Steckt Trump in der Iran-Falle?

24. März 2026von 4 Minuten Lesezeit

Verhandlung, Abzug, Eskalation und den Krieg fortführen: egal welche Option Trump wählt, es nimmt kein positives Ende. So argumentiert die westliche Presse. Doch das könnte sich als falsch herausstellen – zumindest für die USA. 

Von diesen vier Optionen sind aus der Sicht der Interessen von Trump 2.0 das Verhandeln und die Eskalation die relativ am wenigsten schlechten – das erste, wenn man seine Interessen wörtlich nimmt, und das zweite, wenn hintergründige Motive im Spiel sind.

Der Economist argumentierte am Wochenende, dass „Donald Trump vier schlechte Optionen für den Krieg im Iran hat“: verhandeln, abziehen, fortsetzen oder eskalieren. Nachteile beim Verhandeln sind: Die Iraner misstrauen den USA, weil sie bereits zweimal während laufender Gespräche angegriffen wurden; die USA könnten sich fragen, ob es überhaupt noch einen legitimen Ansprechpartner gibt, der für den Iran sprechen kann; der Vermittler ist unklar; und keine Seite ist zu Zugeständnissen bereit. Nicht erwähnt wurde allerdings, dass Russland oder Indien realistische Vermittler sein könnten.

Beim Abziehen könnte Trump zwar versucht sein, einen Sieg zu erklären und „den Ölschock sieben Monate abklingen zu lassen, bevor die Midterms im November anstehen“. Der Iran würde jedoch weiterhin sein hochangereichertes Uran behalten – nun mit dem festen Willen, eine Atombombe zu bauen – sowie die Kontrolle über die Straße von Hormus. Beim Fortführen des Konflikts könnten zwar weitere iranische Raketen zerstört werden, doch gleichzeitig würden auch die Luftabwehrvorräte der Golfstaaten und Israels weiter schrumpfen. Der Iran behielte außerdem weiter die Kontrolle über die Meerenge.

Es bleibt das Eskalationsszenario: die Zerstörung der iranischen Energieinfrastruktur, die Besetzung von Golfinseln wie Kharg und/oder der drei vom Iran kontrollierten Inseln (die von den Vereinigten Arabischen Emiraten beansprucht werden) sowie die Sicherstellung des iranischen hochangereicherten Urans. Das würde jedoch eigene Truppenverluste und möglicherweise die Zerstörung weiterer Infrastruktur am Golf bedeuten. Der Iran könnte sich zudem jedem Abkommen verweigern und stattdessen daraufsetzen, seinen Feinden maximalen Schaden zuzufügen – egal, was es ihn selbst kostet. Objektiv betrachtet sind die Argumente des Economist überzeugend, und keine dieser Optionen ist wirklich gut.

Von den vier Varianten sind aus Trumps Sicht das Verhandeln und die Eskalation die relativ besten: die erste, falls seine erklärten Ziele ehrlich gemeint sind, das zweite, falls er versteckte Absichten verfolgt. Sollte Trump 2.0 den Iran tatsächlich entmilitarisieren wollen, dann ist ihm das weitgehend gelungen – abgesehen von der nicht vollständigen Zerstörung der iranischen Raketen. Die Denuklearisierung im Sinne der Sicherstellung des hochangereicherten Urans könnte dann auf diplomatischem Weg erfolgen. Unabhängig vom Vermittler würde Russland dabei im Endspiel wahrscheinlich eine zentrale Rolle spielen.

Im Tausch dafür, dass Russland das hochangereicherte Uran mit Zustimmung Irans übernimmt, würden die USA den Konflikt beenden (und Israel mitteilen, dass es auf sich gestellt ist, falls es nicht ebenfalls aufhört) und seine Truppen aus den Golfmonarchien abziehen – synchron zur Wiederöffnung der Straße von Hormus durch den Iran. Das von Russland seit Langem vorgeschlagene Konzept einer kollektiven Sicherheit für den Golf würde dann das entstandene Sicherheitsvakuum füllen. Verfolgt Trump 2.0 jedoch versteckte Motive, könnte er (möglicherweise ohne eigene Bodentruppen) eskalieren, um eine neue Weltordnung herbeizuführen.

