Aber, wo wollen WIR hin?

Pläne der Herrschenden gibt es, ja, aber wo wollen wir hin? So sehr die Gegenseite auf immer brutalere Diktatur setzt, so ist sie doch strategisch verloren. Die Frage, worauf wir hinaus wollen, ist daher essentiell. Die Klarheit der Perspektive ist es auch vor allem, die uns hilft, uns zu sammeln und neue Kräfte zu gewinnen. Teil 1

Von Gastautor Bertram Burian

Ernst Wolff, seit vielen Jahren ein wichtiger Kritiker der Finanz- und Geldmacht, hat Ende August 2021 einen bedeutenden Vortrag gehalten, der große Resonanz ausgelöst hat (1). Ein Kommentar formuliert es so: „Eventuell das WICHTIGSTE Video auf YouTube zurzeit. Keine Übertreibung.“

In dem Vortrag trifft Ernst Wolff eine Einschätzung über die Rolle des „digital-finanziellen Komplexes“ im Zusammenhang mit dem drohenden Zusammenbruch des Finanzsystems, der digitalen Welt-Überwachung und der „Corona-Krise“. Tatsächlich erscheint auch mir die Rede als außerordentlich wichtig und auch ich schätze die Prägnanz der Aussage von Ernst Wolff sowie den Fokus und die Kraft seiner Argumente und seine Orientierung auf die Aufklärung der Masse, verbunden mit der Zuversicht, dass letztendlich große Veränderungen in unserer (Welt)-Gesellschaft möglich sind und wir uns wohl gerade in so einem Prozess befinden.

Ein „Rammbock“ der Klarheit

Um der Hoffnung, die Ernst Wolff formuliert, näher zu kommen, muss ein „Rammbock“ geschaffen werden, den Millionen von Menschen mittragen können, wie es Jörn Pelka, beim Corona-Ausschuss 67 formulierte (2). Dieser „Rammbock“ soll eine Mauer zum Einsturz bringen. Jene Mauer, die den heilenden Eingriff des Menschlichen und der Vernunft abtrennt, vom Strom der katastrophalen Entwicklungstendenzen, der von einem System aus Gier und Unwissenheit gespeist wird. Dieser „Rammbock“ muss organisatorischer aber auch geistiger Natur sein und er wird von 99 Prozent der Menschheit getragen werden, die zu den Verlierern der Bereicherungs-Ökonomie gehören.

Tatsächlich kommen sich die Menschen, die erkennen, wie sie hinter das Licht geführt werden, und die erkennen, wie dringend notwendig neues Denken und Handeln ist, auch näher und es gibt viele praktische und organisatorische Schritte, wie Wortmeldungen in den sozialen und unabhängigen Medien, Demonstrationen und Parteigründungen. Aber der „Rammbock“ muss vor allem einer der Klarheit sein. Ohne vorausgedachte, erkennbare Zukunftsperspektive, ohne Klarheit über einen Weg, wird auf Dauer auch keine organisatorische Kraft ausreichen.

Der chinesische Stratege und Kriegstaktiker Sunzi formulierte vor 2.500 Jahren, in einer Zeit als Kaisertum, Gewaltanwendung und Krieg die menschliche „Zivilisation“ ohne Selbstzweifel bestimmten:

„Wenn du dich und den Feind kennst, brauchst du den Ausgang von hundert Schlachten nicht zu fürchten. Wenn du dich selbst kennst, doch nicht den Feind, wirst du für jeden Sieg, den du erringst, eine Niederlage erleiden. Wenn du weder den Feind noch dich selbst kennst, wirst du in jeder Schlacht unterliegen.“ (11)

Wenn wir also eine ungenügende oder gar eine falsche Vorstellung von unserem „Feind“, oder wie es heute besser formuliert wird, von der „Gegenseite“ haben, und möglicherweise uns auch selbst nicht genügend kennen, dann werden wir nicht erfolgreich sein können.

Dazu kommt, dass wir das menschheitsgeschichtliche Zeitalter der Kriege hinter uns lassen müssen und ein kriegerischer Kampf angesichts der unvorstellbaren Übermacht einer nicht ausreichend geschwächten und die Befehle blind ausführenden „Gegenseite“ jedenfalls völlig perspektivlos ist. Zudem kann Gewalt nur Systeme schaffen, die durch Gewalt aufrechterhalten werden, was definitiv nicht unser Ziel sein kann. Und hier kommt ein weiterer weiser Satz von Sunzi zum Tragen:

„Die größte Leistung besteht darin, den Widerstand des Feindes ohne einen Kampf zu brechen.“

Verlassen wir die Kriegsrhetorik alter Zeiten und besinnen wir uns der vielen friedlichen Revolutionen, die es mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion gegeben hat. Sie sind ein leuchtendes Beispiel. Aber wir müssen uns bewusst sein, dass die friedlichen Revolutionen, die die Umwandlung des Ostblocks gebracht haben, zugleich von der Hoffnung auf ein gutes Leben im Kapitalismus getragen waren und es für manche Demonstranten so aussah, dass man nur „die Seite wechseln“ müsse. Nun aber wird klar, was damals nur wenige erkannten: Wir müssen einen neuen Weg suchen, der aus diesem Kapitalismus, und was aus ihm in den neoliberalen Jahrzehnten geworden ist, hinausführen muss, ohne die Zwangssysteme „sozialistischer“ Staaten zu wiederholen.

Um das Gegenüber und uns selbst möglichst gut einschätzen zu können, und um einen neuen Weg zu finden, müssen wir einen Diskurs führen (3), um uns klar zu werden, wo wir hin wollen, damit die Menschen, die den „Rammbock“ aufheben, wissen, was sie erreichen wollen, wenn die Mauer zum Einsturz kommt. Unsere eigentliche Chance ist daher die Klarheit der Perspektive!

Das Denken der Masse entscheidet alles

Genauer gesagt, es geht vor allem um das Denken eines kritischen Anteils der Masse. Keine Herrschaft kann sich langfristig gegen eine geeinte öffentliche Meinung durchsetzen. Der Sklavenhalter braucht den Sklaven, der ihn anerkennt, der Adelige die Anerkennung durch den Hörigen oder Leibeigenen. Die autokratischen oder auch die modernen, „demokratischen“ Kaiser brauchen die Untertanen, die sie gutheißen. Und der Aktien-Gott der IT-Konzerne braucht die zu ihm aufschauenden Reichtums- und Machtgläubigen, die ihm huldigen. Dreht sich hingegen die öffentliche Meinung so weit, dass alle Machtmechanismen des herrschenden Systems die neue Sicht der Dinge nicht mehr verhindern können, so ist die Chance für eine neue Zukunft gut.

