Trump präsentiert „Make Gaza Beautiful Again”-Plan

5. Februar 2025von 3,9 Minuten Lesezeit

Ethnische Säuberung des Gazastreifens, Übernahme durch die USA und Umbau zu einem touristischen Luxusziel zu machen. Auch die Abschaffung von USAID hängt mit diesem Plan zusammen.

Mit seiner konsequenten Unterstützung für Israel hielt sich Trump nie zurück. In der gesamten US-Politik ist dieser Kurs klare Staatsdoktrin. Israel wird verteidigt und unterstützt, davon wird kein Millimeter abgerückt. Und Trump spricht offener über die Dinge als der Rest: Er spricht offen von der ethnischen Säuberung, die schon länger läuft, und nun durchgeführt werden soll. Statt ein arabisches Gaza, sollen der Küstenstreifen ein Urlaubsort für reiche Westler werden. Rund 2 Millionen Palästinenser umgesiedelt werden.

Trump verkündet bei der Pressenkonferenz mit Netanjahu, 1,8 Millionen Palästinenser in andere Länder umsiedeln zu wollen. Sollte die Zahl stimmen, dann hat sich die Bevölkerung im Gazastreifen seit dem 7.10 bereits um 500.000 reduziert. Denn damals lebten 2,3 Millionen Menschen im Gazastreifen.

Schon im März lobte Trump-Schwiegersohn Jared Kushner das „sehr wertvolle“ Potenzial des Gazastreifens , Israel solle Zivilisten abziehen, während es den Streifen „aufräumt“.  Trump ging nun einen Schritt weiter und kündigte an, dass überhaupt gleich die USA den Gazastreifen übernehmen werden:

„Nennt es eine Abrissbude. Praktisch jedes Gebäude ist zerstört. [..] Die USA werden den Gaza-Streifen übernehmen. […] Wir werden ihn besitzen und dafür verantwortlich sein, nicht explodierte Bomben zu entfernen und die zerstörten Gebäude zu beseitigen, ihn einzuebnen und eine wirtschaftliche Entwicklung und eine unbegrenzte Anzahl von Arbeitsplätzen und Wohnungen für die Menschen in diesem Gebiet zu schaffen. […] Es sollte nicht durch einen Prozess des Wiederaufbaus und der Besetzung durch dieselben Menschen gehen, die wirklich dort gestanden und dafür gekämpft haben und dort gelebt haben und dort gestorben sind und ein elendes Leben dort geführt haben. […] Ich sehe eine langfristige Besitzposition, und ich sehe, dass sie diesem Teil des Nahen Ostens und vielleicht dem gesamten Nahen Osten große Stabilität bringen wird.  Jeder, mit dem ich gesprochen habe, ist von der Idee begeistert, dass die Vereinigten Staaten dieses Stück Land besitzen.“

Der US-Präsident ging sogar so weit zu sagen, dass der Gazastreifen „die. Riviera des Nahen Ostens“ werden könnte. Dass es US-Bomben waren, die „praktisch jedes Gebäude zerstört“ haben, das ist in dieser Logik unwichtig.

Ähnliche Pläne kam auch bereits aus dem Büro Netanjahu – schon vor Monaten. Die Jerusalem Post berichtete über den Plan „Gaza 2035“. Es ist also alles andere als neu, Trump spricht die Gedanken nur erstmals offen aus. Hier der Bericht darüber in The Nation:

Wie in der Fachzeitschrift The Architect’s Newspaper dargelegt, sieht der Plan den Nachkriegs-Gaza-Streifen als Tabula rasa vor, der von seinen Bewohnern gesäubert wurde und auf dem Netanjahu eine karikaturhafte, verworrene Vision von der Förderung fossiler Brennstoffe (geschätzte 1,7 Milliarden Barrel Öl lagern im Küstengebiet des Streifens), von präventivem Greenwashing (es ist die Rede von „Städten für die Herstellung von Elektroautos“) und von der totalen Loyalität gegenüber der Technologie- und Immobilienindustrie zur Gestaltung des Landes verwirklichen kann.

