Sky Shield: 8 NATO-Länder sagen Nein. Österreich ist drin.

20. März 2026von 4,6 Minuten Lesezeit

Die European Sky Shield Initiative hat 24 Mitglieder — und 8 europäische NATO-Staaten, die ferngeblieben sind. Darunter Frankreich als Atommacht, Italien als Rüstungszentrum Europas, Spanien als Land, das gerade den stärksten Kommentar dazu liefert. Und die Türkei ist drin — mit einem russischen Waffensystem, das technisch inkompatibel ist.

Die European Sky Shield Initiative (ESSI) wurde im Oktober 2022 auf Initiative des damaligen deutschen Bundeskanzlers Olaf Scholz gegründet — als Reaktion auf den russischen Angriff auf die Ukraine. Das Ziel: ein gemeinsames europäisches Luftabwehrsystem, aufgebaut auf US-amerikanischen Patriot-Raketen und dem israelisch-amerikanischen Arrow-3-System. Heute hat die ESSI 24 Mitglieder. Was weniger bekannt ist: 8 europäische NATO-Staaten haben nicht unterzeichnet.

Was das über Sky Shield aussagt, lohnt sich genauer anzusehen. Die ersten vier Artikel dieser quellenbasierten Recherche-Serie haben dokumentiert, was Sky Shield kostet, was es kann — und was nicht.

Frankreich — Atommacht, NATO-Gründungsmitglied, Europas stärkste eigenständige Verteidigungsdoktrin — hat die ESSI nicht unterzeichnet. Präsident Macron erklärte im Juni 2023 öffentlich beim Pariser Luftfahrtsalon, warum: Die Kernsysteme der ESSI — Patriot aus den USA, Arrow-3 aus Israel — machten Europa zu abhängig von nicht-europäischen Lieferanten. Frankreich setzt gemeinsam mit Italien auf das SAMP/T-System mit der Aster-Rakete — europäisch entwickelt, europäisch produziert. Schützt Frankreich seine Rüstungsindustrie? Verteidigt es strategische Autonomie? Beides zugleich?

Italien — Rüstungszentrum Europas, Heimat von Leonardo, einem der größten Rüstungskonzerne des Kontinents — ist ebenfalls nicht beigetreten. Die Logik ist dieselbe: SAMP/T statt Patriot, Aster statt Arrow-3. Europäische Systeme, die im ESSI-Rahmen keinen Platz haben. Rechnet Italien einfach nach?

Spanien ist nicht beigetreten — und liefert gerade den stärksten Kommentar dazu. Als die USA ihre Militärbasen Rota und Morón in Andalusien für Angriffe auf den Iran nutzen wollten, sperrte die spanische Regierung den Zugang. Außenminister José Manuel Albares erklärte öffentlich im Fernsehsender RTVE: „Es handelt sich um gemeinsam genutzte Stützpunkte, die jedoch unter spanischer Souveränität stehen, und daher hat Spanien das letzte Wort.“ Kein ESSI-Mitglied — und trotzdem oder gerade deshalb: souverän.

Kroatien, Luxemburg, Montenegro, Nordmazedonien und Island haben ebenfalls nicht unterzeichnet. Offizielle Begründungen: keine. Sie werden ihre Gründe haben.

24 Mitglieder. 8 Nicht-Mitglieder. Ein russisches Waffensystem mittendrin. Zwei neutrale Länder dabei — eines handelt, eines schweigt. Frankreich und Italien entwickeln ihre eigenen Systeme. Ist das noch ein Verteidigungssystem — oder bereits organisiertes Chaos?

Die Türkei ist ESSI-Mitglied — und hat 2019 das russische Luftabwehrsystem S-400 gekauft. Das S-400 ist technisch inkompatibel mit Patriot und Arrow-3 — den Kernsystemen der ESSI. Der polnische Präsident Andrzej Duda brachte es auf den Punkt: Er bezeichnete die ESSI öffentlich als „deutsches Geschäftsprojekt“. Polen ist inzwischen beigetreten — aber das Zitat steht.

