Skip to content
Politik

Das organisierte Chaos hinter den französischen Unruhen

2 Kommentare 19. Oktober 2026 3 Minuten Lesezeit von Thomas Oysmüller

Die landesweiten Demonstrationen in Frankreich gegen die Teuerung und staatliche Misswirtschaft eskalierten zu den schwersten Unruhen seit Jahren. Sie waren straff organisiert: Wie konnte es dazu kommen und wer steckt dahinter?

TKP hat bereits am Sonntag eine erste Analyse zu den Unruhen in Frankreich veröffentlicht. Mittlerweile wird das Ausmaß der Schäden klarer, und neue Berichte zeichnen ein Bild des staatlichen Versagens (wie sehr die Unruhen politisch gewollt sind, darüber kann man ebenfalls diskutieren). Neben den Bränden (unter anderem das Rathaus von Limoges) wurden rund 1.500 Geschäfte geplündert und/oder zerstört.

Das Ausmaß der Plünderungen ist enorm. Zum Vergleich: Am Höhepunkt der Gelbwesten-Proteste waren maximal 300 Geschäfte betroffen. Lag das auch daran, dass damals weit mehr Polizei mobilisiert worden war als an diesem Samstag?

Die Prognose habe bei 200.000 Demonstranten gelegen – die tatsächliche Zahl lag deutlich höher, erklärte das Innenministerium. Rund 60.000 Einsatzkräfte waren im Einsatz, gegen die Gelbwesten waren es teilweise knapp 100.000.Die Eskalation war also alles andere als Zufall. Zudem berichten Augenzeugen, dass der Mob mittlerweile weitaus koordinierter vorgeht als noch bei früheren Unruhen

Ein Pariser Händler schilderte zwei getrennte Gruppen: Zuerst kommen organisierte Akteure mit Werkzeug, die Schaufenster zerschlagen. Dann kommt die zweite Gruppe. Meist Jugendliche, meist aus den verarmten Vororten, die plündern. All das ist organisiert. So berichten Reporter, dass gezielt abseits der genehmigten Protestrouten Barrikaden angezündet wurden, um Feuerwehr und Polizei zu binden. Parallel dazu liefen systematische Plünderungen ab. Das sei ein Muster, das sich – wie Reporter, die die französische Straßen- und Protestkultur kennen, berichten – von den eher spontanen Ausschreitungen früherer Ereignisse unterscheidet.

Der Händler sagt zu einer französischen Journalistin: „Was wir gesehen haben, sind sehr organisierte Leute, die kommen, um die Schaufenster einzuschlagen. Und dahinter, etwas später, junge Leute, die kommen, um zu plündern. Man muss aufpassen, Madame: Es sind nicht dieselben. Es sind nicht dieselben.“

Er beschreibt  die zweite Gruppe aus den Vororten kommend dar. Aber wer ist die erste Gruppe?

Regierungsvertreter machten Antifa-Gruppen und „Casseurs“ (professionelle Randalierer) verantwortlich, die von Opportunisten ausgenutzt wurden. Tatsächlich gibt es den Vorwurf, dass Antifa-Gruppen die Schaufenster und Türen zerschlagen, um dem plündernden Mob den Weg frei zu machen. Ein weiterer Vorwurf lautet, dass mehrere Tausend Antifas unter anderem aus Deutschland nach Frankreich gereist seien – sie konnten ungehindert einreisen. Das ist aber nicht unabhängig überprüfbar.

Macron spricht von „Fehlern bei der Planung und der Nachrichtengewinnung“, lehnte den Rücktritt des Innenministers jedoch ab. Freilich wird von der Opposition der Rücktritt von Macron gefordert. Daran dürfte er aber nicht denken. Macron verspricht Transparenz, doch es glaubt ihm wohl kaum jemand.

Immer deutlicher wird, dass die Plünderungen straff organisiert gewesen sind. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu den letzten großflächigen Banlieue-Krawallen 2023 oder den PSG-„Siegesfeiern“ und auch ein Mitgrund dafür, warum die großen Demos gegen die Teuerung von den Krawallen überschattet werden.


Unsere Arbeit ist spendenfinanziert – wir bitten um Unterstützung.

Folge TKP auf Telegram oder GETTR und abonniere unseren Newsletter.

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇



Sind die Unruhen in Frankreich gewollt?

Unruhen in Frankreich: Internet abschalten?

Frankreich: Jugendkrawalle treiben Le Pen nach oben

Teile diesen Artikel

2 Kommentare

  1. bribrei
    Antworten

    Ich nenne es das „organisierte Verbrechen“ – seit sich die EU als solches etabliert hat…

  2. alter Mann
    Antworten

    Testlauf zum Sammeln von Erfahrungen? Unsere franz. Kollegen sagen, es wäre sehr gut organisiert gewesen und auch im Vorfeld war es bereits absehbar.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann. Benutzer haften für den Inhalt ihrer Kommentare.

Entdecke mehr von tkp.at

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen