
Hyperschallraketen und Luftabwehr – verfügbare Technologien der Kontrahenten
Anlässlich der gegenseitigen Angriffe von Iran und Israel sowie deren Abwehr oder Nicht-Abwehr ist wieder eine Diskussion entbrannt was an Waffen verfügbar ist und was die jeweiligen Technologien können. Was haben USA und Israel und was Iran, Russland und China verfügbar?
Es ist ziemlich evident, dass der Iran bei seinem Vergeltungsangriff am 1. Oktober einen sehr hohen Anteil an Treffern bei seinen militärischen Zielen erreicht hat, die auch auf privaten Videos gut zu sehen waren. Umgekehrt ist beim Angriff Israels auf Teheran in Videos zu sehen, wie Raketen abgefangen oder abgeschossen wurden. Berichte von Quellen auf beiden Seiten zeigen, dass Israel den Angriff nach der ersten Welle abbrechen musste, da die iranische Luftwehr nicht auszuschalten war. Über deren Ausstattung mit russischen und Eigenbau-Systemen laut wesentlichen Fachmedien, hat TKP hier berichtet.
Leser weisen uns auf einen Bericht hin, bei es um ein chinesisches Radarsystem geht, dass Hyperschallraketen bis Mach 20 erkennen können soll und zwar bis zu 10 Raketen gleichzeitig bei Ausblendung von Täuschkörpern und mit einer Genauigkeit von etwa 28 Zentimetern, was weniger wäre als der Durchmesser der meisten Raketen. Der Bericht kursierte Anfang Juli 2024 weltweit und wurde auch 1 zu 1 auf Deutsch übersetzt in der österreichischen Futurezone gecovert. Offenbar ist der Artikel zuerst in der South China Morning Post erschienen und dann von einigen Militärmagazinen, der Asia Times und solchen Seiten wie MSN wortident übernommen worden. Darin ist allerdings einiges unklar oder zumindest ungeschickt formuliert.
Der Artikel basiert auf einer Veröffentlichung von Professor Zheng Xiaoping vom Department of Electronic Engineering der Tsinghua Universität im chinesischen Medium Optical Communication Technology.
- Mayer, Dr. Peter F.(Autor)
Hyperschallraketen, also solche die schneller als Mach 5 fliegen, erzeugen vor sich sehr hohen Druck und Temperaturen von Tausenden Grad. Dadurch entsteht ein Plasmamantel um die Rakete. Das elektrisch geladene Plasma „schluckt“ Radarstrahlen und die Rakete wird von herkömmlichen Radarsystem nicht erkannt, bzw erst dann, wenn beim steilen Abstieg auf das Ziel aus 50 bis 70 km Flughöhe durch die dichter werdende Luft die Geschwindigkeit abgebremst wird.
Es braucht also ein deutlich verbessertes Erkennungssystem um Hyperschallraketen bekämpfen zu können. Russland besitzt zumindest Prototypen solcher Raketen schon seit zehn oder noch mehr Jahren und hat sie 2017 vorgestellt und bei der Truppe eingeführt. Man hatte also Zeit und Gelegenheit Abwehrsysteme zu entwickeln und auch zu testen.
Darüber hat TKP im Juni 2023 erstmals anlässlich eines Vergleichs des russischen Kampfflugzeugs der 5. Generation, der Su-57, mit der F35 der USA berichtet.
Dabei auch ein Bericht aus russischen Quellen über das S400 Luftabwehrsystem, das Hyperschallraketen abwehren kann, die 4,8 Kilometer in der Sekunde zurücklegen (Mach 14) und das in bis zu 400 km Entfernung.
Um das zu können braucht es auch Möglichkeiten der Zielsuche, die den Plasmamantel einer Hyperschallrakete durchdringen können und mit der Geschwindigkeit des fliegenden Objekts mithalten. Wie die Russen das schaffen ist unbekannt, wahrscheinlich mit einer Kombination von Technologien mit einem extrem fortschrittlichen Radar und optischen Systemen.