Der Vorschlag wurde von KI-generierten Bildern begleitet, die hypermoderne Wolkenkratzer, Offshore-Ölplattformen, Solarenergiefelder und andere Details zeigen, die eine generische technokratische Vision des städtischen Fortschritts heraufbeschwören.

Die präsentierten Pläne kommen also keinesfalls aus dem Nichts. Kritiker Israels hatten tatsächlich schon seit Beginn des Krieges darauf hingewiesen, dass eine de facto Annektierung des Streifens Israels eigentliches Kriegsziel sei.

Es folgte Trumps Außenminister Marco Rubio, der ebenfalls nie seinen Pro-Israel-Kurs verschwiegen hat: Die USA seien bereit, „den Gazastreifen wieder schön zu machen“.

Wie man die fast 2 Millionen Leute aus dem Gazastreifen vertreiben soll, das ist freilich noch offen. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass sie freiwillig gehen werden. Die muslimische Welt reagierte empört. Trump will die Menschen nach Ägypten und Jordanien umsiedeln – beide Staaten lehnen dies ab. Zumindest bisher.

Zur Umsetzung des neuen US-Plans für den Gazastreifen stören jedenfalls UN-Organisationen wie das Palästinenserhilfswerks UNRWA und auch USAID. USAID ist voller pro-palästinensischer Mitarbeiter, die gegen die Pläne mobil machen würden. Auch der Austritt Trumps aus dem Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen passt dazu: Denn dort würde diese geplante Säuberung und eine Etablierung von „Groß-Israel“ nicht unterstützt werden.

Bild „Palestinians Collect Belongings from Gaza Ruins“ by United Nations Photo is licensed under CC BY-NC-ND 2.0.

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8 Kommentare

  1. Jan 6. Februar 2025 um 7:54 Uhr - Antworten

    Das Problem sind die arabischen Staaten. Die Palästinenser sind brandarm, die werden die neue Riviera kaum mit Raketen beschießen. Was wird Trump also machen? Reiche Araber in die Immobilienentwicklung mit einbeziehen. Diese werden dann dafür sorgen, dass die Palästinenser in irgendeinem Slum verkommen. Die Chinesen werden die Iraner ruhig stellen. Dafür werden sie den Hafen bekommen oder so.

    Public-private-Partnership at its best!

    Die Palästinenser sind noch dümmer als die Ukrainer und Deutschen!

    Wenn die Deutschen allerdings Merz wählen und dieser Raketen auf eine Atommacht wirft, so dass Deutschland auf immer nuklear verseucht wird – Umfragen sehen 30% für dieses Szenario – dann hätten allerdings die Deutschen den Vogel abgeschossen. So blöd sind nicht einmal die Palästinenser!

  2. Daisy 6. Februar 2025 um 5:49 Uhr - Antworten

    Giftpfeile

    Zunächst einmal ein Giftpfeil nach links… USAID ist voller pro-palästinensischer Mitarbeiter. Ja, die Linke ist traditionell pro Palis, s. auch Greta und die alten Sozis. Den Antis… benützen sie nur als Keule, um damit im Glashaus zu fuchteln. Es ist ja prinzipiell auch der Hass auf das Kapital, das man nur deswegen nicht mag, weil es einem nicht gehört…

    Der Gazastreifen soll also den Amis gehören. Sie dürfen den Wiederaufbau finanzieren usw. „sauber machen“, die Putzfrau quasi. Die USA gehört jedoch jedoch Israel. Und jetzt fragt sich, wie haben die das gemacht? Die Amis haben ihnen ja nie was getan. Dorthin konnten sie ja vor den Deutschen usw. flüchten. Auch unser Karl Farkas war dort und andere, die nicht besonders gut aussahen und dennoch haben sie es rasch geschafft, sich zu etablieren und gut zu verdienen, s. Hollywoodianer. Das ist wohl das Talent und gewiss auch der Zusammenhalt in dieser Gruppe.

