Exodus aus Deutschland – Der Abschiedsbrief einer politischen Freundin

26. Mai 2022von 16,3 Minuten Lesezeit

Der Exodus der Systemkritiker setzt sich fort. Brain-Drain der anderen Art – kritische Denker, Mediziner und Wissenschaftler, Künstler und immer mehr Journalisten verlassen Deutschland und Österreich. Einige bleiben in Europa – die Mehrheit zieht es jedoch weiter weg.

Dr. Peer Eiffler und Dr. Bodo Schiffmann gehörten zu den Ersten, die gegangen sind, gehen mussten – nachdem ihnen der Staat die Möglichkeit nahm, als Ärzte zu arbeiten. Beide sind heute in Tansania ansässig. Zahllose Razzien in Praxis und Wohnhäusern von anderen bekannten Kritikern aus dem medizinischen Umfeld führten dazu, dass zunehmend mehr medizinische Experten Deutschland verlassen. Dr. Mathias Poland ist in Paraguay, Dr. Carola Javid-Kistel in Mexiko zu finden. Prof. Stefan Hockertz ist in die Schweiz geflüchtet.

Björn Banane und Arne Schmid gehörten zu den bekannten Künstlern des Widerstands gegen die Corona-Maßnahmen. Auch wenn sie immer wieder zwecks Teilnahme an Gerichtsverfahren nach Deutschland einreisen, liegt ihr Hauptwohnsitz inzwischen in Montenegro.

Kayvan Soufi-Siavash, besser bekannt als Ken Jebsen, war einer der ersten Journalisten, der Deutschland verließ. Zunächst plante er, seinen Wirkungsbereich nach Österreich zu verlegen. Die Impfpflicht vertrieb ihn von dort – wie man hört – Richtung Norden. Jochen Mitschka, einen altgedienten kritischen Autor, hat es mit seiner Frau nach Namibia verschlagen. Boris Reitschuster verbringt ebenfalls viel Zeit in Montenegro, ein „Grund“ ihn von der Bundespressekonferenz auszuschließen.

Jetzt hat sich die ehemalige Münchner Stadträtin und Journalistin Dagmar Henn entschieden, nach Russland zu gehen. Ein Ort, in dem Edward Snowden ebenfalls Zuflucht gefunden hat. Die Frage nach den Ursachen beantwortet ein Abschiedsbrief, dem ich in seinen wesentlichen Gedanken zustimmen kann, nein – zustimmen muss. Leider.

Diesen Abschiedsbrief an Deutschland veröffentliche ich mit ihrer Erlaubnis. Er erschien zuerst bei einem inzwischen verbotenen Online-Medium. Allein derartige Verbote wären für mich Anlass genug zu gehen, wäre ich 20 Jahre jünger. So kann ich nur zuschauen wie alle demokratischen Werte nach und nach zur Erinnerung verkommen.


„Es wird Nacht über Deutschland, aber ich will mich dieser Dunkelheit nicht beugen“ – Ein Abschied

Alles, was ich künftig schreibe, wird nicht mehr auf deutschem Boden geschrieben. Um mit Worten für ein Deutschland einzustehen, das den Völkern wie sich selbst ein Segen, kein Fluch ist, scheint es abermals geboten, zu gehen.

Der Biergarten am Chinesischen Turm in München, 28. März 2022

Und an den Ufern sah ich die Städte blühn,Die Edlen, wo der Fleiß in der Werkstatt schweigt, Die Wissenschaft, wo deine Sonne Milde dem Künstler zum Ernste leuchtet.“

Die Melodie dieses Liedes geht mir seit Tagen im Kopf herum. Hanns Eisler hat diese Verse Friedrich Hölderlins im Exil vertont, 1942, als die Niederlage des Hitlerfaschismus erst zu erahnen und zu erhoffen war, und die wenigen Minuten dieses Stücks sind die dichteste Zusammenfassung von Exil, die ich kenne. Der Kommunist Eisler blickt aus der Ferne auf eine Heimat, die durch die braunen Horden verwüstet wird, und schafft einen Gesang, der mit der Zeile beginnt: „Oh heilig Herz der Völker, oh Vaterland.“

Vor über 30 Jahren habe ich Deutschland schon einmal verlassen; damals sollte es ein Aufbruch in eine lebendigere Welt sein; ich folgte einem Bild, das ich aus den Romanen von Jorge Amado hatte, und ging nach Brasilien. Ein Jahr war ich dort, wurde schwanger, meine Tochter wurde geboren, dann war ich, dem Wunsch ihres Vaters folgend, wieder zurück in Deutschland. Und während ich dort, in Salvador da Bahia, verblüfft feststellte, welche Dinge mir plötzlich fehlten (Käsekuchen und Sauerteigbrot, das bayerische, fest, feinporig und mit vielen Gewürzen), kehrte ich doch unwillig zurück und versuchte, so lange wie möglich am anderen Land festzuhalten. Es lebt sich nicht einfach mit diesem Deutschsein.

Nur keine Angst vor dem Atomkrieg, oder: Ein Freund, ein guter Freund …

Wenn ich jetzt gehe, ist es eine andere Art von Aufbruch. Jene, bei der man sich zuvor fragt: Ist es eine Kapitulation? Bei der man sich vorab schon Sorgen macht um die, die zurückbleiben. Ein Aufbruch, der von dem Wunsch geprägt ist, nützlich bleiben zu können.

Das mit dem Nützlichsein stammt von Bertolt Brecht, ein moralischer Grundsatz, unter dem Hölderlins schweigender Fleiß mitschwingt, sehr deutsch. Den ganzen Brecht gibt es nicht digital, er kann nicht mitfliegen, das wird mir fehlen. Gerade weil er so für dieses verlorene Deutschland steht.

Wenn ich die blau-gelben Fahnen sehe, vor deren Anblick mir graut, und die hysterischen Gefühle wahrnehme, mit denen dieses Land gerade auf Krieg getrimmt wird, wenn dieses Personal vor meinem inneren Auge vorbeispaziert, das die Berliner Bühne bevölkert, denke ich, ihnen ist das fremd, das Nützlichsein. Sie zögern nicht, um darüber nachzudenken, geschweige denn, dass es ihnen eine Maxime wäre. Sie schaden, statt zu nützen. Das Nützliche ist ihnen zu einfach, zu nüchtern, und, schlimmer noch, das Nützliche kann man abzählen und nachrechnen, gebaute Wohnungen zum Beispiel. Oder, wie Brecht es gesagt hätte, die Suppe im Topf.

Es ist nicht so, dass man für das sorgt, was man liebt. Man liebt das, wofür man sorgt. Vaterlandsliebe kann nur politisch sein; aber die deutsche Politik ist nicht mehr politisch. Zwischen oberflächlicher Emotion und Leerfloskeln verschwindet das Faktische; das, was wahr ist, bleibt unausgesprochen.

Die EU, die Pressefreiheit und der Krieg

Als diese Bundesregierung den Sanktionen zustimmte, bei denen nur der Dümmste nicht begreifen konnte, dass sie dieses, unser Land im günstigsten Fall schwer schädigen, im schlimmsten zugrunde richten, gab es keinen Sturm der Entrüstung. Der Verrat wurde nicht Verrat genannt. Das Land, das einmal für seine genaue Sprache, für seine scharfen Definitionen bekannt war, hat nicht einmal mehr Worte, um das richtig zu benennen, was geschieht.

Wenn ich zusammenfassen müsste, was an diesem Deutschland schätzenswert ist, dann ist das eine Geste. Ein Tischler, der ein letztes Mal mit der Hand über die blanke, glatte Fläche eines neuen Tisches streicht. Ein Maurer, der mit einem kurzen Zögern den letzten Stein setzt. Eine Schneiderin, die den letzten Faden eines Kleidungsstücks durchtrennt und es vor sich hält, um die fertige Arbeit zu betrachten. Stolz auf das, was man tut, und Stolz darauf, es gut getan zu haben, aber ein nüchterner, fast schamhafter Stolz.

Wenn man die Stadt Berlin betrachtet, kann man das nicht finden. Der Zustand der Straßen ist so beschämend wie die Schlafplätze der Obdachlosen oder die Bahnhöfe der U-Bahn, und es gibt hektische Aktivität, die lautstark verkündet wird, der aber jeder Anspruch, etwas gut getan haben zu wollen, abgeht. Aber Berlin ist nur die Essenz eines vernachlässigten Landes. So wie das Ahrtal, Symptom und Prognose in einem.