„Die andere Seite“, sagt Ernst Wolff, „mag über mehr Geld, über mehr Besitz und dazu über alle Waffen der Welt verfügen. Aber ihre Macht stützt sich weder auf ihr Geld, noch auf ihren Besitz, noch auf ihre Waffen, sondern einzig und allein auf einen Faktor und das ist die Unwissenheit der Mehrheit der Menschen – also darauf, dass die Mehrheit das Spiel, das die Minderheit mit ihr betreibt, nicht durchschaut. So schrecklich alles ist, was der digital-finanzielle Komplex mit seinen Helfershelfern in den vergangenen 18 Monaten angerichtet hat und immer noch anrichtet, er hat sich in eine Situation manövriert, aus der er nicht mehr herauskommt und in der er in seiner Verzweiflung immer mehr rote Linien überschreiten muss. Für uns alle bedeutet das, wir sollten in dieser Ausnahmesituation ganz einfach die Ruhe bewahren, alle Lügen konsequent aufdecken, und den Menschen so Stück für Stück zeigen, warum und von wem sie hinters Licht geführt werden. Wenn wir das tun und uns dabei auf die Stärke unserer Argumente besinnen, dann können wir nicht nur die aktuellen Probleme lösen, sondern möglicherweise noch viel Größeres schaffen, nämlich eine der tiefsten Krisen der Menschheit nutzen, um das Ruder der Weltgeschichte herumzureißen und so die Tür zu einer neuen Zeit aufzustoßen.“

Ja! Es handelt sich um eine der tiefsten Krisen der Menschheit, um eine Jahrtausendkrise und wir haben eine erhebliche Chance. Aber wo wollen wir hinaus?

Eine Jahrtausendkrise

Die Herrschaft des „Finanziellen Komplexes“ wurde schon 1910, also noch vor dem Ersten Weltkrieg, von dem österreichischen Sozialdemokraten Rudolf Hilferding (4) angeprangert und Lenin (5), der sich in seinem Werk „Der Imperialismus das höchste Stadium des Kapitalismus“ auf Hilferding bezog, schrieb 1916 Folgendes:

„Das 20. Jahrhundert ist also der Wendepunkt vom alten zum neuen Kapitalismus, von der Herrschaft des Kapitals schlechthin zu der Herrschaft des Finanzkapitals. […] Das Finanzkapital, das in wenigen Händen konzentriert ist und faktisch eine Monopolstellung einnimmt, […] und das sich ein außergewöhnlich weit verzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, […] das sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalisten und Unternehmer unterwirft, zieht kolossale und stets zunehmende Profite […] und legt der gesamten Gesellschaft einen Tribut zugunsten der Monopolisten auf. […] Der Imperialismus ist das monopolistische Stadium des Kapitalismus. […] Auf der einen Seite ist das Bankkapital einiger weniger monopolistischer Großbanken, das mit dem Kapital monopolistischer Industriellenverbände verschmolzen ist, und auf der anderen Seite ist […] der verschärfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft über andere Länder, um die monopolistische Beherrschung des Territoriums der restlos aufgeteilten Erde.“ (6)

Erstaunlich! Der Text wurde vor über hundert Jahren geschrieben und kennzeichnet auch heute ausgezeichnet die Kernelemente des Kapitalismus. Und er beschreibt die ökonomische Situation, die zum Ersten Weltkrieg und in der Folge zum Zweiten Weltkrieg führte, die beide, historisch betrachtet ein Fanal des perspektivlosen und daher letztlich nur auf Zusammenbruch geeichten Kapitalismus waren.

Der Text beschreibt aber auch die Situation, die 1918 zur Entstehung der Sozialistischen Räterepubliken, vor allem in Russland führte. Etliche Jahrzehnte war der Sozialismus das klare Ziel aller fortschrittlichen Kräfte und zeitweise waren mehr als die Hälfte der Menschheit auf dieser Seite der Geschichte.

Aber wir wissen, dass der sozialistische Weg keine ausreichend begeisternde Lösung wies. Dies wohl vor allem, weil er sich in erster Linie auf die Staats-, Bürokratie- und Parteimacht und nicht auf demokratische Entscheidungen und die Kraft der Selbstorganisation der Menschen stützte. Und wir wissen leider auch, dass es bisher stets, in einer Jahrhunderte alten Geschichte, die Kräfte der Macht durch Reichtum und des Kapitalismus waren, die obsiegten – zuletzt in Form des Neoliberalismus.

Da stehen wir nun, und als Treppenwitz der Geschichte bieten sich heute die Ultramilliardäre an, die Zukunft der Menschheit zu retten (7). Jene Wohltäter der Menschheit also, die nichts anderes im Sinn haben, als ihren Reichtum und ihre Macht ständig auszubauen. So sehr das nichts als ein lächerliches Theater unter Leitung zum Beispiel eines World Economic Forum (WEF) in Gestalt des „Great Reset“ ist, verändern die zunehmend diktatorischen Eingriffe natürlich nichtsdestotrotz die Bedingungen.

Wo wollen wir hinaus?

Aber noch einmal, für uns muss der Kern der Frage sein: Wo wollen wir hinaus? Worin sollten die Milliarden Menschen der „99 Prozent“ (8) in der alles entscheidenden Frage der grundsätzlichen ökonomischen Regeln ihr Ziel sehen? Wollen wir den Weg des Sozialismus wieder aufgreifen, obwohl die Geschichte seine Fehler zeigte, oder wollen wir doch den Weg des Kapitalismus weitergehen, der uns genau in die Situation gebracht hat, in der wir heute stecken?

Wiederherstellung der alten Grundrechte. Richtig! Aber die festgeschriebene Existenz dieser Grundrechte konnte nicht verhindern, dass wir in diese heutige Situation gekommen sind. Diese Grundrechte haben nämlich das „Bereicherungsrecht“ einer schmalen „Elite“ niemals in Frage gestellt oder ernsthaft beschnitten.

Die Frage, worauf wir hinaus wollen, ist von entscheidender Bedeutung, auch wenn viele sie vielleicht nicht bewusst wahrnehmen.

