Die Diskussion um Windkraftanlagen dreht sich meist um Landschaftsbild, Vogelschlag oder Subventionen. Doch der physikalisch-akustische Kern des Problems – der Schalldruck in Dezibel oder Pascal – wird systematisch kleingeredet. Eine schwedische Studie, veröffentlicht in Applied Acoustics, hat die Zahlen gemessen.
Aber bevor wir uns damit befassen, wie weit sich Infraschall ausbreitet und mit welcher Stärke in Dezibel bzw Pascal, noch ein Beispiel wie völlig unverstanden Infraschall bei „Experten“ ist. Bei einer einer Veranstaltung der Gemeinde Harmannsdorf im südlichen Weinviertel zur Bewerbung eines mit 30 Windrädern geplanten Windparks war als einer der „Experten“ aufgeboten Priv.Doz, Dr. Hanns Moshammer von der Abteilung für Umwelthygiene und Umweltmedizin der MedUni Wien. Seine Aussagen waren ziemlich erstaunlich. Vorher hatte er zehn Jahre als Amtsarzt gearbeitet.
Er leitete damit ein, diesmal keine Folien zu haben – es war bekannt, dass Kritiker anwesend sein würden, die ev fotografieren:

Bekanntheit mit Windrädern hatte er als Begutachter zunächst in Deutschland gemacht und hatte dabei die Erkenntnis, „dass die Hauptquelle für den Lärm der Windräder der Wind ist“ gewonnen. Er mache tonalen Lärm und man höre gelegentlich ein Pfeifen. Auf die Frage nach der Rolle des Infraschall erklärte er „mit dem Begriff Infraschall nicht sehr glücklich“ zu sein.
Er kommt noch mal auf das Pfeifen zurück „…die Hauptquelle des Lärms von Windrädern ist der Wind“. Messe man in einer
Wiese „und die Windräder in mehr als 300 oder 500 Meter Entfernung drehen sich, messen Sie gleich viel Infraschall, wie wenn Sie die Windräder nicht drehen und der entsprechende Wind geht.“
Da fehlen grundlegende Kenntnisse, zum Beispiel darüber, dass sich die Rotorspitze eines 175 Meter Windrades bei 12 Umdrehungen mit fast 400 km/h durch die Luft bewegt (Kreisumfang d+¶, also 550 m durch 5 Sekunden bei 12 Umdrehungen ergibt 110 m/sec mal 3,6 = 396 km/h). Die Passage jedes Rotorblattes durch den Turmschatten verursacht einen massiven Druckstoß, der eben den Infraschall mit sehr steilen Flanken erzeugt – Frequenz von 0,1 bis 0,8 Hz bei 2 bis 16 Umdrehungen pro Minute. Deshalb hat die Universität Münster in einer Studie im September 2026 festgestellt, dass dieser Infraschall Erdbebenmessgeräte in 5,5 Kilometern noch stört – aber nur wenn sich das Windrad dreht.
Moshammer hatte offenbar diesen Artikel auf meinbezirk.at gelesen oder gesehen: „Windrad-Infraschall unter der Hörschwelle verändert Gehirn – Charité-Studie widerlegt offizielle Entwarnung“ und bezog sich darauf:
„... es sind da manche Sachen falsch oder ich habe jetzt unlängst im Bezirksjournal gelesen, dass der, das der an der Wahrnehmungsschwellen, der Infraschall, irgendwas im
Gehirn macht. Ja, jede Schallwelle trifft das Innenohr, macht eine Erregung, wenn die Frequenz aber sehr gering ist, kann das, kann der Hirnstamm das nicht mehr weiter auflösen, weil ganz einfach, der tut in Zehntelsekunden Abstand die Schallwellen messen und wenn die, wenn die Frequenz in die Richtung kommt, hat er nicht genügend Wellen, um die Frequenz weiterzugeben. Das heißt, der Hirnstamm stellt das fest und berichtet es nicht mehr weiter an die Großhirnrinde.“
Die Charité in Berlin ist die wohl renommierteste MedUni in Deutschland, und es haben auch Forscher vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB), Braunschweig und Berlin mitgearbeitet. Der Titel „Altered cortical and subcortical connectivity due to infrasound administered near the hearing threshold – Evidence from fMRI„ (Veränderte kortikale und subkortikale Konnektivität durch Infraschall im Bereich der Hörschwelle – Erkenntnisse aus der fMRI“) sagt schon mal aus, dass Infraschall im Gehirn messbare Veränderungen verursacht.
