Medizin – ein Geschäft mit Ängsten

25. Februar 2026von 6,3 Minuten Lesezeit

Angst ist bekanntlich ein schlechter Ratgeber. Wer anderen Menschen Angst macht, will seinen Gegenüber vom klaren Denken abhalten. Die Medizin ist eine Branche, deren Geschäfte seit jeher auf Ängsten basieren.

Es ist die Angst, nicht gegen eine drohende Krankheit vorgesorgt zu haben. Der Angst, nicht alles gegen eine vorhandene Krankheit unternommen zu haben. Mit anderen Worten: der Angst, an der eigenen Krankheit zumindest Mitschuld zu tragen. Schuld ist seit der Christianisierung die Triebfeder in der europäischen Kultur. Und dieser Triebfeder bedient man sich gerade in der Medizin, um Prestige und Einkommen zu erzielen – ob es um eine Heilung durch Heilige an Wallfahrtsorten oder in Hightech-Kliniken geht.

Ein schlechtes Angebot braucht Angst

Emotionen sind umso wichtiger, je schlechter die Dienstleistung ist. Dies trifft seit 800 Jahren auf die Schulmedizin zu. Nicht nur Aderlässe, Brech- und Abführmittel bei allem und für jeden mussten Heilungen behindern. Auch Antibiotika, Immunsuppressiva und Schmerzmittel befördern keine nachhaltige Genesung. Besserungen werden weiterhin am häufigsten durch die Selbstheilung bewirkt. Aufwendige Therapien sind meist nur Begleitmusik, gegen die die Genesungsmechanismen ankämpfen müssen. Die Mehrzahl auch der heutigen Therapien kann bestenfalls Placebo-Effekte für sich beanspruchen.

Noch immer bleiben etwa 95% schulmedizinischer Behandlungen den Nachweis ihrer Wirksamkeit schuldig.i Nirgends sterben mehr Menschen, wenn Ärzte streiken. Auch als während der Lockdowns massenweise ärztliche Konsultationen und Operationen entfielen, blieben Übersterblichkeiten aus. Trotz zusätzlicher Todesfälle durch Vereinsamung, Verwahrlosung und Selbstmorde. Der Medizinabstinenz sei Dank!

Immer wieder ging während Ärzteausständen sogar die Zahl der Beerdigungen zurück.ii Und zwar nicht, weil Ärzte fehlten, um die Totenscheine auszufertigen. Es starben tatsächlich weniger Menschen. Das Ausmaß hängt davon ab, wie viele Ärzte wie lange im Ausstand sind. Der Effekt wird dabei noch unterschätzt, da die Mehrzahl der medikamentösen Therapien während der Streiks unverändert weiterläuft und als dringend erachtete Operationen nicht verschoben werden. Dies verwischte eine durch leere Kliniken und Praxen zu erwartende Untersterblichkeit während der Lockdown-Phasen.

Weniger Menschen sterben bei Ärztestreiks vor allem, weil sogenannte Wahloperationen entfallen. Also Operationen, ohne Dringlichkeit. Der Entfall der damit verbundenen Operationsrisiken für einen vorzeitigen Tod ist aber nicht unerheblich. So versterben auch in den Industrieländern mindestens 2-3% der Operierten innerhalb von 30 Tagen nach der Operation. Würde man nur Notfälle operieren, gingen die jährlichen Todesfälle um einige Zehntausend zurück.

Angst als Geschäftsgrundlage

Angst ist eine wesentliche Voraussetzung des Therapiegeschäfts. Wer angstfrei seinen Selbstheilungskräften vertraut, wird nicht um Behandlungen nachsuchen. Ängstliche sind hingegen medizinisches Freiwild, die nicht lange auf ihren Abschuss warten müssen. Das Geschäft mit Ängsten spiegelt sich in den Bezeichnungen für Dienstleistungen wider: „Schutzimpfung“, „Vorsorge“, „Nachsorge“.