Die Zerstörung der Golf-Infrastruktur durch den Iran würde die Weltwirtschaft schwer treffen und wahrscheinlich jahrelange Instabilität in Afro-Eurasien auslösen (Russland ausgenommen). Die USA könnten sich dagegen durch einen Rückzug in die „Festung Amerika“ abschotten und dank der Ressourcen, Märkte und Arbeitskräfte der westlichen Hemisphäre sogar relativ gut dastehen. Es gäbe zwar auch in den USA wirtschaftliche Erschütterungen, diese wären jedoch deutlich besser zu verkraften als für alle Staaten der östlichen Hemisphäre – vor allem für den chinesischen Rivalen.

Natürlich ist es ebenfalls möglich, dass Trump 2.0 von Anfang an improvisiert hat – sei es als Teil einer „flexiblen Strategie“ oder nach einer gravierenden Fehleinschätzung, dass der Iran den US-Forderungen innerhalb weniger Tage nachgeben würde. In diesem Fall wäre die diplomatische Lösung die sinnvollste: Die USA würden sich mit weniger zufriedengeben, um nicht die gesamte Welt ins Chaos zu stürzen – mit dem Risiko des schlimmsten Bumerangeffekts aller Zeiten, egal wie isoliert sich Amerika wähnt.


Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

Andrew Korybko ist ein in Moskau ansässiger amerikanischer politischer Analyst, der sich auf den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat. Er veröffentlicht auf Englisch auf seinem Substack-Blog. Auf Deutsch exklusiv bei TKP.


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14 Kommentare

  1. joseph53 24. März 2026 um 14:02 Uhr - Antworten

    Ich denke schon, daß Trump und Netanjahu jetzt in der Iran-Falle stecken.

    Aber noch ist es eine Lebendfalle – wir alle müssen jetzt dringend dahin wirken, daß USA und Israel die beiden unverzüglich von der Falle in den Käfig verbringen.
    Ansonsten kann es eine Todesfalle für Nahost und den gesamten Westen werden.

  2. Glass Steagall Act 24. März 2026 um 10:55 Uhr - Antworten

    Trump steckt in der Falle Satans und in keiner anderen! Aber jetzt hat die KI auch meinen ersten Betrag zensiert. Wirklich lästig hier auf TKP.

    • Thomas Oysmüller 24. März 2026 um 11:36 Uhr - Antworten

      Hallo. Die KI ist das nicht, sondern „nur“ Schlagwörter, auf die das System anspringt und dann müssen wir manuell freigeben.

      • Glass Steagall Act 24. März 2026 um 12:33 Uhr

        Könntet ihr mal die Liste der Schlagwörter freigeben, so dass wir wissen, auf welche „das System“ anspringt? Ist das System nicht gleich KI?

      • Hello 24. März 2026 um 17:29 Uhr

        Warum heißt es immer „muss erst freigeschalten werden“? Richtig muss es heißen: Muss erst freigeschaltet werden. Obwohl ich bereits darauf hingewiesen habe, wird es nicht geändert. Das System ist offenbar lernresistent.

      • Varus 25. März 2026 um 7:29 Uhr

        Offizielles Ziel der T@deskult-Sekte ist nun mal Armageddon und Drittes Tempel, in dem erst mal der S@tan regieren soll – steht alles in den Apokalypsen. Wie lange, wird nicht erklärt – 1000 Jahre?
        Wie bekloppt muss man sein, um das Weltende zur offiziellen Zielsetzung zu machen? Tun dennoch die US-Evangelikalen wie auch die Netanjahu-Jünger.

  3. Glass Steagall Act 24. März 2026 um 10:54 Uhr - Antworten

    Warum sollte der Iran Verhandlungen wollen, wenn das aggressivste und zweitaggressivste Land der Welt ihn grundlos bombardiert? Warum sollte der Iran mit den zwei größten Ländern der Lügen, sich auf einen Dialog einlassen, wenn doch bekannt ist, dass beide Ländern die falscheste Diplomatie der Welt haben?