Die Autoren schreiben selbst, dies sei die erste Studie, die nachweise, dass Infraschall nahe der Hörschwelle neuronale Aktivitätsänderungen in mehreren Hirnregionen auslösen könne – darunter Gebiete der auditorischen Verarbeitung sowie Schlüsselregionen der emotionalen und autonomen Kontrolle. Sie spekulieren ausdrücklich, dass eine kontinuierliche Exposition gegenüber (sub-)liminalem Infraschall pathogen wirken könnte. Und das haben danach Herzchirurgen vom Uniklinikum Mainz in mehreren Studien auch für das Herz nachgewiesen.
Moshammer findet „manche Behauptungen, es ist ziemlich abstrus, obwohl sie noch einen wahren Kern haben, aber im Grunde die Überlegung, dass wir bei tieffrequentem Schall sehr genau nachschauen müssen und nur die Abbewertung allein nicht aussagekräftig ist“. (Mitschrift von Moshammer-in-Harmannsdorf)
Moshammer wurde auch vom ORF-Report als „Experte“ herangezogen.
Aber genug damit, wenden wir uns seriöser Naturwissenschaft zu, nämlich der Arbeit von Professor Ken Mattsson und Kollegen von der Uppsala University und University of Gävle.
Was gemessen wurde
Die Forscher haben ein hochpräzises 3D-Simulationsmodell namens SoundSim360 entwickelt und es an zwei schwedischen Windparks validiert:
| Windpark | Anlagentyp | Anzahl | Nabenhöhe | Gesamthöhe | In Betrieb seit |
|---|---|---|---|---|---|
| Målarberget | Vestas V150-4.2 MW | 27 | 125 m | 200 m | 2021 |
| Lervik | SG170-6.6 MW | 7 | 115 m | 200 m | 2024 |
Gemessen wurde mit einem Lidström-Mikrofon (65 mm, Gargnäs Electronics, Schweden), kalibriert an der NORSAR-Station in Elverum – einer der zertifizierten CTBTO-Infraschallstationen. Abtastrate: 1060 Hz. Frequenzbereich: runter bis 1 Hz. Also wichtig: Das ist der Infraschall in der Luft. Der seismische Schall im Boden, der sich wesentlich weiter ausbreitet und Erdbebenmessgeräte stört, wird damit nicht erfasst!
Entscheidendes Detail der Forscher selbst: Die Messungen gehen nur bis 1 Hz, obwohl die Blattdurchlauffrequenz (BPF) moderner Großanlagen bei 0,2–0,5 Hz liegt. Die Forscher schreiben wörtlich:
„Idealerweise sollten die Infraschallmessungen bis auf 0,1 Hz reichen, um den BPF der neuen, größeren Windkraftanlagen zu erfassen, der voraussichtlich zwischen 0,2 und 0,5 Hz liegen wird.“
Das heißt: Was gemessen wurde, ist nur der obere Rand des eigentlichen Infraschall-Emissionsspektrums. Die wahren Pegel in den tieferen Frequenzen waren selbst mit diesem Equipment nicht erfassbar.
Schallleistungspegel: Die nackten Zahlen
Die Studie ermittelt für die 1-Hz-Terzband folgende Schallleistungspegel der Windturbinen:
| Messung | Windpark | Datum | Schallleistungspegel LWL_W bei 1 Hz |
|---|---|---|---|
| 1 | Målarberget | 26.10.2023 | 153,7 dB |
| 2 | Målarberget | 23.10.2024 | 172,1 dB |
| 3 | Målarberget | 16.12.2024 | 163,5 dB |
| 4 | Lervik | 21.05.2024 | 159,4 dB |
| 5 | Lervik | 10.09.2024 | 161,3 dB |
Die Spannweite von 153,7 bis 172,1 dB zeigt die enorme Variabilität – abhängig von atmosphärischen Bedingungen und Betriebszustand.
Zur Einordnung: 172 dB Schallleistungspegel im Infraschallbereich heftig. Die Studie selbst stellt fest:
„Moderne, groß dimensionierte Windkraftanlagen erzeugen Infraschallpegel, die deutlich höher sind als die für ältere, kleinere Anlagen gemeldeten Werte.“
Das ist der wissenschaftlich verklausulierte Satz für: Was wir hier messen, sprengt alles, was die Genehmigungsverfahren bisher angenommen haben.
