Live aus Südafrika: Leben normalisiert, keine Auswirkung von „Varianten“

VirologInnen und Politik haben Stress gemacht, oder machen es noch immer wegen der ach so gefährlichen Mutation des Virus in Südafrika. Ganz Tirol wird unter Quarantäne gesetzt. Diese Behauptungen beruhen jedoch weder auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, noch auf den Fakten, wie man sie in Südafrika leicht ermitteln kann. Tatsache ist, dass „man aus Sicherheitsgründen eigentlich dorthin reisen“ sollte, da die Zahlen so niedrig sind..

Live aus Südafrika berichtet Gastautor Wilhelm Lilge

Es war Anfang März 2020, da hörten wir im Radio in Südafrika (waren ein Monat dort), dass nun der erste Corona-Fall in Südafrika diagnostiziert wurde: „… bei einem Touristen, der zuvor Deutschland und Österreich besucht hatte“.

Niemand konnte damals abschätzen, wie sich die Lage entwickeln würde. Sehr rasch meldeten sich in Europa „Experten“, die v.a. für Afrika die Mega-Katastrophe vorhersagten und in so manchen folgenden Kommentaren klang die Enttäuschung durch, dass es nun doch nicht so gekommen ist.

Natürlich blieb auch Südafrika vom Virus nicht verschont und es gab viele Infektionen und auch Todesopfer, in Relation zur Bevölkerung ungefähr gleich viel wie in Österreich. Zumindest die reiche (meist weiße) Bevölkerung hat ähnlich guten Zugang zum Gesundheitssystem wie in Österreich und der Zugang zu Tests ist sehr niederschwellig und praktisch überall möglich.

Südafrika machte bisher zwei „Wellen“ durch, wobei die 2. Welle derzeit praktisch abgeklungen ist. Am 22.2. wurden in ganz Südafrika 792 Neuinfektionen festgestellt, also rund die Hälfte von Österreich bei knapp 60 Mio Einwohnern. Die 7-Tages Inzidenz liegt derzeit bei ungefähr einem Zehntel von Österreich, also sollte man aus Sicherheitsgründen eigentlich dorthin reisen 😉 Die Sicherheitsstufe wurde deshalb vor Kurzem gesenkt.

Maßnahmen mit Augenmaß und Rücksicht auf die Bevölkerung

In Südafrika gibt es sicher einen extremen Unterschied zwischen reich und arm und die Sorge ist groß, dass sich bei starken wirtschaftlichen Einschränkungen die Kluft weiter vergrößern wird und eine stark steigenden Arbeitslosigkeit auch soziale Konflikte verstärken könnte.

Deshalb bemühte man sich von Beginn an um Maßnahmen, die zwar die Ausbreitung der Infektion möglichst stoppen sollte, aber auch die Wirtschaft möglichst wenig beeinträchtigen würde.

Deshalb ist es derzeit so, dass praktisch alles offen ist (Geschäfte, Restaurants, Bars, Kinos, Theater, Sportstätten, Fitnesscenter, Schwimmbäder, …), aber es gibt eine nächtliche Ausgangssperre von 23:00 – 4:00 (also kaum beeinträchtigend) und eine Maskenpflicht auch im Freien. Wobei „Maske“ alles sein kann, was Mund und Nase irgendwie bedeckt, also auch ein Schal, o.ä. In Stellenbosch tragen ca. 2/3 der Menschen eine Maske, oft aber unter dem Kinn und die Maske wird dann eben über Mund/Nase geschoben, wenn sich ein Polizist nähert.

Beim Sport braucht natürlich keine Maske getragen zu werden, aber ich habe auch hier einige Irrlichter wie daheim in Österreich getroffen, die alleine im Wald oder am Berg mit einer Maske unterwegs sind, weil sie offensichtlich von Bäumen oder Felsen nicht angesteckt werden wollen… Da zeigt sich einmal mehr, dass Corona auch ein globaler Intelligenztest ist, den viele nicht bestehen (in Teneriffa vor ein paar Wochen war es nicht anders).

Beim Eintritt in Restaurants in manchen Städten oder ins Fitness-Center sollte man sich auch in Listen eintragen (für etwaiges contact-tracing) und oft wird die Körpertemperatur gemessen. Auf Hygiene (Handdesinfektionsmittel, …) wird überall großer Wert gelegt, aber das stellt alles keine wirkliche Beeinträchtigung des Lebens dar.

Behörden forcieren Stärkung des Immunsystems und Prävention

Im Unterschied zu Österreich wird immer wieder (auch vom Gesundheitsminister) dazu aufgerufen, selbst bestmögliche Vorsorge zu treffen und das Immunsystem zu stärken, v.a. durch Bewegung an der frischen Luft – also genau das Gegenteil von unserem „#stayathome“, das einem Aufruf zur Selbstschädigung gleichkommt.

Natürlich ist bei 20 – 30 Grad  – wie derzeit in Südafrika – die Überwindung für Bewegung im Freien auch etwas geringer als bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Bewegung und Sport spielen hier eine größere Rolle und die Menschen sind im Durchschnitt sicher fitter, Übergewicht (ein wesentlicher Risikofaktor für einen schweren Krankheitsverlauf) ist hier deutlich weniger das Problem als in Österreich und es wird im Zusammenhang mit der Corona-Prävention auch immer wieder auf den Stellenwert einer gesunden Ernährung hingewiesen.

Gute Stimmung

Was als Erstes aufgefallen ist, wie wir von Österreich nach Südafrika gekommen sind? Ich würde meinen, dass in Österreich (insbesondere in Wien) bereits eine weit verbreitete depressive und aggressive Grundstimmung zu spüren ist, während in Südafrika Fröhlichkeit und Lebenslust v.a. bei jungen Menschen schwer zu übersehen ist.

Von offizieller Seite her gibt es eine gewisse Angst vor einer 3. Welle, v.a. wenn der südafrikanische Winter kommt. Deshalb sind auch bestimmte Maßnahmen noch in Kraft.

Derzeit gilt „Level 3“ (von 5), das bedeutet:

  • Es gilt eine tägliche Ausgangssperre von 23.00 Uhr bis 04.00 Uhr.
  • Alle gesellschaftlichen Zusammenkünfte (Indoor über 50 Personen, Outdoor über 100 Personen) sind weiterhin untersagt.
  • Strände: Unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen und des Social Distancing dürfen Strände besucht werden.
  • Schwimmbäder: Unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen und des Social Distancing dürfen Schwimmbäder besucht werden.
  • Nationalparks, Parkanlagen, Botanische Gärten, Aquarien und Zoos: Sind bis 22.00 Uhr geöffnet.
  • Restaurants, Bars: Schließen um 22.00 Uhr.
  • Der Verkauf von Alkohol ist von Mo-Do 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr erlaubt.
  • Der Konsum von Alkohol ist in lizensierten Verkaufsstellen von 10.00 Uhr bis 22.00 Uhr, auf Weinfarmen oder in Mikrobrauereien während der Geschäftszeiten bis maximal 22.00 Uhr gestattet.
  • Öffentliche Einrichtungen dürfen unter Einhaltung der Hygienevorschriften weiterhin bis 20 Uhr öffnen. Hierzu gehören: Kinos, Theater, Casinos, Museen, Galerien, Sportstätten und Fitness Center, Auktionshäuser.
  • Öffentlicher Nah- und Fernverkehr: Für Fernreisen dürfen Fahrzeuge nicht mit mehr als 70% der angegebenen Kapazität (Def.: eine Reise von 200 km oder mehr) ausgelastet sein. Für den öffentlichen Nahverkehr gilt diese Beschränkung nicht.


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