Drei Regeln für eine neue Welt

Nun, ich gebe hier meine Antwort, in sehr knappen Worten:

Der Marxismus, als geistige Führungsidee des Sozialismus, wollte die Abschaffung allen „Privateigentums an Produktionsmitteln“, um damit die „gesellschaftlich bewusste Planung der Produktion und Verteilung“ zu erreichen. In der Überprüfung durch die Geschichte haben die sozialistischen Staaten gezeigt, dass es so nicht geht. Umgekehrt hat der Liberalismus, schon in seiner Form des Manchester-Liberalismus und nun noch mehr in seiner Form als Neoliberalismus gezeigt, dass es so erst recht nicht geht. Die Freiheit, die vor allem nur die Freiheit zur Ausbeutung und Ausplünderung der Welt ist, hat auch vor der Geschichte klar gezeigt, dass es so nicht geht. Die unbegrenzte Bildung von Reichtum, Besitz und monopolistischer Macht in der Hand einer minimalen, abzählbaren Zahl von Super-Gewinnern einer Bereicherungs-Ökonomie lässt die Welt untergehen – in höchstorganisierter Gier, in Skrupellosigkeit und Wahnsinn mit unfassbarer Verachtung der Menschlichkeit, die immer systemischer wird, und bei einer steten oder auch sprunghaften Steigerung der Zuspitzung der inneren Widersprüche dieses Systems und der daraus erwachsenden allgemeinen Bedrohung. Und hier geht es um wirkliche Bedrohungen, nicht um Ersatz-Bedrohungen, wie im Corona-Szenario.

3rules2new1world

Die Lösung scheint mir auf drei Ebenen notwendig („3rules2new1world“):

Erstens: Nicht die Enteignung und die Übergabe des Privateigentums in Staatslenkung ist die Hauptfrage, sondern die strickte Begrenzung der Möglichkeit, persönliche Reichtums-Macht aufzubauen. Daher muss es zuallererst eine Obergrenze für den persönlichen Gewinn in Form eines unumgehbaren Höchsteinkommens geben. Das gilt ausnahmslos für alle Privatpersonen, was immer ihr Geschäftsfeld oder ihre Anstellung ist. Das Höchsteinkommen muss aber auch für Körperschaften wie Unternehmen, Konzerne, Finanzorganisationen et cetera in dem Sinn gelten, dass es ihnen verunmöglicht wird, Vermögen anzuhäufen, das über den notwendigen Geschäftsgewinn und einen definierten Sicherheitspolster hinausgeht. Was sie zu viel einnehmen, müssen sie in einen allgemeinen Investitionstopf geben (9). Das Recht auf „Eigennutz“ bleibt, aber die Gier als Triebfeder wird mehr oder weniger aufgehoben. So wird auch der, seit Jahrzehnten ständig unter Überhitzung laufende Motor, des Alles in seinen Sog ziehenden Steigerungsspiels, auf ein menschliches Maß abgekühlt und der Fokus auf Gerechtigkeit und Wiedereingliederung des Menschen in die Biosphäre wird möglich.

Zweitens: Das Recht zur Geldschöpfung durch Privat- und Zentralbanken muss generell aufgehoben werden. Stattdessen erhält eine demokratisch beauftragte und kontrollierte Institution die Aufgabe, im Namen der Bevölkerung Geld zu schöpfen. Sie wird kontrolliert und von der Usurpation, der widerrechtlichen Aneignung der Geldmacht ferngehalten durch die Überwachung einer einfachen, strikten Regel: Sie muss alles neu geschöpfte Geld direkt, persönlich und zu gleichen Teilen an alle Menschen eines Währungsraumes aufteilen. Niemals mehr darf Geld geschöpft werden, um es letztlich immer nur den Reichen zukommen zu lassen. Es versteht sich, dass es in einer solchen Wirtschaft keine Finanzkonzerne oder Finanzkooperationen mehr gibt, deren einziges Ziel es ist, ohne Arbeit aus Geld noch mehr Geld zu machen. Es gibt also keine Aktiengesellschaften, keine „Finanzinstrumente“, keine Spekulationsorgien mehr. Es gibt auch kein „too big to fail“ mehr. Wenn es Regeln gibt, die für die Größten nicht gelten, so ist klar, dass das System am Ende ist. Vielmehr ist Geld nun nur mehr dazu da, dass es ehrliche Arbeit und ihre Produkte vergleichbar macht, um einen gerechten Austausch zu organisieren. Geld muss werden, was es im Kern immer war: Eine Maßeinheit für gerechten Tausch. Dabei ist es wie ein Maßband, das zwar Länge, Breite und Höhe eines Hauses angeben kann, aber deshalb keineswegs den Wert dieses Hauses annimmt.

Drittens: Wer über die Investitionen entscheidet, entscheidet über die Zukunft der Menschen und letztlich der Menschheit. Diese Entscheidungen dürfen daher niemals in der Hand von Privatpersonen, die nur auf ihren Profit schauen, aber auch nicht in der Hand des Staates, der stets auf seine Macht schaut, liegen. Wo und wie investiert wird, soll daher in Zukunft durch demokratische Komitees entschieden werden. Diese neuen Grundsäulen der Demokratie müssen garantiert jedem Lobbying entzogen sein und können zum Beispiel dem heutigen System der Geschworenen bei Gericht ähneln beziehungsweise sich an anderen bekannten Systemen der Zufallsauswahl von Bürgern orientieren. Private Firmen und auch der Staat können Anträge stellen, aus einem riesigen Topf von Investitionsgeld Beträge zugeteilt zu bekommen. Entschieden wird durch die Bevölkerung selbst mithilfe dieser demokratischen Komitees oder bei sehr großen Fragen durch direkte Abstimmung etwa nach Schweizer Art. Dadurch wird die demokratische Kontrolle über Ziel und Zweck der Wirtschaft erreicht. Nun entscheidet nicht mehr der Reichtum. Erstmals in der Geschichte ist der Boden für echte Demokratie bereitet, weil auch die grundlegenden Regeln bezüglich der Wirtschaft die demokratische Gestaltung durch den Volkswillen ermöglichen (10).

