
Ukraine nimmt russische Raffinieren weiter ins Visier
Die ukrainischen Angriffe auf Russlands Energieinfrastruktur gehen weiter und sie destabilisieren die globale Wirtschaft zusätzlich.
Die Ölraffinerie Slavneft-YANOS im russischen Gebiet Jaroslawl, eine der fünf größten des Landes und in der Lage, 15 Millionen Tonnen Öl pro Jahr zu verarbeiten, soll in den frühen Morgenstunden des Samstags von ukrainischen Drohnen getroffen worden sein. Dies folgt auf den Bombenangriff auf die Raffinerie und den Hafen von Ust-Luga in der vergangenen Woche, der Spekulationen auslöste, dass russische Ölproduzenten bald höhere Gewalt (Force Majeure) erklären könnten. Kurz darauf kündigte Russland an, den Export von Benzin für unbestimmte Zeit zu verbieten.
Vor dem Hintergrund dieser Ereignisse hat Reuters berechnet, dass 40 Prozent der russischen Ölexportkapazität zum Erliegen gekommen sind – einschließlich der Auswirkungen früherer Angriffe auf andere russische Raffinerien. Auch wenn der Kreml diese Zahl nicht bestätigt hat, besteht kein Zweifel daran, dass diese regelmäßigen Angriffe die Exportkapazität Russlands zumindest in gewissem Maße verringert haben. Aus offizieller US-Sicht ist das besorgniserregend, da man sich von den russischen Exporten eine Linderung der globalen Energiekrise erhofft.
Genau aus diesem Grund hatte Finanzminister Scott Bessent die US-Sanktionen gegen den Kauf russischen Öls durch alle Länder vorübergehend ausgesetzt – zunächst für Indien –, doch die kombinierten ukrainischen Angriffe auf die Raffinerien erschweren diese Pläne erheblich. In der Folge könnte das globale Angebot weiter sinken, was zu anhaltenden Preisanstiegen führt. Diese würden die Preise insgesamt in die Höhe treiben, den Konsum weltweit drosseln und damit indirekt auch die US-Wirtschaft schwächen.
Zwar könnten die USA die globale Energiekrise zynischerweise verschärfen, weil sie kalkulieren, die systemischen Folgen durch einen Rückzug auf den amerikanischen Kontinent bewältigen zu können, während Afro-Eurasien destabilisiert und anschließend von den USA nach dem Prinzip „Teile und herrsche“ beherrscht wird. Auch wenn das möglich ist, scheint die Trump-2.0-Administration diese Option derzeit nicht zu bevorzugen, wie das vorübergehende Aussetzen der Sanktionen für den Kauf russischen Öls andeutet. Dennoch könnte sie sich flexibel auf ein solches Szenario einstellen, falls es eintritt.
Aus diesen Gründen ist es möglich, dass Trump und sein Team die jüngsten ukrainischen Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur nicht im Voraus genehmigt haben. In diesem Fall wären es unilaterale Entscheidungen Selenskyjs gewesen, die den zuvor beschriebenen US-Interessen zuwiderlaufen. Selenskyj könnte dann versucht haben, Trumps starke Fokussierung auf den „Dritten Golfkrieg“ auszunutzen, um die Einnahmequellen des Kremls weiter zu treffen, indem er die Energieexporte und damit die daraus resultierenden Haushaltseinnahmen Russlands verringert – in der Hoffnung, Moskau zu Zugeständnissen zu zwingen.
Während die USA Russland laut Außenminister Sergej Lawrow in einem kürzlichen Interview ebenfalls unter Druck setzen, „mehr Zugeständnisse zu machen“, ist es möglich, dass diese Angriffe nicht zu den von Washington vorgesehenen Mitteln gehören. Trump könnte Selenskyj tadeln und sogar bestrafen, falls dieser nicht aufhört. Die Strafe könnte darin bestehen, Waffenlieferungen an die NATO zur Weitergabe an die Ukraine auszusetzen, vor allem angesichts von Trumps scharfer Kritik am Bündnis in den letzten Tagen wegen dessen Weigerung, den USA bei der Öffnung der Straße von Hormus zu helfen.
