Altersverifikation in UK: Chaos bei Apple

30. März 2026von 2,4 Minuten Lesezeit

Im UK sieht man schon etwas früher, was die „Altersverifikation“ wirklich bedeutet. Wer keine Kreditkarte oder Scheckkarten-Führerschein hat, gilt für Apple als Kind. Sein Netz wird gefiltert und seine Nachrichten gescannt.

Nutzer ohne Kreditkarte oder Photocard-Führerschein werden plötzlich wie Kinder behandelt – mit gefiltertem Internet und gescannten Nachrichten.

Apple hat mit dem Update auf iOS 26.4 eine umfassende Altersverifikation für alle iPhone-Nutzer in Großbritannien eingeführt. Seit dem 24. März 2026 erscheint bei vielen nach einem Neustart der Hinweis „Bestätigen Sie, dass Sie 18+ sind“. Wer nicht sofort die geforderten Ausweisdokumente vorlegt, wird automatisch heruntergestuft.

Hier zeigt sich schon die Zukunft des Internets. Wer sich nicht ausweist, bekommt ein massiv zensiertes Internet: Apples Web-Content-Filter aktiviert sich, Browser blockieren Seiten und die Funktion „Communication Safety“ scannt Nachrichten und FaceTime auf Nacktheit.

Das Unternehmen hat die Maßnahme ohne Vorwarnung und ohne Erklärung in die stabile Version geschoben. In den offiziellen Release-Notes wurde die Altersprüfung nicht erwähnt. Viele der rund 35 Millionen britischen iPhone-Besitzer erfuhren erst durch den plötzlichen Prompt davon. Apple macht (wieder einmal) den Pionier. Wenn Hardware-Anbieter nachziehen, braucht es bald auch gar kein Gesetz mehr für eine Klarnamenpflicht. Sehr praktisch.

Reclaim the Net berichtet über die Folgen:

Besonders betroffen sind ältere Menschen und alle, die nicht in Apples enges Raster passen. Ein 67-jähriger pensionierter Lehrer, der seit 2009 Apple-Produkte nutzt, zahlt ausschließlich mit Debitkarte. Apple akzeptiert diese nicht. Sein iPhone filtert nun das Web und scannt seine Nachrichten. Ein anderer Nutzer mit einem 13 Jahre alten Apple-Account besitzt keinen gültigen Photocard-Führerschein mehr und keine Kreditkarte. Sein britischer Reisepass wird vom System abgelehnt. Eine 74-jährige Frau aus Edinburgh hat weder Pass, Führerschein noch Kreditkarte – für sie gibt es keinen Weg durch das System.

Auch ältere Papier-Führerscheine (vor 1998 ausgestellt) werden nicht erkannt. Menschen mit Behinderungen oder gesundheitlichen Einschränkungen, die kein Auto fahren und nicht reisen können, stehen ebenfalls vor einer Sackgasse. Apples Support-Dokumentation bietet keine Alternativen an.

Apple begründet die Maßnahme mit dem britischen Online Safety Act.

Aber wie schon oben erwähnt, stimmt diese Begründung nicht einmal. Stattdessen macht es den Doppelpass zwischen Politik und Big Tech sichtbar, die sich auf der medialen Theaterbühne gerne als Gegenspieler inszenieren. Das Gesetz verlangt keine geräteweite Altersprüfung auf Betriebssystem-Ebene – die Regelung richtet sich an Plattformen und Pornoseiten. Das Unternehmen ist freiwillig weitergegangen als gesetzlich vorgeschrieben und behauptet dennoch gegenüber den Nutzern, das Gesetz zwinge sie dazu.

Und Big Brother funktioniert nicht einmal besonders. Die technische Umsetzung ist zudem fehleranfällig: Viele Nutzer berichten von wiederholten fehlgeschlagenen Scans ohne Fehlermeldung. Wer automatische Updates aktiviert hatte – was Apple selbst empfiehlt –, hatte keine Chance, das Update abzulehnen, ohne auf Sicherheitsupdates zu verzichten.


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3 Kommentare

  1. lotus998dc2ac81f3 31. März 2026 um 2:05 Uhr - Antworten

    Begeht Apple hierdurch eigentlich Betrug oder Sachbeschädigung? Die Leute sollten Strafanzeige erstellen und natürlich ihr Geld zurückfordern.

  2. ibido 30. März 2026 um 19:56 Uhr - Antworten

    Na, dann hoffen wir mal, dass die Engländer wirklich so tief durchdrungen sind von ihrer Demokratie, wie sie immer tun. Und sie sich diese Entmündigung nicht gefallen lassen.

    Solange echte Vergew.ltiger, Gruppenvergewalti.er und Zuhält.r von Kindern/Jugendlichen vor Gericht nicht zur Verantwortung gezogen werden, Polizeibeamte betroffenen Mädchen nicht helfen, braucht mir sowieso niemand was von Schutz der Kinder erzählen (Grooming Gangs).

  3. 1150 30. März 2026 um 14:04 Uhr - Antworten

    bei lidl oder obi soll man ohne deren app’s produkte oder angebote auch nicht nutzen können,
    stimmt das? wenn ja, ist dies nicht diekriminierung und selektion?

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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