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Politik

Stromnetzbetreiber bitten um Schonung – während Gasnetze abgebaut, Windparks und Rechenzentren das Netz belasten

7 Kommentare 6. November 2026 8 Minuten Lesezeit von Dr. Peter F. Mayer

Die österreichischen Stromnetzbetreiber haben am 5. November 2026 über das Forum Versorgungssicherheit einen dringenden Appell an die Haushalte gerichtet: Sie sollen die Netze „schonend“ und „sorgsamer“ nutzen. Andernfalls müssten die Netze noch schneller ausgebaut werden und die Entgelte würden in „noch unangenehmere Höhen“ schießen. Gleichzeitig wird der Ausbau der die Probleme verschärfenden Windparks massiv forciert.

Ich hatte gestern das nur mäßige Vergnügen einer Gemeindeveranstaltung im südlichen Weinviertel zur Bewerbung eines mit 30 Windrädern geplanten Windparks beizuwohnen. Gleichzeitig  warnte die E-Wirtschaft für höheren Netzkosten wegen dieser über weite Flächen verteilten Stromerzeuger. Konkret geht es um die neuen Netzentgeltstrukturen, die die E-Control mit der Systemnutzungsentgelte-Grundsatzverordnung (SNE-G-V) ab 2027 einführt. Neben dem klassischen Arbeitspreis (Cent pro Kilowattstunde) kommt ein Leistungspreis, der sich an der höchsten bezogenen Leistung in einem 15-Minuten-Intervall orientiert. Wer hohe Spitzen verursacht – etwa durch schnelles Laden eines E-Autos oder gleichzeitigen Betrieb von Wärmepumpe, Herd und Trockner –, zahlt mehr. Wer den Verbrauch streckt oder in günstige Zeitfenster legt, zahlt weniger. Laut den Betreibern sollen damit 75 Prozent der Haushalte weniger und 25 Prozent mehr zahlen.

Zusätzlich zu dem bereits bestehenden Sommer-Nieder-Arbeitspreis (SNAP, 10–16 Uhr im Sommer) kommt ab Oktober 2027 der Winter-Nieder-Arbeitspreis (WiNAP) für die Nachtstunden. Voraussetzung sind in beiden Fällen Smart Meter mit aktivierten Viertelstundenwerten. Florian Pilz, Geschäftsführer der Netz Burgenland, erklärte das alte System mit wenigen großen Kraftwerken sei vorbei. Stattdessen gebe es immer mehr dezentrale Erzeugung (vor allem Windräder) und gleichzeitig stark steigenden Verbrauch durch E-Autos, Wärmepumpen und Rechenzentren. Das erzeuge Volatilität. Die neuen Tarife sollen die Kosten fairer verteilen und den teuren Netzausbau für die „Energiewende“ dämpfen.

Windparks und Rechenzentren als zusätzliche Netzbelastung

Zur Volatilität trägt nicht nur die Photovoltaik bei. Windparks sind ein weiterer zentraler Treiber des Netzausbaus – und damit der Kosten, die am Ende die Verbraucher tragen. Windenergie ist intermittierend: Die Einspeisung schwankt stark und fällt häufig genau dann aus, wenn der Verbrauch hoch ist (kalte, windarme Wintertage). Gleichzeitig stehen die großen Anlagen oft weit von den Verbrauchszentren entfernt. Das erfordert sowohl im Übertragungsnetz als auch in den Verteilnetzen massive Verstärkungen, neue Leitungen und Umspannwerke.

Die Austrian Power Grid (APG) macht in ihrem Netzentwicklungsplan deutlich, dass der Ausbau der erneuerbaren Erzeugung – insbesondere Wind und PV im Osten Österreichs – ein Haupttreiber der Investitionen ist. Ohne ausreichenden Netzausbau drohen Engpassmanagement, Einspeisebegrenzungen und steigende Kosten, die letztlich die Netzkunden tragen. Der österreichische Rechnungshof stellte in seinem Bericht zur Transformation der Stromverteilernetze fest, dass der Ausbau von Photovoltaik- und Windkraftanlagen schneller voranschreitet als die dafür nötigen Anpassungen im Netz. Die Kosten dafür werden über die Netzentgelte auf die Endkunden umgelegt.

