeln als mit tieferen Zusammenhängen befassen. Vermutlich ebenso dieses Jahr – falls kein Nuklearkrieg kommt?
    In Ungarn gibt es wenigstens eine vernünftige Regierung, was helfen wird, den Knall zu überstehen.

  3. Glass Steagall Act 5. April 2024 um 17:00 Uhr - Antworten

    Ich muss dem im Artikel erwähnten Zitat widersprechen!

    „das Ziel nicht darin besteht, Frieden zu schaffen, sondern den Krieg zu gewinnen“

    Es sollte heißen, das Ziel besteht darin, den Krieg am Köcheln zu halten, denn so wird Kohle gemacht! Frieden bringt kein Geld.

    Allerdings muss auch die zahlende Bevölkerung etwas von ihrem eingesetzten Geld sehen können, bevor man ihr wieder in die Tasche greift!

  4. Martin 5. April 2024 um 16:45 Uhr - Antworten

    Warum es eine „russian challenge“ (früher soviet challenge) braucht konnte man schon 1993 nachlesen:

    LOS ANGELES TIMES, 1993:
    „…Since the Cold War ended and the Soviet Union ceased to be a vital threat to Western Europe, the North Atlantic Treaty Organization has searched for a meaningful new role.
    Increasingly, NATO officials worry that the Atlantic Alliance…might become irrelevant.
    These officials fear that, without a Soviet challenge, it is difficult to justify to heavily taxed electorates the high price of maintaining expensive armed forces. So they now argue that NATO forces must be able to be deployed “out of area”-….
    Recently, a RAND Corp. analysis on the alliance’s future has also concluded that NATO must, to survive, engage in peacekeeping operations beyond its borders–summarizing in the new buzz phrase: “Out of area or out of business.”…“

  5. therMOnukular 5. April 2024 um 16:13 Uhr - Antworten

    Zur Veranschaulichung ein Funfact:

    Frontline Combat Sees Russia Capture Ukraine „Invincible Super Weapon“

    Einfach auf Youtuhb eingeben und Bier & Popcorn nicht vergessen. Wer hätte mit solchen ukr. Wunderwaffen gedacht, dass Russland auch nur den Funken einer Chance haben könnte?…..;)))
    Unfassbar. Es ist, als wären die gescheiterten Hirngespinnste Hietlers, einen unzerstörbaren Superpanzer zu bauen, direkt genetisch an die ukr. Nationalisten weitervererbt worden….dieselben Wahnvorstellungen, dieselbe Propaganda-Erzählung, dieselben kapitalen Fehler. Einfach mal 80 Jahre Erfahrung und Evolution in den Wind schießen und den gescheiterten Blödsinn aus den 30ern wiederholen – mit denselben Anfängerfehlern.

    Das ist das geistige „Niveau“ dieser ganzen Kriegs-Sippe.

  6. Bernhard 5. April 2024 um 15:39 Uhr - Antworten

    Russland gehört zu Europa und umgekehrt. Auch 75 Jahre NATO können die Geschichte des nichtamputierten Europas nicht so einfach zerstören.
    Das tut nur beiden Seiten sehr weh.
    Und freut ausschließlich die Europafeinde über dem großen Teich.
    Die meisten Menschen im gesamten Europa wissen das. In Österreich besonders viele.

    • therMOnukular 5. April 2024 um 18:11 Uhr - Antworten

      Oder um es mit den Worten Col Macgregor’s zu sagen: „the most important thing about Russia is, that Russians are living there – since over 1000 years and they won’t go away, they never did.“

      Auch mir ist es unbegreiflich, wie und warum man sich immer wieder so aufhetzen lassen kann. Mir würde beim besten Willen nichts einfallen, wie uns Russland in den letzten Jahrzehnten bedroht oder geschadet hätte. Ganz im Gegenteil, wir haben alle viel voneinander profitiert, Russland hat sich als wesentlich pakttreuer erwiesen, als der Westen.

      Das wird jetzt noch einige Zeit richtig übel – aber auf lange Sicht ist es das mit dem US-Imperium gewesen und das kann nur gut für uns alle sein. Das Gute ist, dass der Rest der Welt nicht so ignorant ist wie wir es all die Jahre waren – es besteht also die Chance, nach unserer „Kapitulation“ wieder wirtschaftlich partizipieren zu dürfen, was wir dann dringend nötig haben werden, um den angerichteten Schaden und Wohlstandsverlust (= sinkende Lebenserwartung!!) wieder zu beheben….

  7. Pierre 5. April 2024 um 14:29 Uhr - Antworten

    Die NATO ist kodifiziertes Vasallentum gegenüber den USA. Auf dem Papier ist ein Verteidigungsbündnis ja eine akzeptable Sache. Aber die NATO ist kein Verteidigungsbündnis, sondern hat in ihrer Geschichte annähernd nur völkerrechtswidrige Angriffe ausgeführt. Wenn man nicht gebraucht wird, sucht man sich eben seine Beschäftigung und ringt um Aufmerksamkeit. Dazu kommt die militärisch-industrielle Komponente. Es will auch viel Geld verdient werden.