Schalldruck in Entfernung: Wann wird’s leise?
Die Studie enthält detaillierte Lärmkarten (Noise Maps) für beide Windparks. Aus den veröffentlichten Daten und den Simulationen lassen sich folgende Werte ableiten:
Målarberget (27 × 4,2 MW Vestas V150)
| Entfernung zur nächsten Anlage | Typischer SPL bei 1 Hz | Anmerkung |
|---|---|---|
| 500 m | 75–85 dB | Messbereich der Studie |
| 1.000 m | 65–75 dB | Je nach Atmosphäre |
| 2.000 m | 55–65 dB | Deutlich über Hintergrund |
Lervik (7 × 6,6 MW SG170)
| Entfernung | Typischer SPL bei 1 Hz | Anmerkung |
|---|---|---|
| 500–700 m | 80–90 dB | Messpunkt der Studie |
| 1.500 m | 65–75 dB | Simulation |
| 3.000 m | 55–65 dB | Bei Nacht/Inversion |
Die 100-dB-Marke – das ist die entscheidende Frage – wird im Infraschallbereich (1 Hz) nur im unmittelbaren Nahbereich (unter 50–100 m vom Turm) erreicht. Aber das ist auch nicht der Punkt. Entscheidend ist, dass Pegel von 60–80 dB im Infraschallbereich noch in Kilometern Entfernung auftreten – und das ist genau der Bereich, in dem physiologische Effekte dokumentiert sind.
Verstärkung durch mehrere Anlagen: Kohärenz und Interferenz
Die Studie behandelt die Mehrquellenproblematik explizit. Sie verwendet einen Ansatz mit erwartetem Schalldruckpegel, der die mittlere quadratische Drucksumme über alle Phasenkombinationen berechnet.
Die Autoren weisen darauf hin, dass dies nicht dem strengen statistischen Mittelwert der Dezibelwerte entspricht (das wäre etwa 2,5 dB niedriger), sondern der konventionellen Methode zur Summierung inkohärenter Quellen.
Aber – und das ist der Haken – die Phasen sind in der Realität eben nicht zufällig. Wenn mehrere Turbinen mit ähnlicher Drehzahl laufen (was im Windpark die Regel ist), kommt es zu kohärenter Überlagerung im Tieffrequenzbereich. Die Studie dokumentiert:
„In Schalldruckspektren treten die BPF und ihre Oberwellen als deutliche Spitzen auf.“
Diese Spitzen – die Blattdurchlauffrequenz und ihre Harmonischen – überlagern sich konstruktiv, wenn die Phasenlage stimmt. Die Studie räumt ein:
„Wir möchten betonen, dass die von uns vorgestellten Simulationsergebnisse keine Momentaufnahmen des Schalldruckpegels zu einem bestimmten Zeitpunkt darstellen, sondern als Durchschnittswerte über alle möglichen Phasenkombinationen betrachtet werden sollten. In der Realität werden lokale Schwankungen des Schalldruckpegels sowohl zeitlich als auch räumlich erheblich sein.“
Übersetzt: Die tatsächlichen Spitzenpegel liegen über den hier berichteten Mittelwerten. Teilweise deutlich.
Der Atmosphären-Effekt: Warum die Nacht gefährlich ist
Ein zentrales Ergebnis der Studie: Die Atmosphäre ist entscheidend für die Schallausbreitung im Infraschallbereich. Die Forscher simulierten vier atmosphärische Profile für die Windparks Tvinnesheda (47 × Vestas V150-4.3 MW) und Karskruv (20 × Vestas V150-4.5 MW):
| Profil | Wind in 10 m Höhe | Bedingungen |
|---|---|---|
| Tag, 1 m/s | Schwacher Wind | Geringe Refraktion |
| Tag, 8 m/s | Starker Wind | Wellenleiter-Effekt |
| Nacht, 1 m/s | Schwacher Wind | Moderate Refraktion |
| Nacht, 8 m/s | Starker Wind | Stärkste Wellenleitung |
Die Ergebnisse sind frappierend. An einem sensiblen Punkt (Wohnhaus) in 3,5 km Entfernung:
- Tag, 1 m/s: Basiswert
- Nacht, 8 m/s: +14,5 dB höher
14,5 dB Unterschied – das ist mehr als eine Verfünffachung des Schalldrucks, nur durch atmosphärische Bedingungen. Die Forscher erklären:
„Das atmosphärische Profil bei Nacht, das sich durch einen Rückenwind von 8 m/s in 10 m Höhe auszeichnet, entspricht einer Atmosphäre mit hoher Brechkraft, die ein Wellenleiterverhalten hervorruft – im krassen Gegensatz zum Tagesprofil mit einem Rückenwind von 1 m/s.“
Das bedeutet: In klaren Nächten mit Wind – genau dann, wenn die Anlagen Volllast fahren – wird der Infraschall durch einen atmosphärischen Wellenleiter kanalisiert und erreicht Entfernungen, die tagsüber akustisch unauffällig wären. Genehmigungsverfahren, die mit Standardatmosphäre rechnen, unterschlagen diesen Effekt systematisch.