Diese drei neuen Regeln stellen einen „dritten“ Weg dar, wie er sich aus den gegensätzlichen Erkenntnissen und Bestrebungen von Kommunismus und Liberalismus als Lösungsdurchbruch ergibt. Es ist ein Weg, der, wenn er die Errungenschaften bisheriger Demokratie nutzen kann, keine gewaltsame Revolution braucht, weil in dieser Lösung nicht Enteignung die Methode der Umgestaltung der Wirtschaft und der ganzen Gesellschaft ist, sondern ein demokratisches Regelwerk, das überall auf der Welt erkämpft werden kann. Und trotzdem schaffen diese Regeln eine neue Ökonomie, die mit dem Ende der Bereicherungs-Ökonomie entsteht. Durch die Lösung der Verteilungsfrage und die Gestaltung einer wirklich sozialen Gesellschaft, bei gleichzeitiger Garantie individueller Freiheit – mit Obergrenzen und der bekannten Austarierung von Freiheitsansprüchen – wird der Weg erst eröffnet, die grundlegenden Fragen für die weitere Existenz der Menschheit anzugehen: Frieden und Abschaffung des Militärischen Komplexes sowie die Beendigung der Zerstörung der Biosphäre. Die Wiedererlangung des Menschlichen wird möglich.

Die in diesen 3rules2new1world angesprochene Zielsetzung ist hier natürlich nur angerissen und muss vielfältig ergänzt werden und vor allem muss man darüber – oder über andere Perspektiven – einen Diskurs beginnen.

Wenn Ernst Wolff die Hoffnung ausspricht, dass „wir nicht nur die aktuellen Probleme lösen können, sondern möglicherweise noch viel Größeres schaffen können, nämlich eine der tiefsten Krisen der Menschheit nutzen, um das Ruder der Weltgeschichte herum zu reißen und so die Tür zu einer neuen Zeit auf zu stoßen“, so geht es nach meiner Meinung vor allem darum, über oben angesprochene perspektivische Fragen Klarheit und Einigkeit zu erlangen. Die Klarheit sammelt die Kräfte und lässt uns neue Kräfte gewinnen, deshalb kommt ihr die größte Bedeutung zu.

Dieser Artikel wird in einem zweiten Teil fortgesetzt.

Quellen und Anmerkungen:

(1) Der Vortrag wurde von Ernst Wolff beim diesjährigen WEFF in Davos am 21. August gehalten (WEFF steht für Wachstum, Erde, Frieden, Freiheit: https://www.weff.ch/)

Die Rede ist in diesem Artikel von Ernst Wolff verschriftlicht: Rubikon: https://www.rubikon.news/artikel/das-gelegenheitsfenster

Video: https://odysee.com/@LongXXvids:c/Ernst-Wolf-speech—summary:3?r=JCPYgUuvKo7ystKXeRFm9ztHjP7gWnKZ&sunset=lbrytv und: https://www.youtube.com/watch?v=VM-sNKNd-CU&list=PUaICID7P7gdRoVeeXbj-s7w

(2) Jörn Pelka ist Vorstandsvorsitzender der Schutzgemeinschaft Unternehmen Mittelstand (SUM). Corona-Ausschuss 67: https://odysee.com/@Corona-Ausschuss:3/Pelka-Eisenhauer—Sitzung-67-Die-Dr%C3%BCcker:1

(3) Was für die Gesellschaft als Ganzes gilt, gilt auch für uns „intern“: Wer keinen Diskurs führt, der beeinträchtigt die Chance ganz erheblich, zu zunehmender Klarheit, also zu einem Verständnis über Zusammenhänge, über Ursachen und Ziele zu kommen. Gerne werden solche Diskurse von der Gegenseite als Elemente einer inneren Spaltung verstanden. Aber abgesehen davon, dass dies natürlich nur die Spaltungsbemühungen der Gegenseite ausdrückt, hängt es auch davon ab, wie wir den Diskurs führen. Zielgerichtet und klar in der Erkenntnis, vereinend und verbindend in der Form der Auseinandersetzung, offen für die Erkenntnisse der Anderen und freundschaftlich verbunden im gemeinsamen Suchen nach neuen Wegen – so ist ein Diskurs ein Gewinn, ja wichtige Voraussetzung für zunehmende Klarheit. Der historische Weg der großen geistigen „Kämpfe“ war leider oft ein anderer: Die Wahrheit schien endgültig erkannt (Kommunisten, Marktradikale und alle Ideologen) und musste gegen die Abtrünnigen durchgesetzt werden. So schrieb zum Beispiel Lenin in seinem philosophischen Werk „Empiriokritizismus“ 1908 als Antwort auf den Ausspruch von Lunatscharski: „Vielleicht irren wir, aber wir suchen“ die typische Antwort eines „Wissenden“, der in allen Fragen zeigen kann, was richtig und falsch ist: „Was mich betrifft, so bin auch ich ein ‚Suchender‘ in der Philosophie. Nämlich: ich habe es mir in den folgenden Aufzeichnungen zur Aufgabe gemacht, herauszufinden, worüber die Leute gestolpert sind, die uns ein so unglaublich wirres, verdrehtes und reaktionäres Zeug als Marxismus auftischen.“ (Lenin Werke 14, Dietz Verlag Seite 10). Es wäre Lenin gut angestanden anzuerkennen, dass auch Marxisten „Suchende“ sein müssen! Nichts desto trotz wurde allerdings Lunatscharski durch Lenin nach der erfolgreichen Revolution zum Volkskommissar (Minister) für Bildung ernannt, ein Amt, das er 12 Jahre innehatte. (https://de.wikipedia.org/wiki/Anatoli_Wassiljewitsch_Lunatscharski).

Kurzum, wir müssen den Diskurs führen, aber Suchende bleiben!

(4) Rudolf Hilfering war marxistischer Ökonom und auch zweimal Finanzminister in der Weimarer Republik und schrieb das Buch: „Das Finanzkapital: Eine Studie über die jüngste Entwicklung des Kapitalismus“

(5) Wladimir Illjitsch Uljanow, genannt Lenin, war marxistischer Theoretiker und Revolutionär und entscheidender Mentor der russischen Oktoberrevolution. Er war Vorsitzender der Bolschewistischen Partei und der aus ihr hervorgegangenen Kommunistischen Partei Russlands (1912 bis 1924) sowie von 1917 bis 1924 Regierungschef der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (SFSR) und der Sowjetunion (1922 bis 1924).

(6) Lenin Werke Band 22, Dietz Verlag Berlin, 1971 Seiten: 229, 236, 270, 290

(7) Klaus Schwab und Thierry Malleret: „Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie sind so schmerzhaft, … , dass Unternehmen und Regierungen durch ein neues soziales Gewissen großer Teile der Bevölkerung ermutigt werden [könnten], dass das Leben auch anders aussehen könnte. … Der Moment muss genutzt werden, um diese einzigartige Gelegenheit zur Neugestaltung einer nachhaltigeren Wirtschaft zum Wohle unserer Gesellschaft zu nutzen.“ Klaus Schwab, Thierry Malleret, „Covid-19: Der Große Umbruch“, Seite 167, World Economic Forum, Forum Publisching, 2020.