Trump muss daher entscheiden, was wichtiger ist: dass die russischen Ölexporte zur Bewältigung der globalen Energiekrise beitragen oder dass die Ukraine den Druck auf Russland durch weitere Angriffe auf Raffinerien erhöht – auch wenn dies die Krise verschärft. Im ersten Fall müsste er Maßnahmen gegen Selenskyj ergreifen. Im zweiten Fall würde das darauf hindeuten, dass er der Kalkulation zuneigt, die Energiekrise bewusst eskalieren zu lassen, um einen globalen Reset herbeizuführen.
Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
Andrew Korybko ist ein in Moskau ansässiger amerikanischer politischer Analyst, der sich auf den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat. Er veröffentlicht auf Englisch auf seinem Substack-Blog. Auf Deutsch exklusiv bei TKP.
Französischer Ex-Präsident Hollande: Minsker Abkommen diente Aufrüstung der Ukraine
https://www.unser-mitteleuropa.com/105576
Der französische Ex-Präsident (2012 – 2017) François Hollande sprach nun erstmals offen aus:
Das sogenannte „Minsker Abkommen“ wäre für den Westen ein internationales Täuschungsmanöver zum Zwecke der nachhaltigen Aufrüstung der Ukraine gewesen – und zwar in einem Interview für die ukrainische Staatszeitung „Kyiv Independent“.
„Merkel hatte Recht“
Er bezog sich dabei auch auf die deutsche Ex-Kanzlerin: „Angela Merkel hatte Recht.“
Denn seit 2014 habe die Ukraine ihr militärisches Potenzial sukzessive gestärkt.
„Die ukrainische Armee ist in der Tat ganz anders als 2014.
Sie wurde besser ausgebildet und besser ausgerüstet.
Es ist das Verdienst der Minsker Vereinbarungen, dass Kiew eine solche Gelegenheit gegeben wurde.“ (Hollande)
Hollande zufolge wäre die geopolitische Situation nach 2014 nicht günstig für die Ukraine gewesen. Und auch der Westen brauchte eine Pause.
„Euromaidan“-Putsch 2013 – 14
Der Ukraine-Krieg hat aber seine Wurzeln im sogenannte „Euromaidan“ (ab 21. November 2013), in Wirklichkeit aber ein Putsch des Westens zur politischen Beeinflussung des Ukraine.
Russische Unabhängigkeits-Referenden
Ende September 2022 fanden durch Russland initiierte Referenden in den Volksrepubliken Donezk, Lugansk und den Regionen Herson und Saporischschje statt, wo eine überwältigende Mehrheit der Wähler den Anschluss an Russland unterstützte.
Daraufhin unterzeichneten Putin und regionale Führer im Kreml Abkommen über die Aufnahme neuer ukrainischer Gebiete an Russland.
„Spezielle Militäroperation“
Seit dem 24. Februar läuft in der Ukraine eine von Präsident Putin so bezeichnete „spezielle Militäroperation“.
Das Staatsoberhaupt nannte die Befreiung des Donbass und die Schaffung von Bedingungen, die die Sicherheit Russlands garantieren, sein oberstes Ziel.
Stellvertreterkrieg des Westens
Vor diesem Hintergrund unterstützen die USA und ihre Nato-Verbündeten mit Waffenlieferungen im Wert von mehreren zehn Milliarden Dollar Kiew.
Moskau hat wiederholt erklärt, dass westliche Waffenlieferungen den Konflikt nur verlängern werden und Waffenlieferungen zu einem legitimen Ziel für das russische Militär werden. ALLES LESEN !!
Bekanntermaßen tritt ein Lerneffekt bei vielen Politikbeschäftigten erst dann ein, wenn persönliche Betroffenheit besteht.
Von daher sollte man doch auch in der EU einmal prüfen, welche Szenarien sich in der Ukraine bei einem vollständigen ÖL- und Gasembargo ergeben. Herr Orban und Herr Fico stehen ihren ukrainischen Kollegen da gerne mit Rat und auch Tat beiseite.
Im Übrigen bin ich seit Jahren der Auffassung, dass auch politische Entscheidungsträger den in ihren Ländern gesetzlich verankerten üblichen Haftungsregelungen unterworfen sein sollten.