In den Achtzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts gab es eine große Debatte um die „Sekundärtugenden“ – Pünktlichkeit, Genauigkeit, Loyalität. Sie wurden verworfen, weil sie für die großen Menschheitsverbrechen der Nazis nützlich waren. Dabei war es nicht ein Zuviel an Sekundärtugenden, sondern ein Zuwenig an Bildung und Verstand, was verwerflich war. Ein Zuwenig an persönlicher Verantwortung. Ja, Letzteres allem anderen voraus, denn es ist die Preisgabe dieser persönlichen Verantwortung, die Menschen zu willigen Werkzeugen des Verbrechens macht.

Ein Eklat und alle schweigen: ESC-Sieger zeigt Hitlergruß

Man kann das sehen, wenn man sich die Fackelmärsche für Stepan Bandera in der Ukraine ansieht. Das dauert nur 30 Sekunden. Man muss nur hören, wie die Menge die Parolen ruft. Es gibt immer einen Vorbrüller, und alle brüllen nach, und die Art, wie sie brüllen, zeigt, dass sie ihr eigenes Denken, Fühlen, Sein abgeschaltet und untergeordnet haben, diese Abschaltung geradezu zelebrieren.

Etwas ähnliches passiert gerade in Deutschland. Es hat sich vorbereitet seit 2014, als die zaghafte Friedensbewegung, die sich zum Donbasskrieg gebildet hatte, mit dem Querfront-Vorwurf unter Feuer genommen wurde. Die ganze Corona-Politik lässt sich jetzt tatsächlich als Bestandteil dieser Entwicklung erkennen. Glaube, was dir gesagt wird, dann bist du ein guter Mensch. Glaubst du nicht, erfinden wir hundert kleine Schritte, dir das Leben unendlich zu erschweren.

Auch die Belohnung für diese Preisgabe der Verantwortung ist jene, die den Ukronazis gereicht wird. Wer sich das Etikett des Guten verdient hat, darf mit Hass und Verachtung auf all jene blicken, die nicht gut sind, und bekommt noch bestätigt, dass sein Hass keiner ist, sondern Teil des Guten. Denn es wird immer wieder formuliert: Hass und Hetze, das sind die anderen. Die Ungeimpften, die Putinversteher, die Querdenker.

Wäre das alles, es wäre noch kein Grund zu gehen. Ich bin in Bayern aufgewachsen, in München, und habe schon mit zwölf kommunistische Flugblätter verteilt; das verschafft ein ziemlich dickes Fell.

NATO-oliv-Habeck wird Deutschland ruinieren

Dass mich gerade dieses dicke Fell über einige Tatsachen hinweggetäuscht hat, erkannte ich erst im Zusammenhang mit dem Putsch in der Ukraine. Einige Wochen vor Odessa gab es eine Anti-Maidan-Demonstration in Saporoschje, die von Maidan-Anhängern eingekesselt und über Stunden hinweg mit allen möglichen Dingen beworfen wurde. Ich sah auch diesen Tag im Stream. Es war eine Stimmung, die schon Gewalt mit einschloss, aber gerade noch vor Mord zurückschreckte. Besonders aufgefallen ist mir eine Frau mittleren Alters, gut bürgerlich zurechtgemacht, die in diesem äußeren Ring stand und ihre Parolen rief, und ihr war dabei deutlich anzusehen, wie sie diesen Moment der Überlegenheit genoss. Der Kommentar, der nebenher im Stream lief und den ich Abschnitt für Abschnitt durch den Übersetzer schaufelte, um überhaupt verstehen zu können, was da geschah, war voller Empörung. „Das ist Faschismus.“

Ich stutzte. Denn diese Frau in ihrer bösartigen Arroganz entsprach genau dem, was ich von denen kannte, die mir damals beim Flugblattverteilen an den Kopf geworfen hatten, ich gehörte in ein Lager oder an die Wand gestellt und Ähnliches mehr. Diejenigen, die so reagiert hatten, waren in der Regel zwischen 60 und 70. Aber erst, als ich diese Reaktionen auf diesen Moment in Saporoschje gelesen und darüber nachgedacht hatte, wurde mir klar, dass jene Bösartigen Jahrzehnte davor in München nicht einfach nur fanatische Antikommunisten waren, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit tatsächlich Nazis. Täter, deren Mordwünsche der Schatten vergangener Morde waren, so wie diese Reaktionen in Saporoschje die Ankündigung kommender.

Ich habe schon genug darüber geschrieben, wie das Massaker von Odessa der Moment wurde, an dem sich die Welten trennten. Was damit und danach passierte, das Ausmaß der blanken Lüge in Medien und Politik, überraschte mich dennoch. So wie der feste Wille, den Faschismus in der Ukraine zu übersehen, der bis tief in die Reihen jener reichte, die sich als links definieren, und inzwischen noch tiefer reicht. Ich trieb mich auf russischen Blogs herum und versuchte, mich mit automatischen Übersetzungen in dieser fremden Welt zurechtzufinden und zu überprüfen, ob meine Wahrnehmung des ukrainischen Geschehens stimmte. Was ich las, erinnerte sehr an deutsche Berichte aus den Jahren 1933 und 1934. Selbst die Videos, wie Anhänger des Rechten Sektors die Sitzungen von Kommunalparlamenten stürmten, wirkten wie Aufnahmen der SA.

Ein Tribunal gegen die Freiheit des Wortes: Das deutsche PEN-Zentrum vor seiner Selbstabschaffung

Wenn es etwas gibt, wozu die deutsche Geschichte verpflichtet, dann ist es, dem Nazismus entgegenzutreten. Das war schon vor acht Jahren nicht simpel, denn die Formulierung „gegen rechts“ hatte bereits jede wirkliche Analyse des Faschismus ersetzt und machte völlig blind dafür, dass der Unterschied zwischen Konservativen und Faschisten im Kampf gegen den Faschismus der zwischen möglichen Bündnispartnern und Feinden ist. Das zeigt die Geschichte des deutschen Widerstands und auch die Geschichte des Nationalkomitees Freies Deutschland, das noch während des Krieges die Vorarbeiten für eine vom Nazismus befreite Gesellschaft begann.

Ein Grund, warum die deutsche Linke so blind für den wirklichen Verlauf der ukrainischen Frontlinie und so bereit ist, sich vor den gänzlich falschen Karren spannen zu lassen, ist die völlige Unkenntnis dieser Geschichte. Es lebt sich bequemer damit, die Existenz der Nation zu verleugnen, als sich auf das beständige Ringen darum einzulassen. Denn das erfordert einen politischen Einsatz, der nicht flüchtig von Empörung und Moden bestimmt wird, sondern Zähigkeit, Lernwillen und Opferbereitschaft voraussetzt.

Das „Rechts“, gegen das man sein will, wird sehr oberflächlich definiert, ohne Betrachtung realer Interessen, und es wird nicht einmal tatsächlich dagegen gekämpft, was den Willen, zu überzeugen, mit einschlösse, sondern nur ausgegrenzt. Dabei ist es immer die aktuelle politische Mode, die die Linie vorgibt; sei es Klima, sei es Migration, sei es die Frage von Krieg und Frieden. So billig ist wirklicher Antifaschismus nicht zu haben. Da geht es tatsächlich gegen die Negation des Menschlichen, und um dagegen zu bestehen, muss man sich der eigenen Menschlichkeit gewiss sein.

Der westliche Scheinriese und die Sanktionen

Diese Maßstäbe des Menschlichen sind verloren gegangen in Deutschland. Das, was augenblicklich gegen Russland vorgetragen wird, wäre nicht möglich, wenn man sich der Tatsache bewusst wäre, dass der größte Sieg der Roten Armee darin bestand, keine Rache geübt zu haben. Für über tausend zerstörte Städte. Für vier Jahre erbitterten Kampfes. Für die Abermillionen Opfer der deutschen Besatzung. Es ist dieser Sieg, diese verschwiegene Tatsache, die den Triumph der Roten Armee im wahrsten Sinne zu einem Sieg der Menschheit gemacht hatte und die gleichzeitig dazu führt, dass jede Schmälerung dieser Leistung zugleich eine Abkehr von der Menschlichkeit selbst ist.

Aber zurück in die hiesige Gegenwart. Selbst der Wahn und die Kriegstreiberei in den Medien dieses Landes und diese vielen hysterisch Eingenordeten wären eher eine Frage des Ertragenkönnens. Die Erosion des Rechts ist es, die letztlich entscheidet, an welchem Punkt sich das Land befindet.