Gesundheitliche Auswirkungen: Die Forscher als Betroffene
Zwei der Autoren berichten von eigenen Symptomen während der Messungen:
„Nach diesen ersten Infraschallmessungen litten zwei von uns unter Schlafstörungen und Migräne. Diese Symptome traten auf, nachdem wir mindestens vier Stunden lang Infraschallpegel von knapp über 95 dB im Frequenzbereich um 1 Hz ausgesetzt waren.“
95 dB bei 1 Hz über 4 Stunden – und das Ergebnis sind Schlafstörungen und Migräne. Die Forscher verweisen auf die Fachliteratur:
- Danielsson & Landström (1985): Infraschall bei 95 dB über 1 Stunde verursacht Anstieg des diastolischen Blutdrucks, Abfall des systolischen Blutdrucks und der Pulsrate
- Otoneurologie/Otolaryngologie: Unhörbarer Infraschall kann bei prädisponierten Personen Migräne auslösen
- Ein Drittel der Bevölkerung hat ein empfindlicheres Nervensystem und ist für Migräne prädisponiert
Die Forscher kritisieren explizit die bisherigen Laborstudien, die keine Gesundheitseffekte fanden:
„Diese Studien weisen gewisse Einschränkungen auf: Bei ihrer Konzeption wurden keine Experten für Otoneurologie oder HNO-Heilkunde einbezogen, und Teilnehmer mit bekannten Überempfindlichkeiten, wie beispielsweise Personen, die zu Migräne neigen, wurden nicht berücksichtigt. Darüber hinaus spiegeln die kurzfristigen Laborbelastungen möglicherweise nicht vollständig die langfristige, kumulative Belastung in Wohngebieten in der Nähe von Windparks wider.“
Und sie fordern:
„Eine wissenschaftlich fundierte Studie muss daher eine realistische Nachbildung von pulsierendem Infraschall, Expositionszeiträume von mehreren Wochen, eine ausreichend große und vielfältige Teilnehmergruppe – einschließlich Personen mit bekannten Empfindlichkeiten wie Migräne – sowie die Einbeziehung medizinischer Experten aus den Bereichen Otoneurologie und HNO-Heilkunde umfassen. Solange solche Studien nicht durchgeführt werden, ist es verfrüht, endgültige Schlussfolgerungen hinsichtlich der gesundheitlichen Auswirkungen von Infraschall durch Windkraftanlagen zu ziehen.“
Das ist der wissenschaftliche Weg zu sagen: Die Entwarnungen der letzten 15 Jahre basieren auf methodisch unzureichenden Studien. Wer heute behauptet, Infraschall von Windkraftanlagen sei harmlos, tut dies ohne belastbare Evidenz.