    Warum ist der Rest der Welt bloß so schwach, den Aggressoren nicht die Stirn zu bieten? Die Welt toleriert alles, was die USA und Israel treiben! Und nun zahlen wir alle die Quittung für die Untätigkeit unserer Regierungen! In welcher Falle Trump steckt ist ganz klar, aber das schreibe ich in Kommentar Nr. 2, da die KI dieses Wort mit einer extra Freischaltung bestraft.

  4. Daisy 24. März 2026 um 10:46 Uhr - Antworten

    Ich sehe das wie im letzten Absatz. Danks Trumps Flexibilität könnte es ihm gelingen, dass er da wieder rauskommt. Doch sollte er dringend mit Putin sprechen…

    • Jakob 24. März 2026 um 13:05 Uhr - Antworten

      Flexibilität – eine großartige Umschreibung für totale Konfusion.
      Putin spricht sicher sehr gerne mit Trump.
      Auch Putin braucht seine amüsanten , ihn erheiternden Momente.

  5. Der Zivilist 24. März 2026 um 10:33 Uhr - Antworten

    Ob im Iran noch jemand lebensmüde genug ist, mit den USA zu verhandeln ? Und was sind das überhaupt für ‚Verhandlungen‘ ? Wo nehmen die USA das Recht her, vom Iran etwas zu fordern ? Der Atomwaffensperrvertrag von 1968 (nicht unterzeichnet von Indien, Israel, Pakistan, Südsudan, Unterschrift zurückgezogen von Nordkorea) ? Liest den niemand ? Die Atommächte verpflichten sich, atomar vollständig abzurüsten und den anderen Staaten das Know How für die friedliche Atomkraftnutzung zu verschaffen. Da wäre es wohl am Iran, Forderungen an die USA zu stellen ! Trump’s Verhandlungen sind doch nichts anderes als Nötigung.
    Trump hat sich von den durchgeknallten Zionisten Netanjahu & Co reinlegen lassen. Die spielen jetzt die 3,8 Mrd $ p.a. (für Aufrüstung) aus, die ihnen Obama zugesichert hat. Und diese Zionisten sind keine Juden, Jude ist, wer an den Gott der Thora glaubt und deren 613 Regeln befolgt. Der Gott hat den Juden das gelobte Land versprochen, wenn sie sich benehmen. Aber sie benehmen sich nicht und NEHMEN sich das heilige Land, sie glauben nicht an Gott, sondern an sich selbst. Ihre Feindschaft gegen die Muslime ist völlig absurd, Progrome gab es in christlichen Ländern, nicht in ‚muslimischen‘, wobei es kein Land gibt, daß in dem Sinne muslimisch ist, wie Israel sich anmaßt, das Land der Juden zu sein. Iran ist das Land der Iraner, auch der 85.000 jüdischen. Die Feindschaft gegen die Muslime ist ein Erbe des älteren christlichen Zionismus.
    Jetzt sitzt der Flugzeugträger Gerald Ford jedenfalls vor Kreta fest, ein Schiff in Bewegung ist ein schwieriges Ziel, ein festes Ziel ist einfacher, da würde ich an Irans Stelle doch mal Ehrgeiz bei der Reichweite entwickeln.

    https://zivilist.substack.com/p/iran-chinas-chance

  6. VerarmterAdel 24. März 2026 um 10:19 Uhr - Antworten

    „Steckt Trump in der Iran-Falle?“

    Die Welt steckt in der Falle, weil all ferngesteuerten Politiker:innen weltweit mitten im entscheidenden Schlag gegen ihre Bevölkerungen zur bedingungslosen Durchsetzung der Ziele der Agenda-21/2030/2050 sind.

    Spätestens Covid sollte jedem gezeigt haben, dass die Politiker:innen alle von einer einzigen zentralen Instanz kontrolliert werden und auschließlich deren Interessen vertreten. Wer wählt, wählt den eigenen Schlachter.

    „Everything from greater restrictions on air and auto travel to clamp downs on speech and press freedoms is on the table as the world grapples with global energy crisis triggered by Trump’s war.“
    — Who stands to benefit most from US/Israel war on Iran? Globalists waiting in wings with their Agenda 2030 Sustainable Development and digital control grid – https://leohohmann.substack.com/p/who-stands-to-benefit-most-from-usisrael

  7. Hello 24. März 2026 um 10:12 Uhr - Antworten

    @ Hello 10:04
    „Zudem sind mir die Kommentare oft durch seine Konjunktive aufgefallen. Irgendetwas davon wird schon eintreffen.“

    Die Kommentare von Andrew Korybko sind gemeint.

