Twitter Plan von Elon Musk: „Alles-App“ soll auch Amazon Konkurrenz machen

19. Oktober 2022von 4,9 Minuten Lesezeit

Der südafrikanische Milliardär Elon Musk schafft es in jüngster Zeit wieder massiv in die Medien zu kommen – und wegen seiner Friedensvorschläge auf eine ukrainische Todesliste auf der auch die ermordete Daria Dugina stand. Der Kauf von Twitter, der offenbar noch immer bevorsteht und die Auseinandersetzung um die Bezahlung des Starlink-Systems, das der ukrainischen Armee erfolgreich zu kämpfen ermöglicht, sind die Aufreger rund um Musk.

Musk hat keineswegs vor Twitter als den Kurznachrichtendienst weiter zu führen der er bisher war. Und er hat auch nicht vor, damit die Meinungsfreiheit zu fördern. Es geht vielmehr um eine Möglichkeit, eine Plattform aufzubauen, die Messaging, Zahlungen und Handel integriert, so Medienberichte.

Für den Unternehmer ist die Akquisition eine Möglichkeit eines seiner früheren Projekte wieder aufleben zu lassen, nämlich eine „Alles-App“ , die seit mehr als zwei Jahrzehnten in Entwicklung ist.

„Der Kauf von Twitter ist ein Beschleuniger für die Schaffung von X, der App für alles„, twitterte Musk, nachdem seine Anwälte dem Social-Media-Unternehmen mitgeteilt hatten, dass er den Kauf zum ursprünglichen Preis von 54,20 US-Dollar pro Aktie fortsetzen wolle. Das Geschäft ist abhängig von einer Fremdfinanzierung und einem Ende des monatelangen erbitterten Rechtsstreits um den Rückzug.

Zunächst hatte sich Musk ja als Verteidiger der Meinungs- und Redefreiheit gegeben. Im Sommer deutete Musk jedoch einen größeren Plan für Twitter an: Er will die Plattform zum Rückgrat einer „Super-App“ im Stil von WeChat machen, die als Betriebssystem für das digitale Leben der Menschen fungiert.

Das im Tweet erwähnte „X“ scheint eine Anspielung auf X.com zu sein, Musks zweites Startup, aus dem schließlich PayPal wurde. Musk kaufte den Domainnamen mit nur einem Buchstaben im Jahr 2017 von PayPal zurück. „Im Moment gibt es keine Pläne“, twitterte Musk damals, „aber es hat einen großen sentimentalen Wert für mich.

Im August verriet Musk jedoch, dass er in der Tat „eine größere Vision für das hatte, was X.com oder X Corporation meiner Meinung nach damals hätten sein können.“

„Es ist eine ziemlich große Vision. Und natürlich könnte man damit bei Null anfangen“, sagte er auf der jährlichen Aktionärsversammlung von Tesla, ohne näher darauf einzugehen, was dieser Plan genau beinhaltete. „Aber ich denke, Twitter würde helfen, das um drei bis fünf Jahre zu beschleunigen.“

Die ursprüngliche X.com war eine der ersten Online-Banken, die Musk Anfang 1999, auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase, mitbegründet hat. Musks erstes Startup, Zip2, ein Online-Verzeichnis lokaler Unternehmen, war gerade für mehr als 300 Millionen US-Dollar an die Compaq Computer Corp. verkauft worden.

Als frischgebackener Multimillionär investierte Musk 12 Millionen US-Dollar – den größten Teil seines Erlöses aus dem Zip2-Verkauf (nach Steuern) – in X.com. Er stellte sich vor, dass X.com zu einem One-Stop-Shop für Finanzdienstleistungen werden würde, von Bankkonten für Verbraucher bis hin zu Maklerdiensten und Versicherungen.

Ein Jahr später fusionierte X.com mit seinem Konkurrenten Confinity, und 2001 wurde das Unternehmen in PayPal umbenannt. Als das Unternehmen 2002 für 1,5 Milliarden US-Dollar an eBay Inc. verkauft wurde, verdiente Musk rund 180 Millionen US-Dollar und verfügte damit über die finanziellen Mittel, um in das Elektroauto-Startup Tesla zu investieren und sein Raketenunternehmen SpaceX aufzubauen.