(8) Occupy Wallstreet: We are the 99 Percent. Vgl. https://occupywallst.org/ ; https://www.theatlantic.com/politics/archive/2015/06/the-triumph-of-occupy-wall-street/395408/

(9) Hier geht es nicht um die Besteuerung von Vermögen, die indirekt die Vermögensbildung sogar fördern kann, weil der Staat ein Interesse an hohem Vermögen bekommt, da die Steuereinnahmen umso höher sind, je höher das Vermögen wächst. Nein, es geht um eine Obergrenze, die alles abschneidet, was zum guten Betrieb eines Unternehmens nicht notwendig ist, weil es bloß einen zusätzlichen Gewinn darstellt, den ja die Gesellschaft und nicht der Einzelne erwirtschaftet hat. Bisher stand dieser „Surplus-Wert“ der freien Disposition der großen Eigentümer zur Verfügung. Nun aber soll er als Ausbeutungsinstrument weitgehend abgeschafft werden, indem das Höchsteinkommen der Ausbeutung eine gewisse Schranke auferlegt und indem andererseits ein großer Topf von „Investitionsgeld“ der demokratisch organisierten Öffentlichkeit zur Bestimmung übergeben wird. Wir müssen auch verstehen, was ich hier nicht weiter ausführen kann, dass Investitionen nichts anderes sind, als der Beschluss, zukünftige Arbeit in ein bestimmtes Projekt zu stecken. Deshalb braucht man für Investitionen auch nicht Geld im eigentlichen Sinn. Geld kann ja immer nur bereits geleistete Arbeit mit dem Wert der Produkte vergleichen und den Austausch regeln. Die Modern Monetary Theory meint das vielleicht im Ansatz, dass „Investitionsgeld“ eigentlich kein wirkliches Geld ist. Aber natürlich müssen wir uns zugleich klar sein, dass wir nicht unbegrenzt zukünftige Arbeit vergeben können, weil dann für die notwendige Arbeit, um den Ist-Zustand aufrecht zu erhalten, nicht mehr genügend Arbeits-Ressourcen zur Verfügung stehen könnte. (Obwohl wir an der weltweiten Arbeitslosigkeit sehen, dass das nicht das größte Problem ist!) Erst recht kann aber nicht beliebig Geld gedruckt werden, weil dies die Ungleichverteilung anschwellen lässt, weil die immer früher oder später stattfindende Anpassung an das neue Niveau der Geldmenge zu gravierenden sozialen Verwerfungen und letztlich zu einem „Nichts geht mehr“ führen muss.

(10) „Wir müssen uns entscheiden: Wir können eine Demokratie haben oder konzentrierten Reichtum in den Händen weniger – aber nicht beides.“ Louis Brandeis, Richter am Obersten Gerichtshof der USA von 1916 bis 1939 und einer der einflussreichsten Juristen des Landes. Zitiert nach: Paul Schreyer, „Die Angst der Eliten – wer fürchtet die Demokratie?“ Westend Verlag, 2018, Seite 13

(11) Tzu SunSuntzuSunziSun Tsu DIE KUNST DES KRIEGES, Nikol Verlagsges.mbH

2020, Buchkomplizen: Artikelnummer 978-3-86820-594-7

Hier: https://beruhmte-zitate.de/werk/die-kunst-des-krieges-7333/

Der Artikel erschien zuerst in Rubikon.



Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich veröffentliche sie aber gerne, um eine vielfältigeres Bild zu geben. Die Leserinnen und Leser dieses Blogs sind auch in der Lage sich selbst ein Bild zu machen.



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16 Kommentare zu „Aber, wo wollen WIR hin?

  1. Eine positive und nachhaltige Veränderung kann nur eintreten, indem sich das Bewusstsein jedes einzelnen ändert und nicht durch Druck von „Außen“ (der Politik, Ideologien, Klima-Agenda, usw.).
    Und indem man das System dahingehend ändert, dass Menschen von klein auf in ihren Talenten und Fähigkeiten gefördert werden und nicht in ein staatlich vorgegebenes System gepresst und konditioniert („abgeschliffen“) werden.
    Leider scheint es derzeit aber genau wieder in diese Richtung zu gehen. Diese Methode wird von sich aus scheitern, jedoch bis dahin viel Zerstörung anrichten.

  2. Das Grundproblem des Kapitalismus: alle paar Jahrzehnte braucht’s einen Reset. Je länger die Phasen zwischen den Resets dauern, desto schlimmer der Reset. Spült der Reset die Mächtigen hinweg? Nein. Eine Untersuchung aus 2016 zeigt beispielhaft an Florenz, dass die reichsten Familien seit 600 Jahren die selben sind. Es gibt eine „gläserne Decke“, die den Pöble von der „Elite“ trennt – https://www.welt.de/finanzen/article156001603/Warum-die-Reichen-immer-reich-bleiben-werden.html – die Gesellschaftsform ist immer die selbe, die „Eliten“ haben aber dazugelernt: Um Sklaven und Leibeigene muss man sich kümmern. Also besser die Sklaverei in Form des Verschuldungswesens (Banken) verstecken und den Sklaven Ihre „Freiheit“ lassen – oder den Glauben daran, dass ein Kreuzerl auf einem Zettel alle 6 Jahre „Freiheit“ ist.

  3. Vielen Dank für diesen wichtigen Artikel, der endlich einmal die richtige Frage aus der richtigen Perspektive stellt. Eine Frage, in deren Natur es liegt, dass nicht ein Einzelner oder eine kleine Gruppe die Antwort geben kann. Dass die winzige Gruppe der Kapitalbesitzer ihre technokratischen, transhumanistischen Interessen als die der Allgemeintheit verkaufen will, ist inzwischen klar und mehrfach geäußert. Wer diesen Weg nicht mitgehen möchte, hat sich entschieden. Für den Rest: wir sollten froh und dankbar sein, diesen nun offenbar gewordenen Irrsinnn guten Gewissens loslassen zu können.