Der demokratische Zustand eines bürgerlichen Staates verschwindet nicht in einem Schritt. Er bröckelt. Die tragenden Mauern werden Stück für Stück schwächer, bis der Rest des Gebäudes auf einen Schlag zusammenbricht. Der Weg zu Adolf Hitler hatte über Heinrich Brüning und Karl Zörgiebel geführt.

Als im letzten Jahr das Bundesverfassungsgericht die Corona-Maßnahmen für rechtens erklärte, war das einer der größeren Brocken. Der Raum für abweichende Meinungen wird stetig kleiner. Er war in der Bundesrepublik nie besonders groß, aber wenn man betrachtet, was alles zu sagen inzwischen verboten ist, was alles nicht mehr gezeigt werden darf, welche schlichten Meinungen Arbeit und Karriere kosten können, ist fast nichts mehr davon übrig.

Springer-Blatt kann auf Foto von Asow-Regiment mit SS-Symbolen keine Nazis erkennen

Das Tempo erhöht sich immer weiter. Wenn die taz, die einmal als Gegenprojekt zur Konzernpresse gegründet worden war, einen faschistischen Text druckt, weil die Autorin gegen Putin ist, zeigt das, wie tief der Verfall vorgedrungen ist. Am 9. Mai am sowjetischen Ehrenmal die sowjetische Fahne zu verbieten, das ist nicht einfach nur eine Verzerrung der Geschichte. Es ist eine Entscheidung in der Gegenwart, die anhand eines historischen Musters getroffen wird. So war es 2014 in der Ukraine. Die Geschichte kann Vorbilder liefern, aber die Entscheidung bezieht sich immer auf das Heute und trägt in ihm ihre Früchte.

Sich an die Seite von Asow-Kämpfern zu stellen ist nichts anderes, als Franco zu unterstützen oder kolumbianische Todesschwadronen. Solche Dinge hat der Westen all die Jahrzehnte über getan. Er tat es meist im Verborgenen, gegen die offizielle Erzählung von Demokratie und Rechtsstaat. Jetzt aber wird eine aktive Zustimmung gefordert; die NATO mitsamt ihren braunen Handlangern ist Staatsdoktrin, auf die ein Schwur verlangt wird, und es werden die passenden Gesetze geschneidert, um jeden Widerstand zu unterbinden. Unter der Überschrift Corona konnten wir bereits verfolgen, wie das funktioniert; nie gab es so viele Demonstrationsverbote.

Es sind die Maßnahmen des staatlichen Apparats, die den Unterschied machen zwischen Sympathie für faschistische Positionen und einer faschistischen Herrschaft. Auf der Ebene der EU wie auf der deutschen werden abweichende, vor allem gegen die NATO gerichtete Positionen nicht nur mit vielfachen Methoden an Veröffentlichung und Verbreitung gehindert, es zeichnet sich ab, dass sie unter Strafe gestellt werden sollen. In Österreich existiert bereits ein Gesetz, das das Teilen der Inhalte von RT mit Strafgeldern belegt. Das Verbot des Buchstaben Z in Deutschland geht in eine ähnliche Richtung. Wenn schon solche Kleinigkeiten zu Strafverfahren führen, was bedeutet das dann für die Verfasser von Texten wie dem meinen?

„Reporter ohne Grenzen“: Verbot von RT und Sputnik ohne „angemessenen Rechtsrahmen“

Die Verwendung des Buchstabens Z wird „Befürwortung eines Angriffskriegs“ genannt. Diese Nutzung dieses Paragrafen ist der Endpunkt einer kompletten Verleugnung seines eigentlichen Ursprungs. Denn es war der Nürnberger Gerichtshof gewesen, der den Angriffskrieg zum ultimativen völkerrechtlichen Verbrechen erklärt hatte. Den Angriffskrieg Hitlerdeutschlands, unter anderem gegen die Sowjetunion. Diese Paragrafen zielten nicht auf Meinungen, sondern auf Handlungen und insbesondere auf jene Menschen, die solche Handlungen tatsächlich vornehmen können.

Als die Bundesrepublik Belgrad bombardierte, war das ein Angriffskrieg. Einer der strafrechtlich relevanten Befürworter hieß Joschka Fischer und war deutscher Außenminister. Schon damals war aber das deutsche Rechtssystem so weit auf den Hund gekommen und die Friedensbewegung so schwach, dass die Klage wegen Vorbereitung eines Angriffskriegs gegen die damalige Bundesregierung scheiterte. Die Begründung des Verfassungsgerichts lautete, nur die Vorbereitung, nicht die Führung eines Angriffskriegs sei strafbar …

Jetzt wird ein Paragraf, der sich auf Regierungshandeln bezieht, auf Meinungsäußerungen angewandt. Die Verwischung der Grenze zwischen Meinung und Handlung ist allerdings ein Merkmal, das die Nazijustiz ausgezeichnet hatte. Roland Freislers Volksgerichtshof hatte für Meinungen Todesurteile verhängt. Dass nun eine Rechtsfolge der Nürnberger Prozesse genutzt wird, um sich den Praktiken der dort ebenfalls verurteilten faschistischen Justiz anzunähern, zeigt, wo eine Verdrehung der Geschichte endet.

Es wird Nacht über Deutschland, aber ich will und werde mich dieser Dunkelheit nicht beugen. Doch meine Waffe ist das Wort; und hier wird versucht werden, sie mir und meinesgleichen aus der Hand zu nehmen. Andere widerstehen mit anderen Mitteln und treffen andere Entscheidungen, und ihre Aufgabe ist gewiss nicht leichter. Ich werde das Land verlassen.

Wenn ich darüber nachdenke, wie sich all jene gefühlt hatten, die damals gegangen waren, Brecht, Eisler, Therese Giehse, Thomas Mann, Oskar Maria Graf, Anna Seghers, Kurt Tucholsky, was in ihnen vorgegangen war angesichts eines Landes, das plötzlich mit Hakenkreuzfahnen gespickt gewesen war, frage ich mich, ob es dieselbe Mischung aus Unwirklichkeit und Ekel war, mit der ich heute dieses Blau-Gelb sehe. Mit der ich diese kriegslüsternen Zeilen der Tagespresse lese. Ob sie auch diese zwei Stimmen hörten, die eine, die sagt: „Es ist noch nicht so schlimm“, und die andere, die zum Aufbruch drängt. Wie schwer es auf den Schultern lag, neben der eigenen Haut die Ehre des Landes zu bewahren.

Ich hoffe, dass ich ein Stück des anderen Deutschland retten kann, so wie sie es retten konnten. Den Käsekuchen und das Brot kann ich mir inzwischen selber backen. Wenn ich durch Moskauer Straßen gehe statt durch Münchner oder Berliner, liegt mein Weg wieder über jenen der Vergangenheit, anders und doch gleich. Vielleicht gibt es auch den dritten Berührungspunkt einer Rückkehr und eines Neuanfangs.

„O heilig Herz der Völker, o Vaterland!

Allduldend, gleich der schweigenden Mutter Erd,

Und allverkannt, wenn schon aus deiner

Tiefe die Fremden ihr Bestes haben!


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Reisebericht: Paraguay ist anders
Gehen oder bleiben? Ein ganz persönlicher Kommentar

41 Kommentare

  1. Charly1 29. Mai 2022 at 15:24Antworten

    Warum verlässt die Elite Deutschland?
    Ein Geist geht durch die Reichen Deutschlands, sie verlassen nach und nach Deutschland!
    Wissen sie etwas, was wir nicht wissen???

    • Michi R. 6. Juni 2022 at 11:47Antworten

      Es sind nicht die Reichen, es sind die Reichen im Geiste. Jene, die sich dem Wahnsinn hier nicht weiter aussetzen wollen.
      Diejenigen, die sich selbst als Elite betrachten, dabei aber außer acht lassen, dass sie von Steuergeldern bezahlt werden, um die Interessen des deutschen Volkes zu vertreten, liefern die Menschen und die Werte dieses Landes ans Messer.
      Ich bin sicher, eine Menge Menschen denken darüber nach, diesem Land den Rücken zu kehren.

  2. Nordlicht 28. Mai 2022 at 22:53Antworten

    Der Text ist berührend, die Gründe sind klar. Diese Corona-Politik war für auch uns der letzte Anlass, vorher gab es schon etliche. Man muss sie nicht aufzählen.