In einer Analyse der verwendeten Waffen habe ich diese Informationen des US Fachmagazins Miliary Watch Magazin über diesen russischen Mach-14-Interzeptor gebracht: „Bei den iranischen S-300PMU-2-Systemen bleibt offen, ob sie mit Boden-Luft-Raketen des Typs 48N6DM ausgerüstet sind, die Berichten zufolge mit einer verbesserten Variante des Systems kompatibel sind und auch als primäre Langstreckenbewaffnung des neueren S-400-Systems dienen. Diese Raketen verfügen über besonders fortschrittliche Raketenabwehrfähigkeiten, da sie über fortschrittlichere Sensoren und höhere Geschwindigkeiten von mehr als Mach 14 verfügen, so dass sie Ziele mit sehr hohen Überschallgeschwindigkeiten, einschließlich Hyperschallgeschwindigkeiten von mehr als Mach 8, bekämpfen können. China hat diese von Russland gelieferte Raketenklasse bereits getestet, um Ziele mit Geschwindigkeiten von mehr als Mach 8 in einer Entfernung von 250 Kilometern erfolgreich abzufangen – eine Leistung, die keine israelischen luftgestützten Raketen und nur sehr wenige luftgestützte Raketen in der Welt erreichen können.“
Vermutlich hat China damit einen Prototypen des von der Tsinghua Universität entwickelten Radarsystems erfolgreich getestet.
Aber zurück zu dem SMCP Artikel. In der deutschen Version des Textes in der Futurezone lesen wir:
„Hyperschallwaffen stellen eine größere Herausforderung für Abwehrsysteme dar als ballistische Raketen. Nicht nur sind sie schneller, sie können auch unvorhersagbare Manöver fliegen, die Luftabwehrsysteme überwinden können.“
Mit Geschwindigkeiten zwischen 2 und 5 Kilometern pro Sekunde fliegt nichts mehr „unvorhersehbare“ Manöver. Sie können Ausweichmanöver von langsameren Objekten wie einer US F-35, die maximal Mach 1,6 schafft, ausgleichen aber sie können keine Haken schlagen.
Es sei ein militärisches Wettrennen zwischen USA und China:
„Auch die USA arbeiten daher intensiv an Hyperschall-Waffentechnik. Erst im März wurde Westpazifik eine neue Hyperschallrakete von den USA getestet. Der Test wurde unter einigen Militär-Experten als Säbelrasseln wahrgenommen. Die USA hätten damit gezeigt, dass auch chinesische Küstenstädte mit Hyperschallwaffen angegriffen werden könnten.“
Die Tests der USA haben bisher noch zu keinem produktionsreifen Ergebnis geführt, mehrere Projekte mussten nach Milliarden von versenkten Kosten wieder eingestellt werden. Im Besitz von Hyperschallraketen sind bisher nur Russland, China und der Iran.
Der Bericht spricht weiter von optischen Systemen zur Signalverarbeitung von mehreren Mikrowellen-Bändern. Es handelt sich also um ein sogenanntes Mikrowellen-Photonik-Radar, wie zum Beispiel hier in einen Fraunhofer Paper erklärt.
Defense News, die den SCMP-Text leicht modifiziert übernommen haben, mahnte zur Vorsicht: „Einige Experten äußern jedoch Vorsicht, da die Behauptungen des chinesischen Teams nicht von unabhängiger Seite überprüft wurden. Sie betonen, dass weitere Tests und Validierungen erforderlich sind, bevor die Technologie vollständig akzeptiert werden kann. Andere sind jedoch der Meinung, dass dieser Durchbruch die Entwicklung fortschrittlicher Radarsysteme beschleunigen und den weltweiten Wettlauf um Hyperschallwaffen weiter verschärfen könnte.“
Russische Luftabwehrsysteme sind offenbar schon seit mindesten eineinhalb Jahren zum Abfangen von Hyperschallraketen in der Lage. China dürfte sein Radar mit den russischen Triumph Rakete erfolgreich getestet haben, wenn die Informationen des Military Watch Magazine korrekt sind.