Hinzu kommen Rechenzentren, die Florian Pilz und das Forum Versorgungssicherheit ausdrücklich als weiteren Verbrauchstreiber nennen. Der KI-Boom treibt den Strombedarf massiv nach oben. In Deutschland beziffert Bitkom den Verbrauch von Rechenzentren und IT-Installationen für 2026 auf rund 23 Milliarden Kilowattstunden – mit weiter steilem Anstieg bis 2030 und darüber hinaus, getrieben vor allem durch generative KI. In Österreich sorgen Großprojekte wie das Google-Rechenzentrum in Kronstorf (Oberösterreich) für Diskussionen: Bereits die erste Ausbaustufe liegt bei rund 1,3 Terawattstunden pro Jahr, der Vollausbau könnte deutlich höher ausfallen. Solche Anlagen brauchen nicht nur viel Strom, sondern oft hohe, kontinuierliche Anschlussleistungen und verstärken den Druck auf die lokalen und überregionalen Netze. Während Haushalte zur Schonung aufgefordert werden, wachsen auf der Großverbraucherseite die Lasten weiter.

In Deutschland ist das Bild noch deutlicher: Studien (etwa von Agora Energiewende) rechnen beim Verteilnetzausbau bis 2045 mit Summen um die 250 Milliarden Euro, wenn Last- und Einspeisespitzen nicht flexibler gemanagt werden. Ein erheblicher Teil dieser Kosten entsteht durch die Integration von Wind- und Solaranlagen sowie den neuen Großverbrauchern.

Der logische Widerspruch

Genau hier liegt der Widerspruch. Die Politik treibt seit Jahren die Elektrifizierung voran: Wärmepumpen statt Gasheizung, E-Autos statt Verbrenner, immer mehr Photovoltaik und Windkraft – und gleichzeitig den Ausbau der digitalen Infrastruktur mit energiehungrigen Rechenzentren.

Gleichzeitig wird der Abbau der Gas-Verteilnetze vorbereitet. Wie TKP im November 2024 berichtete, planen EU-Verordnungen und der Green Deal den schrittweisen Ausstieg aus Erdgas für Heizung, Warmwasser und Kochen. Laut E-Control und Austrian Gas Grid Management (AGGM) soll der Gasverbrauch bis 2040 von damals rund 75 TWh auf etwa 35 TWh sinken. Von den 44.000 Kilometern Gas-Verteilnetzen soll nur noch ein Bruchteil übrig bleiben.

Die Energie, die bisher durch die Gasleitungen floss, muss künftig über das Stromnetz transportiert werden – plus dem zusätzlichen Bedarf der E-Autos, der schwankenden Einspeisung aus Wind und Sonne und der wachsenden Rechenzentren. Das erfordert einen massiven Ausbau der Stromnetze, der wiederum die Netzentgelte treibt.

Jetzt bitten die gleichen Betreiber die Haushalte, die Netze zu schonen, damit der Ausbau nicht noch teurer wird. Wer der politischen Vorgabe folgt und eine Wärmepumpe plus E-Auto anschafft, erzeugt genau jene Lastspitzen, die künftig teurer werden. Wer den Verbrauch nicht steuert (oder steuern kann), gehört zu den 25 Prozent, die mehr zahlen. Die Einsparungen für die Mehrheit sollen „relativ überschaubar“ bleiben; der Fokus liegt laut den Betreibern auf der Zukunft, damit die Preise nicht noch stärker steigen.

Deutschland zeigt die Konsequenzen

In Deutschland sind die Folgen der gleichen Logik bereits konkreter. Wie Blackout News berichtet, kündigte ein Stromanbieter einer sechsköpfigen Familie im Kreis Pinneberg den Vertrag, nachdem sie eine Wärmepumpe installiert und ein E-Auto gekauft hatte.