    Wäe ich jung, d.h. um 40, würde ich nach Argentinien oder Chile gehen. In der Industrie oder Universitäten hätte ich Chancen, kein Problem. Aber ich bin über 70 und nicht mehr ganz gesund, meine Frau ist auch auf ein funktionierendes Gesundheitssystem angewiesen. Also hällt zB Thailand oder auch Nambia aus. Wir bleiben in Europa und können die Enkel gelegentlich sehen.

    Schweiz oder Schweden lauten die Optionen, die Schweiz haben wir winters im warmen Süden ausprobiert. Leider ist schon as Wohnen ziemlich teuer. Für den Preis einer Mietwohnung bekommt man in Schweden ein Haus mit Garten. (Natürlich nicht im Speckgürtel einer Großstadt, aber wer will dorthin?)

    Feigheit? Ja, sicherlich. Gegen Kriminalität und Migrantendominanz konnte man und kann man sich in der Gemeinschaft eines Dorfes solidarisch schützen. (Nicht umsonst gibt es Schützenvereine.) Aber die Corona-Politik hat die Solidarität gesprengt, die ganzen Hasstiraden, angefangen oben bei Steinmeier bis herunter zu den Landespolitikern, spiegelt sich auch in den Meinungen der Dorfnachbarn wieder. Mir dem Einen ist man auf gleicher Wellenlänge, natürlich nicht geimpft und hilfreich, aber mit Anderen hält man lieber den Mund. Man erkennt sie an den Masken selbst draussen auf dem Parkplatz. Und die Panik mit den Kindern.

    Also weg. Im Norden ist es ganz wunderbar, jetzt ist die Sonne bis nach 22 Uhr am Himmel. Ich freue mich auf den skandinavischen Sommer. Die paar Jahre, die mir, die uns noch gegeben sind, meiden wir den deutschen Wahn.

    PS Wählen lohnt nicht. Darüber wäre gesondert zu diskutieren.

  3. chrissie 28. Mai 2022 at 13:04Antworten

    Ich bin so froh schon lange weg zu sein. Der nächste Schritt ist aufzuhören gebannt den Untergang zu verfolgen. Sich nur noch auf die schönen Dinge des Lebens zu konzentrieren.

  4. Dr. Rolf Lindner 28. Mai 2022 at 4:59Antworten

    Der Ekel

    Vor vielen hunderttausend Jahren
    hat der Mensch ’nen Sinn entwickelt,
    warnt ihn vor großen Gefahren,
    wenn es stinkt in seinem Umfeld.

    Doch nicht immer sind es Gase,
    die den Sinn, man nennt ihn Ekel,
    Menschen warnen durch die Nase.
    Warnung heißt auch Menetekel.

    Gewogen, für zu leicht befunden.
    Gott hat’s an die Wand geschrieben.
    Richtet sich an solche Kunden,
    die’s mit der Macht zu weit getrieben.

    Der alte Spruch gilt immer noch,
    Machtmissbrauch gibt’s auch noch heute,
    in Deutschland nennt ich’s Gutmenschjoch,
    wenn auch getarnt für viele Leute.

    Die Tarnung ist schnell aufgeflogen,
    lässt man sich nicht indoktrinieren.
    Es wird einfach zu viel gelogen,
    von denen, die Deutschland regieren.

    Doch die regier’n sind nicht allein,
    lassen den Arm der Macht verlängern,
    von manchem NGO-Verein
    und linksmedialen Rattenfängern.

    Es ist nicht allzu lange her,
    da nahmen die den Mund recht voll,
    zur Gentechnik stellten sich quer,
    die Gene Impfen finden toll.

    Es sind dieselben Kreaturen,
    die heucheln, tolerant zu sein,
    als Kinder roter Diktaturen
    sind tolerant sie nur zum Schein.

    Die gern von Gleichheit aller schwätzen
    für Frauen, Queren und auch Rassen,
    die sich doch kaum für mehr einsetzen,
    ins Land zu hol’n, die all das hassen.

    Als Gipfel ihrer Heuchelei
    bekämpfen woll’n sie Judenhass
    und stehen doch all jenen bei,
    die Juden schicken woll’n ins Gas.

    Viel mehr gibt es im deutschen Land,
    woran man könnte hier rummäkeln,
    geh’n Staat und Lüge Hand in Hand,
    kann man sich letztlich nur noch ekeln.

  5. Marcel 27. Mai 2022 at 21:10Antworten

    Boah ist das Übel. „ Ukronazis“? Also ist die Autorin Kreml-nutte?

    • chrissie 28. Mai 2022 at 12:52Antworten

      @Marcel Was für ein zutiefst menschenverachtender, widerwärtiger, dummer Kommentar. Zuviel BILD gelesen?

  6. Klaus C. 27. Mai 2022 at 11:34Antworten

    Ich sehe es nicht als „Feigheit“ an, das Land zu verlassen. Das IST Widerstand! Denn eines steht fest, obwohl mich die Regierung gedrängt hat, mich selbst zu vergiften, mir den Zugang zum Leben versperrt hat,mich beleidigt hat, mich diskriminiert hat etc. wollten sie dennoch meine Abgaben weiter haben…gelle? Das war ihnen dann nicht zu schad. Meine Steuern und SV Abgaben, die aufgrund meines Einkommens erheblich waren/sind, waren natürlich auch im Lockdown mehr als willkommen. Das ist jetzt vorbei. Das Fachwissen ist auch weg. Zudem inspiriert es andere, das auch zu tun. Es sind ja die Schlauen die leicht gehen (können), denn nur die können woanders leicht Fuß fassen und werden gerne genommen. Ja, das ist Widerstand, denn das Auswandern kostet dennoch Zeit und Geld und Nerven. Aber es trifft das System da, wo es am meisten wehtut: Beim Geld.

  7. Andreas I. 27. Mai 2022 at 10:02Antworten

    Hallo,
    die Verfolgung und letztendlich Vertreibung von Kritikern ist sozusagen die Lahmlegung des gesellschaftlichen Immunsystems.
    So wie das biologische Immunsystem Schädliches erkennt und bekämpft, damit der biologische Organismus lebensfähig bleibt, so erkennen und benennen Kritiker gesellschaftlich Schädliches.
    Nur um gesellschaftlich Schädliches zu bekämpfen, dazu braucht es gesellschaftliche Strukturen, die die Kritik aufnehmen.
    Wenn aber gesellschaftliche Strukturen existieren, die sozusagen das eigene Immunsystem lahmlegen, dann ist der weitere Verlauf ähnlich dem eines biologischen Organismus, dessen Immunsystem lahmgelegt ist.

  8. Lebensfreude 26. Mai 2022 at 22:26Antworten

    Mein Alter, gepaart mit meinem Gesunheitszustand lassen mir keine andere Wahl als zu bleiben. Der tröstliche Gedanke für mich ist, mich nicht zu ergeben. Meine Lebensqualität hängt weder von Freunden oder Konsum ab, sondern die schaffe ich mir täglich selber. Wenn der Punkt erreicht ist, an dem man mir, die für mich definierte Lebensqualität nehmen will, nehme ich mir die einzige Freiheit die ich habe und gehe freiwillig aus diesem Leben. Bis dahin bin ich dankbar für jeden Tag des Glückes, dass jedoch aus mir selber kommt. Wie haben kein Recht auf Glück, Wohlstand etc. gepachtet, wer nicht dafür kämpft und etwas dafür leistet, hat es auch nicht verdient. Davon laufen hilft leider auch nicht, es holt einen Alles wieder ein. Die Aufgaben des Lebens für jeden Mnschen, wie selber eigenständig denken, Verantwortung für sich, die Familie und die Gesellschaft übernehmen, geistig rege am politischen Geschehen bleiben und entspechend Handeln/Wählen/Widerstand leisten, Hilfe zur Selbsthilfe geben sowie soziale Empathie und Kompetenz sind auch der Grundstock einer Gesellschaft.
    Sorry, wären es gewesen, wurde duch denken lassen, Verantwortung ablehnen, gedankenlosen Konsum und oberflächliche Hypes um Sternchen, Starletts, technische Innovationen ohne für und wieder zu bedenken, Verehrung reicher Psychopaten, Genderismus,utopische Ideologie etc. ersetzt. Vorherige Generationen müssen sich im Grab rumdrehen, sie haben zum Teil für unser Wohlergehen das Leben riskiert. Heute sind wir WELTWEIT (erstmalig seit Bestehen der Menschheit!) an einem Punkt, an dem wir begreifen sollten/müssen, nur gemeinsam wären wir starkt genug, ein paar zehntausend Wahnsinnigen die Stirn zu bieten. Aber, das leidige Thema, die Menschheit wird sich nie einig sein im Kampf um ihr Wohlergehen, sie wird sich immer wieder von Propaganda und Irren in den Abgrund führen lassen, sie ist wieder nicht bereit zurückzustecken, sich einzuschränken, zu verzichten, zu denken, zu kämpfen, zu riskieren etc. Dabei wäre es so einfach: Der Grundasatz, was du nicht willst das man die tu`, das füge auch keinem Anderen zu! Unter diesem Motto könnte eine Menschheit in Frieden miteinander leben. Jene die sich nicht daran halten, werden strengstens bestraft, ohne Ansehen der Person, Beruf oder Mittel. Aber auch hier scheitert es daran, warum einfach, wenn es auch kompliziert geht!