    Wie aber passierte es, dass sie Amiland in Besitz nahmen? Mit der Schuldmasche allein kanns nicht gewesen sein. Denn die Amis waren ja nicht schuld, oder?

    • Daisy 6. Februar 2025 um 7:45 Uhr - Antworten

      PS: Das war natürlich eine rhetorische Frage. Denn ich weiß es eh. Aber ich bin keine Linke, denn ganz prinzipiell bin ich nicht neidig. Das Kapital der anderen möchte ich nicht haben, ehrlich… ;-)

  3. Andreas I. 5. Februar 2025 um 18:41 Uhr - Antworten

    Hallo,
    wenn jetzt der Präsident der USA und dessen Schwiegersohn ein Geschäft mit dem Land der Indian… äh Palästineser machen wollen, nun ja, so wurde ,,America“ einst great gemacht.

    Wenn Leute an der See sein wollen, aber das in Betonbauten wie in jeder beliebigen neueren Stadt; dann ist das zwar arm, aber darum kompensieren solche Leute ja materiell / finanziell.
    Und diese ,,neue Riviera“ wird das finanziell exklusivste, was es bisher gibt, nämlich nur für so sehr finanziell Reiche, die sich eine eigene Raketenabwehr leisten können. Es sei denn, die ,,nationale Sicherheit“ wird von den Steuerzahlern bezahlt …

    • audiatur et altera pars 5. Februar 2025 um 20:10 Uhr - Antworten

      Mit etwas elonschem Humor: Möglicher Weise übernimmt die Zahlung dieses geschilderten Sky-Shields ja die neulich so tributpflichtig herbeigegrüßte AfD-Bundesregierung? Irgendwann muss ja mal schließlich Schluss sein mit ewig Schuld, nich wahr?
      So what about a little Power and Hapiness 2.0?
      Wer erinnert sich noch an das Tsunami-All-Inclusive-Video angesichts der „Die Welle“ vom Hotelbalkon aus: „Karl-Uwe, wir reisen ab!“

  4. federkiel 5. Februar 2025 um 15:21 Uhr - Antworten

    …….Und während Netanyahu in den USA weilt, sind die Siedler wieder im Westjordanland aktiv.
    Trump muß jetzt aufpassen, daß ihn sein Größenwahn nicht in den eigenen Abgrund reißt.

  5. Varus 5. Februar 2025 um 14:50 Uhr - Antworten

    Wir werden ihn besitzen und dafür verantwortlich sein, nicht explodierte Bomben zu entfernen und die zerstörten Gebäude zu beseitigen, ihn einzuebnen und eine wirtschaftliche Entwicklung und eine unbegrenzte Anzahl von Arbeitsplätzen und Wohnungen für die Menschen in diesem Gebiet zu schaffen.

    Welche „Menschen in diesem Gebiet“, wenn Trump alle vertreiben will? Soll er doch den Leuten und auch im Westjordanland eine Zukunft als US-Bundesstaat Palästina anbieten. Sollten dort wie gewohnt zionistische militante Terroristen auftauchen und Krawall machen, schickt Trump gegen diese die US-Marines?

  6. Sabine Schoenfelder 5. Februar 2025 um 14:23 Uhr - Antworten

    „Trump will die Menschen nach Ägypten und Jordanien umsiedeln – beide Staaten lehnen dies ab. Zumindest bisher.“
    Das gelänge ihm n u r bei Zöllen um die 300% 😁, und d i e können sich diese Länder nicht leisten. Ergo, werden Sie niemanden wirklich aufnehmen und Kontakt mit den BRICS-Staaten anstreben.
    Und ich schaue in meine Glaskugel….es wird am emmeriken-GAZA-Beach keine echte Erholung für Touris geben….

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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