Der Jahresverbrauch stieg auf etwa 23.000 kWh und überschritt damit die im Vertrag festgelegte Obergrenze von 20.000 kWh. Die Kündigung erfolgte mit nur sechs Tagen Vorlauf. Andere Anbieter haben deutlich höhere oder gar keine festen Grenzen; der Fall zeigt aber, dass Elektrifizierung und bestehende Vertragslogik kollidieren können. Wer der Politik folgt und hohe elektrische Lasten aufbaut, riskiert, in teurere Tarife oder die Grundversorgung gedrängt zu werden.

Parallel dazu gibt es in Deutschland seit Jahren Diskussionen über mögliche Einschränkungen des Ladens von E-Autos und des Betriebs von Wärmepumpen bei Netzengpässen. Die europäischen Netzausbaupläne hinken dem politisch forcierten Verbrauchszuwachs hinterher – Genehmigungen dauern oft Jahre. Windparks und Rechenzentren verstärken dieses Problem zusätzlich: Die einen durch unplanbare Einspeisung, die anderen durch hohe, konstante und weiter wachsende Grundlast.

Zwei Infrastrukturen abbauen, eine überlasten

Das Muster ist klar: Eine funktionierende, flächendeckende Gasinfrastruktur wird abgebaut, weil EU-Vorgaben den Gasverbrauch reduzieren wollen. Gleichzeitig wird das Stromnetz mit zusätzlichen Lasten aus Wärmepumpen, Elektromobilität und Rechenzentren belastet und durch intermittierende Wind- und Solaranlagen zusätzlich volatil gemacht. Wärmepumpen brauchen bei Temperaturen unter etwa 5 °C mehr Strom und teilweise Zusatzheizungen. Die Betreiber reagieren mit Appellen zur Schonung, neuen Tarifen, die Spitzen verteuern, und der Hoffnung, dass die Kunden freiwillig mitmachen.

Die Kosten für den Gasnetzabbau tragen die verbleibenden Gaskunden. Die Kosten für den Stromnetzausbau – getrieben durch Elektrifizierung, den Zubau von Windparks und die wachsende Rechenzentrumslast – und die neue Tarifstruktur tragen die Stromkunden. Und zwar verstärkt jene, die der Elektrifizierung folgen. Ob 75 Prozent wirklich dauerhaft weniger zahlen, hängt davon ab, ob die Mehrheit ihr Verhalten tatsächlich überhaupt noch ändern kann und ob der Netzausbau durch die Flexibilisierung tatsächlich gedämpft wird. Bisherige Erfahrungen mit der „Energiewende“ sprechen eher dafür, dass die Gesamtkosten weiter steigen.

Die Betreiber haben recht: Hohe gleichzeitige Lasten belasten die Netze stärker als gleichmäßig verteilter Verbrauch. Das ändert nichts daran, dass die Politik die Rahmenbedingungen gesetzt hat, unter denen genau diese Lasten massiv zunehmen – und Windparks die Schwankungen noch verstärken, während Rechenzentren eine neue, energieintensive Grundlast schaffen.

Wie absurd diese Politik vorangetrieben wird hat der Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur DI Franz Angerer bei einer Propagandaveranstaltung für einen großen Windpark mit 30 Windrädern zu je 3000 Tonnen am 5. November in Harmannsdorf gezeigt:

Erstaunlich, dass ein Dipl. Ing. der Elektrotechnik glaubt Strom erneuern zu können. Werden da die Elektronen erneuert?  Auf einer flachen Erde mag es ja eine Physik geben, die das ermöglicht, bei uns aber nicht. Genauso wenig wie nach den Erhaltungssätzen der Physik und den Gesetzen der Thermodynamik Energie erneuert, geschaffen oder vernichtet werden kann. Sie kann nur in andere Energieformen umgewandelt werden.

Im Stil von Polit-Agitprop werden dann Trump und Putin benutzt, um genau das zu fördern, was den Stromnetzbetreibern jetzt Probleme verursacht und die Menschen durch erhöhte Netzentgelte und Stromkosten arm macht.

Harakiri mit Anlauf, gefördert durch aus Steuergeldern bezahlte Bürokraten.

