
Energie-Lockdowns breiten sich aus
Besonders Asien ist durch die Energiekrise, die der US-israelische Angriff auf den Iran ausgelöst hat, hart getroffen. Am ganzen Kontinent werden Spar- und Rationierungsmaßnahmen von Regierungen verordnet. Zumindest sanfte „Energie-Lockdowns“, die auch auf Europa übergreifen können.
Der Konflikt um die Straße von Hormuz, brennende Ölfelder, Golfkrieg: Der Preisschock auf Rohöl trifft die ganze Welt zuerst, aber viele asiatische Staaten, die zu 80–95 % auf Importe angewiesen sind. Sie reagieren teilweise mit harten Spar- und Rationierungsmaßnahmen. TKP hat bereits letzte Woche berichtet. Hier ein weiterer Überblick.
Bangladesch hatte strenge Treibstoff-Rationierung eingeführt: maximal 10 Liter pro Tag für kleine Pkw, nur 2 Liter für Motorräder. Alle Hochschulen wurden geschlossen, Schulen bereits wegen Ramadan vorverlegt. Lange Schlangen an Tankstellen und Panikkäufe führten zu staatlichen Kontrollen. Am Montag wurden einige Regeln etwas gelockert.
Myanmar rationiert den Treibstoff mit einem Odd-Even-Fahrverbot für Privatautos. Fahrzeuge mit geraden Kennzeichen dürfen nur an geraden Tagen fahren, ungerade an ungeraden. Ausnahmen gelten nur für Elektrofahrzeuge, öffentliche Verkehrsmittel und Notdienste. Die Junta begründet dies mit Lieferengpässen durch den Nahost-Krieg.
Pakistan hat schon letzte Woche auf eine Vier-Tage-Woche für Beamte umgestellt, schließt Schulen und verlegt Universitäten auf Online-Unterricht. Treibstoff für den öffentlichen Dienst wird rationiert.
Malaysia hält den Preis für RON95-Benzin (ca. 0,51 US-Dollar pro Liter) vorerst fest und setzt. Gleichzeitig werden Energiesparmaßnahmen in Behörden empfohlen. Man betont, dass es keine sofortige Rationierung braucht, aber bei längerer Blockade der Hormuz-Straße könnte das kommen.
Indonesien erhöhte die Treibstoff-Subventionen auf über 22 Milliarden USD. Eine landesweite Energiespar-Direktive mit Homeoffice-Pflicht gilt; Reserven reichen nur noch 21–23 Tage. Das Land ist massiv von Importen abhängig.
Sri Lanka rationierte Kraftstoff auf 15 Liter pro Woche für Privat-Pkw. Staatliche Einrichtungen, Schulen und Universitäten arbeiten nur noch vier Tage (Mittwoch frei). Öffentlicher Nahverkehr erhält bis zu 200 Liter.
Thailand setzt eine Preiskappe auf Diesel, verbietet Exporte weitgehend und verpflichtet Behörden zu Homeoffice. Zum Glück gab es Corona, wo das alles schon geübt wurde. Außerdem dürfen Klimaanlagen nicht unter 26–27 °C gekühlt werden, Aufzüge sollen gemieden werden.
China, die Supermacht in Asien, verhängte letzte Woche einen Exportstopp für Benzin, Diesel und Kerosin verhängt, um heimische Reserven zu sichern. Indien verschärfte Kontrollen bei der Treibstoffverteilung. Südkorea führte erstmals seit fast 30 Jahren eine Preiskappe auf Erdölprodukte ein und aktiviert Stabilisierungsfonds. Japan macht strategische Reserve frei.
Bleiben diese Eingriffe auf Asien beschränkt? Besonders wahrscheinlich ist das nicht, sollte der Krieg noch länger in dieser Intensität geführt werden. Letzte Woche warnte die Internationale Energieagentur, dass der Krieg die weltweit größte Unterbrechung der Ölversorgung verursacht habe. Deshalb gab man 400 Millionen Barrel aus den Reserven frei, während der Tankerverkehr durch die Straße von Hormuz weiterhin stark behindert ist.
Analysten zufolge dauert es Monate, bis Alternativen hochgefahren werden können. Allerdings nutzt Saudi-Arabien bereits eine ältere Pipeline und verschifft das Öl über das Rote Meer. In Europa versucht man, die Energiekrise aus den Schlagzeilen zu halten. Selbst über die Rationierungen in Asien hört man kaum etwas. In UK warnte der ehemalige BP-Chef die Regierung und sagte, dass man sich auf einen „signifikanten Energiemangel“ in den nächsten Monaten vorbereiten solle. Das bedeutet nichts anderes als Energie-Lockdowns auch in Europa.
Wir müssen davon ausgehen, dass die Öl-, Dünger- und Dieselkrise auf jeden Fall bis in den Herbst anhält.
Das bedeutet einen Rückgang des BIP, Inflation, Insolvenzen, Arbeitslose, Bankenrettungen und eine Reform der sozialen Systeme, einschließlich Pensionen. Dazu kommen erste Brüche der Lieferketten mit Nichtverfügbarkeit, erste Deindustrialisierung sowie neue Flüchtlinge.
Auf der politischen Seite wird der Druck durch die Bevölkerung steigen.
Dem müssen die Regierungen entgegen wirken durch: regionale Produktion, mehr Handwerk, Diversifizierung von Lieferketten, Lagerhaltung, sozialer Dialog, Stärkung des Vertrauens in Politik, Medien und Institutionen, Umschulung, Arbeitsmarktprojekte, Förderung von KMUs und Selbstversorgung, Entbürokratisierung, Integration von Flüchtlingen, Hilfen für strategische Branchen, wie Glas, Keramik, Metall, Halbleiter, Lebensmittel, Textil.
Für eine Fortführung des Stellungskrieges in der Ukraine wird wenig Verständnis sein. Ebenso für ein Verzicht auf russisches Gas und Öl.
Die aktuelle Politik muss sich den Vorwurf gefallen lassen, die Energiekrise verschärft zu haben. Diesem Unmut könnte mit raschen, vorausschauenden Maßnahmen entgegen gewirkt werden.
Die Politik muss sich den Spielraum verschaffen, auch unpopuläre Maßnahmen argumentieren zu können. Dazu ist Vertrauen der Bevölkerung in Politik und Institutionen unerlässlich. Aus den Fehlern der Coronazeit sollte man gelernt haben!
You will own nothing and be happy (to die) – im Bürgerkrieg oder wie auch immer.
Selbst in die gewitzteste Kreativgarage pflegt sich der Herbeigefürteste Energiemangel Aller Zeiten fürderhin prächtigst einzueitern.
Die Firma dankt und wütet fürderhin…
Smartes Auto in smarter Garage, nur leider betriebsunfähig.
Hat schon was.