    • Andreas I. 27. Mai 2022 at 10:17Antworten

      Hallop,
      “ Wie haben kein Recht auf Glück, Wohlstand etc. gepachtet, wer nicht dafür kämpft und etwas dafür leistet, hat es auch nicht verdient.“

      Ein Recht haben wir:

      Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
      Artikel 22
      Jeder hat als Mitglied der Gesellschaft das Recht auf soziale Sicherheit und Anspruch darauf, durch innerstaatliche Maßnahmen und internationale Zusammenarbeit sowie unter Berücksichtigung der Organisation und der Mittel jedes Staates in den Genuß der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte zu gelangen, die für seine Würde und die freie Entwicklung seiner Persönlichkeit unentbehrlich sind.

      Wir müssten es nur so selbstverständlich, wie es ist, beanspruchen. ;-)

  9. Nightbird 26. Mai 2022 at 19:28Antworten

    Für Österreich gilt im Grunde doch dasselbe.

    Ich verstehe den Drang, einem tötalitären System zu entfliehen..
    Aber das macht es nicht besser.
    Auch entwickeln sich zahlreiche Länder in dieselbe Richtung.
    Also: Wohin?

    Viele Menschen, wie meine Eltern und deren Generation sind nicht vor den Nazis geflohen.
    Sie haben durchgehalten, gekämpft, Viel davon sind dafür gestorben.
    Die, die überlebt haben, haben danach das Land wieder aufgebaut.

    Wer soll ein Land wieder aufbauen, wenn alle abhauen?
    Wie würde Österreich ausschauen, wenn alle abhauen a la „Hinter mir die Sintflut“?
    Auch ein Terrorregime hält nicht ewig.

    Ich kann’s mir nicht leisten, abzuhauen, schon allein finanziell nicht. Auch altersmäßig nicht.

    Nein, ich werde hier bleiben. Und ich werde kämpfen!
    Notfalls auch mit der Waffe in der Hand.
    Egal, wie es ausgeht.

    Ich will mich nämlich auch morgen noch guten Gewissens im Spiegel anschauen können.
    Denn das könnte ich nicht, wenn ich Österreich verlasse.

    Flucht aus Feigheit, aus Eigennutz wäre für mich Landesverrat.
    Typen, die so denken, verdienen die öst. Staatsbürgerschaft nicht. Man sollte sie ihnen wegnehmen.

    Nightbird

  10. J. Mertes 26. Mai 2022 at 18:55Antworten

    Dem (Abschieds-)Brief ist zuzustimmen – die Analyse zu Geschichte und Gegenwart und der Ausblick auf die Zukunft ist treffend vorgenommen. Aber: Gerade den Deutschen ist nach diesem bevorstehenden Niedergang (und es wird fürchterlich werden, da mache ich mir keine Illussionen, als Familienvater von 6 Kindern) eine glorreiche Zukunft beschieden. Ich weiß, da gehört viel Mut dazu, so etwas auszudrücken, doch es sind nicht meine Gedanken. Es sind die Gedanken von Menschen, die in der Kirche, dem Gemeinwesen, dem Militär und auch in der Wirtschaft höchste Positionen besetzten und sich mit genau diesem Thema fast 40 Jahre auseinandersetzen. Zu einer Zeit, als der Niedergang noch nicht absehbar war. Und das Beste daran: Viele dieser Menschen sind keine Deutschen, sondern Franzosen, Österreicher, Belgier etc. Strukturen für diese Auferstehung eines so begnadeten Volkes sind bereits geschaffen und abgeschlossen. Ich habe diesen Kreisen selbst 10 Jahre beigewohnt. Daher bin ich mir sicher: Die wahre Zukunft und Bestimmung der Deutschen wird erst nach den vor uns liegenden schrecklichen Geschehnissen und Zerstörungen offenbart. Da müssen wir duch, auch ich – Als Nichtdeutscher. Und: die Hoffnung stirbt zuletzt. Gesegnet, wer auf beide Zeiten vorbereitet ist.

  11. Matti Illoinen 26. Mai 2022 at 15:54Antworten

    Ich selber habe in vielen Ländern gelebt und gearbeitet, aber so viele Anfeindungen wie in Deutschland habe ich von Einheimischen in anderen Ländern nie erlebt.

    • Michi R. 6. Juni 2022 at 12:10Antworten

      Lieber Matti,
      ich verstehe, was Du meinst. Der Grund dafür liegt in der Nachkriegszeit, als wir von den westlichen Alliierten dazu gebracht wurden, die Erzählungen zu glauben, die nun mal der Sieger schreibt. Jeglicher Stolz wurde uns genommen; und wurde beigebracht, uns selbst zu hassen.
      Nun frage ich Dich – wie will man jemanden mit offenem Herzen willkommen heißen, wenn man sich selbst nicht liebt.
      Es gibt sie dennoch, die liebevollen, herzlichen fleißigen und schlauen Deutschen. Aber es ist nicht die Mehrheit. Die Mehrheit ist von ihren Wurzeln getrennt, degeneriert, dumm oder indoktriniert, lethargisch und irrt in ihrem Inneren umher.
      Es tut mir sehr leid, dass Du dieses Bild von uns sehen musstest. Es gibt zum Glück auch noch ein Anderes. Alles Gute für Dich.

  12. homedoc 26. Mai 2022 at 15:26Antworten

    Auswandern ist nicht einfach. Man muß sich an fremde Gewohnheiten und fremde Sprachen gewöhnen. Ich habe über 60 Jahre in Deutschland gewohnt, hatte aber immer einen eigenen Kopf. Wenn man den hat, gewöhnt man sich an kämpfen. Alle die aerodynamisch durch das Leben gehen, haben es einfacher.
    Ich habe meinen Kampf in meinem Heimatland aufgegeben. Muß man erst warten, bis das SEK durch die geschlossene Türe kommt? Dann könnte es zu spät sein. Ich kämpfe weiter, aber von außen. Ich bin nicht still, ich klage weiter an und versuche, meine Gedanken weiter zu geben. Noch könnte man in Deutschland irgendwie leben, aber die Zukunft ist grau bis schwarz. Wartet noch ein paar Jahre, dann wird der Exodus aus Deutschland erst richtig losgehen. Ich bin nie der letzte, der geht. Der letzte der geht, soll das Licht aus machen.

    • Andreas I. 27. Mai 2022 at 11:38Antworten

      Hallo,
      „Noch könnte man in Deutschland irgendwie leben,“

      Da trenne ich begrifflich zwischen
      – Überleben, Blutkreislauf funktioniert rein mechanisch noch
      – Leben, geistige Anregung, Hormone aus Flow-Zuständen*, artgerechtes menschliches Zusammenleben …
      * die langfristig auch fürs Überleben notwendig sind

      Nachdem 296 Parlamentarier des deutschen Bundestages für eine „Impf“pflicht gestimmt haben – und kein Generalstreik stattfand, der sofortige Neuwahlen forderte – ist selbst Überleben in Deutschland eher fragwürdig, denn die Folgen dieser Spritzen sind ja nun sattsam bekannt.

  13. Thomas 26. Mai 2022 at 14:57Antworten

    Man hat die Wahl, durch Auswanderung seine Überlebenschancen zu verbessern oder hier dem fast sicheren Tod entgegenzugehen und sich dabei wenigstens heldenhaft zu fühlen, weil man das Land nicht verlassen hat.

