
Führt US-israelischer Krieg gegen den Iran zu Hungersnot?
Die Folgen des illegalen Angriffskrieges gegen den Iran verschärfen eine sich ohnehin anbahnende Krise in der Nahrungsmittelsicherheit. Die Straße von Hormus ist die entscheidende Engstelle, durch die drei der zehn größten Harnstoff-Exportnationen ihre Produkte verschiffen müssen und sie ist blockiert. Damit kommen 35% der Weltproduktion nicht mehr zu den Kunden. Was sind die Folgen?
Es gibt mehrere bestehende Probleme wie der Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion in den westlichen Ländern aufgrund von Netto-Null-Maßnahmen, wie Besteuerung der Kühe (Dänemark), Enteignung von Landwirten (Holland), Verteuerung von Diesel-Treibstoff für Bauern und eine Lawine von Vorschriften und bürokratischen Hindernissen für Bauern durch die EU. Das hat bereits zu einem spürbaren Rückgang der Lebensmittelqualität und -vielfalt (z. B. in Frankreich bereits sichtbar) geführt.
Die Zerschlagung von Redundanzen in der Nahrungsmittelproduktion, insbesondere die Zerstörung kleiner landwirtschaftlicher Betriebe zugunsten großflächiger Betriebe und Agrarkonzerne, macht die Nahrungsmittelversorgungsketten äußerst anfällig für steigende Energie- und Düngemittelkosten.
Europa, das noch immer unter den Folgen der EU-Sanktionen gegen Russland leidet, betreibt seine Stickstoffproduktionsanlagen mit etwa 75 Prozent der Kapazität von vor 2022. Nun kommt noch die Einstellung der Lieferungen von Stickstoff-Kalium-Mischungen durch die Straße von Hormus hinzu.
China, der größte Düngemittelproduzent, reduziert seit 2021 seine Exporte um den Eigenbedarf decken zu können.
Drei Schocks gleichzeitig. Ein globales Ernährungssystem, das fast keinen Spielraum für Fehler hat.
Branchenanalysten schätzen, dass die Düngemittelpreise bis Mitte 2026 um weitere 15 bis 20 Prozent steigen könnten, sollten die Versorgungsengpässe anhalten. Kleinere Agrarwirtschaften, insbesondere in Afrika und Südasien, laufen Gefahr, vollständig vom Markt verdrängt zu werden.
Das Harnstoff-Mais-Verhältnis – ein Kennwert, der den Landwirten angibt, wie viele Scheffel Mais sie verkaufen müssen, um eine Tonne Dünger zu kaufen – ist auf den höchsten Stand seit Jahren gestiegen. Einfach ausgedrückt: Es kostet jetzt mehr Mais, den Dünger zu kaufen, der für den Maisanbau benötigt wird. Das ist eine strukturelle Falle, keine Marktschwankung.
Die Landwirte reagieren darauf mit einer Umstellung ihrer Anbauflächen. Analysten prognostizieren, dass in diesem Frühjahr in den USA bis zu 1,5 Millionen Acres von Mais auf Sojabohnen umgestellt werden könnten – Sojabohnen benötigen weniger Stickstoff. Die Maiserträge werden sinken. Die Maispreise werden steigen. Die Regale in den Lebensmittelgeschäften werden die Auswirkungen zu spüren bekommen.
Wer wird zuerst getroffen?
Die für die Krise verantwortlichen USA werden einen Schock verkraften müssen. Andere Länder werden eine Katastrophe verkraften müssen.
Indiens Düngemittelverbrauch stieg im Frühjahr 2025 um 14 Prozent. Die Nachfrage beschleunigt sich genau dann, wenn das Angebot schrumpft.
Subsahara-Afrika und Südasien sind die am stärksten betroffenen Regionen. Dies sind Volkswirtschaften, in denen Kleinbauern mit saisonal gekauften Betriebsmitteln arbeiten, ohne finanzielle Puffer, ohne Kreditlinien und ohne Ernteversicherung. Ein Anstieg der Düngemittelkosten um 20 Prozent bedeutet nicht nur ein schwierigeres Jahr. Es bedeutet eine Saison ohne Ernte.