    Problematisch ist immer, wenn Institutionen „too big to fail“ werden. Wenn die NATO zerfällt, gehen so „schöne Posten“ überall verloren und viele Aufträge für die (US-amerikanische) Industrie…

  8. BoniBonus 5. April 2024 um 13:44 Uhr - Antworten

    Je schneller die Ampel abgewählt wird, so schneller endet das Morden auf dem Schlachtfeld. Wenn man der Ukraine einen Gefallen tun möchte, dann beendet das Füttern mit Waffen und zwingt sie zu verhandeln.

  9. Samuel Roesen 5. April 2024 um 13:28 Uhr - Antworten

    Die Menschen am Boden haben längst kapiert dass die Russen gewonnen haben. Und Viele freuen sich darüber. Aber oben am Berg ist die Luft zu dünn für klare Gedanken. Dort glauben die Eliten noch immer dass die Ukraine gute Chancen hat. Müssen sie ja auch denn ihre politische Zukunft bzw. ihr Taschenvollstopfen hängt davon ab. Aber spätestens dann, wenn die Russen in Kiew stehen und auf Odessa marschieren wird es selbst das Kuckucksnest begreifen. Der Plan Russland zu zerstören ging nach hinten los.

    • Reinhard Hardtke 5. April 2024 um 14:54 Uhr - Antworten

      Das Problem wird sein, dass ein (eigentlich fälliger) Friedensschluss nicht akzeptiert wird. Es wird einfach so getan, als ob nichts wäre. Nur Siege überall. Die ukrainischen Männer (und russischen natürlich) sind der NATO scheissegal. Lasst sie doch verrecken. Es werden einfach weitere Truppen ausgehoben. Jetzt schon die 25 und 26 Jahrigen. 400.000 weitere Männer. Zudem wird die Tauglichkeitsprüfung schärfer ausfallen. Alle bisher bedingt tauglichen Männer müssen sich erneut zur Musterung vorstellen. Das kann einem schon „den Tag versauen“. Ich möchte nicht in deren Haut stecken. Zu wissen, dass ich für alte Männer, Banken und Waffenfabrikanten an der Front verrecken soll. Alles nur durch diesen NATO provozierten Krieg.

      Boris Johnsson dieser Schweinehund hat ja den bereits ausgehandelten Frieden abgesagt. Das muss man sich mal vorstellen!!! Denkt da mal jemand von unseren verdammten „Journalisten“ und „Faktenfindern“ drüber nach? Mehr Beweis über die NATO Aggression kann es nicht mehr geben. Mehr Beweis für einen gewollten Krieg seitens der NATO kann man nicht mehr liefern. Aber nein. Russland will erobern, töten, sich ausdehnen. Lesen die mal den eigenen Quatsch?

      Wenn wir nicht einmal mehr die Tatsachen zur Kenntnis nehmen und nur noch einer ausgedachten Agenda folgen (müssen) – was sind wir dann? Wo soll uns das hinführen? Auf welcher Grundlagen werden dann noch Entscheidungen getroffen? Auf Grundlage der Phantasie? Wie krank ist das eigentlich? Wir reden über herbei phantasierte NATO-Propaganda. Und das erschreckende ist, dass es jeder weiss. Jeder Politiker, Journalist, aufmerksame Bürger, jeder Talkshowfreak. Alle lügen sich in die Tasche. Diese verlogene „heute ist sowas ja nicht mehr möglich!“ Gesellschaft kotzt mich an. Nur wen soll ich noch wählen? Alle blasen in das selbe Horn. Spielen das selbe Lied.

      • therMOnukular 5. April 2024 um 19:23 Uhr

        Auch dieses Problem der Zwangsrekrutierung wird sich eines Tages von selber lösen. Die Videos von sich widersetzenden Männern werden mehr und mehr. Die Rekrutierungsoffiziere müssen mittlerweile damit rechnen, mit dem Auto überfahren zu werden, mit Äxten attackiert oder schlicht vom zusammenlaufenden „Pöbel“ aus dem Dorf getreten.

        Betrachten Sie das ganze Bild und lehnen sich entspannt zurück: der Beweis ist einfach zu führen, warum die Sanktionen nicht wirken – weil der Rest der Welt nicht bei uns mitmacht, sondern eher im Gegenteil. Wir selbst stehen in der Schmuddelecke und darum kommt alles zu uns zurück, was wir ausschicken. Russland kann gar nicht verlieren, weil 80% der Welt an seiner Seite stehen.

        Ich gebe der Nato noch max. 6 Jahre……

    • Andreas_Sch. 5. April 2024 um 20:11 Uhr - Antworten

      @therMOnukular
      5. April 2024 at 19:23

      Noch 6 Jahre? 😱 Wissen Sie, was man in 6 Jahren alles anrichten kann? Wer soll das überleben? Das hätten die gern so. 2030 ist DEREN Stichtag – nicht der richtiger Menschen … hoffentlich.

      • therMOnukular 5. April 2024 um 20:24 Uhr

        Verstehe Ihren Einspruch nicht ganz, Andreas Sch…..bis 2030 sind es noch 6 Jahre….
        Ausserdem meine ich damit nicht, dass der Ukraine-Krieg deshalb noch 6 Jahre dauert. Aber man wird nach den Niederlagen gegen Russland, China & Co noch ein paar Jahre weiterwursteln, bis es keine Alternative mehr gibt (da kein Geld mehr, zu zerstritten, zu international isoliert).

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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