Burkina Faso lehnt IWF-Kredite ab

19. August 2024von 2 Minuten Lesezeit

Keine „Finanzhilfe“ aus dem Westen: Das ist die jüngste Entscheidung des Präsidenten von Burkina Faso, der den IWF und die Weltbank damit vor die Tür setzt. 

Burkina Faso will keine „Hilfe” vom Internationalen Währungsfonds. Der Präsident des Landes, Ibrahim Traoré, hat erklärt, dass die Kredite die Kontrolle über das eigene Land beschränken würden: „Afrika braucht weder die Weltbank noch den IWF, Europa oder Amerika. Wir haben das Zeug dazu, unsere Wirtschaft ohne Kredite wachsen zu lassen und weigern uns, Finanzsklaven zu sein.“

Berüchtigter IWF

Durch die IWF-Gelder würde das Land in einem Schuldenkreislauf gefangen gehalten werden, so die Erklärung des politischen Führers Traoré, der sich anschickt, in die Fußstapfen von Thomas Sankara zu treten. Die Kredite würden demnach die Souveränität des Landes gefährden, und das Land in eine wirtschaftliche Abhängigkeit vom Westen bringen.

Der Schritt des Sahel-Landes ist ein weiteres deutliches Signal, gewillt zu sein, sich aus der Kontrolle des Westens, vor allem Frankreich und den USA, entziehen zu wollen. Stattdessen orientiert man sich Richtung Russland und China und baut gemeinsam mit Nachbarstaaten wie Mali und Niger neue Kooperationen und Institutionen auf, die frei von nicht-afrikanischem Einfluss sein sollen. Wie Sankara, vertritt auch Traoré, eine panafrikanische Idee: „Der Kampf, den wir führen, ist nicht nur ein Kampf für Burkina Faso, es ist ein Kampf für ganz Afrika“, sagt der Staatschef. Zuletzt hat TKP eine Rede von Traoré veröffentlicht. 

Es geht um mehrere hundert Millionen US-Dollar. Für das arme Burkina Faso jedenfalls nicht wenig Geld. Kritiker der neuen Unabhängigkeitsbewegung im Sahelgebiet erklären nun, dass Burkina Faso stattdessen chinesische Kredite annehmen und sich dadurch von der neuen Weltmacht abhängig machen würde. Allerdings mischt sich China (zumindest bisher) weit weniger in die Innenpolitik anderer Länder ein als der Westen.

Dass der IWF seine Gelder als politisches Druckmittel verwendet, ist von Griechenland bis Chile weithin bekannt. Auch im Zuge von Covid wurde das deutlich. So hatte Weißrusslands Präsident Aleksandar Lukaschenko erklärt, dass das IWF fast eine Milliarde US-Dollar versprochen hatte, hätte er Lockdowns und Covid-Gesetze eingeführt. Lukaschenko verweigerte dies bekanntlich, wodurch Weißrussland das Land mit den lockersten Covid-Gesetzen geworden ist.


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4 Kommentare

  1. Der Zivilist 19. August 2024 um 16:18 Uhr - Antworten

    Ja, das hat Malaysia auch einst getan, später ruinierten dann windige Aktionen mit mh-17 & mh-370 die staatliche Fluggesellschaft.

  2. Jan 19. August 2024 um 16:11 Uhr - Antworten

    Durch die Implosion der USA als Weltpolizist und die Gründung der BRICS ergeben sich neue Verhältnisse. Diese sollte man sich gut anschauen und für Österreich Optionen andenken.

    Nicht einfach Joe Gaga und Trampolina nacheifern!

  3. Fritz Madersbacher 19. August 2024 um 14:59 Uhr - Antworten

    „Afrika braucht weder die Weltbank noch den IWF, Europa oder Amerika. Wir haben das Zeug dazu, unsere Wirtschaft ohne Kredite wachsen zu lassen und weigern uns, Finanzsklaven zu sein“

    Burkina Faso ist dadurch natürlich zum Angriffsziel und Buhmann des Westens avanciert, ähnlich wie seine „AES“-Konföderationspartner Mali und Niger. Alle drei Staaten sind akuten Infiltrationsversuchen und sich wiederholenden Terrorangriffen ausgesetzt, hinter denen vor allem die von anderen westlichen/europäischen Kompagnons dabei unterstützte frühere Kolonialmacht Frankreich steckt, die jetzt – ähnlich wie die USA aktuell in Afghanistan, aber auch Syrien – verschiedene früher bekämpfte Gruppierungen zu Terroraktionen und Überfällen ermuntert, mit Geld und Waffen natürlich.
    Aber die Kräfteverhältnisse haben sich zuungunsten der westlichen Imperialisten entwickelt, und die „AES“-Staaten haben wie der ganze Kontinent eine Zukunft vor sich, wie sie die von westlichen Söldnern ermordeten Patrice Lumumba im Kongo oder Muammar al-Gaddafi in Libyen vorhergesehen und angestrebt haben …

  4. Gabriele 19. August 2024 um 14:25 Uhr - Antworten

    Einfach nur BRAVO! Würden es alle so machen…

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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