Der aktuelle Stopp bei Stickstoff und Kalium durch den Irankrieg kann bedeuten, dass 2,1 Milliarden Menschen in kritischen Risikozonen leben.
Auswirkungen der Nahrungsmittel-Unsicherheit auf politische Verhältnisse
Forscher am New England Complex Systems Institute haben eine einzige Variable identifiziert, die mit beunruhigender Regelmäßigkeit vor großen Episoden ziviler Unruhen weltweit auftritt: Lebensmittelpreise, die eine Schwelle überschreiten, die Grundnahrungsmittel für die Armen unerschwinglich macht.
Wenn der FAO-Lebensmittelpreisindex über ein bestimmtes Niveau steigt, folgen Proteste. Der zeitliche Zusammenhang, über Länder und Jahrzehnte hinweg, ist kein Zufall.
In den Jahren 2007 und 2008 stiegen die Lebensmittelpreise weltweit sprunghaft an. Von Haiti über Bangladesch bis nach Mosambik brachen Unruhen aus. In Ägypten befahl Präsident Hosni Mubarak der Armee, Brot zu backen, um die Welle einzudämmen.
Drei Jahre später kehrte die Welle zurück. Zwischen 2010 und 2011 stiegen die Getreidepreise in Ägypten um 30 Prozent. Die Brotpreise stiegen um 37 Prozent. Die jährliche Lebensmittelpreisinflation erreichte 18,9 Prozent. Im Januar 2011 begann die ägyptische Revolution. Im Februar war Mubarak weg.
Ägyptens Geschichte mit Brot und Aufständen reicht tiefer. 1977 reduzierte Präsident Anwar Sadat unter dem Druck der Weltbank, die Lebensmittelsubventionen zu kürzen, die Unterstützung für die Brotpreise. Innerhalb von 48 Stunden waren Hunderttausende Ägypter auf den Straßen und griffen Geschäfte, Regierungsgebäude und Polizeistationen an. Mindestens 77 Menschen wurden getötet. Die Unruhen wurden erst beendet, als die Regierung versprach, die Subventionen wieder einzuführen.
Der Französischen Revolution von 1789 gingen Missernten im Jahr 1788 voraus, die die Brotpreise in die Höhe schnellen ließen. Den europäischen Umwälzungen von 1848 folgten die Missernten der Jahre 1845 und 1846. Das Muster ist nicht neu. Es ist uralt. Juvenal erkannte es bereits in Rom: Brot ist ein politisches Gut. Wer das Brot kontrolliert, kontrolliert die Bevölkerung. Wer das Brot verliert, verliert das Regime.
Es dauerte etwa drei Jahre, bis sich die Lebensmittelpreiskrise von 2007–2008 nennenswert stabilisierte – und diese Stabilisierung hing von günstigen Wetterbedingungen, politischen Eingriffen und einer Weltwirtschaft ab, die noch Spielraum hatte, um Schocks abzufedern.
Es dauert drei bis fünf Jahre, bis neue Düngemittelproduktionskapazitäten in großem Maßstab in Betrieb genommen werden können. Alternative Lieferanten – Russland, Kanada, Marokko – sehen sich mit eigenen Einschränkungen konfrontiert: Sanktionen, logistische Engpässe, Energiekosten und politische Unsicherheit. Eine Produktionssteigerung an anderen Orten wird die Lücke bis zur Anbausaison 2026 nicht schließen können.
Was kann man selbst tun?
Wie schon Alex Krainer empfahl: Vorbereitung und Organisation.
Auf Haushaltsebene: Legen Sie einen Vorrat an Trockenwaren an. Reis, Hülsenfrüchte, Hafer, proteinhaltige Konserven. Ein Vorrat an Grundnahrungsmitteln für drei Monate ist kein Überlebenswahn – es ist rationale Planung in einer Zeit sichtbarer systemischer Belastungen. Finden Sie heraus, welche Lebensmittel lokal produziert werden und welche von langen, anfälligen Lieferketten abhängig sind.