    Von daher freue ich mich darauf, in Zukunft hoffentlich mit reflektierten und selbstbewussten Menschen ein authentischeres Leben zu führen. Als Ergänzung zu den 3 Regeln: es geht hier auch um das vorherrschende Menschen- und Weltbild. Auch vom weitverbreiteten „radikalen Materialismus“, der alle mentalen, psychischen oder sogar spirituellen Phänomene, individuell oder kollektiv, als aus der Materie heraus entstehend ansieht, sollten wir uns verabschieden. Sonst wird das in meinen Augen nix.

    „Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen.“ — Theodor W. Adorno

  4. Herzlichen Dank für diesen SEHR wichtigen Artikel!!!

    Es gibt so viele Felder, auf denen Veränderungen stattfinden müssten, damit die sich abzeichnende dystopische Zukunft aufgehalten und in eine lebenswerte geändert werden könnte. Das faschistoide und menschenverachtende System zeigt sich auf immer mehr Ebenen.

    Aber wie kann man die schier übermächtige Phalanx des Militärisch-Industriellen-Medien-Banken-Komplexes brechen? Kann man diese ineinander gewobenen Machtinstitutionen, die sich Einfluss und Geld hin und her schieben, überhaupt brechen? Ich halte es für nahezu unmöglich. Aber man muss es trotzdem versuchen.

    Wichtig wären meiner Meinung nach:
    – Da unabhängige Medien eine Illusion sind: gleiche Chancen für alle Informations-Händler schaffen: Alle Medien müssen sich ausschließlich durch die Einnahmen der eigenen Arbeit finanzieren: Keine Werbung! Keine Konzernunterstützung. Keine GEZ-Gebühren. Gleiche Chancen für alle.

    – Fälschungssichere Wahlen und Volksabstimmungen über die grundlegenden gesellschaftlichen Entscheidungen (via Blockchain/Quantenwahlen) von zuhause aus. Ist technisch natürlich machbar: Billionenbeträge werden hin- und herüberwiesen, das geht nur, wenn es zu 100 Prozent sicher ist.

    – Machtbegrenzung, d. h. auch Abschaffung von Konstrukten wie Parteien
    – Transparenz über alle Entscheidungen und Vermeidung von Lobbyismus
    – mehr Respekt gegenüber der Natur und dem Leben im allgemeinen
    – Vollkommene Ächtung von Gewalt (physisch, psychisch, finanziell, strukturell etc.)
    – Neue gesellschaftliche Werte: nicht Geld, Macht, Eigentum sollten Anerkennung generieren, sondern z. B. der eigene Beitrag zum Gemeinwohl aller, auch gegenüber der Umwelt und Natur: „Was leistet jemand, damit die Welt langfristig ein besserer Ort wird?“
    – Abschaffung von Erbfolgen: jeder Mensch beginnt bei Null. Aber in einer Gesellschaft, in der kein Krieg, kein Hass, kein Hunger, keine Ausbeutung, keine materielle Konzentration stattfände, wäre dieser Null-Level bereits sehr, sehr lebenswert und auf einem viel höheren Niveau als eine Durchschnittsexistenz von heute.

    Es müsste auf so vielen Bereichen grundlegende gesellschaftliche Diskussionen geben. Aber dazu müsste erst einmal ein freier, funktionierender Diskussionsraum (siehe auch Prof. Rainer Mausfeld) geschaffen werden!

    Ein sehr interessantes Essay zum Thema „Debattenraum“ hat Rob Kenius geschrieben: Er nennt es „Demokrit“ https://kritlit.de/lp2/demokrit.htm

    Ich persönlich möchte schließen mit:
    MEHR DIREKTE DEMOKRATIE.
    MEHR MUT UND MEHR DEMUT.
    MEHR FRIEDEN.

  5. Der Mensch muss wieder lernen mit sich selbst und seiner sich umgebenden Natur in ein Gleichgewicht zu kommen.

    Naturvölker sind wohl einige der wenigen, die es sich behalten haben, ihre Seele zu bewahren, und leben zu können, ohne ihr Umfeld ständig auszubeuten, und wenn alles kaputt ist, sich ein anderes Plätzchen zu suchen, und dort weiter auszubeuten, so wie es die „zivilisierte“ weil menschlich degenerierte Bevölkerung macht.

    Der Mensch muss endlich aufhören sich selbst in allem im Fokus zu sehen,
    und lernen, dass er Teil des Ganzen ist und nicht Herrscher über die Natur.

    Das Geldsystem ist eine einzige Illusion, der die meisten hinterherrennen.

    Solange an den „Machthebeln“ Leute sitzen, denen es an Gewissen und innerer Reinheit fehlt bewegt man sich von einem unnötigen Chaos ins nächste.

    Und wenn der Grossteil der Bevölkerung sich bestimmten digitalen Aktivitäten fernhalten würde, würde manchen „Machtkonzernen“ das „Futter“ von dem sie Leben, und das sie gross und einflussreich gemacht hat, entzogen werden, und ein Teil des „Systems“ würde schon mal gleich in sich zusammenbrechen.

    Es erfordert eigenständiges und kritisches Denken und Aufmerksamkeit der Bevölkerung. Und nicht nur „hui, Hauptsache ich hab’s bequem…und alles andere ist mir egal…“.
    Manche können ja nicht einmal ohne „Tripadvisor“ eigenständig ein halbwegs gutes Restaurant an einem Urlaubsort finden.

    (Dieses ganze ständig „Rating“ und alles was einem ständig vorgegeben wird, in allem und überall ist auch komplett überzogen. Und wenn eine Gesellschaft „Influencer“ braucht, denen sie nachhampeln, weil ihnen sonst nichts eigenes einfällt, braucht man sich auch nicht wundern…).

  6. Das ist doch gequirlte Sch*****, lt. Rubikon Bio war er Lehrer und hat ‚politische Bildung‘ studiert und das merkt man…er glaubt wohl, es braucht nur einen Lehrer welcher im Sendung-mit-der-Maus-Stil mal Allen drei willkürliche Punkte erklärt und das rettet die Welt…

    Also einen Reich mit einem massenpsychologischen Ansatz kann man auf dem Niveau halt nicht erklären…

    Nehmen wir mal ein paar Punkte heraus, weil der Artikel und sein Level sind es nicht Wert, mehr Zeit und Energie damit zu verschwenden:

    1. Zitat aus dem Text: ‚Erstens: Nicht die Enteignung und die Übergabe des Privateigentums in Staatslenkung ist die Hauptfrage, sondern die strickte Begrenzung der Möglichkeit, persönliche Reichtums-Macht aufzubauen. Daher muss es zuallererst eine Obergrenze für den persönlichen Gewinn in Form eines unumgehbaren Höchsteinkommens geben.‘