Tasnim News Agency, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons
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Hallo,
China; vom erfolgreichen wussenschaftlichen Test bis zu praktisch einsetzbarer Technik, das dauert seine Zeit.
USA hat auf ,,stealth“ und Vernetzung gesetzt.
Naja und Russland hat alles modernisieren müssen, aber der Vorspung bei Raketentechnik passt m.E. zur Verteidigungsdoktrin (der riesigen Landmasse).
Ähnlich beim Iran, wenn der sich ernsthaft verteidigen müsste …
Und übrigens haben Infrrot-Sensoren einegeringere Reichweite als Radare, aber für punktuele bodengestützte Luftabwehr müssten ,,nur“ :-) die IR-Systeme von Jagdflugzeugen modifiziert werden. Das wäre eher wieder die ökonomische Seite der Kriegführung, wenn radarbasierte Luftabwehrsysteme zusätzlich mit IR-Systemen geschützt würden, aber da Hyperschallraketen jeden Menge Hitze produzieren ….
Ein Radar mit stehenden Wellen als Basis und Deltaerkennung (=Objekte) ist schon genial…
Russland hat mittlerweile schon teils S-500 im Einsatz, den Nachfolger.
Die Sache mit dem Abfangen ist, je besser die Dinger sind je schlechter kann man die abfangen. Es werden also immer welche durchgehen, auch mit den besten Abwehrsystemen. Bei 5km pro Sekunde ist das Teil uU auch schneller da als man überhaupt eine Abfangrakete starten kann. Wobei in Bodennähe fliegen die auch nicht mehr ganz so schnell.
Hallo,
,,Bei 5km pro Sekunde“
Für 100 km 20 Sekunden. das ist knapp, aber es könnte reichen. Aber macht deutlich, dass bei Hyperschallraketen frühestmögliche Erkennung noch wichtiger geworden ist, als bisher bei Überschall ohnehin schon.
Aber herkömmliche Radare … das ist ja das Rätsel.
In der Geschichte hat noch nie ein klimaelektrifiziertes Land gegen eine Industrienation mit fossilen Ressourcen einen Krieg gewonnen.
Das liegt daran, dass sich mit Wind- und Solarstrom so schlecht Panzer bauen lässt. Hitler hat zwar aus Kohle Diesel gemacht, aber Habeck hat nicht einmal Heizöl mehr und was die Voest mit ihrem Windstromofen liefert, werden wir erst sehen.
Das der militärische Gegner dem Angreifer das für den Angriff benötigte Öl liefert, ist eher nicht zu erwarten. Die Pipelinesprènger haben mehr Anstand als bisher erkannt. Gas gleich Frieden. Deshalb bietet Putin ja stets süffisant die weitere Lieferung an und deshalb zieht es Olaf vor, sein Land in den Abgrund zu führen. Bloß schießt es sich aus dem Abgrund so schlecht.
Die USA stehen vor dem Ende ihres Frackings. Bis 2030 dürfte der letzte Tropfen gefördert sein. Dann fehlen 30% weltweit. Das dann verfügbare Öl liegt in Russland, im Iran und in Saudi-Arabien.
Europa, die USA und China müssen Öl per Frachter holen. Das ist teuer und angreifbar. Legasthenchen versteht dass nur nicht.
Raketentechnologie ist eine feine Sache! Aber einen längeren Krieg führt man nicht mit einem Arsenal an Waffen, man hat eine Produktion im Hintergrund.
Daher blicke ich in meine Glaskugel und sage voraus, dass der nächste große Konflikt in der Straße von Hormuz stattfindet!
Mit Ausnahme der Aufhebung aller Grundrechte und Gerichtsbarkeit in Österreich durch die WHO. Letzteres ist auch kein Konflikt, sondern beschlossene Sache.