    Ich lernte Dagmar vor 8 Jahren kennen, weil sie zu den ersten Deutschen gehörte, die auf die Situation in der Ukraine aufmerksam machte bzw Informationen lieferte, die in unseren Medien nicht zu finden waren. Auch für mich war das Massaker in Odessa eine Zäsur. Ich war der festen Überzeugung, dass dies der Punkt sein müsse, an dem die Deutschen, gerade sie, begreifen, was dort läuft und welche Kräfte unsere Regierung finanziert. Nichts geschah. Bis auf die Demos einiger Weniger, die sich spalten ließen. Es war klar, dass wir ernten würden, was aus Ignoranz und Boshaftigkeit gesät wurde. Nun ist es soweit.

    Ich teile die Weltanschauung von Dagmar Henn nicht, fühle mich trotzdem sehr mit ihr verbunden. Denn sie gehört zu den wenigen integren, denkenden, sensiblen und mitfühlenden Menschen, die meinen Weg kreuzten.

  14. phyros1977 26. Mai 2022 at 13:51Antworten

    Besser zu früh, als zu spät. Die Wolken am Horizont werden zunehmend dunkler. Auch meine Wenigkeit, nimmt sich dies zum Anlass, den Schritt von Frau Henn zu folgen.

  15. audiatur et altera pars 26. Mai 2022 at 11:10Antworten

    Oh, wie schön ist Panama!

  16. Al 26. Mai 2022 at 11:03Antworten

    Ich kann die „Fahnenflüchtigen“ verstehen – aber nicht gut-heißen. Jeder, der sein Land verlässt, verlässt den Platz, an der er seine Aufgaben zu bewältigen hätte. In der Fremde ist man ein Fremder – da kann man noch so sehr sich anbiedern und mit seinem Geld winken.
    Ich finde es traurig, wenn Menschen das Handtuch werfen – und wenn dafür auch noch so Reklame gemacht wird. Sicherlich was anderes ist es, wenn man schon zwei Standorten hat – wie viele der Migranten die bei uns sind oder zu uns kommen. Von denen würden viele sicher wieder zurückgehen – und unschwer in ihr altes, gewohntes Umfeld sich einfinden – wenn es für sie hier nicht mehr gut und sicher wäre.
    Was ich aber ganz unerträglich finde, ist, wenn Menschen in die Emigration gehen – und dann von dort aus besserwisserisch sich in unsere Verhältnisse hier einmischen wollen. Sei es von den Philippinen oder von Kanada oder von sonstwo aus. Ich finde, diese Leute haben hier nichts mehr zu sagen und zu meinen. Denn die nehmen auch die hier tatsächlich herrschende Realität nicht mehr unmittelbar wahr. Im Ausland hockende, uns belehren wollende Besserwisser braucht wirklich kein Mensch. (Wenn diese Leute hier Ausharrende und sich Wehrende finanziell oder sonstwie unterstützen wollen – ja gerne. Das ist was anderes.)

    • Fritz Madersbacher 26. Mai 2022 at 11:59Antworten

      @Al
      26. Mai 2022 at 11:03
      „… und wenn dafür auch noch so Reklame gemacht wird“ – das ist sehr streng geurteilt, weil auch die Schmerzhaftigkeit des Weggehens im Brief sehr deutlich wird. Aber ich bin wie Sie nicht geneigt, den Fleck Erde, mit dessen Menschen ich aufgewachsen und verbunden bin (Österreich), kampflos preiszugeben …

    • Marion Stützle 26. Mai 2022 at 13:55Antworten

      @Al: Der Platz, an dem jeder „seine Aufgaben zu bewältigen hätte“ kann ein sehr einsamer und herausgehobener sein. Einer, der genau das unmöglich macht. Berufsverbot, Maulkorb, Sippenhaft, Enteignung….alles wieder da. Wer eilt mir zur Hilfe, wenn im Morgengrauen meine Tür aufgebrochen wird und das SEK meine Wohnung stürmt. Du, Al? Der Nachbar, der mich angezeigt hat wegen NIX ? Inzwischen retten wir Exilanten nicht mehr unsere Redefreiheit und unseren Wanst, so wir einen haben, sondern buchstäblich unseren Hals.

      • Al 27. Mai 2022 at 11:39

        Soso, Stützle. Und warum können diese Exilanten nicht einfach gehen – anstatt uns andere noch mit ihren Ausreden und ihrem schlechten Gewissen zu belasten? Ich hindere doch keinen daran? Was soll Ihr aggressiver Ton hier gegen mich?
        Wenn die SEK MEINE Wohnung stürmt, geht es mir auch nicht anders als Ihnen. Aber ICH BLEIBE!

    • Martin1 26. Mai 2022 at 14:37Antworten

      Al,
      das ist eine oft anzutreffende Meinung, die Sie haben.

      Aber wenn man näher hinguckt: was hat die Merkel-BRD den Leuten angetan? Nein, ich meine nicht die hohen Steuersätze und die niedrigen Renten. Warum ist denn Bodo Schiffman nach Afrika, Michael Mannheimer nach Kambodscha (unlängst verstorben (worden) ).
      Stefan Hockerz in die Schweiz… Gerichtsverfahren, Hausdurchsuchungen, hohe Steuerschätzungen… Das volle Stasi-Programm.
      Bei mir war es übrigens sehr ähnlich, deswegen bin ich nach Asien gegangen (möchte meinen Namen aber nicht nennen)

    • brigbrei 26. Mai 2022 at 21:22Antworten

      @Al 26. Mai 2022 at 11:03

      Widerlich, der Begriff „fahnenflüchtig“, und lässt tief blicken…in eine Zeit, als der Begriff sehr oft diffamierend benutzt und Menschen beschimpft und ausgegrenzt wurden, die nicht für’s „Heilige Vaterland“ gemordet werden wollten.

    • Andreas I. 27. Mai 2022 at 10:46Antworten

      Hallo,
      da versuche ich mich mal an einem Gleichnis:

      Wenn in ein Schiff Wasser eindringt, dann ist es Aufgabe eines jeden Besatzungsmitgliedes, alles zu tun das Schiff schwimmend zu behalten. Und dafür hat ein Schiff Sicherheitsvorkehrungen wie Schottwände Lenzpumpen usw..
      (So wie eine Gesellschaft Sicherheitsvorkehrungen wie Gewaltenteilung hat.)

      Wenn in ein Schiff Wasser eindringt und der Kapitän befiehlt, unterhalb der Wasserlinie weitere Löcher in den Rumpf zu bohren, alle Schottwände zu öffnen und die Lenzpumpen über Bord zu werfen – und 2/3 der Besatzungsmitglieder diesem Befehl folgen – dann ist dieses Schiff nicht mehr zu retten, egal was man versucht, das ist verloren, da bleibt nur in ein Rettungsboot zu steigen.

    • Al 27. Mai 2022 at 11:42Antworten

      Und zu allen Antworten zu meinem Kommentar: interessant die Aufregung, die Emotionen, die Anfeindungen, …

      was für ein Wespennest ist das denn?

      Oder gibt es vielleicht ganz andere Interessen dahinter, Auswandern als tolle Option zu verkaufen?

  17. H.Mild 26. Mai 2022 at 10:45Antworten

    Soesehr man den Wunsch auszwandern nachvollziehen kann, verkennt die Autorin doch mM. einen wesentlichen Aspekt:
    Nationaler und Internationaler SOZIALIMUS sind die ZWEI SEITEN DER SELBEN MEDAILLE.
    Goebbbels und Hitler haben immer wieder betont, daß sie LINKE sind.
    Kurz: ROT & (neuerdings) GRÜN = BRAUN.

    Heute marschiert und prügelt im besten D€utschland das es bisher gab (F.W.Steinemer) wieder eine Neo-SA, aka Antifa (staatsknetegefördert!) durch die Sraßen, andere ziehen sich ein GRÜNES Hütchen auf, und kleben sich als GRÜNE-RAF auf´s Straßenpflaster oder sabotieren Pipelines uä. Etliche Verletzte gab es schon bei diesen „Aktionen“, und bisher „erst“ ein Todesopfer. Noch. -> „Klímaktivisten“ verursachten absichtlich einen Stau auf der A5 bei Idstein, 10/2020, wobei mW. ein Mensch getötet wurde. Dem Opfer wurde hernach auch noch eine Mitschuld durch GRÜNE „Aktivisten“ bescheinigt….
    Alles das sekundiert von den sog. „Haltungsmedien“, und einer sozialistisierten AmtsGeschäfts-Kirche,samt dem CEO-Vatikan….