    Der Herr kennt also nur die Alternativen ‚Privateigentum an allem‘ oder (totalitäre) ‚Staatlenkung‘. Und Differenzierung ist ihm wohl nicht pauschal genug. Da war Gaddafi dem Hörensagen nach weiter. Wieso sollte der Mensch welcher natürlicherweise in der ‚Biosphäre‘ (dafür möchte sich der Autor angeblich einsetzen) geboren wird als Kind der Natur nicht ein Recht auf Wohnung/Lebensraum haben? Es gab die längste Zeit der Menschheitsgeschichte keine Möglichkeit, Eigentum an ‚Grundvermögen‘ zu erwerben (an ‚Mutter Erde‘). Man konnte nur Siedeln und solange man siedelte war dies zu respektieren. Aber unbesiedelter Grund stand frei zur Besiedelung. Es muss dazu nicht Staatseigentum geben, das gab es auch erst sehr spät und ist mit der Idee eines totalitären Staates verbunden. Es gab selbst in Deutschland im 19. Jahrhundert noch Gebiete, welche niemanden gehörten, keiner Privatperson, keiner Kirche, keiner Gemeinde, keinem Staatswesen. So war es nach Peter Scholl-Latour auch in Palästina vor der Staatsgründung Israel als es noch Teil des osmanischen Reiches war. Eine bestimmte englische Gruppierung hatte erreicht, dass dort im osmanischen Reich Grundeigentum eingeführt wurde. Nun mussten die Siedler das Land kaufen, auf dem sie lebten (manche Familien seit Jahrhunderten). Dazu brauchten Sie Geld welches sie nicht hatten. Das durften sie bei neu gegründeten Banken als Darlehen gegen Zins aufnehmen. Da die landwirtschaftlichen Erträge schwanken konnten sie in schlechten Jahren die Bank nicht bezahlten und das Grundstück, welches Kreditsicherheit war, wurde von der Bank an Eigentümer in London oder New York verkauft. Was ist also ein wesentlicher Unterschied zwischen Siedeln und Grundeigentum? Man kann nicht auf einem Grundstück siedeln und wo anders wohnen. Man kann nicht z.B. in Israel/Palästina siedeln wenn man in New York oder London lebt. Menschen müssen siedeln und leben können, ohne Mieten und Zinsen etc zu zahlen.

    2. Zitat:’Geld muss werden, was es im Kern immer war: Eine Maßeinheit für gerechten Tausch.‘ Das ist völliger Nonsense und nicht historisch. Hier empfehle ich das Buch https://en.wikipedia.org/wiki/Debt:_The_First_5000_Years – Tausch war ursprünglich eine Ausnahme. Geld wurde dazu erfunden, um Steuern erheben zu können, insb. um damit Kriege zu finanzieren.

    3. Zitat: ‚Entschieden wird durch die Bevölkerung selbst mithilfe dieser demokratischen Komitees oder bei sehr großen Fragen durch direkte Abstimmung etwa nach Schweizer Art. Dadurch wird die demokratische Kontrolle über Ziel und Zweck der Wirtschaft erreicht. Nun entscheidet nicht mehr der Reichtum.‘

    Dabei schreib der Autor schon selbst auch: ‚Wiederherstellung der alten Grundrechte. Richtig! Aber die festgeschriebene Existenz dieser Grundrechte konnte nicht verhindern, dass wir in diese heutige Situation gekommen sind. Diese Grundrechte haben nämlich das „Bereicherungsrecht“ einer schmalen „Elite“ niemals in Frage gestellt oder ernsthaft beschnitten.‘

    Da kommt ihm nicht, dass die sog. ‚Demokratie‘ die Rechtfertigung einer Politik ist durch die Mehrheit der Wähler. Die Mehrheit hat sich auch ‚gegen Corona sog. ‚Impfen‘ lassen’…die Mehrheit hatte auch Hitler zugejubelt…man könnte beliebige Beispiele bringen…die Mehrheit hat auch genau die Parteien und Minister und die sog. Opposition gewählt, die wir jetzt haben. Komischerweise kann Big Pharma und Co in der Schweiz genauso die Gesetze druchbringen wie überall sonst und der WEF, WHO etc wird noch in der Schweiz mit Steuergeldern beschützt. Wie freiheitlich/humanistisch/demokratisch die Schweiz gestimmt ist, dazu nur mal zwei Stichworte: https://www.administrativ-versorgte.ch/was_bedeutet.htmlhttps://de.wikipedia.org/wiki/Fichenskandal . Es ist in der Schweiz nicht anders als Andernorts. Ich empfehle dazu Wilhelm Reich – Massenpsychologie des Faschismus, nur um die Dimension zu erahnen um die es wirklich geht.

    1. zu A-w-n 31.10.2021 um 21.26 Uhr:

      Welch‘ Ouvertüre! Immerhin widmet der Autor mit dem kryptischen Pseudonyn dem vom ihm in einem bedenklichen „Level“ als „gequirlte ….“ bezeichneten Text immerhin ca. 600 Worte, die er offenbar doch nicht als verschwendet erachtet. Sehr nett, die Leser an seinem offensichtlich reichhaltigen Erfahrungs- und Kenntnisschatz teilhaben zu lassen. Das meine ich durchaus nicht nur ironisch. Einige seiner Gedanken sind aus meiner Sicht erwägenswert sind auch eine Vertiefung Wert. Das scheint er aber nicht Herrn Burian einzuräumen? Ohne eine Keule mit Formulierungen wie: „… der Artikel und sein Level sind es nicht wert, mehr an Zeit und Energie damit zu verschwenden“, möchte ich nur einen Punkt, nämlich den unter Ziffer 2 zum Geld aufgreifen und dazu Folgendes anmerken: Zwar habe ich noch lange nicht die Erwägungen aus dem Zitat der englischen Wikipedia zum Buch des Anthropologen David Graeber „The First 5,000 Years“ von 2011 erfasst, doch bedanke ich mich zunächst für den Hinweis und merke an, dass bereits zu Anfang der Ausführungen bei Wikipedia zu lesen ist, dass ein zweites Hauptargument des Buches sei, dass entgegen der üblichen Darstellung der Geschichte des Geldes die Verschuldung wahrscheinlich das älteste Mittel des Handels sei, während Bargeld und Tauschgeschäfte spätere Entwicklungen seien. Ob daraus oder eben aus der Lektüre des Werkes von Graeber geschlossen werden kann, Geld sei dazu „erfunden“ worden, um Steuern erheben zu können und insbesondere Kriege zu finanzieren, scheint mir dennoch fraglich. Möglicherweise eine noch grundlegendere Analyse nicht nur zur Herkunft, sondern zum Wesen von „Geld“, könnte in dem Werk des Philosophen Christoph Türcke mit dem Titel „Mehr“ zu finden sein (C.H. Beck Verlag, München 2015). Er verortet den Ursprung des Geldes in der kultischen Opfergeschichte, zu der gerade in den letzten anderthalb Jahren wieder eine deutliche Regression zu erfolgen scheint – bis hin zu „Kinderopfern“! Denn auch sog. „Finanzgeschäfte“ seien laut Türcke letztlich Ersatzhandlungen für Menschenopfer. Vom anfänglichen Menschenopfer über tierische Opfergaben sei schließlich ein Wechsel zu (unbelebten) Objekten erfolgt. Eine wie ich finde faszinierende „Geldtheorie“, die Psychoanalyse, politische Ökonomie und Theologie verbindet und liegt daher näher bei “ Rumpelstilz“. Mit diesen 4 Sätzen werde ich sicher dem immerhin knapp 500-seitigen Werk nicht annähernd gerecht, aber vielleicht ist es dies für den einen oder anderen Leser hier ein interessanter Hinweis.