Auf Gemeindeebene: Lokale Lebensmittelnetzwerke, Gemeinschaftsgärten und städtische Landwirtschaftsgenossenschaften sind keine Hobbys.
Dagegen wurde früher schon mobil gemacht, weil private Kleingärten dem Klima schaden würden, da sie mehr CO2 produzieren.
Bild von Franck Barske auf Pixabay
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Auswirkung des Iran Krieges auf Produktion von Nahrungsmitteln – Gefahr einer Hungersnot?
Studie: Heimgarten ist Gefahr für Klima
Globaler Krieg gegen die Landwirtschaft
Beispiel Zucker: Wie die Ukraine Europas Landwirtschaft vernichtet
Wie oft wurde in den letzten Jahren diverse Prognosen gestellt, die nicht eingetroffen sind? Ich kann mich gut erinnern, daß nach Ausbruch des Ukrainekonflikts von namhaften Wirtschaftsexperten prognostiziert wurde, daß im Herbst 2022 die Regale der Supermärkte leer sein werden. Ist nicht eingetreten. Auch damals sind Spritpreise in die Höhe gegangen, gefolgt von Gas und Strom. Selbes passiert gerade wieder. Mag sein, daß diesmal eine wichtige Lieferkette unterbrochen ist und wenn es wirklich zur Krise kommt, dann leider nur in den oben genannten Regionen. Aber in Europa mag es vielleicht weniger geben, aber mehr als ein Murren wird es auch nicht werden. So wie man den schrittweisen Entzug der Grundrechte und der Freiheit hinnimmt, wird man auch den Rückgang guter Lebensmittel akzeptieren. Den ungesunden Junk wird es ja weiterhin geben, weil die Konzerne ohne Probleme weiter produzieren können.
Ein weiterer Versuch das Vermögen wieder zu den Reichen zu verschieben!
Wird für die städtische Bevölkerung nicht so einfach sein, sich selbst zu versorgen, dafür gibt es nicht genug Platz für Gemeinschaftsgärten etc. Als Gemüseproduzent würde es mich sogar freuen, wenn manche Menschen in Hungersnot geraten würden, dann würden sie vielleicht einmal erkennen, welche Arbeit dahinter steckt und vielleicht hinterfragen, ob es nicht besser gewesen wäre, früher schon Solidarische Landwirtschaften zu unterstützen, anstatt die Billigware von Konzernen im Supermarkt zu kaufen.
Vielleicht liege ich vollkommen falsch, was ich nicht hoffe, aber von diesen ganzen Inszenierungen, um uns davon abzulenken, was wirklich hinter der Bühne passiert, lasse ich mich nicht täuschen. Irgendwann reagiert man nicht mehr, wenn dauernd Feuer gerufen wird und es brennt nirgends. Ist natürlich blöd, wenn es dann einmal wirklich brennt.
bleibt ungeimpft,
David
Ich habe mich auch schon manchmal gefragt, ob tkp (und manche Kommentatoren) nicht genau das machen, was man in der C-Maßnahmenzeit der Regierung und den MSM vorgeworfen hat: Angst verbreiten.
Das fing schon nach Ende der C-Maßnahmen an, als man prophezeite, ab Herbst gebe es eine neue Plandemie und demnach einen Lockdown.
Und so sprunghaft wie behauptet, sind die Spritpreise bisher auch nicht gestiegen.
Wo soll eine Familie mit vielleicht 3 Kindern in einer kleinen Wohnung Lebensmittel für drei Monate lagern?
Wie Sie aber sagen: Ist natürlich blöd, wenn es dann einmal wirklich brennt.
Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das private Gärtnern (wieder) ins Visier der Globalisten und deren Vasallen geraten wird.
Wenn schon die Landwirtschaft sukzessive zugrunde gerichtet wird, darf doch die Selbstversorgung nicht mehr werden.