Im Laufe der Jahre hat Musk jedoch angedeutet, dass er X.com als eine verpasste Gelegenheit ansieht, „der zentrale Ort zu werden, an dem alle Transaktionen stattfinden“. Seinem Biographen Ashlee Vance erzählte er, dass er sogar in Erwägung gezogen habe, „zu versuchen, PayPal zurückzubekommen“.

Wenn alle finanziellen Angelegenheiten nahtlos an einem Ort integriert sind, ist es sehr einfach, Transaktionen durchzuführen, und die mit den Transaktionen verbundenen Gebühren sind niedrig„, wird Musk in Vances Biografie von 2015 zitiert. „Warum machen sie (PayPal) das nicht? It’s mad.

„In China lebt man im Grunde genommen auf WeChat“, sagte Musk den Twitter-Mitarbeitern bei einem Treffen aller Mitarbeiter des Unternehmens im Juni, bevor er versuchte, aus dem Geschäft auszusteigen. „Wenn wir das mit Twitter wiederholen können, werden wir einen großen Erfolg haben.“

Die Tendenz zur Herrschaft von Tech-Unternehmen

Diesen umfassenden Anspruch scheinen alle Digital-Unternhmen zu haben. Auch Microsoft hat ganz klein mit der Programmiersprache Basic angefangen um seine Reichweite Schritt für Schritt auszuweiten und nun zumindest das Client Computing monopolartig zu dominieren. Ähnlich Google, von der durch die CIA geförderte Entwicklung einer Suchmaschine bis zur völligen Durchdringung unseres täglichen Lebens und die Dominanz nicht nur im Smartphone Markt.

Oder Facebook zu Meta entwickelt mit Bezahlfunktionen via der eigenen Chats, Internetzugang und so wie die anderen Einkauf in die Kommunikations-Backbones.

Trotz eigener Produkte entstand daraus eine Plattformökonomie, an die unzählige kleinere Anbieter andockten. In der reinen Form können wir das bei globalen Konzernen wie Amazon, Uber, AirBnB oder Booking beobachten, die sogar auf die eigenen Produkte verzichten können und eine reine Verkaufs-, Liefer- und Bezahlfunktion übernehmen.

Immer gehen damit einher eine Konzentration bis zur Monopolstellung einerseits und eine Marginalisierung der Satelliten und Zulieferer. Ein anfänglicher Vorteil – Zugang zum Kunden – verwandelt sich rasch ins Gegenteil, wenn man dem Diktat der Plattform ausgesetzt ist. Und wer nicht mitmacht, verschwindet vom Markt.

Die Kunden geben ihre Anonymität auf, sie werden manipulierbar und sind über kurz oder lang dem Preisdiktat der Monopole ausgeliefert sowie einer Einschränkung ihrer Wahlfreiheit.

Gelingt es Musk seine „Alles-App“ X umzusetzen, so ist dies ein weiterer Schritt in diese Richtung. Was herauskommt, wird eine weitere Einschränkung der Freiheit sein.


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7 Kommentare

  1. Gottfried Kamleitner 22. Oktober 2022 at 1:15Antworten

    Faszinierend und erschreckend zugleich wie sehr man Musk immer wieder missverstehen kann.
    Selbstverständlich wird es auf Twitter weniger Zensur und wieder freie Meinung geben, das war seine Motivation den Laden zu kaufen verdammt nochmal, daran kann doch überhaupt kein Zweifel sein, schaut euch doch an wie sich diese Dinge entwickelt haben!