Österreich steht unter laufendem EU-Defizitverfahren — Budgetloch 4,7 Prozent des BIP, das sind rund 21 Milliarden Euro im Jahr 2024, bei einem Schuldenstand von rund 400 Milliarden Euro. Einsparungsbedarf laut Fiskalrat: 8,9 Milliarden Euro bis 2028. Und trotzdem: Sky Shield — ohne Parlamentsbeschluss, ohne Rechtsgutachten, ohne Kosten-Nutzen-Analyse.

Ein direkter Vergleich: Die Schweiz ist ebenfalls ESSI-Mitglied, ebenfalls neutral. Als der Iran-Krieg eskalierte, berief der Schweizer Bundesrat eine Sondersitzung ein und prüfte fünf US-Überfluggesuche einzeln. Zwei Gesuche — Aufklärungsflüge mit direktem Kriegsbezug — wurden abgelehnt. Drei weitere — ein Wartungsflug, zwei Transportflüge — wurden bewilligt. Grundlage: das Neutralitätsrecht. Kriterium: der konkrete Zweck jedes einzelnen Fluges.

Spanien sperrte seine Basen. Die Schweiz unterschied — nach Neutralitätsrecht. Österreich? Eine österreichische Stellungnahme zu Überflugrechten im Iran-Krieg: Recherche ohne Ergebnis. Quellenbelegt durch Abwesenheit.

Im Irak-Krieg 2003 erklärte Bundeskanzler Wolfgang Schüssel im Nationalrat unmissverständlich: Österreich beteilige sich nicht und räume keine Überflugrechte ein. Parlamentarisch protokolliert.

2026 verteidigt Bundeskanzler Christian Stocker Sky Shield mit den Worten: „Wer die kriegerischen Auseinandersetzungen der letzten Tage beobachtet, erkennt, wie wichtig es ist, dass Österreich Teil dieses Projekts ist.“ Genau diese Auseinandersetzungen haben jedoch in der Praxis bewiesen, was diese Serie von Anfang an dokumentiert und was General John Hyten, damals Commander of U.S. Strategic Command, bereits 2019 vor dem US-Kongress gewarnt hat: „Hypersonische Waffen sind mit bestehenden Abfangsystemen kaum zu stoppen.“ Zu Überflugrechten, zur Einstufung des Konflikts als Krieg im neutralitätsrechtlichen Sinne, zu einer Sondersitzung: kein Wort. Die Schweiz hat all das getan. Österreich hat einen Satz geliefert — und dieser Satz ist — technisch betrachtet — falsch: Wie der Iran-Krieg selbst gerade beweist, sind THAAD-Vorräte — das leistungsfähigste System der Region, das Arrow-3 noch übertrifft — laut CNN nach wenigen Tagen Dauerbeschuss kritisch gering. Gegen hypersonische Waffen fehlt so gut wie jede Abwehrmöglichkeit. (→ Artikel 3 dieser Serie)

Das Parlament hat keine Fragen gestellt. Und die Medien?

Frankreich sagt Nein — schützt es seine Rüstungsindustrie? Italien sagt Nein — rechnet es einfach nach? Die Schweiz ist drin — und sperrt trotzdem den Luftraum. Kennt sie ihr Neutralitätsrecht besser? Österreich ist drin — und schweigt. Zu den Überflugrechten. Zum laufenden Krieg. Zur eigenen Neutralität. Wer vertritt hier eigentlich österreichische Interessen — und wie lange kann man dazu noch schweigen?

Das angebliche Bedrohungsszenario, das all das rechtfertigen soll, wurde in dieser Serie wiederholt hinterfragt — belegt wurde es bis heute nicht.

PDF zum Artikel: SkyShield_Handout_8_Laender

Vorige Artikel:


Unsere Arbeit ist spendenfinanziert – wir bitten um Unterstützung.

Folge TKP auf Telegram oder GETTR und abonniere unseren Newsletter.