„Vor- oder Nachsorge“ bei Tumorerkrankungen ist lediglich gleichbedeutend mit diagnostischen Tests, die vielleicht einen bösartigen Herd auffinden können, bevor er Symptome verursacht. Verhindert wird aber weder das Auftreten einer Krankheit, noch haben frühere Diagnosen irgendwo die Lebenserwartung verlängert. Der mögliche Nutzen in Einzelfällen, den es fraglos gibt, wird durch die Schäden falsch positiver Befunde aufgehoben. Wo „Vorsorge“ und „Schutz“ draufstehen, sind lediglich Krankheitsangst und -verbreitung drin. „Sorge“ ist ein Codewort für ein Geschäftsabonnement.

Sicher ist: mit jeder medizinischen Einmischung bei Gesunden wird das Bewusstsein für das Auftreten von Krankheiten geweckt und gestärkt. Krankheiten scheinen überall zu lauern und schutzlose Individuen wahllos zu befallen, wenn diese keine Vorkehrungen träfen! Im Kindesalter sind dies angeblich seuchenhafte und todbringende Infektionskrankheiten. Bei Erwachsenen verschiedene Krebsarten und die Verstopfung von Arterien.

Beeinflussungen des Lebensstils und die Verminderung von Zivilisationsgiften gehören dagegen mangels Gewinnperspektive nicht zur Krankheitsvorsorge. Medikamente als Ursache für Gefäßverschlüsse und Krebs werden hartnäckig ausgeblendet. Dass Komplikationen bei Operationen, Unfälle und Umweltgifte weit häufiger als Infektionskrankheiten sind, wird in der Schulmedizin verschwiegen. In der Alternativmedizin hat man dagegen seit Jahr fragwürdige oder nachweislich unwirksame Methoden zur „Entgiftung“ zum fixen Geschäftsbestandteil gemacht.

Ohne die Schreckgespenster tödlicher Erkrankungen und die Mär vom hilflosen Menschen wäre die Inanspruchnahme medizinischer Leistungen fraglos geringer. Dies ist auch eine der Gemeinsamkeiten langlebiger Bevölkerungsgruppen auf dieser Erde. Die Menschen in Okinawa, Sardinien oder Aserbeidschan leben nicht nur in harmonischeren Sozial-beziehungen, natürlicherer Umgebung und mit weniger industriellen Fertigprodukten. Ihnen ist auch gemeinsam, dass sie sich seltener medizinischen Behandlungen unterziehen. Dies wird gerne bei Analysen der Faktoren für ein langes und gesundes Leben unterschlagen.

Geschäfte mit Ängsten funktionieren umso besser, je geringer das Vertrauen in die eigene Widerstandskraft und die Selbstheilungskräfte ist. Es ist daher nicht verwunderlich, dass von der Schulmedizin das Ausmaß körpereigener Heilkräfte systematisch unterschätzt wird. Noch immer werden die heilenden Vorgänge unseres Immunsystems mit verstärkter Durchblutung und Temperaturerhöhung als „Entzündungen“ gebrandmarkt. Anstatt als Teil der Heilung werden die damit einhergehenden Symptome als Krankheiten verkannt. Entsprechend besteht der Reflex vieler Menschen in einem Ruf nach Medikamenten, die zwangsläufig die Selbstheilung beeinträchtigen.

Eine ungeheure Verunsicherung hat sich verbreitet, die selbst experimentellen Behandlungsangeboten mehr zutraut als den über Millionen von Jahren optimierten Selbstheilungsmechanismen. Dabei landen fast alle Behandlungen der Schulmedizin schon nach wenigen Jahren wieder auf dem Müllhaufen der Medizingeschichte. Von den vermeintlichen Errungenschaften der Pharmazie aus den letzten 150 Jahren hat nicht einmal 1% überdauert. Hat sich die Schulmedizin in ihrer Glaubwürdigkeit nicht schon dadurch diskreditiert, dass sie über 1500 Jahre an unwirksamen und schädlichen Aderlässen, Brech- und Abführmitteln festgehalten hat?