    Zum anderen Teil-Thema, die sog. „Rote -SOZIALISTSICHE- Armee“ so zu belobpreisen würden wahrscheinlich millionen beraubte, vertriebene, verschleppte, erschossene und vergewaltigte Deutsche, Polen,Tschechen, Slowaken, Serben, Kroaten, insbesondere Ukrainer, uvva., eher nicht so sehen. Genausowenig wie auch die hundertausende-millionen russischen Menschen -> zB. Alexander Solcheyzin, die von der „Roten Armee“/Geheimdiensten in die SOWJET-SOZIALISTISCHEN Gulags verschleppt wurden, oder in sinnlosen Kämpfen verheizt wurden.

    Letztendlich sehen sich inter-nationalSOZIALISTSCHE Kriegsgewinnler und Unterdrücker als €lite, auch wenn sie in kapitalischem Habitus, als €ugeniker/Arier, oder religoide C€Os mit Absolutheitsansprüchen, ua.,daherkommen. Sie sind das personifizierte Böse.
    Denn am Sozialen, der positiven Gemeinschaftlichkeit, dem Menschsein an sich, auch im Sinne in Jahrhunderten entstandenen FDGOs, die mit besonders positiven Entwicklungsmöglchkeiten in Wirtschaft, Technik, Kultur aufwarten können, haben sie, kein Interesse, schon seit der Antike nicht -> sa. Platon´s „Höhlengleichnis“.
    Also, „Et rüch (wieder) noh Kristallnach..“, oder um mit H.M.Broder zu schließen: „Wenn ihr euch fragt wie es damals hat passieren können: weil sie so waren wir ihr heute seid!“

    • Fritz Madersbacher 26. Mai 2022 at 11:39Antworten

      @H.Mild
      26. Mai 2022 at 10:45
      Was sollen wir nun Ihren Ausführungen entnehmen? Sind wir hilflos dem Weltuntergang ausgeliefert?
      Platon zeigt in seinem Höhlengleichnis etwas ganz Anderes: darin wird ein Mensch „gezwungen“, das Schattenreich der falschen Vorstellungen zu verlassen. „Und wenn man ihn gar das Licht selbst zu sehen nötigte, würden ihm wohl die Augen schmerzen und er würde fliehen und zurückkehren wollen …“, aber schließlich würde er „viel lieber das Feld als Tagelöhner bestellen wollen“ als zurückzukehren in das Schattenreich. Bei Platon ist es ein unter Umständen schmerzhafter Vorgang, zu Erkenntnissen zu gelangen und sie auch zu ertragen. Kant spricht später von einem Ausgang aus der „selbstverschuldeten Unmündigkeit“ (ich war nie der Meinung, dass sie selbstverschuldet ist).
      Das Höhlengleichnis ist sehr lesenswert (Politeia/Der Staat, Buch 7, 514A – 517A), weil es sehr gut die Indoktrination der Menschen in einer Klassengesellschaft beschreibt. Zum Schluss daher eine kleine „Provokation“ (ich hoffe nicht, dass es eine ist), die meiner Meinung nach sehr wichtig ist für das Herauskommen aus unserer mißlichen Lage:
      „Die Genialität Marx‘ besteht darin, daß er es früher als alle anderen verstand, daraus jene Schlußfolgerungen zu ziehen und konsequent zu entwickeln, die uns die Weltgeschichte lehrt. Diese Schlußfolgerung ist die Lehre vom Klassenkampf. Die Menschen waren in der Politik stets die einfältigen Opfer von Betrug und Selbstbetrug, und sie werden es immer sein, solange sie nicht lernen, hinter allen möglichen moralischen, religiösen, politischen und sozialen Phrasen, Erklärungen und Versprechungen die Interessen dieser oder jener Klassen zu suchen“ (W.I. Lenin, Drei Quellen und drei Bestandteile des Marxismus, 1913)
      Wir müssen ein bißchen mehr Klarheit hineinbekommen in unsere Köpfe, sonst bleiben wir „Pandemie“-Schwindel, „Demokratie“-Schwindel etc. ausgeliefert …

      • Gerhard 26. Mai 2022 at 13:31

        „Kant spricht später von einem Ausgang aus der ’selbstverschuldeten Unmündigkeit‘ (ich war nie der Meinung, dass sie selbstverschuldet ist).“

        Auch Kant war niemals dieser Meinung, weil es sich nicht um Meinung handelt. Kants Definition dieser Unmündigkeit lautet nämlich:

        „Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“

        Mangel der Entschließung – die Wahrheit nicht wirklich wissen wollen – und Mangel des Mutes – der fehlende Wille, um der Wahrheit willen lieber bei der Wahrheit zu bleiben, auch dann, wenn es leichter fällt, im Irrtum und in der Lüge zu leben – sind Willensäußerungen.

        Kein Wunder also, dass es gerade so still geworden ist um Kants Worte:

        „`Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!‘ ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“

      • Fritz Madersbacher 26. Mai 2022 at 17:24

        @Gerhard
        26. Mai 2022 at 13:31
        „Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen“
        Ist das wirklich selbstverschuldet? In manchen Fällen mag das zutreffen, in der Regel auch?
        „Willensäußerungen“:
        nach Kant müssen wir annehmen, dass „der Mensch“ einen freien Willen besitzt, weil wir ihn sonst nicht verantwortlich machen können für seine Handlungen (z.B. vor Gericht), in seiner „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“, 1785. Diese Argumentation stimmt zweifellos, aber Kant war sich alles andere als sicher, ob „der Mensch“ tatsächlich frei in seinen Entscheidungen ist. Sind Sie sich sicher? Wir kommen nicht als freie Menschen zur Welt, wie Rousseau meinte, sicher aber mit allen Möglichkeiten, (einigermaßen) freie – der Vernunft verpflichtete – Menschen zu werden, wenn wir in günstigen Verhältnissen aufwachsen dürfen … sonst?

      • Gerhard 27. Mai 2022 at 21:54

        @ Fritz Madersbacher

        Lobenswert, dass Sie zu jenen gehören, die auch ohne Geld nachdenken – eine seltene Tugend. Es geht halt natürlich zu weit, und sprengt den Rahmen dieser Kommentare.

        Mangel des Verstandes, Mangel der Entschließung und Mangel des Mutes setzen das Fehlen von etwas Notwendigem voraus. Nicht als Meinung, sondern sprachlogisch. Kant setzt voraus, dass die Person nicht für den Mangel an Verstand, wohl aber für ihren Mangel an Entschließung und Mut verantwortlich ist.

        Einer Person, der es an Entschließung und Mut mangelt, sich ihres dafür zureichenden Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen – eine Person also, welche sich ihres Verstandes nicht ohne Leitung eines anderen bedienen w i l l – einer solchen Person fehlen e b e n d a d u r c h die notwendigen und hinreichenden Mittel, um sich ihres Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Kants Sapere aude fordert also dazu, etwas zu wollen, und damit auch zu tun – und wünscht also tatsächlich auch Menschen in dieser Hinsicht zu beeinflussen.

        Sich seines Verstandes nur durch Leitung eines anderen zu bedienen, bedeutet nicht, dass wir den Menschen dann “ nicht verantwortlich machen können für seine Handlungen“. Im Gegenteil: „Glaube, was dir gesagt wird, dann bist du ein guter Mensch.“ – beobachtet Frau Andrea Dreschner. Zugleich spricht sie von einer „Frau in ihrer bösartigen Arroganz“. Denn jenseits von gut und böse ist nur die Menschenverachtung.

        Die staatliche Propaganda wollte und will uns so weit bringen, dass wir g l a u b e n, dass wir uns unseres Verstandes beispielsweise bezüglich aller Corona-Fragen n u r durch Leitung eines anderen (des jeweiligen von der Regierung anerkannten Experten) bedienen s o l l e n. Kant sagt, dieses fremdbestimmte Sollen gibt es nicht. Wir sollen nicht so über uns denken. Unser Menschsein verpflichtet uns zum Gegenteil. Wir sollen anders über uns denken. Nämlich so: „Sapere aude! Denke doch selbst darüber nach! Lass dich nicht für dumm verkaufen! Ich weiß, du kannst es, und du weißt es selbst. Denn an Verstand fehlt es dir ja nicht, wie du auch sonst in vielen Dingen beweist.“

        Kant fordert dazu auf, s i c h diese F r e i h e i t – nämlich selber nachzudenken, sich selbst zu informieren, nicht nur Regierungsexperten zu hören und zu lesen, und selbst die Wahrheit zu suchen – ganz einfach, ungefragt, h e r a u s z u n e h m e n.