    2. @Walter Mai: hinter Ihrer Nachricht findet sich kein Antwort Button, probier’s mal so. Mein Gott Walter, klar ist das eine grob komponierte Ouvertüre, ich könnt es wohl feiner sagen, aber nicht viel anders im Gehalt.

      Danke Ihnen für Ihre Milde, Humor und Wortwahl, dass sie auch dennoch die Sachargumente prüfen sowie Ihren Buchhinweis.

      Bin am Handy und kann das Link nicht kopieren, aber wenn Sie ‚Scapegoatjournal Graeber Coinage‘ in eine Suchmaschine tippen, dann sollten Sie ein Link zu einem PDF Artikel finden, ein Interview mit Gaerber mit Fragen und Antworten zu Geld, Militär und Steuern auf der ersten Seite.

      Das Buch ist schon sehr langatmig…wenn Sie ‚Warwick Graeber Debt‘ eingeben, dort gibts einen kostenlosen PDF download des Buches.

      Wenn man ‚Graeber Origin Money‘ eingibt findet man auch ein YouTube Interview, das kenne ich aber nicht.

      Herzlichst, A-w-n (steht für Allerweltsname und ich habe einen, der auch nicht mehr sagt).

    3. @Walter Mai: so, das hat ja scheinbar funktioniert vorhin. Hier noch ein Lesetipp, allerdings noch grösser im Unfang: https://en.wikipedia.org/wiki/Tragedy_and_Hope Der Autor galt als ‚Insider‘ und sei z.B. auch ein Prof von Bill Clinton gewesen; https://en.wikipedia.org/wiki/Carroll_Quigley

      Bezgl. ‚Geld‘ und Goldbindung räumt er ‚die ganze heutige Szene auf‘: der Grund für die Goldbildung lt. Quigley war, dass die Bankiersfamilien zu relevanten Zeiten auch die Goldminen besassen. Damit konnten alle Güter und Dienstleistungen mit Gold aufgewogen werden oder limitiert werden, man konnte mit Gold alles kaufen und eben, die Minen gehörten den namhaften Bankiersfamilien. Ausserdem war es so, dass sie schon weiltweit Bankgeschäfte tätigten, es aber keine Währungskurse zwischen vielen – auch exotischen – Währungen gab, man konnte aber praktisch von allen Währungen nach Gold Kurse finden. Also erlaubte der Austausch via Gold weltweite Bankgeschäfte mit existierenden nachvollziehbaren Kursen.

      Aber eben, die Story vom intrinsischen Wert des goldgebundenen Gelder im Gegensatz zum ‚fiat money‘ und der (von dem Adam Smith Kreisen propagierte) Tauschwert anstelle Tauschgeschäfte (Tauschgut mit intrinsischem Wert gegen Gold-Geld mit intrinsichem Wert) ist als Illusion entzaubert, zudem gibt es kaum jemanden meines Wissens, der die Hintergründe darstellen kann wie Quigley.

    4. zu A-w-n (Allerweltsname) vom 02.11.2021, 20.35 u. 21.33 Uhr:

      Vielen Dank für Ihre weiteren Literatur- bzw. Quellenangaben zum Anthropologen David Graeber und dem Historiker Caroll Quigley. Gerade auch wegen des von Ihnen angeführten noch umfangreicheren Werks „Tragedy and Hope: A History of the World in Our Time“ und auch wegen meiner eher bescheidenen Kenntnisse der englischen Sprache, ist fraglich, ob das nach dem Wikipediaeintrag multidisziplinär angelegte Geschichtsbuch für die Zeit etwa von 1880-1963 mit Schwerpunkt auf den „wirtschaftlichen Problemen, die der Erste Weltkrieg mit sich brachte“, zu weiteren Erkenntnissen zu dem von mir auf das Werk von Christoph Türcke bezogenen, wohl tieferen Ansätzen nicht nur zur Herkunft, sondern insbesondere zum Wesen von „Geld“ führen kann. Nach dem Wikipedia Eintrag wird in dem Werk offensichtlich auch die „Verschwörungstheorie“ geäußert, eine Geheimgesellschaft, die ursprünglich von Cecil Rhodes, Alfred Milner u.a. angeführt worden sei, habe in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die britische und amerikanische Außenpolitik erheblich beeinflusst und dass es auf der Grundlage von Akten des 1921 u.a. mit den deutschstämmigen Bankiers Paul Warburg und Otto Hermann Kahn gegründeten „Think-Tanks“ Council on Foreign Relations, (einem ganz besonderen „Superspreader“!) geschrieben wurde, finde ich durchaus interessant. Aber allein deshalb werde ich mich noch nicht näher mit dem über 1.000 Seiten umfassenden Werk befassen …. 😉

  7. Das klingt zuerst ganz nett, aber man sollte mal drüber nachdenken, was eine Vermögensobergrenze oder ein Höchsteinkommen für Implikationen mit sich bringt. Das erfordert einen Überwachungsstaat, gegen den selbst die derzeitige Corona-Diktatur wie ein Kindergarten wirkt. Selbstredend natürlich auch mit digitalem Euro.

    Wollen wir das wirklich?

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