Selbstermächtigung befreit

Wissen beschert nicht unbedingt Macht, aber Wissen ist das beste Mittel gegen Ängste. Die Risikokompetenz, die man benötigt, um eine möglichst optimale Entscheidung für oder gegen eine Behandlung zu treffen, erfordert Wissen. Der Rat anderer Menschen, schon gar nicht der sogenannter Experten, kann dieses nicht ersetzen; denn wirkliches Wissen basiert auf unmanipulierten Fakten, die man selbst aufsuchen muss. Nichts Anderes besagt das Bekenntnis des Philosophen und Arztes Johann Benjamin Erhard (1766-1827): „Ich bin, der ich bin, kein anderer hat meine Pflichten, kein anderer darf für mich denken.“

Es hat sich bewährt, als erste Krankenpflicht in den meisten Fällen abzuwarten und dem Körper erst einmal Zeit zu geben. Hektik und Medikamente in Notarztwagen schaden gerade im Alter mehr als sie nützen. Die Zeit zum wesentlichen Überlebensfaktor zu stilisieren, ist pure Propaganda derer, die vorrangig eine absolute Kontrolle über andere Menschen wollen. Unterstützen kann man die Selbstheilungsvorgänge durch Nahrungsverzicht und frische Luft auf Spaziergängen oder einer Freiluftliege bei Bettlägerigkeit.

Univ.-Doz.(Wien) Dr. med. Gerd Reuther im Gespräch mit Dr. Emilie Frigowitsch:

Referenzen

i Howick J et al.: Most healthcare interventions tested in Cochrane Reviews are not effective according to high quality evidence: a systematic review and meta-analysis. J Clin Epidemiol 2022; 148:160-9

iiCunningham SA et al.: Doctors‘ strikes and mortality: a review. Soc Sci Med 2008; 67(11):1784-8

Mehr zur Infektions- und Impfgeschichte in „Riskanter Schutz. 300 Jahre Immunisierungsversuche“ (Engelsdorfer Verlag 2026).


Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

Univ.-Doz.(Wien) Dr. med. Gerd Reuther ist Radiologe, Medizinaufklärer und Medizinhistoriker. Er hat 8 Bücher veröffentlicht. Darunter „Heilung Nebensache. Eine kritische Geschichte der europäischen Medizin“, „Hauptsache krank? 300 Jahre Immunisierungsversuche.


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6 Kommentare

  1. 1150 27. Februar 2026 um 11:21 Uhr - Antworten

    ein jugendfreund, mittlerweile pensionierter mediziner, bezeichnete seine ehemaligen kollegen immer mit aufrichtiger bewunderung als schlangenölverkäufer.
    dafür führt er ein ruhiges und überschaubares leben in einer der hintersten provinz des landes

  2. quappendorfer 26. Februar 2026 um 9:19 Uhr - Antworten

    Völlig d’accord!

  3. Jakob 25. Februar 2026 um 10:55 Uhr - Antworten

    Dr. Reuther hat mit seinem kritischen Artikel sicher grundsätzlich Recht.
    Krankheiten sind ein gigantisches Geschäft.
    Trotzdem sollte die moderne Medizin nicht unterschiedslos verteufelt werden, sie hat auch ihre guten Seiten.

    • Gabriele 26. Februar 2026 um 8:51 Uhr - Antworten

      Darum geht es ja auch gar nicht, nur dass „die“ Medizin die Finger von der generellen Gesundheit der Menschen lassen sollte. Das hat sie aber nie getan, sondern immer nur mit Panikmache und Druck agiert.
      Modern Medizin ist im Grunde ein „Handwerk“ mit Chemie, Strahl und Stahl – keine Heilkunst. Letztere ist etwas ganz anderes. Die Natur braucht hier selten Helfer, wenn man sie machen lässt.

  4. Der Zivilist 25. Februar 2026 um 10:54 Uhr - Antworten

    “ Es ist die Angst, nicht gegen eine drohende Krankheit vorgesorgt zu haben. Der Angst, nicht alles gegen eine vorhandene Krankheit unternommen zu haben. “

    Na, das ist aber weit hergeholt, im Grunde ist es doch die Angst vorm Tod oder dem Sterben, dem Kontrollverlust, welche die Menschen zum Arzt treibt und welche die Branche ausnutzt.

  5. Gabriele 25. Februar 2026 um 10:08 Uhr - Antworten

    Einfach nur widerwärtig das ganze Spiel…. zum Ko….en.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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