  8. Hello 24. März 2026 um 10:04 Uhr - Antworten

    „Sollte Trump 2.0 den Iran tatsächlich entmilitarisieren wollen, dann ist ihm das weitgehend gelungen – abgesehen von der nicht vollständigen Zerstörung der iranischen Raketen.“

    Ich verstehe nichts vom Militär. Es ist mir auch bewusst, dass beide Seiten des Kriegs Wünsche als Tatsachen hinstellen. Aber bisher hat es doch hier geheißen, wie sehr der Iran rüstungsmäßig den USA und Issrael überlegen sei und daher nicht die USA den Iran weitgehend entmilitarisiert haben, sondern umgekehrt.

    Zudem sind mir die Kommentare oft durch seine Konjunktive aufgefallen. Irgendetwas davon wird schon eintreffen.

    Eine andere Sicht habe ich beim anti-Spiegel gelesen:
    China wirtschaftlich zu besiegen ist eine von Trumps wichtigsten Prioritäten in der Außenpolitik. Und im Januar habe ich in einer weiteren Analyse erklärt, dass Trump die Weltherrschaft der USA über die Dominanz auf den weltweiten Energiemärkte wiederherstellen will. (…)

    Indem Trump mit seinem Krieg das LNG verknappt hat, hat er ein Ziel seiner Sicherheitsstrategie umgesetzt, nämlich Chinas Wirtschaft anzugreifen und zu schwächen. Das wird sicher eine Folge des Krieges sein, denn auch Russland kann den Ausfall nicht kompensieren – und auch Russland würde natürlich nicht darauf verzichten, angesichts der Lage auf dem LNG-Markt höhere Preise zu nehmen. (…)

    Und nachdem es in der EU rumort, weil das Handelsabkommen erstens einseitig und unfair ist und weil Trumps Ambitionen auf Grönland den Europäern nicht gefallen haben, haben die USA gerade erst angedroht, die LNG-Lieferungen an die EU einzustellen, wenn die EU das Handelsabkommen nicht in unveränderter Form ratifiziert.

    • joseph53 24. März 2026 um 18:42 Uhr - Antworten

      Meine Einschätzungen anhand von tkp-Reportagen und weiteren vorwiegend fremdsprachigen Berichten ist ziemlich konträr.
      1. die Entmilitarisierung des Iran ist sicher nicht gelungen – im Gegenteil hat der Iran qualitativ und in Quantität überlegenen Nachschub aus China und Russland.
      2. Daß der Iran das Nordkorea-Angebot der Lieferung von Atom-Sprengköpfen annehmen wird oder schon angenommen hat, ist sehr wahrscheinlich.

      China wirtschaftlich zu besiegen ist – noch dazu an der Seite Russlands – annähernd unmöglich „durch diese dumme Politik Trumps“ zu erreichen.
      Mittlerweile haben die USA wohl auch alle unterdrückten Pseudo-Freunde verloren.
      Die USA werden ohne Atomwaffen nie mehr die Kontrolle über die Straße von Hormus erlangen.
      Ohne die räuberischen Kriege und Raubzüge und ohne den Dollar als Weltwährung wird die USA ihre Bedeutung sofort verlieren.
      Für China bleibt die Energielieferung aus dem persischen Golf und Russland aufrecht.
      Die Europäer bräuchten nur vernünftig verhandeln, mit Yuan oder Rubel zahlen und können unbegrenzt in Mittelost und von Russland kaufen.
      Wenn dann noch alle Standorte der US-Militärbasen gekündigt werden, können die Amis heimgehen und ihre Radikalzionisten mitnehmen.
      Paßt doch perfekt – das auserwählte Volk träumt in Gods own Country seine Wahnvorstellungen zu Ende.

      Nach dem Aufwachen reden wir vielleicht wieder miteinander!?

      Dann kriegt der überwiegende Wunsch nach globalem Frieden endlich eine bessere Chance 👍😘!

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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