Der pulsierende Charakter: Warum Windrad-Infraschall anders ist
Ein weiteres Schlüsselelement der Studie: Windrad-Infraschall ist nicht mit natürlichem Infraschall vergleichbar. Die Forscher erklären:
„Jedes Mal, wenn ein Windradflügel den Turm passiert, entsteht ein Druckimpuls mit steilen Flanken, der sich als Infraschall ausbreitet. […] In Schalldruckspektren erscheinen der BPF und seine Oberschwingungen als deutliche Spitzen. Dieses Muster steht in starkem Kontrast zu natürlichem Infraschall, der typischerweise breitbandig durch meteorologische Ereignisse erzeugt wird und keine solchen diskreten Spitzen aufweist. Auf dieser Grundlage ist die Hypothese naheliegend, dass Menschen im Allgemeinen nicht von natürlichem Infraschall beeinträchtigt werden. Die unnatürlichen Eigenschaften des Infraschalls von Windkraftanlagen, die sich aus seinen sich wiederholenden Impulsen ergeben, könnten jedoch zu den Symptomen beitragen, die in der Nähe von Windkraftanlagen berichtet werden.“
Die Blattdurchlauffrequenz moderner Anlagen:
- Alte Anlagen: 0,7–0,9 Hz
- Moderne Großanlagen: 0,1–0,8 Hz
Die Pulse werden mit zunehmender Rotorblattgröße stärker und tieffrequenter – genau in den Bereich, den der Körper nicht mehr als Ton, sondern als Druckwelle registriert.
Bis zu welcher Distanz ist der Infraschall messbar?
Die Studie gibt hier klare Hinweise – auch wenn sie sich auf 1 Hz und die Ausbreitung durch die Luft beschränkt und die über die wesentlich langwelligere und weiter reichende über den Boden überhaupt nicht behandelt:
- 500 m: 75–90 dB (direkte Messung)
- 2.000 m: 55–70 dB (simuliert, je nach Atmosphäre)
- 5.000 m und mehr: 45–60 dB bei Nacht/Inversion
Die Forscher simulierten Domänen von 15 × 15 × 5 km³ – das zeigt, dass sie die Schallausbreitung über diese Distanzen für physikalisch relevant halten. Die Ergebnisse für die sensitiven Punkte (Wohnhäuser) in den Tvinnesheda/Karskruv-Simulationen:
| Punkt | Entfernung zur nächsten Anlage | SPL Tag/1 m/s | SPL Nacht/8 m/s | Differenz |
|---|---|---|---|---|
| A | ~1,5 km | 52 dB | 56 dB | +4 dB |
| E | ~5 km | 35 dB | 50 dB | +15 dB |
In 5 Kilometern Entfernung nachts noch 50 dB im 1-Hz-Band – das ist kein theoretischer Wert, sondern ein simulierter auf Basis validierter Modelle mit realen Atmosphärendaten.
Die Grenzen der Studie – von den Autoren selbst benannt
Die Forscher benennen Limitierungen so:
- Frequenzbereich: Nur bis 1 Hz messbar, BPF liegt bei 0,1–0,8 Hz – die Hauptemission wird also verfehlt
- Punktquellen-Annahme: Turbinen werden als Punktquellen in der Nabe modelliert, keine Richtwirkung
- Atmosphärische Auflösung: 2,5 km räumlich, 1 Stunde zeitlich – kleinskalige Effekte nicht erfasst
- Bodenmodellierung: Nur zwei Bodenklassenfür Reflexionen vom Boden (hart/halbhart), konservative Annahmen
- Phasenmittelung: Die Simulation zeigt Durchschnittswerte, nicht die realen Spitzenpegel
Das sind systematische Unterschätzungen der tatsächlichen Belastung.
Was bedeutet das für Anwohner?
Fassen wir die Erkenntnisse in einer Tabelle zusammen – konservativ gerechnet, basierend auf den Studiendaten:
| Entfernung | SPL bei 1 Hz (Tag, schwach windig) | SPL bei 1 Hz (Nacht, windig) | Physiologische Relevanz |
|---|---|---|---|
| 300–500 m | 75–90 dB | 80–95 dB | Dokumentierte Migräne/Schlafstörungen bei 4 h Exposition >95 dB |
| 1.000 m | 60–75 dB | 65–80 dB | Danielsson/Landström: Blutdruckveränderungen ab 95 dB/1 h |
| 2.000 m | 50–65 dB | 55–70 dB | Vestibuläre Reizung möglich, besonders bei sensiblen Personen |
| 5.000 m | 35–50 dB | 45–60 dB | Unterschwellig, aber körperlich registrierbar bei Dauerbeschallung |
Die üblichen Abstandsregelungen von 500–1.000 Metern in Deutschland und Schweden sind mit diesen Zahlen akustisch nicht zu rechtfertigen, sobald es um Infraschall geht. Sie basieren auf A-bewerteten Pegeln im Hörfrequenzbereich – für 1 Hz und darunter sind sie irrelevant.