Projekt „Sky Shield“ gefährdet Österreich

Offener Brief an Nehammer zu Sky Shield: Lösung ist nicht die NATO

General Günther i.R. Greindl: Braucht Österreich „Sky Shield“?

7 Kommentare

  1. Gabriele 20. März 2026 um 16:48 Uhr - Antworten

    Uns „anschließen“, das können wir gut… und uns in die Hosen machen, wenn es ernst wird. Also lieber mitmachen, kuschen und zahlen – selbst wenn kein Cent mehr da ist. Und die gewissen „Großen“ werden uns schon helfen, wenn….
    Kotzübel wird einem, wenn man es durchdenkt.

  2. VerarmterAdel 20. März 2026 um 12:12 Uhr - Antworten

    „Sky Shield“ powered by Israel!
    Wer drin ist, ist tot!
    Wer Israel vertraut, hat nicht verstanden, wer der Feind der Menschheit ist.
    Das Land wird von Psychopathen beherrscht, die alle anderen auslöschen wollen.
    Wer im „Sky Shield“ ist, hat keine Kontrolle über das System, das das kleine Drecksland kontrolliert.
    Es kann dann mit den einkommenden und ausgehenden Raketen machen, was sie wollen.
    Was muss dieses kleine Drecksland eigentlich noch tun, damit die Leute die Wahrheit realisieren?
    Israel hat nichts, nada, nothing, rien mit den biblischen Israeliten zu tun.
    Der heutige Staat Israel ist eine Erfindung reicher Leute.
    Diese Idiotie, diese kognitive Dissonanz ist doch unfassbar!

    • 1150 20. März 2026 um 12:52 Uhr - Antworten

      @,
      keine sorge, das gelobte land der auserwählten verwandelt sich immer mehr zu einem gaza 2.0
      die übriggebliebenen werden sich wieder in aller welt verteilen, jammern und klagen das sie wieder
      vertrieben wurden und an einem neuen holocaust basteln um sich neuerlich als opfer vermarkten

    • joseph53 20. März 2026 um 19:35 Uhr - Antworten

      100%ige Zustimmung!
      Und natürlich hilft dieser Schrott nur den Kassen der beteiligten Parteien – und würde uns in einem echten Konflikt zum Angriffsziel machen.

      Ein weiterer Grund – Schumann behindert die Aufklärung der Schäden durch die Covid-mRna-Spikungen und gefährdet uns durch die weitere Verwendung – für einen Mißtrauensantrag gegen die Regierung.
      Im Falle der Zurückweisung ist eine Klage gegen Tanner einzubringen!

  3. OMS 20. März 2026 um 11:56 Uhr - Antworten

    Was ich mir jetzt über NATO-Beate und sonstige Regierungsmitglieder in Österreich denke, darf ich nicht schreiben. Österreich hat bei Sky Shield nichts zu suchen!

    • wolfferth 20. März 2026 um 12:07 Uhr - Antworten

      Niederlande: „Wir können die F-35 jailbreaken wie ein iPhone“ :-|
      Das können die wahrscheinlich auch bei den US-Raketen auf unserm Boden?
      Hauptsache das Kickback funktioniert, wie damals beim Eurofighter.

  4. Glass Steagall Act 20. März 2026 um 11:45 Uhr - Antworten

    Das beste und sicherste „Sky Shield„ ist der Frieden und Handel mit Russland! Wir brauchen diesen ganzen Aufrüstungs-Kram nicht, wenn wir wieder zurück zum Handel kehren! Aber stattdessen versucht man die meist naive Bevölkerung mit dummer Propaganda aufzuhetzen, damit andere mit Krieg richtig Kasse machen können! Menschenleben? Uninteressant! Kommt alle zum großen Abenteuer und werdet Soldaten. Lasst euch verheizen, Hauptsache die Gewinne sprudeln! Und die Bevölkerung denkt, sie würde vor Russland geschützt. Dabei erreicht Aufrüstung genau das Gegenteil! Aber erzählen sie das mal einem regelmäßigen verblendeten Zuschauer der Öffentlich-Rechtlichen.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

Aktuelle Beiträge