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Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇


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7 Kommentare

  1. Jochen Mitschka
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    Ausgerechnet im Land der Pläne, Vorschriften und Regeln klappt das mit der Infrastrukturplanung ganz offensichtlich nicht. Warum? Weil Politikstudenten lernen „auf der Welle zu schwimmen“. D.h. wenn etwas gerade aktuell ist, darauf seine eigene Ideologie aufzubauen, um sie voran zu bringen, ungeachtet der Fakten und Hintergründe. Jetzt oder nie, lernen sie, Fakten schaffen, lernen sie. Wenn eine Frucht reif sei, müsse man sie pflücken, lernen sie.

    All das hat nichts mit den Bedürfnissen, Nöten und Möglichkeiten der Menschen zu tun. Sie haben sich zu fügen. Wie komisch mutet es an, dass ausgerechnet, die angeblich menschenverachtende Ideologie des „Kommunismus“ in China genau das Gegenteil macht? Aber da ist die Zufriedenheit mit der Regierung natürlich nur so hoch, weil die Chinesen keine Ahnung haben und von der Propaganda geblendet werden, schon klar.

  2. Der alte Marxist
    Antworten

    Neues aus der Anstalt. Die Vernichtung der Energieversorgung geht munter weiter. Umgekehrte offene Psychiatrie: die Irren sind in Freiheit, werden aber nicht therapiert, sondern sorgen dafür, dass aus dem ganzen Land ein Tollhaus wird. „Deutschland ist ein Irrenhaus. Wenn man Deutschland überdachen könnte, wäre es eine geschlossene Anstalt“ (Henryk M. Broder). Das gilt natürlich auch für Österreich. Dass Besitzer von E-Autos und Wärmepumpen mehr für den Strom zahlen sollen ist aber OK.

    1. Jakob
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      Auch die, welche ein Pool betreiben, auch?

  3. Jakob
    Antworten

    War ja klar dass es so kommt.

    Ja ich habe ein E-Auto, eine Wärmepumpe und eine PV – Anlage.

    Und ja ich stehe dazu.

    Nicht diese Abnehmer sind das Problem.

    Das Problem ist die Profitgier der Stromerzeuger und der Netzbetreiber.

    Das Problem ist eine komplett falsche chaotische Energiepolitik von Seiten der Anbieter und der Politik.

    Das sichtbarste Beispiel sind die verrückten Windparkanlagen und die bereits vorhandenen und geplanten MegaRechenzentren, ein Unding der Megagrösse. Aber wir (österr. Politiker) sind ja so stolz hierbei ganz vorne dabei zu sein.

    1. Jochen Mitschka
      Antworten

      Ja wir hatten auch eine PV-Anlage mit Speicher, ein voll-e-Auto aber mit Saisonkennzeichen von April bis Oktober und ein Hybrid, alles aufladbar mit eigenem Strom. Meine Frau hatte einen Arbeitsplatz, zu dem sie jeden Tag 95 km (hin und zurück) fahren musste. Es war eine eiskalte Rechnung, die aufging. Wir kalkulierten den eigenen Strom mit 11,5 Cent pro KW, was der Entgelt beim Einspeisen gewesen wäre und hatten nach 5 Jahren die Investition über Stromersparnis und günstigere Fahrzeugbetriebskosten wieder herein gewirtschaftet. Da wir 2022 Deutschland verlassen haben, weiß ich nicht im Detail, wie es weiterging. Aber ich denke, heute sähe die Rechnung sogar noch günstiger aus, angesichts der Strom- und Benzinkosten.

    2. Bosmer
      Antworten

      Nicht unbedingt. Alle diese Dinge, die Sie so stolz vorweisen, wurden von unseren Steuern subventioniert. Von meinem Geld also, obwohl ich alle diese Dinge ablehne. Natürlich sollten Sie mehr zahlen, mal den echten Preis der für die Herstellung all dieser Dinge anfällt.

      1. Jakob

        So gedacht funktioniert keine Gemeinschaft.

        Mit diesem Egoismus landet man unweigerlich in einer Ellbogengesellschaft und krasser.

        Wieviele von mir nicht gebrauchte, nicht gewollte und abgelehnte Bereiche werden auch von meinem Steuergeld bezahlt!?

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