Der Paradigmenwechsel: Was diese Studie anders macht
Diese Arbeit markiert einen Wendepunkt. Bisher lief das Spiel so:
- Windkraftlobby: „Infraschall ist unterhalb der Hörschwelle, daher harmlos.“
- Kritiker: „Anwohner berichten massive Symptome.“
- Behörden: „Keine belastbaren Studien.“
Mattsson et al. durchbrechen diesen Zirkel:
- Sie dokumentieren Pegel von 95+ dB bei 1 Hz im Feld
- Sie berichten eigene Gesundheitssymptome als geschulte Wissenschaftler
- Sie fordern methodisch saubere Studien mit Langzeitexposition, sensiblen Probanden und medizinischer Expertise
- Sie zeigen, dass die atmosphärische Variabilität Pegelunterschiede von 15 dB über wenige Kilometer erzeugt – ein Faktor, der in Genehmigungsverfahren komplett fehlt
Die Studie ist finanziert vom Schwedischen Forschungsrat (VR) und FORMAS – also von staatlichen, nicht von Industrie- oder Aktivisten-Geldern. Das macht es schwer, sie als interessengeleitet abzutun.
Quellen
- Mattsson, K., Eriksson, G., Persson, L., Chilo, J. & Tatar, K. (2026). Efficient finite difference modeling of infrasound propagation in realistic 3D domains: Validation with wind turbine measurements. Applied Acoustics, 243, 111156. https://doi.org/10.1016/j.apacoust.2025.111156
- Danielsson, Å. & Landström, U. (1985). Blutdruckveränderungen unter Infraschall-Exposition – zitiert in der Studie als frühe physiologische Evidenz
- Kelley, N.D. et al. (1985). Acoustic noise associated with the MOD-1 wind turbine: its source, impact, and control. SERI Technical Report – das erste große Windkraft-Akustik-Papier, das schon damals auf die Problematik hinwies
Fazit
Diese Studie aus Uppsala liefert, was Anwohner seit Jahren mit ihren Körpern messen: Moderne Windkraftanlagen emittieren Infraschall in gesundheitsrelevanten Pegeln über Kilometer-Entfernungen. Die nächtliche Wellenleitung durch die Atmosphäre verstärkt den Effekt massiv. Die Laborstudien, die Entwarnung geben, sind methodisch unzureichend – das sagen jetzt nicht mehr nur Betroffene, sondern schwedische Akustik-Professoren mit Regierungs-Förderung.
Der nächste Schritt ist klar: Messungen bis 0,1 Hz, Langzeit-Expositionsstudien mit sensiblen Probanden, und eine Überarbeitung der Abstandsregelungen, die den Namen verdient.
Und es braucht seismische Studien, das heißt über die Ausbreitung durch den Boden als seismische Wellen, die ja von den Erdbebenmessgeräten erfasst werden. Denn sie treten in Resonanz, auch wenn Moshammer nicht versteht wie das funktioniert, und verursachen dann die Abstrahlung von Infraschall innerhalb des Hauses und Wohnräumen, wie in diesem Artikel berichtet. Wenn seismische Wellen eines Erdbebens mit Gebäuden in Resonanz treten, dann sammeln sie Energie und das kann zum Einsturz führen.
Umfangreiche Information zur Problematik von Windkraft bietet der TKP-Verlag mit dem neuen Buch:
Die Windkraft-Lüge. Was Windräder in Wahrheit anrichten
erhältlich im Buchhandel oder im Versandhandel
Bürgerinitiative: Stoppt das Windindustriegebiet Leobendorf & Harmannsdorf
NEIN zum Windindustriegebiet im Natur- und Erholungsraum Leobendorf & Harmannsdorf! – Online-Petition:
https://www.openpetition.eu/at/petition/online/nein-zum-windindustriegebiet-im-natur-und-erholungsraum-leobendorf-harmannsdorf#petition-main
Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇
Bild: Screenshot aus dem Video der Bürgerinitiative
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ORF-Report: Windkraftkritiker als Wandercircus vorgeführt und Wissenschaft verschwiegen
1 Kommentar
Wieso spricht eigentlich niemand davon, dass unser kostbares Grundwasser zu Wasserstoff werden soll? Wo sind denn die Grenzen der Ausbeutung erreicht?
https://www.msn.com/de-at/finanzen/allgemein/omv-gipfel-in-n%C3%B6-fokus-auf-sichere-energie/ar-AA2gpjzS
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