    Dass er daraus nach dem extrem hohen Kaufpreis auch irgendwie wieder Geld verdienen muss ist ja wohl auch klar, das Geld wächst auch bei ihm nicht hinten im Garten am Baum, sondern er muss es erwirtschaften.
    Musk ist, völlig im Gegensatz zu den sonstigen reichen Leuten, weder korrumpierbar, noch an persönlichem Reichtum interessiert, es ist traurig, dass über ihn immer wieder so absurd hergezogen wird. Er ist einer der ganz wenigen Menschen die in der Öffentlichkeit stehen und viel Geld haben, der so ziemlich alles was er in seinem Leben gemacht hat zum Nutzen der Menschheit gemacht hat. Er ist jemand, der weitestgehend ohne Ideologie an Probleme herangeht, und versucht sie zu lösen. Seit langer Zeit merkt man bei ihm, dass ihn diese woke und cancel culture genauso ankotzt wie ihn Zensur und Meinungsmanipulation ankotzt, und er wollte dagegen etwas tun und hat deshalb diesen Twitter Deal gestartet, nachdem Twitter die mit Abstand bösartigste Meinungsmanipulations- und Zensurmaschine ist.

    Es möge zum Nachdenken anregen, dass viele das nicht sehen können, weil sie selbst innen drinnen selbstsüchtig und profitgierig sind, und sich einfach nicht vorstellen können, dass andere Menschen völlig anders funktionieren, und Musk funktioniert definitiv völlig anders, der ist eine ganz andere Liga, sowohl intellektuell, als auch moralisch, da können die meisten nichtmal annähernd das Wasser reichen.

    Hätten wir 10 Elon Musks auf der Welt die ein paar politische Ämter innehätten…. wir würden in Frieden und Wohlstand leben.

    Es ist eine der bizarren Seiten der Widerstandsbewegungen, dass wie auf Kommando ein verwirrter Feldzug gegen erneuerbare Energien, Elektromobilität und seinen Proponenten Elon Musk gefahren wird, und die meisten nicht merken, wie sie sich da völlig in den Wahn hineinreiten, nämlich genau den gleichen Wahn, den sie selbst bei den Covid Fanatikern sehen, nur bei der eigenen ideologischen Verblendung setzt der Verstand leider aus.

    Fanatismus ist furchtbar, und der ist leider auch bei vielen Leuten der Widerstandsbewegung ein sehr großes Problem, ein Problem, dass den Blick auf die Realität verunmöglicht.

  2. Wolfgang 19. Oktober 2022 at 19:10Antworten

    Wenn es Musk gelingt sein Vorhaben umzusetzen, dann braucht es keine Zensur mehr.
    Bei dem Herrn gibt es nämlich nur eine Meinung die zählt. „Seine“

  3. federkiel 19. Oktober 2022 at 13:19Antworten

    „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen“, so Helmut Schmidt

    • A. O. 20. Oktober 2022 at 10:42Antworten

      federkiel

      Oktober 2022

      „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen“, so Helmut Schmidt.

      Da hat wohl Elon Musk sein Termin nicht wahrgenommen. :-)

      Übrigens auch das hat damals Helmut Schmidt gesagt.

      Zitat von Helmut Schmidt: Man muss die Grenzen wissen. „Wir können nicht mehr Ausländer verdauen, das gibt Mord und Totschlag.“

  4. Jan 19. Oktober 2022 at 11:09Antworten

    Das Problem ist nicht nur das Diktat der Plattform und die Datenbündelung, sondern die Monopolosierung, das Verschwinden von Alternativen. Wenn dann ein Problem entsteht und die Plattform ausfällt, sind die Schäden maximal.

  5. G. Kanten 19. Oktober 2022 at 10:39Antworten

    Elon Musk, der als Kind vom Vater nicht geliebt, geachtet wurde schießt Quer. Nicht mehr und nicht weniger. Geltungsdrang. Bitte beachtet mich! Menschen mit einem übersteigerten Geltungsdrang können ihrem Umfeld schnell auf die Nerven gehen. Das tut Elon Musk difinitiv. Zappeln, Grimassen, Hampelmann Tanz und Co sind immer dabei. Sein übersteigertes Bedürfnis nach Anerkennung kann ihm das Genick brechen.

  6. Tony V 19. Oktober 2022 at 9:40Antworten

    Das hat man davon wenn man sich in einen Krieg einmischt ohne vorher die Voraussetzungen zu kennen … war ja klar.
    Ohne Starlink wäre es noch dazu wohl schon vorbei und hätte tausende Tote erspart.

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