        Natürlich lässt sich diese Forderung auch auf Kants Forderung selbst anwenden. Man kann sie also als Basis nehmen, ganz grundsätzlich die metaphysische Freiheit des Menschen zu hinterfragen. „Mit welchem Recht fordert uns Kant eigentlich zur Freiheit des Selberdenkens auf?“ ließe sich dann fragen. Ich bin mir sicher, unsere Regierung hätte nichts dagegen, wenn wir uns hinreichend lange damit beschäftigen, um nicht auf möglicherweise ganz dumme Gedanken zu kommen.

      • Fritz Madersbacher 28. Mai 2022 at 22:39

        @Gerhard
        27. Mai 2022 at 21:54
        Ich habe Ihre ausführliche Antwort erst jetzt gesehen, vielen Dank dafür!
        „Unser Menschsein verpflichtet uns zum Gegenteil. Wir sollen anders über uns denken. Nämlich so: „Sapere aude! Denke doch selbst darüber nach! Lass dich nicht für dumm verkaufen! Ich weiß, du kannst es, und du weißt es selbst. Denn an Verstand fehlt es dir ja nicht, wie du auch sonst in vielen Dingen beweist.“
        Das sehe ich auch so …

    • Andreas I. 27. Mai 2022 at 11:23Antworten

      @ H.Mild Hallo,
      „Goebbbels und Hitler haben immer wieder betont, daß sie LINKE sind.“

      Und in der Geschichte der Menschheit ist es niemals vorgekommen, dass Leute was behauptet haben, um andere zu täuschen – und die anderen sich haben bereitwillig täuschen lassen , weil sie an den Worten gemessen haben.
      Das gabs noch nie.

      Tatsächlich war die Wirtschaft im 3. Reich klassischer Kapitalismus.

      • Gustav 11. Juni 2022 at 12:59

        @ Andreas l.

        Der Gewinn des organisierten internationalen Finanzkapitals mittels Geldleihe wurde mit Hilfe des damaligen Goldstandards der Währungen weltweit durchgesetzt. Handelsge­schäfte mit anderen Staaten konnten nur durch Hingabe von Gold oder durch zins­pflichtige Kredite finanziert werden. Aus dieser Finanzdiktatur schied Deutschland nach 1933 aus, mit der Folge, daß im internationalen Handel nur noch Bartergeschäfte, also Waren gegen Waren, möglich waren. Beispielsweise deutsche Lokomotiven gegen argentinisches Rindfleisch. Dafür waren keine Handelskredite mehr notwendig. Dem Leihkapital gingen damit und auch durch den Wegfall von Staatsschulden Milliarden und Abermilliarden Zinsen als private Geldaneignung verloren.

        „Das unverzeihliche Verbrechen Deutschlands vor dem Zweiten Weltkrieg war der Versuch, seine Wirtschaftskraft aus dem Welthandelssystem herauszulösen und ein eigenes Austauschsystem zu schaffen, bei dem die Weltfinanz nicht mitverdienen konnte.”

        Winston Churchill in seinen „Erinnerungen”

  18. Veron 26. Mai 2022 at 10:16Antworten

    Danke für den berührenden Brief.
    Wäre ich jünger und gesünder, vielleicht würde ich auch gehen, aber wohin? Ich dachte an Schweden, wo nicht mitgemacht wurde an der Corona-Politik, doch plötzlich wollen „die“ zur NATO und stufen die Affenpocken als „gemeingefährliche Krankheit“ ein, ganz so, als wollte da jemand nun doch unbedingt „mitmachen“. Russland ist mir zu fremd, allerdings werden mir die Menschen hierzulande auch immer fremder.
    So viele laufen im Freien mit Maske herum, so viele schauen nur mehr in ihr Smartphone .. .. kürzlich stand so eine junge Frau vor dem Lift und kam nicht auf die Idee, den Knopf zu drücken, damit er runterkommt, schaute nur gebannt auf ihr Display – und ich stand dahinter und musste mich erst hindrängeln. Was ist passiert mit den Menschen? Es begann schon vor einiger Zeit, nicht erst mit Covid. Aufregung wegen irgendwas, was gerade beschlossen wird? Naja, ein paar finden es schon seltsam, aber mehr auch nicht. Und wird schon nicht so schlimm werden, wurde es bisher ja auch nicht .. ..

    • Martin1 26. Mai 2022 at 14:41Antworten

      Bulgarien, Portugal.
      Michael Klein ist nach Wales gegangen (Palmen in Cardif!!!)
      An warme Länder kann man denken. An deutschähnliche Länder: Schweiz (Österreich z. Zt. weniger). Südamerika.
      Meine Wahl: Südostasien.

  19. Gerhard 26. Mai 2022 at 9:49Antworten

    „Dabei war es nicht ein Zuviel an Sekundärtugenden, sondern ein Zuwenig an Bildung und Verstand, was verwerflich war.“

    Immer die gleiche Leier. Nur, es stimmt nicht.

    Alle Menschen haben genug Verstand. Sie müssen ihn nur richtig einsetzen, also zum Beispiel nicht zum Lügen.

    Und für die wirklich wichtigen Dinge ist jede gebildet. Sie muss sich nur noch die Zeit nehmen, sich ein gründliches Urteil zu bilden. Sie wird sich die Zeit nehmen, wenn sie die Wahrheit interessiert.

    Wer aber die Wahrheit wissen will, egal in welchem Bereich, will sich auch in dieser Hinsicht bilden.

    • brigbrei 26. Mai 2022 at 21:34Antworten

      @Gerhard 26. Mai 2022 at 9:49
      „Alle Menschen haben genug Verstand.“

      Ja, genau, das erleben wir spätestens seit „Corona“ – wir werden geradezu von „genug Verstand“ erschlagen…
      Ich verstehe nicht, was Sie Dagmar Henn vorwerfen…: Immer die gleiche Leier???
      Sie hat völlig Recht mit Ihrer Feststellung „Dabei war es nicht ein Zuviel an Sekundärtugenden, sondern ein Zuwenig an Bildung und Verstand, was verwerflich war.“

      • Gerhard 27. Mai 2022 at 22:42

        Das verstehe ich wieder nicht. Für mich ist die Formulierung, `es war und ist “ ein Zuwenig an Bildung und Verstand, was verwerflich war“‚ ganz klar eine hohle Phrase. Und noch dazu eine, die mich verärgert, weil sie eine Ursachenanalyse vortäuscht, wo keine Ursachenanalyse stattgefunden hat, sondern eben nur ein Nachplappern. Denn der Satz fällt in diesem Zusammenhang:

        „In den Achtzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts gab es eine große Debatte um die `Sekundärtugenden´ – Pünktlichkeit, Genauigkeit, Loyalität. Sie wurden verworfen, weil sie für die großen Menschheitsverbrechen der Nazis nützlich waren. Dabei war es nicht ein Zuviel an Sekundärtugenden, sondern ein Zuwenig an Bildung und Verstand, was verwerflich war. Ein Zuwenig an persönlicher Verantwortung. Ja, Letzteres allem anderen voraus, denn es ist die Preisgabe dieser persönlichen Verantwortung, die Menschen zu willigen Werkzeugen des Verbrechens macht.“

        Das funktioniert nicht. Das deutsche Wesen wird nicht an Bildung genesen, insbesondere solange Bildung als verschreibungspflichtige Therapieform unter deutschsprachigen Intellektuellen seinen Spuk treibt.

        Bitte nicht vergessen: Die Deutschen galten einst, so ungefähr zu Zeiten eines Reichskanzler Hitler, gerade umgekehrt als das gebildetste Volk weltweit. Durch ihr Zuwenig an persönlicher Verantwortung haben daher die Deutschen `Bildung‘ weltweit unter Verruf gebracht. Das war zwar angesichts ihrer überwältigenden Verbrechen ein geringeres Übel, aber doch ein großes Übel.

        Irgendwann hat es sich dann wieder eingebürgert, eingeschlichen, durch vielfältiges Nachplappern, dass wieder einmal mangelnde Bildufng an allem schuld sei, woran doch, in Wirklichkeit, bei genauerem Hinsehen, n i c h t ein Mangel an Bildung schuld war und ist. Sondern, zum Beispiel: Geldgier, Machtgier, Sexgier, Stolz, Arroganz, Faulheit und Feigheit von Absolventen von Eliteuniversitäten und Pflichtschulen, und deren Ressentiment.

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