
Zweites Land finalisiert WHO-Austritt
Nach den USA ist auch Argentinien aus der WHO offiziell ausgetreten. Das Global-Governance-Modell, das die Welt unter Lockdown gesetzt hat, verliert an Boden, hat aber noch lange nicht verloren.
Am Dienstag ist Argentinien offiziell aus der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgetreten – genau ein Jahr nach der formellen Ankündigung. Außenminister Pablo Quirno bestätigte den Schritt per X: „Heute wird der Austritt Argentiniens aus der WHO wirksam.“ Präsident Javier Milei hatte die Entscheidung bereits 2025 angekündigt und damit ein klares Signal gesetzt: Argentinien will seine Gesundheitspolitik wieder selbst bestimmen und hat den wichtigsten Schritt dafür getan.
Die Regierung begründet den Austritt mit „tiefgreifenden Differenzen“, besonders kritisiert wird die Rolle der WHO bei der COVID-19-Pandemie. Sprecher Manuel Adorni sprach von der „längsten Einschließung der Menschheitsgeschichte“. Statt weiterer Vorgaben aus Genf setzt Buenos Aires künftig auf bilaterale Verträge und regionale Foren. Wichtig: Argentinien bleibt Mitglied der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation (PAHO). Damit bleiben Zugang zu günstigen Impfstoffen, Medikamenten und technischer Zusammenarbeit erhalten – nur ohne die zentrale Steuerung aus Genf.
Die USA hatten den gleichen Weg bereits im Januar 2026 beschritten. Unter der Trump-Administration beendeten Außenminister Marco Rubio und Gesundheitsminister RFK Jr. die Mitgliedschaft mit dem Verweis auf eine „aufgeblähte, ineffiziente“ Organisation. Washington setzt nun auf direkte bilaterale Gesundheitsabkommen.
Für die WHO sind die Folgen spürbar. Der Verlust der beiden Beitragszahler beschleunigt die Finanzkrise: Rund 500 Millionen Dollar US-Gelder fehlen, 1.200 Stellen wurden bereits gestrichen. Das im Mai 2025 verabschiedete Pandemie-Abkommen gilt als „nahezu tot“ – ohne die entscheidenden Annexe und ohne Ratifizierung durch die ausgetretenen Staaten kommt es kaum voran. Das sagt aktuell der WHO-Kritiker James Roguski. Er meint weiter:
„Jede Nation auf der Welt sollte dem Beispiel der Vereinigten Staaten und nun auch Argentiniens folgen. Sie sollten alle aus der WHO austreten. Die letzte geplante Sitzung zur Aushandlung des PABS-Anhangs zum Pandemievertrag findet vom 23. bis 28. März 2026 statt.“
Optimistische WHO-Kritiker sehen den Anfang vom Ende des post-1945-Modells globaler Gesundheitssteuerung. Ein Modell, das während der Pandemie weltweit Lockdowns koordinierte, Notfallverordnungen durchsetzte, Impfungen gegen eine Scheinseuche auf den Weg brachte und nationale Souveränität unterlief.
Aber das Spiel ist nicht vorbei: Die WHO plant weiterhin die Weltgesundheitsversammlung im Mai 2026, verhandelt neue Regelungen und sucht neue Finanzquellen. Gleichzeitig arbeitet man an der Koordinierung zur nächsten Pandemie. Das Global-Governance-Modell hat Risse bekommen – aber es steht noch.
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